Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Tunis 2× ep/1048155
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Dlcnstn«, den 1. J11»1I,!AL• Ulir: Dampferfahrt naeli Potsdam, Ahfalirl von der Wclitcmlanimer Brücke. (Billets für die Hin- und Rückfahrt pro Person 2 Mir, Hin- oder Riickiahrt-Dilicts allein, soweit Platz vorlianden,;1 1,50 Mk.) Oie Dampferfahrt wird voraus* sielitiicli in Sakrow unterbrochen und in der Meierei wieder aufgeiiommcu werden. Von Sakrow nach der Meierei Spazi-'rzamj mit besonderer Bcrlieksielitiziiiiz der landschaftlichen Sehenswürdigkeiten von Potsdam und Uinzcbiiug. Rückfahrt nach Berlin gCKcn 6 Uhr abends. Ankunft in Herlin etwa 10 Uhr. Mittwoch Ms Freitag: Drcitäzige Turafalirt nach Piigcn. Abfahrt: 2, Juni, II) Uhr 5U Min. vorm., Stettincr H.ilmliof, V lJiir die gesamten Veranstaltungen des Tarutag'es werden für jedermann Teilnelnnerliefte zum Preise von 4 Mark ansgegeben. hie Teiluelimerlieite bereeiitigen zum Besuch des Schauturnens (1. Rang), des offiziellen Kommerses, des volkstümlichen Turnens und der Spiele, der Tnrniagsverliandlunge״, soweit dieselben üffcfitlieh sind, sowie endlich zur Teilnahme an der Dampferpartie mich Potsdam. Ausserdem werden zum Schauturnen, zum offiziellen Kommers und zur Dampferpartie besondere Eintrittskarte» ausgcgeben. Die Teiincluiierhciie und die besonderen Hintrittskarte:! sind schon im voraus im Bureau der .!üdischeu Turnerschaft, Alevauderstrassc 3'1, 3, Ilof, Aufgang B, sowie von den Tnrnwarten des J. T. V. Cbarlottenbiirg und der Abteilungen des .1. T. V. Bar- Koehba vom 15. Mai ab zu beziehen. Die Hintrittskillten zum Schauturnen und zum Begriissungskommers sind ausserdem ’L Stunde vor Beginn dieser Veranstaltungen au den am Hingang der betreffenden Lokale befindlichen Kassen erhältlich. Die Billets für die Dampferfahrt nach Potsdam werden, worauf schon jetzt aufmerksam gemacht wird, nicht au der Ahgaugssteile des Dnmpicrs und ebensowenig auf dem Dampfer selbst verausgabt. Die Ausgabestelle dieser Billets wird und! ,bekannt gej geben werden. ' | * . Anlässlich des Turntages und des .lubiläums des j Bar-Kocldm wird eine l'estsolirüt erscheinen, welche [ au den voihezeielineten Stellen zum Preise von 5n Pf. zu beziehen ist. Im Hotel de liambourg wird vom .10. Mai abends bis 2, Juni eine Auskiiufisstelle zur Oriemierung der von auswärts erschienenen Teilnehmer dienen. * Die Anmeldungen um auswärts halten die Zahl von 100 bereits überschritten. Viele (laste werden in den Fan'iiieii der Berliner Turner Aufnahme finden. Xaeb den Berichten sind die liirncrisclicn Vorlieieitimgeii überall mit grösstem Hiier betrieben worden. Hast sämtliche Verlnmdsvcreiae' treten mit starken Riegen an. smlass das Schauturnen im Heeii- Palast ein seltenes Bild bieten wird. Besonders intcressaut werden stell die Wettkämpfe auf dem Halenscccr Spielplatz gestalten, für die zahlreiche Nennimgeii vorliegcn. Turnerforief aus Tunis Ohne die Übertreibung derer mitmachcn zu wollen, welche behaupten, der jiidiselie leil der tunesischen Bevölkerung sei in seiner grossen Mehrheit bleichsiielitig. muss man doch zngeben, dass das Bedürfnis nach kürperlicher l:rzich1mg, das die westliehen Juden seit einiger Zeit empfinden, sich noch dringender bei den tmiesiselien Juden *fühlbar macht. Diese konnten seit Jahrhunderten ihre Beweglichkeit nur im Handel entfalten, und so macht sieh nun um so zwingender das Verlangen bei ihnen geltend, sielt wieder Muskeln zu schaffen und jene körperliche (lestiiKlIieit wieder zu erreichen, ohne die die psychischen und physischen Halligkeiten des Mensciieu nicht erschöpfend ausgeimt/.t werden können. Niemand von den Beteiligten bat das bis zum Jahre 1W7 verstanden. Zu dieser Zeit, im September, taten sielt etwa 30 jüdische junge I-eutc zusammen, berieten dieses Thema und einigten sich darüber, dass die Zeit für die Oriiudung eines jüdischen Turn- Vereins günstig sei. Sie waren jedoch schon wieder im Begriff, den Plan fallen zu lassen, da es ilmcii unmöglich schien, sieh die notwendigen Hilfsmittel zu verschaffen, als Herr Dr. Seialom ihnen aus der Verlegenheit 11:111. Hr riet ihnen, — bis zu günstigere״ Zeiten — der ״Amicale des Anciens Hleves de!,Alliance" beizutreten, deren Präsident er ist, und dort eine ״Turnei־• Sektion" mit besonderem Reglement zu bilden. Der Vorschlag des Herrn Dr. Seialom wurde augenommen• und die ״Turner-Sektion der Amicale de l'Alliaiice” wurde alsbald aktiv, Herr ()״ziel erteilte ihr die Hrlatilmis, im Schulhoi der ’ Malta-Srirastras.se zu turnen. Als Lehrer wurden einige kompetente Mitglieder des ״Chm (i,\ :iiiiastiiiue Hraneais" berufen, Der ,,Club d>1:1nastiiiiie l'rancais" hat übrigens nie aufgehört, der Gruppe jüdischer Turner die kameradschaftlichst« Unterstützung zu gewähren. Hr hat die ersten Schritte der jungen ,.Alliance Sportjve" geleitet, und seitdem saul diese französischen und jüdischen Vcreine stets in den besten Beziehungen zu einander geblichen. . . . Man stellte also im Schulhofe einige Turngerätscliaften auf־ Reck. Trapez, Ringe, Barren etc. Aber besonders widmete man sich den Oemein- Übungen, der sogen, schwedischen Oy 111n a s t i k. Am 2, November 1007 war die Tunier- Sektion der A.A. H. A. schon imstande, sich au dem W e 11 111! 11 e n zu beteiligen, das die tunesischen und algerischen Vereine veranstalteten, Sic erhielt dabei einen Trostpreis. lut Hcbruar zählte die Sektion etwa 50 Mitglieder, legte sieh mm definitive Statuten bei und wurde unter dem Namen ״Alliance Spmtive" ein seihständiger Verein, dessen Hhmipräsidium Herr Dr. Seialom hcibehiclt, Hin geprüfter Turnlehrer übernahm den Unterrieht, der regelmässig dreimal wöchentlich stattfaml. mul zwar in dem grossen Saal des ״Club Qymnnstiipie Hrancais", Die ״Alliance Spnrtivc" stellte sieh als Ziel. ״M ii 11 n e r" z n bilde m Zu diesem Zwecke wollte sie die jüdischen jungen Heute, vom Cnfcliuus-Besucli und anderen ungesunden Zerstreuungen ahhringcii mul sie veranlassen, gemeinsehaitüeh an ihrer physischen Regeneration zu arbeiten. Um ihre Mitgliederseliaft Der Lieferant Novelle!fe aus den Ereignissen des Jahres 1848. Von L. Ii c r \v c t. ln einem Zimmer des Hotels /um ״weissen Ross" in Wien sehen wir ungefähr gegen vier Uhr m der Vrühc einen jungen Menschen, nachdenklich in halb sitzender, halb liegender Situation auf einem Sofa. Vor wenigen Sttmden war er auf der Eisenbahn aus Ungarn angekommen, und er befindet sich noch in seinem Reiseanzuge. Das zu seiner Aufnahme bcstimmte Bett ist von ihm unberührt geblieben. Seine Seele scheint von Gedanken wach gehalteil zu werden, die keinen Schlaf zulassen. Plötzlich springt er von seinem Sitze auf, schlägt die geballte Hand vor die Stirn und ruft iin kläglichen Tone: ״Was hab’ ich getan, ich Unglückseliger!" Nachdem er einige Mal im Zimmer auf* und abgerannt, bleibt er stehen, ringt die Hände und fährt im Selbstgespräche fort: ״Die einzige Gelegenheit, welche mir die Mittel bot mich an das Ziel meiner heissesten Wünsche zu bringen, warum floh ich sic? , Warum habe ich mir selbst den Weg verratnmelt?.Doch was sage ich? verrammelt? kann ich denn nicht umkehren? — kann ich denn nicht noch ...?" Er endigt den Salz nicht und nach wenigen Augenblicken ist er in der Vorhalle, sein heftiges Zerren an dem Glockenzuge führt alsbald den Kellner herbei. ״Wann geht das Dnmpfboot nach Pest?" fragte er diesen. ״Mit dem Schlage sechs Uhr," war die Antwort. ״Schicken Sie mir den Hauskncelit, damit er mir sogleich meinen Koffer an den Abfallrlsort bringe." Da wir diesen jungen Mann nach wenigen Stunden auf einem Dampfschifie sehen, das seinen raschen Lauf nach der grossen Ungarsladt verfolgt, wollen wir die Zeit benutzen, dem geehrien Leser eine nähere Auskunft über ihn zu geben. Sebastian — das ist der Name des jungen Mannes — ist der Sohn armer jüdischer Eltern aus P . . s in .Ungarn. Seine Neigung zum Studium weltlicher Wissenschaften liess ihn schon in seinem früheren Jugcndlcben manche Entbehrung willig ertragen, und lehrte ihn manches Hindernis mutig und beharrlich bei- Seite schaffen. Nach zurückgclegtcm Gymna- I siaMJn (erricht ging er nach Pest, wo er die medizinischen Studien mit ungcschwächtem Euer verfolgte, und nach mehrjährigen schwc* ren Kämpfen gelangte er endlich an die letzte Pforte, zu welcher ihm aber der Schlüssel fehlte־ ' zu verurössvr». liess sie Knaben vom h. l.elHrus j.'ilir an zu mul teillc sieh in 2 Sektionen: Clll' Sektion Erwachsener (Mitglieder vom!6. j;,],fc;״)) und eine Schiller-Sektion (Mitglieder von! \ j;1j)rc an). Diese letztere widmet sieh »«heit der liehen Gymnastik besonders den Hce 111. *u״n S e 11 i e s s ü Ini n tr e 11. Die imize ״Alliance Sportive" hatte bereits (jc. Icgeiihcit, sieh öffentlich zu zeigen. Im S\;,\ ־)לן^ 11:111111 sie an dem Sportfest teil, das in Bizeiu. :,n. lässlich der Handwirtseliafts-Museliiiicii-AnsNteiiim;׳ stattfand. Im September beteiligte sie sich am Wem bewarb der ״Ooulcttc", am 2. Mai d. J. war m!; tmt den andern tunesischen Vereinen bei de״ W״!!!. tätizkeitsiesten der ״Ariana" täliz, und ehe•!, nistet sich die Mämicr-Scktion für das Sportfest, 1l,!s |!!ן Laufe dieses Monats in Palermo stattfimlen s׳T. Da die Vercinsmittdicder zahlreicher;jev-rden sind (ungefähr 120). sind bereits 2 Hilfslshrcr emtaitiert worden. Die ״Alliance Sportive" ist mit der ״Uni•■;! 0es Societas de (lymnaslkine de l'rance" und!!j]tr ״Union de Oyinnastitpic d'Akerie et de Tunis:.■׳• verbriidert. Die tunesische Rcgierum׳ hat ihr iwrgaugene» Jahre eine Subvention von 5 1 ״ rcs. I bewilligt, mul in diesem Jahre hat der (jemein ierat ihr eine solche von 300 Eres, genehmigt. Das obligatorische Kostüm der indischen 'i irner ist kleidsam und in jeder Beziehung vorteilhaft Vor kurzem tauchte die Idee auf, 11: der ,. V;: nec Sportive" eine M ä d c 11 e 11 s e k t i n n zu gr.׳, .k:1. Dieser Gedanke hat sehr viel für sich und nacli bester Möglichkeit unterstützt werden, d׳.n; das .schöne Geschlecht in Tunis zeigt leider 111c;:r 0.. wicht als Elastizität. Man muss teststcileu, ,.,!«.s diese Korpulenz der einheimischen jüdischen i ׳ :.:eit eine betrübliche l"'״!gc zweier Ursachen ist, die ::;;m so viel wie nur irgend möglich beseitigen sollte: nue zu fette ITnährtmg und vor allem der oiieiil.ia. usc Mangel au körperlicher Bewegung. Gegen fehlende Bewegung will nun die ״Alliance Sp«. nutzbringend Vorgehen, und man kann sie dazu nur ermutigen. Der Präsident der ״Alliance Sportive", Herr ’ As Hezzis, begibt sich jetzt öilcrs zu der Sein:;, rsicher in des ״Alliance IsraClitc." um mit ihr 'une Pläne inhcziig auf die Bildung einer;011.1•. Sektion zu besprechen. Man darf wohl mit M.'arbeit amielimcn, dass L'rau Gncrmi einem l'rojek: >eneigt ist, dessen Ausführung zweifellos die i .*\ 1 Resultate zcitizeu würde. M. C. Bar Kocbba und seine Zeil Eine eijtwleklimgsgeschiebtliehe Ilctmchtuin:. Von Dr. H uze n T ä 11 b I c r. Innfzig Jahre nach dem vcspasi.iinsehen Kn. ec st.iiul Juda von neuem in Waffen zetten Rom.!.i: 1 Vcrzieich der beiden sich gegeiiüherstekeiHleii Mad ie lässt diese Tatsache fast imzlaiihlieh ersehe :neu. Was machte sie möglich? Rom und Juda in g!ci«.U־r Weise. — Die Regicrmigszcit des Hero'les, den die <1.׳• seiiiehte mit halbem Rceiit den Grossen nennt.!׳■.-• deutete ihr das jüdische Volk den letzten Akt si •ז• lieben Eizeitlebens. Schon in dieser Periode zG.!•: j er lmltc kein Geld, um das Rigorosuni zu I machen. An einem Markttage begegnete er zufällig Herrn Heller, einem wohlhabenden Tiiehliimdler aus seiner Heimat, dem er sein schwovs Leid klagte. ״Ich will dir, lieber Sebastian, einen freundschaftlichen Rat geben," sagte IluT Meller. ״Ich habe daheim zwei hoffnungsvolle Knaben, für die ich einen Hauslehrer suche, um! ich hin bereit dir ihre Erziehung zu übertragm. Nebst Quartier, Kost und sonst noch manchen Vorteilen erhallst du fünfhundert Gulden jäiir* lieh; somit bist du nach zwei Jahren in der an* genehmen Lage, dir das erwünschte Diplom nt verschalten.“ Sebastian fand in seiner gegenwärtigen Lage den Vorschlag seines Lands, inanncs annehmbar, er schlug ein, wiewohl c< nun schmerzlich fiel, das so glänzend geträumte Ziel wieder auf zwei lange Jahre hinausgerückt zu sehen. In dem Hause des Herrn Heller traf ih>1! aber das sehr menschliche Unglück, den seilenen Retzen Johanncns, der ältesten Tochter vom Hause nicht widerstehen zu können. Leider ging cs Johannen in Bezug auf den liebem• würdigen Hauslehrer nicht besser, und wenige ן Monate reichten hin zu einem Einverständnisse zwischen den jungen Leuten. Obschon sie sich