Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 231. ticrend, woher den» zahllose Verwirrungen, zahllose Inkonsequenzen seine Entschlüsse schwächte». Stolz und reizbar, selbst hochmütig und von der Orüsso seines Wertes zu sehr durchdrungen, war er »ach mul »ach exklusiv »ml intolerant geworden, was ihn zu verhängnisvollen Hehlern verleitet hat. Der beschränkte Horizont seiner Ideen hatte ihn zum Vertreter einer stationären Politik bestimmt. Er war ein Fürsprecher des Konservatismus, der Ruhe, ein unerschütterlicher I.eiter der friedliche» Politik gewesen. Aber als Autokrat von kleinen Gesichts• punkten war er nicht der Mann, dem die Jungtilrken die Ausführung■ ihres weitausschauenden Programms hätten anvcrtrnucii können, Der Mann, der Midlials Verfassung konfiszierte, das erste Parlament auflüste, jede Spur der Erinnerung au diese Verfassung zn tilgen suchte, der Mann, welcher sich als die Inkarnation des Absolutismus betrachtete, war nicht geeignet, auf seine alten Jahre der Uannerträger einer neuen Zelt zu werden. . . . Wir schämen uns unserer Anerkennung und uu• scrcr Hoffnungen nicht, wenn wir an die Anfänge unserer Bewegung ztirilckdcnke». Denn in der Majestät eines Regierenden feierten wir nicht ein nutokrntischcs System, nicht die Willkür einer Herr• schaff, nicht die rückständigen Methoden einer Verwaltung, sondern das Gegenteil von all dem: die Aussichten auf Rechtsverhältnisse, auf freiheitliche Einrichtungen und auf eine bessere Ordnung in jenem Teil des osmanischen Gcsamtrcichs., der uns angcht. Was die Jmigtfirkcu für das ganze türkische Reich erstrebt und erkämpft habe», das Wesentliche daran: die Sicherheit des Eigentums, die Freiheit der Person, die Arbcitsnioglichkcit, die fortsehrittliche kulturelle Entwicklung haben wir schon früher, frei• lieh ohne Kampf und ohne Machtmittel, wie sic die Jungtürken besitzen, aut friedlichem Wege, mit all unsern materiellen und moralischen Kräften für Pa• lästina erstrebt. Und so oft cs «ns schien, dass wir ein williges Ohr fänden, regten sich in uns natürlicherweise die Gefühle höchster Begeisterung. Unsere Huldigungen galten dem edlen o s in a 11 isc 11 cn Volke in der Person seines Herrschers, der, obgleich Alttiirkc und konscr• vativ, das traditionelle Wohlwollen seiner Vorgänger für unser V o 11׳ mehrfach zum Ausdruck brachte. Wir haben nicht viele Freunde in der Welt und noch weniger unter den Mächtigen dieser Welt. Wir sind ein dankbares Volk. Wir schätzen ü;c Zeichen milder Liehe, die so seltenen Actisscnmgcn tiefer Barmherzigkeit, mul cs war weder duckmäuserisch noch pompös, wenn wir diese Beweise des Fcsthaltcns an den grossen Tra ditioneti Mohammeds 11. mit au/richtiger Ergebenheit erneuerten. An den Guten denken wir noch jetzt liebevoll. Aber was uns nicht vorwärts kommen Hess, war das alte System, oder richtiger die Systemlosigkeit. die Laune. Diejenigen, welche mit dem alten Regime unterhandelten, hatten mit unter die Empfindung, als 01» sic am Schleier der Penelope webten, oder eine Sisyphusarbeit zu ver Tichtcn hätten, aber sie Hessen sich nicht entmutigen. Sic standen unentwegt zur Türkei, auch als die Türkei noch ein ״Sklavcnhaus" war, in der Hoffnung, in diesem ״Sklnvcnhaus“ einen hellen und freien Winkel zu schaffen, aus dem Lieht, Ordnung und Wohlstand für das ganze Haus ausstrahlcn würden. . Die endgültige Niederlage dieses Regimes und die Thronbesteigung des konstitutionellen Monarchen Mohammed V. bedeuten deshalb einen g 1 ü c k v e r - heissenden Wendepunkt in der Ge* schichte des Zionismus. Was ein rcaklionärcr Selbstherrscher nur momentan zu begünstigen versprach, und was er nach seiner ganzen launen• haften, zögernden und inkonsequenten Art nicht aus• zuführen vermochte, wird hoffentlich durch eine freie Regierung und durch einen in den Bahnen der Verfassung wandelnden Herrscher zur Ausführung gebracht werde» können. Kein Land Ist mehr geeig* net als Palästina, die Vorzüge einer freien Regierung hervortreten zu lassen und In den Forderungen, welche cs an die Pioniere der Ziviisatlon stellt, zu• deich ein Prüfstein für ihre Kraft, Geschick, Mut und Ausdauer zu werden. Kein Land als dieses arme, aber schöne Palästina wird dann aber auch so tief die Ser :,»geil empfinden, welche von tatkräftigen Mänr.. ausgehen werden, die Ins Land als nationale Juden und irolc Staatsangchörige des Os manenreich cs zu kommen bereit sind. . . . JUEDISCHE RUNDSCHAU den Aufgaben und die notwendigen Vorbereituiigen, die infolge der cingetrctcncn unvorausgesehenen Ereignisse einen Aufschub erleiden mussten, in Erwägung gezogen hat, bejschlossen, de ei IX. Kongress im Laufe des diesjährigen Dezember abz u 11 alte n. Der genaue Termin und der Ort des Kongresses werden noch bekanntgegeben werden. Um Missverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, dass die W a 111 e 11 z tt 111 IX. Kongress selbstverständlich auf der Grundlage der diesjUltrigen Schekelzahhmg (iür das zwölfte Kongressjahr, 5669) stattfiudeu werden. Da das Sehekcljahr am 3t). Juni abläuft, sind die Sehckclsammltmgen ebenfalls zu diesem Termitte abzuschlicsäcn. Näheres über den Wahltcrmln, den Wahlmodtis usw, wird baldigst bekanntgegeben werden. Köln, den 5. Mal 1909. Das Aktionskomitee. ausdrück lieh Prof. Dr. War- und J, Berger als unternom- Richtlinien 1909) von den deutschen Zionisten folgende Betr״* aufgebracht worden sind; ***' Jüdischer Nationalfonds, einschliesslich Olbaumspcndc, ca. ן^( Palästiiia-liidnstric-Syndikat.39 ihm! * Palcstinc Land Development Co., ca. . . 21000־ " Zeichnungen für die Tcrraiogcscllschaft " Haifa. Wt Palästiim-Pflanzungsvcrein 0000 ” Parteifonds . ..250*0 " II 1750״ ׳» M׳k, Zu diesen Beträgen treten natürlich noch die ein. gegangenen Schckclgcldcr und Landesbeiträge sowie die Sammlungen für den Bczalcl. die Misraelüsbscho Mittelschule, das Hebräische Gynaslum und sonstige palästinensische Unternehmungen .... Diese Uc. träge machen zusammen ebenfalls etwa *W«0«״ Mk. aus. Die etwa 6000 deutschen Zionisten haben s.,mu in den letzten 1- Jahren für zionistische Zwecke ca. 215 000 Mk. aufgebracht. Mit freundlichen» Zionsgruss Zionistische Vereinigung für Deutschland Abteilung Nutlonallonds. fgez.) Professor L c w i n. (gcz.) Dr. F r i e d e:! ZIONISTISCHE BEWEGUNG Der IX. Kongress Im Hinblick auf das allgemein empfundene und berechtigte Bestreben, die Arbeiten des bevorstehenden Kongresses mit den realen und vollständig geklärten Verhältnissen 4m Orient in Einklang zu bringen, hat das E. A. C., nachdem cs die ihm in dieser Beziehung obliegen- Sitzung des Engeren Aktionskomitees Am Sonntag, dem 2. Mai, fand in Köln cino Sitzung des Engeren Aktions-Komitees statt. Zu* gegen waren die Herren: David Wol ff sollt», Präsident; I. 11. Kann. Haag, bürg, Berlin, N. S 0 k 010 w Protokollführer. Es fand eine eingehende Beratung über die polltische Lage statt. Die Besprechung, die sich auf die letzten Entwickelungen aui diesem Gebiet erstreckte, ergab eine Reihe zcitgemüsscr Anregungen, die sich an die früheren diesbezüglich gefassten Be- Schlüsse knüpfen. Im Zusammenhang mit diesen Fragen wurde das Problem der Information durch die Presse griindlicu behandelt, »her die in dieser Beziehung menen Schritte Bericht erstattet und die für die weitere Tätigkeit festgesetzt. Bezüglich des IX. Kongresses wurde der in voriger Nummer bereits mitgctciltc und oben in der offiziellen Bekanntmachung ‘יי--« י‘ יgefasst. Eingehend beiasste sich die Sitzung mit der Bespreclumg palästinischer Angelegenheiten! die diesbezüglichen Beschlüsse wurden bis zur dcmnächstigc» Anwesenheit des Leiters des Palästinaamtes, der in» Laufe dieses Monats In Deutschland sein wird, ausgesetzt. Auch die Frage der Ausgestaltung der Kölner Bureaus wurde des langem behandelt und insbesondere Bestimmungen über den Ausbau des Inlormatioiisrcssorts und des Archivs des Zcnlralburcaus getroffen. Die bisherigen Eriolgc der Propagandatätigkeit für den Verkauf von Aktien unserer Banken wurden zur Kenntnis genommen und beschlossen, an dio Landeäorganisationci» und Föderationen mit einem dringlichen Aufruf zur energischen Mitarbeit bei dieser Aktion heranzutreten. In Anwesenheit des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, Herrn Dr. M, Bodenheimer, wurden verschiedene Fragen des Nationalfonds besprochen. Insbesondere gelangte die Frage des Verhältnisses der Oclbaiimspendo zum Jüdischen Nationalfonds zu einer eingehenden Aussprache. Jüdischer NnlionaUonds Das Haupthurcau des ״Jüdischen N’ationalfonds“ veröffentlicht in der letzten Nummer der ״Welt'* folgende Znschrih der Nationalfondskommission fiir Deutschland: Bcrlin-Clmrlottcnburg, den 30, April 1909. Bfelbtrcustrasse 49. An das Hauptbüro au des Jüdischen Natioiinlfonds Köln a. Rh. In Ihrer Statistik über die NationaHondsoingüngo im 1. Vierteljahr 1909 erwähnen Sic, dass die Eingüngc aus Deutschland gegen den gleichen Zeitraum im Jahre 190S einen Rückgang aufweisen und ziehen hieraus den Schluss, dass hier eine mangelnde Propagntida Ihr den Jüdischen Nntionalfands vorilcgc, die beseitigt werden müsse. Wir bedauern nun natürlich selbst auf das lebhafteste, dass die Nationalfondscingängo gefallen sind, können aber die Schlüsse, die Sie hieraus ziehen, nicht anerkennen. Der Rückgang ist nur ein zufälliger, denn wenn man ein Bild über die Sammeltätigkeit• für zionistische Zwecke, wio sic von den deutschen Zionisten geübt wird, bekommen und daraus Schlüsse ziehen wül, so muss man alle Sammlungen für zionistische Zwecke zusammenfassen. Eine solche Zusammen- Stellung ergibt nun, dass seit dem VIU. Kongress, also ln VA Jahren (vom Oktober 1907 bis April n. Zu diesen Ausführungen der deutschen N;.: ua!. fondskommission macht das Haupthurau folgende Be. »nerkungen: Die Leistungen der deutschen Organisati«:: :!ir die verschiedenen palästinischen und Partei.»":.»:, tioncu wissen wir sehr wohl zu würdigen, alle;;! cs muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Beiträge fiir die palästinischen Unternehmungen und Ins. besondere für den Parteifonds doch in erster!.!nie von verhältnismässig w c n i ge 11, vermögenderen Zionisten licrrührcn. Demgegenüber werden <;,c Spenden für den Natinualfonds in den meisten!..!n• dem im grossen und ganzen von dem jüdischen Mittelstand und den ärmeren Vol'.s. kreisen aufgebracht. Gerade in dieser Ricät«1;g lässt mm die Propaganda und Organisation des tionnlfonds in Deutschland leider sehr viel zu v i.nselten übrig. Es ist unbestreitbar, dass bcispiclsw viw die Organisation der Büchsen- und Bogeiisotmnlmuen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, wie Oesterreich, Russland. Nordamerika noch s.i.r im argen liegt. Auch in vielen grosseren Orten mul selbst dort, wo bereits zionistische Ortsgruppen hestehen, gibt cs noch immer keine besonderen N1• tionalfondskommissärc, die eine plamn.'isslgc Arbeit fiir den Nationalfonds durch Verteilung und Evidenzhaltung der verschiedenen?ammeimittel in Aitsnif nehmen. Die Bestellung besonderer NationalfomU. kommissinnen bezw. .Kommissäre in Jedem Orte des Landes, wo Juden wohnen, ist bekanntlich durch Be- Schluss des VII. Zionistenkongresses einer jcuct» Laiulcszcntrale zur Pflicht gemacht worden. Wir sind überzeugt, dass bei der Leistimgsiäk.g• keit der deutschen Juden gerade hier eine plan- »lässige Organisation und Propaganda die Eingänge fiir den Nationalfonds in kurzer Zeit derart steig«, m würde, dass die deutschen Zionisten auch in bezug auf den N'ationalfonds allen anderen fgimlsmmmschatten voraugingen. Woran es in Deutschland u. E. bis jetzt mangelt, ist, dass liier, nicht »tc :1 anderen Ländern, sowohl in der Zentrale wie in den Ortsgruppen mit den Agenden des Nationah’oiiJs besondere Funktionäre betraut werden, welche sieh diesen Aufgaben ausschliesslich widmen. Es wäre zu wünschen, dass diejenigen verdienten deutschen Gesinnungsgenossen, die in so opferwilliger Weise ihre bewährten Kräfte in den Dienst des Nationalfonds stellen, von anderweitigen Funktionen entlastet würden. Durch eine derartige Reorganisation würde sielt ohne Zweifel recht bald ein beträchtlicher Aufschwung inbezug auf den Nationalfonds bc:1;e׳k• bar machen. Die Nationnlfondskommlssion der Z. V. f. D. b> merkt ihrerseits dazu, dass die Ausführungen des Hauptburcaus des J. N.-P. recht beachtenswert s'nJ und bittet ihre Vertrauensmänner dringend, die Pr paganda und die Sammlungen für den ״J. N.-F.'* mit erhöhtem Eifer zu betreibe»». Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig. Iür Deutschland In» ersten Monat der Agitation für dio Augio Palcstinc Company vom 26. März bis 26. April sind St. 450 Aktien U L. M. 2׳L*ü das Stück in Deutschland verkauft worden. Wir bitten die Gesinnungsgenossen dringend, Ule Agitation eitrigst fortzusetzen, Die Aktien können durch unser Bureau, Bcrlin-Charlottcnburg. Blcibtrcustr. •19. sowie durch das Bankhaus A. H. Heymann & O. Berlin N. W. 7. Unter den Linden 59. bezogen wer* den. Den für die Propaganda hcrgcstclltcn Pr׳»• spekt «der Anglo Palcstinc Co. erhalten die Ortsgruppen und Vertrauensmänner auf Wunsch In heliebiger Anzahl gratis. דימויי