Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1909-05-25 · Heft 22 (25.5.1909) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651605-2651627--06411-2663499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1ו >fl«M Abonnomonta ml die wöchentlich tm Frei• 1a1> erscheinende ״Jildlscho Rundschau" kosten bei der rtprdilion und bei allen Post* imicrn vierteljährlich 1.25 M, «usscrhalb Deutschland» und OcstnrcIch.Ungarn» 2,— M; Idr Mitglieder Ifldlschcr Vcr•!,ne Im Sammclbctus durch den Verein I,— M. Verlas Jüdische Rundschau 1:. Q. m, b. II. Ileilln SW. M, Zlmmerstr. TT. •j.-vchiltsstundcis: 3 bis 7 Uhr ״.״•! s>nnabend u. Sonntag. - »•••••••mmmmmmmJ p ח 0־ Sii /, ׳ U U \J\zJ ' I 1 i u U *tmrnmmmmmmmmm mmmm% f A״soioon » Vollen für dlo llinlgeipaltcno { Pciiuello oder doren Raum 25 י l'fst.{ Slcllcn-Angeboic und 9 Qciuclio aowito Vcrclnimit• f ן •cilungcn u. ״Kleine Anzeigen J ■ nur 15 Plg. —-— — — v Manuskripte werden, wenn n Porto bclllcgt. »tcl» torfick• 4 ן geiandl. — Redaktionsschluss a ן Mittwoch mittags. fl > Redaktion JUdltcho Rundschau § Itcrlln-Clarloltenburg, 5 Olelbtrcutlr. 49. Tel. Ch. 9MI. > Sprechstunden Dienstag und _ Froliagt ll-l Uhr mittags. % _ 1 ׳v uesoscM OT.UPäO Nummer 22 Berlin, den 25. Mal 1909 — 5. Siwan 5669 XIV. Jahrgang ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.» Baseler Programm. Diese Nummer wird des Schebuoth Festes wegen bereits am Dienstag herausgegeben, während Nr. 23 wieder am nächsten " Freitag, dem 4. Juni 1009, erscheint. 4J/ Oft i.iiie jüdische Tagung von besonderer Art wird am Beginn der nächsten Woche in Berlin /usa: «nientreten, eine Tagung, deren Bedeutung nicht in der Grösse der Massen, deren Delc• giert.׳ zu Worte kommen werden, liegt, son« dem tu vier ideellen Kraft des von der Bewegung urk* 1 perten Gedankens. her jüdische Turngednnke, wie er von den zaltliviclu’ii Vereinen, fast in allen Ländern, wo Juden wohnen, propagiert und in die Tat umdest'!/t wird, wirkt heute durch unzählige Läden persönlicher oder gedanklicher Verbindüng (bewusst oder unbewusst) allüberall, wo jüdische Arbeit geleistet wird. Nordaus Parole vom ״Muskcljuclentum“ war eben ״ein rechtes Wort am rechten Ort“ und hat deshalb kräftigen Widerhall gefunden. So M!;d auch vielfach unabhängig von der zensrakn l unibewegung und fern dem Kulturkreis, in 1km sie erwachsen ist, auf Grund einer be* stimmten historischen Notwendigkeit jüdische Turn• und Sportvereine entstanden als natiirliehe hVaktion eines im Kerne gesunden Statnmes auf die durch äussere Umstände bedingic physische Entartung langer Jahrzehnte. Wir haben somit ein Recht, die jüdischen Ttiriui• in den Mauern der Reichshauptstadt bis Träger eines nlljüdischcn, zukunftsstarken Gedankens willkommen zu heissen. Mit diesem Willkommen aber verbinden wir den Wunsch, da» die Delegierten im Laufe der Vcrhandlungen >ich stets bewusst bleiben mögen, dass es sich hei dieser Tagung um mehr handelt, denn tun das Schicksal einiger verstreuter Vereine, und in diesem Sinne kleine Beschwerden und Kla .cn über Versäumtes hinter die umfangleid ich Aufgaben der Zukunft, die cs vorzube* reiten gilt, zurückstellen mögen. Wie sehr diese Bestrebungen im Sinne un-oros zionistischen Programms liegen, vors!eI1t sich nach dem Gesagten von selbst und ist eis! in neuerer Zeit von unserem Präsidenten eindeutig betont worden. Dennoch bleibt zu ‘,01'Vn, dass das Berliner Turnfest mit seinen zahlreichen propagandistischen Veranstaltungen recht vielen von uns den Weg von der •1 erzliehen Sympathie zu tätiger Mitarbeit weisen möge. Denn gerade von unserem Standpunkte wird hier ein Erziehungs* werk geleistet, durch welches unserer Jugend jüdische Ideale gegeben werden, deren Verwirklichung in späteren Jahren viele in politi* *eher Arbeit Schulter an Schulter mit uns erstreben werden. So hat die Turnerschaft schon Vf>r einem Jahrzehnt den Weg der Jugendc r z i c 11 u n g beschritten, der gerade in neuester Zeit von den allcrwcitcstcn Kreisen für überaus wichtig erachtet wird. Die jüdische Turnbewegung kann in diesen Tagen auf eine zehnjährige Arbeit zurückblicken, lin Laufe-dieser zehn Jahre sind Tausende durch die Schule ihrer Vereine gegangen, haben sich körperlich gekräftigt und zu Männern von aufrecht jüdischer Weltanschauung hcrangcbildet. Diese Arbeit hat auch bei denen, die sich mit der nationaljüdischen Tendenz der Turnerschaft nicht befreunden konn* ten, Anerkennung gefunden, so dass sich an ihrem Ehrentage alle, denen an einem Fortbcstand des Judentums überhaupt gelegen ist, als Freunde bekennen werden. Die Tagungen der Turnerschaft, die ihre Mitglieder beinahe alljährlich zusammenführten, waren jedesmal ein Markstein auf dem Wege der gesunden Entwicklung der Bewegung. Die erste Zusammenkunft führte unsere Turner 1903 nach Basel, zum Schauturnen vor unserem H e r z 1 und den Vertretern des jüdischen Volkswillens, die anlässlich des VI. Zionistenkongrosses dort versammelt waren, und schuf als Bleibendes auf dem I. Jüdischen Turn* tage den Verband. Dem dort .uifgestellten Leitsatz, der vor allem die nationale T ende n z der Verbandsvereine fcstlegte, ist man alle die Jahre hindurch, unbeirrt durch die Ratschläge der ״Praktischen“, die die propagandistischcn Vorteile einer ״breiteren Basis“ priesen, treu geblieben. Wie sich gezeigt hat, hat man gut daran getan. Denn auch die, welche damals beiseite standen, haben sich seitdem zum grössten Teil dem Bunde angcschlossen, und die Werbekraft seines Pro• gram ms hat sich noch immer bewährt. Damals wurde die ״Jüdische Turnzeitung, die in verhältnismässig kleinen Anfängen vom Berliner Verein ״Bar Kochba“ herausgegeben wurde, als Verbandsorgan übernommen. Dem II. Jüdischen Turntage, der zwei Jahre später in B c r 1 i n stattfand, war es vorbehalten, dem jungen Bunde eine feste organisa torische Grundlage zu geben. Der 111. Turntag führte die Turner nach W i e n. Gegenstand seiner Beratung waren in der Hauptsache die Möglichkeiten, die sich der Verbreitung des Turngedankens ausserhalb des deutschen Sprachgebietes bieten. Hier war wiederum eine grosse Anzahl von Turnen! zusammengekommen, die an den Beratungen nicht teilnahmen, sondern in einer Vorturnerstunde Gelegenheit hatten, ihre turne* rischen Erfahrungen auszutauschen und dann in einem ersten Verbandsschauturnen Schulter an Schulter in gemeinsamer turnerischer Arbeit vor die Oefientlichkeit zu treten. Pfingsten 1903 führte die Turner in Köln am Rhein zu einer Vorturnerstunde zu• sammen, die den beteiligten Vereinen eine Fülle turnerischer Anregungen bot. Dem Berliner Verein wird es nun zufallen, seinen auswärti• gen Freunden die brüderliche Gastfreundschaft, die sic in Wien und Köln genossen haben, zu entgelten und die freundschaftlichen Bande, die die früheren Tagungen geknüpft haben, zu festigen. Gerade diese Fühlungnahme ist ge• eignet, den Einheltsgcdanken der Bewegung zu stärken. In das jüdische Leben Berlins aber werden die Darbietungen des Schau- und Wctt-Turncns einen Zug lebensvoller Frische bringen. Und wer gewohnt ist, jüdischen Dingen in opfervoller Tätigkeit seine Kraft zu widmen, der wird aus dem Anblick jüdischer Kraft und Gewandtheit und jüdischen Frohmuts neue Lust zu weitcrer Arbeit schöpfen. So mögen die ernsten Beratungen, die frohen Feste, die turnerischen Vorführungen und das {finke Spiel allen, die sie vorbereitet haben und denen, die tätig daran beteiligt sind, Befriedigung gewähren, und vor allem möge der Berliner Turntag den auswärtigen Turnern in lieber Erinnerung bleiben und sie zu neuer Arbeit für ihr Volkstum anspornen! Die Aufgaben, die der Turnerschaft zufallen im Rahmen der jüdischen Renaissance, die sich in unseren Tagen anbalmt, sind gross und bedeutsam. In den kommenden Jahren harren ihrer auch in dem Lande der jüdisehen Zukunft wichtige Arbeiten. Aber fast noch wichigcr als diese Arbeit nach aussen ist, dass die Organisation in allen ihren Teilen gesund bleibt, und dass an eine jede Stelle die richtige und befähigte Kraft gestellt wird. Ferner aber auch, dass der Leitung die für eine erspriesslichc Arbeit nötigen Mittel gewährt werden. Gerade in diesen Fragen wird sich der oft gezeigte Opfermut der Turner zu bewähren haben. Dann wird der IV. Jüdische Tumtag, der in eine Zeit grosser Möglichkeiten fällt, frucht• bare Arbeiten für die jüdische Tumsache und das gesamte Judentum einleiten I * Programm des Turnlagcs Sonnabend, den 29. Mal, abends Mi Ultr: Zwanglose Bcgriissung der bereits cingctroffencn Delcgierten und Turner. Lokal: Hotel de Hambourg, Hciligegciststr. 17/18. Sonntag, den 30, Mat (PUnghtsountas), trtth 9 Uhr: Sitzung der Obmanuscbait und eventuelle Vorbcsprccliungcn. Lokal: Hotel de Hambourg. 1114—2 Uhr pnizise: Generalprobe zum Schauturnen. 2Vjt Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen iin Hotel de Hambourg. 5—714 Uhr Schauturnen Im PccmPalast. Entree Mk. 1,50 und 1,00. Abends 9 Uhr: Offizieller Kommers (mit künst- Icrischcu und turnerischen Darbietungen) zur Begrüssung des IV. Jüdischen Turntages und zur Feier des lOjliiirigcn Stiftungsfestes des Jüdischen Turnvcr* eins Bar-Kochbn-Bcrlin. Lokal: Grosser Saal des Berliner Lchrcrvcrcins, Alexanderstrasse 40. (Entrco 1,50 Mk., im Vorverkauf 1,00 Mk.) Montag, den 31, Mal, 9—12 Uhr: Vorturnerstunde, Spielplatz des Bar-Kochba, Qruncwald, Franzensbader Garten, Hnbcrtusallcc (erreichbar vom Balmhof Halcnscc in 10 Minuten). 10—12 Uhr: Volkstümliches Turnen und Spiele. 142 Uhr: Gemeinsames Mittagessen Im Hotel do Hambourg. 4 Uhr: Beginn der Turntagsvcrhnudlungcn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.