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Jüdische Rundschau · 1909-05-25 · Heft 22 (25.5.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 22. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 247. ■־* 1 l. t t 1 | J 4 sf . י׳ j-sjdhc eine» deutlichen Treibhauseliäraktcr. De»»!{1( Jen!!'•ר!'.' Ionische» Exile war man gerade/» «ystciii.insch an der Arbeit, Icdcm politische» Lebe» jic ExiMtftwnögliclikcIt zu unterKraben. Lsra־s Cclieiiisi.iat brauchte, weil in ei» thcokratisches jysic!» gezwängt, eine weltliche Urossinacht ak jslnitz und fand sie im ScJcucidcareieh t.11 ח ue־m die llasmim.'ier i» de» ülan/.taKeu v,,07! ״ das jüdische Volk von dieser Stütze befreite» und auf erneue» Füssen ncficn lehrten, war man durch 'he innere Zerklüftung und .durch das Über• I1.1ml0el.111c» von Parteien, die, den Staat innorierend, die Naumuhtät allein in der Religion festzuhalte» siielnco. bereits hundert Jahre später wieder so lierr• iiel» wut. dass ihr e»t»ervtcr Nachfahr Hyrkan II. sich •<* die Klientel einer fremden Macht flüchte» musste,!,asinal liiess Judas sclbst^erufencr Büttel: Koni. 1 > "ar nur ei» weiterer Schritt, wen» das jüdische ' »lh »1'ter des krüftijjen Herodes schwachem Nacht׳■!•.er Arehclaos im Jahre 6 v. Chr. selbst sei» l.aod iv :יו als Provinz hiimab. Nicht Vaterlandsverpur. 1 h> hebe Schwärmer, gleich stark im Olaube» wie sc.iw ich Im Denken, beugten vor Atigiistus Knie und Nacken und baten um die Fremdherrschaft. I ml n.!ו muss ihnen wenigstens opferwilllirc Konse- ׳ guc־.;: /״.clirniinien. Erkannte» sic den Staat, dessen j Wur/c >ie selbst durchselmittcn hatten, als unhaitj Iwr. swar sein Preislichen ihnen immerhin ein Opfer, .!nr ein Opfer zur grössere» Ehre Üottes, und das Nahen des messinniselicn Reiches war uni eine Nation beschleunigt. ן I c>:.111.׳altcn ist hei diesem flüchtigen Blicke über i eine! :;;::;mnJcrtjährigc Entwickelung, dass den Juden J im Ik1i;1.1iam!e eine grossere, in rechtlicher Sonderj stcllmu■!:)׳ende Bhsptirniiidenscliaft zur Seite stand. ׳ lhcs1.be \crlialf dnn jüdischen Volke insofern zu i emc: Ocviitiiinfichcii Machtstellung, »Is die Staat- I liehe /uitralc so mit ihren tausendfältige» Arme» j in d.m ׳•ehe 11 der stanzen Welt eingriff,, andrerseits, 1 w 1c;u einem Nervensystem, jeder Druck, der den ' Mcai'Uii versprengten Teil traf, im heimatlichen | Zciu״.;. und allen Zweige» mit vollster Heftigkeit j i!.tclv;nuie. ' k'.-m erkannte diese eigentümliche Macht des jiidiscliui Volkes auch nach seiner politischen Selbst- \ernu<:a!c vom ersten Tau« a» Kcnau, erkannte m;: k nein politischen Takt auch die Kräfte, die hihi• r.utw iekluiut — auf der schiefen Ebene — he• jtiimiiK». Seine politische Parole lautete daher, forJunau der rechtlichen Smulcrstelhum der Diasp״r,s ei.1u>vits, seliomnuisvolle Durchführung des Iku ' ..,!neiits möglichst unter Aufrechterhaltung { ae\ י?.; .s »|uo in Judäa andrerseits. Eine meister-!:,!».־. vluiiibar dureli gegenteilige Mittel in Szene uvset/te Nivelllerimgspolitik, die aucli durcligcsclil.u'eii wäre bei jedem Volke, das mit etwas erussuur innerer. Notwendigkeit sich selbst zur?trecke gebracht b itte als das Zionsvolk. ) I'ie-.es hatte alter vor dem Palle die Nationalität 1 im K1;lt und in der Wissenschaft geborgen »ml sich I dat! t e1!1v.1t tmvcrsicglichcn Born frisch quellender | V..':kskr.itt in die Vernichtung hiniibergorettet. Und ן «S k!/t bei der immittelbarc» Berührung der k<>n 1 rai c 11 Volksclcitiente sieh die Unmöglichkeit des pf׳rti Stehens eines staatlosen idealen Gottesreiches lict.Hi's'eÜie. da waren die programmassig gctreimtv:1. .1 feindiieheu jüdisciicii Parteien eins in der kv.t : gegen das Prcnide, da griffen sie zurück iiHu thalb der Grenzen strenger Sittlichkeit bc* v׳tgH-!1, entgingen ihre Vertraulichkeiten doch den׳ Scharfblicke des Hausherrn nicht; und da die* v ■eine Tochter für seinen schönsten Tuch• hall :1 hielt, den er nur um den höchsten Preis aa; n Mann zu bringen entschlossen war, er• י ihm Sebastian als ein viel zu armseliger Kauer. i־;r Hess diesen eines Tages zu sich bc* *di׳ den, und redete ihn also an: ״Mein Freund! idd;» ich dich in meinem Hause aufnahm, ve!!:autc ich dir meine Knaben an, und behielt cs stillschweigend vor, für meine Tochter M־hvr zu sorgen. Da ich aber zu meinem Leid* \\-*׳ i1 bemerke, dass du meine väterliche Sorg* Lh mit mir zu teilen dich berufen glaubst, er• 1111‘."׳• ich es als meine Pflicht, etwaigen schlim* im•!; Folgen bei Zeiten vorzubeugen. Seit sechs •Monaten bist du in meinem Hause, hier sind *weihundertundfünfzig Gulden als dein entfal* hiukr Lohn, und binnen drei Tagen kannst du wieder nach Pest, oder wohin es dir sonst bc* to'bi, reisen.“ Während dieser niederdonnernden An* Sprache fühlte sich Sebastian wie von einem Blitzstrahl gelähmt und erst nachdem bereits Herr Udler das Zimmer verlassen hatte, ver* suchte er einige Worte herzustottem. Was konnte er unter den obwaltenden Umständen in den Schatz des Nationalgutcs, den jeder in seinem Buse» mit sicli hermntrug, und holten aus der tiefen Begeisterung für die nationale Sache die Waffen hervor, die Rom anno 70 erzittern machten.׳— Nun war aber Jerusalem gefallen, der Tempel, das nationale Zentrum, zerstört; dass gleichwohl der nationale Kern nicht schwand, ist die Probe aufs Exempel: Die Transaktion des Volkslebens in das rein religiöse war gelungen. Unter dem Schutte trieb und drängte aber bald wieder warmes Volks• leben, das, amalgamlcrt mit dem tlieokratische» Schattcnlebcn, seinen kräftige» Ausdruck fand sozu* sagen in den Vorarbeiten für die mcssiauische Zeit. Das patriotische und religiöse Hochgefühl flammt« sofort »ach 70 wieder auf und lockte die neuen Makkabäer Schar um Schar in die freien Berge, die noch keines Römers Kuss zu betreten wagte. Aber -־־־ das war nicht mehr ,die Nation, die einst unter Juda Mukkahl gcfochto» hatte, das war ein zerrütteter Stamm mit hcruiitcrgcarbcitctcn Idealen, in dem in unklarer Weise die wilde. Leidenschaft nach dem seilistveruichtctcii Nationalstaate auflodcrte und aus ihm heraus dann die verzweifelten Banden schuf, die 50 Jahre lang im Laude wüteten unter der Devise: ״Gott allein ist Herr, der Tod gleichgültig, die Preiheit alles.*• Auf Uasscn und Märkten erstanden wiederum Propheten, Orakel wurden wohlfeil. Stumme beredt, Bünde hatten Visionen und alles kündete einmütig das mcssiaiiisclie Reich. Das schuf Leben, fieberndes!.eben — aber an Organ!- satimi. an ei» einheitliches Handeln dachte niemand mehr: die Wmulcrm.'imicr hatten gesprochen, di•: Insurgenten konnten toben. Eins war aber voraus- •Zusehen, dass, sobald ein überlegener Geist die willen Massen unter seinem starke» Kommando zu planmassiger, kräftiger Aktion zwingen konnte, dann ein Vernichtungskrieg ohnegleichen atisbreehe» musste; nicht ein Krieg zw ischen Macht und Macht um die Obergewalt, »■ttiirgemüss auch nicht so sehr ein Krieg um die Prcllieit als um die Vernichtung des Gegners auf judüisehem Boden. Jeder Vcrsöhnungs. versuch wurde daher von vornherein als todeswürdiges Verbrechen, als Verrat an der National- Sache verpönt. Ein weiteres Zusammenleben war eben einfach unmöglich. Und Man» und Tat kamen. Richtiger, zwei Männer kamen, Rabbi Akiha und Bnr Koclihn, in dem eine» der Organisator, in dem;;»deren der Feldherr. Der grosse Meister der Schrift plante nichts geringeres, als eine Erhebung aller .Inden, der palästinensischen sowohl wie der in der Diaspora. Seine Reisen führten ihn zwecks Propaganda und Organisation bis nach Gallien. Die ein•!seitliche Tat kam aber nicht zustande, Die Diasporajnden schlugen schon unter Trajan los, während man in Judäa erst fünfzehn Jahre nach deren Niederwcrfmtg so weit war, dass Rom sieh zum letzten Male vor die schwere Aufgabe gestellt sehen musste, seine Truppen gegen Judäa marschieren zu lassen. Zum letzten Male hatte sich das Jüdische Volk auf seinen: heimatliche» Bode» erhoben: die Schimmer der Abendsonne umspielten ein Volk, in seinem Falle »״eh so Mark, so stolz, so achtunggebietend, als könnte Cs seine Fittiche lösen zu!» Fluge dureli eine Ewigkeit. Ans de» von Leidenschaft durchwühlte» Unueritlninden war ein selbstbewusstes, begeisterles Volk geworden, »1141 an seiner Spitze stand Simon Bar Kochba, der Sterncnsoim, der Bringer himmlischer Hilfe. Was Wunder, dass das Volk in ihm den ersehnten Messias sah, da ja durch die Lbl:aite Sehnuucht nach ihm alle Volksschichten so fieberhaft erregt waren, dass seihst der grosse Akiha den Bar Kochba als den erwarteten Erlöser begrüsste, Wir haben aber kein Recht, anzunchincn, dass dieser selbst diese Rolle spielen wollte. Was uns — von - der Tradition ist abzusehen — seine Taten erzählen, widerstreitet dem. An eine Ofiensivc konnte natürlich nicht gedacht werden. Bedeutung konnten die Truppen Bar Kachbas Roms Heeresmassen gegenüber mir haben in Verbindung mit dem Lande. Und wenn cs je einem ßergvoikc gelungen ist, mit dem Boden zu verwurzeln und die heimatlichen Berge selbst in den Kampf zu führen gegen den Unterdrücker, so gelang es den Juden dieser Zeit. Nach uralt semitischer Weise wurde» in den höhlenreiehen Kalkgebirge» weite Gänge und unterirdische Guilcric» ebenso zu Waffen- und Vorratssammluiigcn, wie als eventuelle! Fluchtwege angelegt. Denn nicht ein Krieg grosser! Schlachten, sondern ein Kampf um jeden Schritt | Bodens stand bevor. Jeder Hügel war darum bej festigt, ,jeder Felsvorsprung .in eine Burg nmgcwandelt — das ganze Land c i 11 Kriegslagcr. Roms { Bcsatzuugstruppcn, unter dem Kommando des Tircius Rufus standen noch im Laude, als dieses bereits von Waffen starrte. Mit leichter Mühe wurden sic, trotz der Unterstützung durch den syrischen Statthalter Publicius Marcellus hinausgedrängt (I.J2). Die kurzsichtige Volksmasse jubelte; ein reines Wunder, wie schnell diese Römer liefen, und Juda war frei. Für das Volk wäre damit der Krieg zu Ende gewesen; und wäre Bar Kochba das' gewesen, wozu ihn namentlich die tendenziöse christliche Literatur verzerrt hat, ein mcssianischcr Schwindler, so hätte er jetzt allmählich versuchen müssen, seinen luftigen Ideen Gestalt zu gehen. Beredter als alte schrittliehen Zeugnisse — auch in der hebräischen Literatur schwankt er zwischen Wuudcrmamt, Schwindler und Schwärmer — sprechen seine wenigen uns bekannten Taten. Er muss eine bezwingende, allen weit überlegene Persönlichkeit gewesen sein, sonst hätte er das siegestrunkene Volk nicht nach dem ersten glückliehen Vorstoss uoeli Zusammenhalten könne״, wenn auch dahei der Umstand stark mitgesprochen halten wird, dass die gläubige Masse in ilun den Messias sali. Alter Tatsachen, wie die Kräftigung der Organisation, die ausgezeichnete I.andeshefestlgung, die Verbindung mit der See, die Sorge für die Finanzen u. u. m. tragen den Stempel einer durchaus gesunden, umsichtigen Politik, die auf Erden wirtschaftet und nicht auf den Wolken ihren Herrseliertliron errichtet. .Sind das die Taten eines Phantasten oder Schwindlers? Möglich ist eins, dass er nämlich die falschen Ideen, die über ihn im Volke spukten und die ilun bekannt sein mussten, nicht zu widerlegen suchte, sondern im Gegenteil durch abgeschlossenes Wesen und geheimes Tun absichtlich verstärkte, weil er darin die Oucllc seiner Macht sah. Den Kern seines Wesens und Tuns berührte diese Schwäche aber nicht, und es ist eine Ungerechtigkeit, ilun ein incssianistisches Scliw iiidlcrtum anziidichtcn. Kaiser Hadrian erkannte die Heftigkeit der jüdischen Krieger: aber obwohl Trupp auf Trupp gegen die Rebellen ausgesandt wurde — cs standen schliesslich beinahe vier Legionen im Felde, zu denen noch die syrische Flotte kommt — war doch nichts tun? F.s blieb ihm nichts übrig, als sein! Bündel zu schnüren, und er tat es auch. Er j war jedoch vorsichtig genug, das Haus erst I nach einer heimlich gepflogenen Unterredung I mit dem Gegenstände seiner Herzeusflannnc zu | verlassen. Das Resultat dieser Zusammenkunft war ein gegenseitiger Schwur ewiger, unver* brüchlicher Treue. Der eben erzählte Vorgang ereignete sich im Monat August des Jahres 1848, als das Ungarlaud eben in vollem Aufruhr war. Die übel beratenen Magyaren scharten sielt rebellisch zusammen, und bereiteten sich auf einen blutigen Kampf vor. Auch zu P . . s bildete sieh ein ziemlich zahlreicher Trupp von genannten ״Honweds“ und man trug unserm bastian eine Leutnants-Charge an, die er aber sschlug. ״Ich soll, sprach er, mein Blut ver• ritzen für einen Boden, der mich nicht,als!heimisch anerkennen will? Ich soll aus* ‘heit gegen den rechtmässigen Monarchen an r Seite von jenen, die mich niemals als Bruder trachteten, und mich aller Gleichhcitsrcchte turwidrig beraubten? Wollen die Ungarn ,va für die'Freiheit kämpfen? Wo ist eine Uion freier und ungebundener als die Un* m? Nein, für die Unterjochung anderer 511en sie streiten; und wehe den armen Israe• liten, wenn die Lhtgarn aus dein nächsten blutigen Kampf als Sieger hervorgehen! Wehe alsdann uns, wiewohl man uns heute so brüderlieh und so viclvcrhcissend die Hand reicht!•‘ Fs ist leicht zu begreifen, dass Sebastian zu jener aufgeregten Zeit mit solchen Gesinnungen nicht lange unter dem fanatisch wütenden Volkshnufen sich lebenssicher fühlte. Nur wundcrähnlichcn Zufällen verdankte er einige Mal seine Lebensrettung, und endlich sah er sich genötigt in dunkler Nacht zu entfliehen. Ohne einen bestimmten Plan für die nächste Zukunft, war cs ihm vor der Hand nur darum zu tun, den rasenden Magyaromanen auszuweichen. Er floh nach Wien. Kaum aber hier angelangt, fiel die Frage mit Bleiesschwere auf sein Herz: was nun anfangen? Was sollte er an einem fremden Orte, ohne Freunde, selbst ohne Bekannte und ohne Barschaft unternehmen, um ehrlich das Leben zu fristen? Während dieser, gewiss nicht ermutigenden, Reflexionen ergriff ihn noch ein anderer drückender Zweifel, der nämlich: ob er überhaupt recht gehandelt habe zu entfliehen? ״Kann mich ja doch — dachte er — nur das Kriegsglück meiner Johanna, in den Augen ihres Vaters, ebenbürtig machen 1 Hätte ich die mir angebotene Charge angenom*

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