Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite '22S. JUEDISCHÜ RUNDSCHAU Israelitische» (kmebidebuiidcs und des Verbandes der Deutschen Juden um eine Reform des preußischen Judengesetzes von JS17. Sic ersucht den Xf. Deutseh-lsraclitischcn Oemcludetug folgende Abänderungen des Entwurfes zu beschlossen: 1. Obligatorische Gültigkeit des a 11 g c ui e i 11 c n. g I c I e h c 11. direkten. « c II cf in cn P ropo rtiu 11 a I wah I rechts für alle Wahlen bei Aufhebung aller Wablbcschränkun- «en, soweit sic nicht im § 3 des Wahlgesetzes für den Deutschen Reichstag vom ,11. V.!809 enthalten sind. 2. Direkte W a 111 der Mitglieder der P r o v i» z i u l g e 111 e i n d e t a g e und des Landesgcmcindctagcs durch die (Icmciudciuitglicdcr. 3. 13csc i tiguii g der Staatsaufsicht über die Jüdischen S e 1 b s t v c r w a I ־ III n g s!> c 116 r d c n, sowie der StuatskontroJIc hei Prüfungen der Rabbiner und Religjonslclircr sowie der Lehr- und Lesebücher. 4. Gesetzliche Festlegung ausreichender Rcclito für die Rabbiner und Lehrer. Sic fordert den geschäftsführeiidc» Ausschuss des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf, die notwendigen Massnahmen zwecks entsprechender Änderung des Entwurfes zu ergreifen. א AUS ALLSR W€LT■« Deutschland Der ״Pull Dloeh", über den wir bereits mehrfach berichteten, scheint eine neue Wendung zu nehmen. Bekanntlich hatte der Wachtmeister K ticke, weicher in der ersten Verhandlung zugunsten des Rittmeisters aussagte, unter seinem Eide versichert, dass er von dem verstorbenen Einiiihrigcu niemals Geschenke erhalten habe. Bloclis Vater hat nun im Gegensatz hierzu seine Behauptung, dass dies in mehr denn einem Pali geschehen sei, eidlich hckräftigt, infolgedessen wurde der Wachtmeister Kucke am vorigen Donnerstag unter dem dringenden Verdacht des Meineides verhaltet. Wie erinnerlich, war es gerade die Erau Wachtmeister, die an der sittlichen Führung des Verstorbenen eine vernichtende Kritik geübt mul sein Benehmen als ״geradezu flcgclliait“ bezeichnet hatte. Diese neueste Wendung der Angelegenheit wird den Verlauf der zweiten Vcrhamllmig gegen den Grafen von Oersdorf, welche am 14. d. M. in Mülhausen stattfindca wird, beeinflussen müssen und dürfte zu einer erheblichen Korrektur des• erstinstanzlichen Urteils, weiches bekanntlich mir auf zwei 1’agc Stubenarrest lautete, führen. Die allgemein gehaltene antisemitische Beschlmpfuiig. welche sieli im ersten Prozess der Kriegsgericlitsrnt Walther als Vertreter der Anklage leistete: ״Doc 11 wir hraueben cs uns nicht zu verhehlen, dass nach unserer allgemeinen deutschen Auffassung die |iidisehe Abstammung noch nie ein Vorzug gewesen ist“ wird übrigens noch ein gerichtliches Nachspiel haben, da seitens der drei israelitischen Konsistorien deswegen bei der Division Klage erhoben worden ist. __________ No■ 2ft Bin weiterer Prozess, der sich an diesen traur!gv״ Fall anseitlicsscn wird, beruht auf einer Klage, 01e der schneidige Rittmeister gegen den Vater des verstorbenen Einjährigen er!!״be״ hat, weil er sich durch die Bezeichnung ״Amiseij^״ beleidigt fühle. In das herrliche Bild von der der Juden im Heere und der Objektivität unserer Behörden, das die Aufroilimg dieses Palles cntworfcn hat, würde eine Verurteilung des unglücklichen Vaters allerdings trcfilieh passen! Jedenfalls wirit auch diese neueste Leistung ein ganz absonderliches Licht nuf die Gemütsverfassung des Herrn Rittmeisters. j Wenn Herr Graf von Oersdorf{ plötzlich ein y, ׳ empfindliches Reiiiliehkeitsgcfühl verspürt, v, Cr. sciüeiio cs uns geschmackvoller, dass er di« versehiedenen Zeitungen, die ihn doch auch nicht gerade liebenswürdig behandelt luibcn, zu belangen suchte, statt sich an dem von ihm selbst beleidigten \'at«r des Bloch zu rächen. Oder ist das letztere Verfahren bequemer? * Nach den aus den Akten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin getroffenen Feststellungen des Bureaus für Statistik der Juden sind i״ Berät! und seinen Vororten aus dem Judentum a!1 s g«. treten: Männer Frauen zusammen im Jahre 1907 100 4.1 1-19 im Jahre I90K I0S 68 W, Die Zahl der Austritte war also im Ja! re i9»s erheblich höher als bn Jahre 1907 und in du! V(1r. Jahren. 1 Nähere Angaben über die persönlichen Verhält, j nissc der Ausgetretenen wird die ״Ztsclir. f. Demogr. י ti, Stut. d. Juden״ demnächst veröffentlichen. Russland Wie gross das soziale Eiend der iiidischcn Massen in Russland ist. beweist die Tatsache, dass scllM in dem im allgemeinen wohlhabenderen Odessa der grösste Tel! der jüdischen Bevnlk«. run g öficnllielic Wohltätigkeit in Anspruch 11 c h m c n muss. Als die hiesige ..ZedakaU gedolah" vor dem Passalifcst ein Verzeielmi> der einer Unterstützung zu den Feiertagen bcdiiritigcr. Juden aufstclltc. waren in den ersten zwei Taccn mehr als 60000 Personen notiert! * Vor den grossen Hocliscltulfcrien pflegen die Eiscnbalmverwaltungcii alljährlich sich an die teehirischen Anstalten mit dem Ersuchen zu wenden, eine Anzahl Studenten zu praktischer Betätigung in die Eisenbahnbetriebe zu entsenden. In diesem Jahre ist bei diesen Aufforderungen seitens zahlreicher Eiscnbalmverwaltungcii die geheime Anweisung gegeben worden. keine liidlsäien Studenten zu diesem Zwecke zu delegieren. Ls! wäre von Interesse, zu erfahren, ob diese Sc 11 warzc -Hundert.Politik im Ei nverst ä n d n I s und m i t W i $ s c 11 d c s E i s e 11 b a h 11 m i n i s t c r s R11 c I o w b c t r i«• hen wird! * Vor einem halben Jahre besetzten in Kursk Mitglieder des russischen Volksvcrbamlcs (״l'chtc Russen"), die hier unumschränkte Gewalt ausulc.t. gemeinsam mit der Polizei die Burse und begannen bei den dort weilenden Juden die Aulcntliahscrlaubnlspaplere zu revidieren. Der Börscnvorstcbcr vcr- I langte die Abfassung eines Protokolls Ferner planen wir eine Reihe tabellarischer Ucbcrsiclitcu, in denen entweder bestimmte sozio* * logische öder blotischc Erscheinungen, wie die Kriminalität der Juden, die Mischehe, die Austrittshcwcgung, die Sterblich* kclt u. dcrgl. oder die gesamten Verhältnisse der Juden eines bestimmten Landes oder einer bestimm* ten Stadt in Tabcllcnforni dargestcllt werden. Diese Ucbcrsiclitcu sollen zur schnellen Orientierung über eine Einzclfragc dienen und auch die geeignete Grundlage für die Bearbeitung der betreuenden Themata bilden, indem sie das vollständige :.tatistisclic Ma crial in /.weckutüssiger Form darbictcn. Mit der Veröffentlichung der tabcllarlschcu Uebcr« sichten der Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern verfolgen wir überdies den Zweck, eine Ge* samtstatistik der jüdiscticn Bevölkerung der Welt in knapper Form hcrzustellcii. Weiter teilt das Kuratorium mit, dass die Tätigkeit des Bureaus nicht nur in wissenschaftlichen mul Jüdischen Kreisen immer mehr anerkannt wird, sondern dass auch die Staatsbehörden in mehrfachen Fällen, und zwar in Fällen von weittragender Bedeutung, sich des ״Bureaus für Statistik der Juden" bedient haben. So hat das Königlich Prcussisehe Statistische Lande samt Anfragen, die bei ihm ciiigcgangcn waren, an das Bureau für Statbtik der Juden zur E r I c d i g u n g w c i t c r gegeben. In der von der Hessischen Regierung veröffentlichte» Darstellung 'der letzten Vqlkszähiungscrgcbnissc wird auf die von uns veranstaltete, tmd wie bereits oben erwähnt, demnächst im Druck erscheinende Monographie hingewiesen; mit Rücksicht auf dieselbe werden i» der nmtliclien Statistik nur einige Ergebnisse über die Statistik der Jüdischen Bevölkerung In Hessen mltgctcilt, während Im Ucbrigen als Ergänzung der amtlichen Publikation ausdrflcklich auf unsere Untersuchung verwiesen wird. Gelegentlich der z. Z. viel besprochenen Finanz- Projekte ist dem Deutschen Reichstag eine tmifangrciclic. im Reichsscliatzamt ausgearbcitctc Denkschrift vorgclcgt worden. Diese Denksclirift befasst sich 11. n. auch mit den Kirchensteuern und enthält auch Angaben über die Jüdischen Kultussteuern. Diese Angaben beruhen ausschliesslich auf den Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der .luden, wie auch In der Denkschrllt ItorvorgcUobcn wird. Diese Beispiele zeigen nicht nur, welche Stellung sich in der kurzen Zeit seines Bestehens unser Bureau errungen hat. sondern nucli. welche eminent praktische Bedeutung die Arbeiten des Bureaus haben und sic beweisen, dass das Bureau die tatkräftigste Unterstützung aller Juden und besonders aller Jüdischen Organisationen in vollstem Masse verdient. ZurReform desjudengesetzes Die Resolution, die in der Versammlung der ..Berliner Zionistischen Vereinigung" am 12. Mai von Dr. Q. Hey nt .11 ר n vorgclcgt wurde, bat folgenden Wortlaut (vgl. ״Vereins-Rundschau"): ״Die am 12. Mai in den Arminsälen tagende Qruppciivcrsammlimg der ״Berliner Zionistischen Vereinigung“ anerkennt die Bemühungen des Deutschvom Jubel rate des Volkes, tmd schloss sich in .seinen Gemächern den ganzen übrigen Tag ein, um den Fürbitten für den hochstehenden Ritter zu entgehen. Um Ave Maria desselben Tages ritt er wieder in allem Pompe bis an die RichtstUttc tmd gebot, dass tnatt die Leiche des Antonio den Verwandten zur Bestattung 7,uriiekgcbc. Dann kehrte er auf langem Um* wege durch die Stadt nach seinem Palaste ׳/.urück, zufrieden mit dem Werke der Gcrcchtigkeit, das er heute zu üben Gelegenheit hatte. — Und so endete der Bruder des letzten Zavelio. Denn diesen erlegte der Dolchstoss eines schwcrgckrfmktcn Lnndtnanncs, dessen Weib der Ritter lange mit seinen Anträgen vcridlgt, und die ihn endlich heimtückisch •in ihr Schlafgemach gelockt und dem Stilette des belcidigtcn Gatten preisgegeben batte. So enden die letzten Sprösslinge, dieser einst im Kirchen- Staate so mächtigen, übermütigen Ritter. Kleines Feuilleton Die Ausgrabung von Jericho Professor Sellin und seine Mitarbeiter bcrlchten Im 39, Heft der Mitteilungen der ״Deutschen Orlcntgcscliscliaft" über die Ausgrabungen In Jericho: Was einem Jeden von uns seit seiner Kindheit aus den biblischen Erzühhmgen geläufig war, Hacke und Spaten der Ausgräber haben cs Jetzt bestätigt: schier imbczwinglieU mussten die ans riesigen Blöcken geschichteten Mauern erscheinet«, mit denen die hochragende Stadt rings umullrtct war. In der eingehenden Schilderung, die der als Architekt an der Ausgrabung beteiligte Dr. Ln11gc11.;gger von der an mehreren Stellen auf beträchtliche Strecken genau untersuchten Aussen inaner von Jericho entwirft, klingt als Grundton überall die Bewunderung durch für das hoho technische Wissen tmd Können der Bau* mcistcr die in grauer Vorzeit dies gewaltige Werk so geschichtet haben, dass ״im (lewirre der Fugung keine Steile bleibt, an der ein Instrument der Zer- Störung wirkungsvoll cinsctz.cn könnte." Innerhalb dieser mächtigen und weithin sichtbaren Umniauc* rung erhol» sich noch eine von einer Doppclmaucr mit starken Eck türmen umgebene Zitadelle, die ebenfalls zu einem beträchtlichen Teil freigclegt worden ist. Dass diese imposanten Befcstigmigsw^rkc in ihrer Gesamtheit tatsächlich auf die älteste Zeit der Geschichte Palästinas zurückgclicn. die man als dlo katiaauitischc zu bezeichnen sich gewöhnt hat. daran lassen die bei der Ausgrabung gemachten keramischen Funde keinen Zweifel. Wie Professor Watzingcr. der Arcliäolog’c der Expedition, ausführlieh darlegt, scheiden sich die kanaanitlscltcn Gefüsso und Gcfüssbruchstückc aufs deutlichste von den Kannen. Schalen und Hcnkclkrügcn aus der sehr viel später, erst nach einem langen Zeitraum, während dessen die dem Fluche verfallene Stadt als Acker- und Gartenland dngclcgcn hatte. <cinsctzc1:Jen israelitischen Besiedelung. Wiederum durch Jahrhunderte von dieser getrennt, ist dann die ״!*erste, (rbhhyzantinischc Schicht, die durch «rosse Amphoren, kleine Glasgcfässc Lampen, wie durch *allerhand Geräte aus Stein. Eisen. Bronze. Bein und Ho!/, sckennzeichnet sind. Im Golus. Unter dieser Spitzmarkc wird uns von einem Leser geschrieben: Es ist gut, wenn man öfters an Tatsache;! erinnert w־ird, und noch besser dann, wenn cs von einer ganz unerwarteten Seite geschieht. Denn das Gedächtnis der Menschen ist kurz. — Stand da יש• längst in einer Leipziger Tageszeitung die Anktiudlgung einer Cafehauskapcllc über einen von ihr vcraustatteten ״Internationalen M u s i k a b c n d." Das Programm sah so aus:!.Deutschland: Marsch a. d. Oper ״Tannhäuser" ..Wagner 2. Frankreich: Ouvertüre z. Oper ״Mignon" .Thomas USW. 36 ,.5 ,.4 ״. 7.Spanien. Die Schönen von Valencia . . M״sca» **.. Kol Nidrel. hebräische Melodic .Brii-h Die ״hebräische" Melodie ist ohne Land; die Melodie im Golus.— G. H<•