Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 227. JUED1SCHE RUMnsr.HAii und Knltiirstnat aufmerksam zu machen. Leu MissMaiul mm von neuem den vorhin Be- ״*neten in Brünier«״« zu rufen. zu diesem ntiVe Klieint >״ir ״IU| v*clcn meiner Freunde aber , Falt des »locli nicht geeignet. ״ ni.vli i>< "icl״ ‘!ic 1*«יי״״• di« ««eignet ist. die »pisclic •'Wiriyrerrolle des indischen KinjiU1riKcn zu;pCIe11. Zu״' »««fW «‘ne* ziehen ilidisclicn Milr• i rers KCliiirc die persönliche Unantastbarkeit, das ' a|1c11 Il.111dh1n«cn des Betreuenden ersichtliche HcstrelHii. den «« Um ״»( Recht gestellten Anfor• ׳kfuiiccn ׳׳" eeniUeii. und trot/.Ueni keine Auer• unmmc. m w*ear /.uritckset/.un« und Vexatinn zu erfahren. «•11 man eben Jude ist. Wie aber nun jA• 0er1el׳ts\ crhandluiK ersah, war Bloch ein durch. j8j untiic!׳t׳ccr Soldat. Zeuge» — seihst der andicmciiil oidektivste Leutnant von Goris.se» — he• iamlvMi. d״.-s Ihoeh eine ganz naive Auffassung von ,(inen Pfhehten als Soldat an den Tau leiste, dass er gnpiinkllich /Hin Hiensl zu erscheinen pflegte, In 1111• militafiscla ־׳. nachlässiger Halt»ng an seine Vor- -fset/ten i laccii zu richten pflegte, dass er trotz er• jjncciien \ crlmtes im Auto an den Sclücssstündcn aniulir. 1!.'< er mit den ihm leider zur Verfügung gehenden •׳losscn Geldmittel» sich eine Ausnahme• stdlunc u• ur seinen Kameraden und bei seinen Vorccset/t.ii .11 verschaffen strebte, Tatsache», die cs «,>!11 offen midie erscheinen lassen, dass Bloch jedes Vcrst.indii' i׳ir uiilitfirische Disziplin, hesciieidcnc fiitcronln:: und sitnationsßcmiisses Handeln abjinc. PesK. wird sich der Jüdische Politiker, der die ülcickste!״׳iß der Juden im Heere als ein crrcichcns- «cf.es f. ••1 erstrebt, wohl hüten, hei den! Kample h.crior M.’i .011' den Fall Bloch zu stützen. Der fall . ■ t^t eher geeignet, unsere Bestrebungen;u diskre 1.ereil. Wir können damit keine Ehre cmleciii. S» leid es mir tüte, die ihm Nahestehenden;׳reend w.e 11׳ verletzen, muss dies doch im Interesse!!« l'u.i ■bvi'tbarkeit unserer sonst so berechtigten ijfinnk• in unsere Forderung 11,ich Gleichstellung kMit uni .11, Wir können uns diese Kritik aber y;:s ehe. .a Matten, als wir — so wenig wir auch J;e Aufführung des unglücklichen jungen Mannes 1• -ui können — doch ein historisches VersuiJms 11:: sau Wesen besitzen, das geeignet ist, die ״he1• ״ .•.stellte, etwas hart erscheinende Bear• toiuri.׳ W' -uiilieli zu mildern. Bloch ist nicht ein T}pus eines indischen Märtyrers int oben dargeiegten Sinne, ,du! u• wie 50 viele andere seinesgleichen Ist cmPnduki der unglücklichen Verhältnisse, in denen Ce luden m den letzten Jahrhunderten lebten. Einmal wrhindertc das enge Zusammenleben in den luft. und liciitlccrcn (aussen des Ghetto, und die l'nmuclic’.kci! durch Arbeit in der freien Natur den Körper zu ni tii. eine gesunde Entfaltung der physi• vihcn Kr.iiii. und trug viel zur körperlichen Er- KHaiitmg bei. die heute noch nachwirkt; dann aber n.usMcn auch die steten Verfolgungen eine Minderung des Mutes, des Selbstgefühls und der Selbstachtung bewirken, andererseits aber auch den Juden mit wer grosseren Empfindlichkeit gegen alle in dieser Richtung ceinhrtc» Angriffe erfüllen; und schliesslich '*eklig \\ <!!!taten die Emanzipation den Juden auch echracht i!ni. so wissen wir doch, dass seit dem L»tritt der luden in die europäische Kultur, die der (.«eilen wssensiremd war. sielt im Judentum ein Zeraturun;sprozess vollzieht und zur Auflösung aller ‘tUrj• b0,che VcrhUltnicsc sind wohl dazu metan, ,schwache und haltlose Menschen zu er* zeugen: Das undisziplinierte Verhalten des Unglückbehen, sein Mangel an Respekt vor den Vorgesetz• teil, seine nonchalante Aufführung, das Unvermögen sich bescheiden in die Reihe seiner Kameraden cinzu* ordnen, das alles sind Erscheinungsformen der dege* iieriertcn jüdischen Seele, welche die krültlgcn Stützen, die Religion, das Fumilicnlchcii, Insbesondere den nationalen Gedanken verloren, aber zum Ersatz dieses Verlustes keine neuen Werte gcfuudn hat, So war Bloch militärisch untauglich, au Körper und au Seele. Es ist der Hauptfehler der massgehenden Instanz, dies nicht erkannt zu haben: man hätte ihn entlassen müssen. Da man das nicht tat, s<> ist cs nicht zu verwundern, dass hei den hohen Anforderungen• die das Prinzip der Disziplin an den einzelnen Soldaten stellt, und hei der körperlichen und seelischen Verfassung des Unglücklichen cs dann zu discin unharmonischen Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Soldat kommen musste. Trotzdem ich brauche das wohl kaum noch auszuführen — darf dem Vorgesetzten das Recht nicht zugesprochen werden in Ausdrücken, welche die Jüdische Gesamtheit so verletzen müssen, seinem Aerger Luft zu machen. Hier hat meines Erachtens das Gericht z u viel verzeihendes Verständnis für den Rittmeister an den Tag gelegt, und seihst wenn das Gericht auch nur das einmalige Volrlicgcn dieser Ausdrücke als einwandfrei erwiesen fcststcllcn konnte, so stellt die hierfür bemessene Strafe von zwei Tagen Stubenarrest in keinem entsprechenden Verhältnis zur Schwere der Beleidigung. ־— —- E. •W. Bureau für Statistik der Juden Aus dem klirziieli erstatteten Bericht des ״Bureaus für Statistik der Juden" heben wir folgende Mitteilungcn hervor, die bei unseren Lesern Interesse finden dürften: ltn vergangenen Jahre erschien zunächst die ntisiiilirliche Untersuchung über die ,.Juden *Ju Österreich", auf die wir bereits früher gelegcatlicii liingcwiesci: haben. Ferner gaben wir die von Herrn Dr. Arthur Ruppin verfasste Schrift über die *Juden in Rumänien" heraus. Diese bringt zum ersten Mal das gesamte amtliche Material, das über die rumänischen Juden vorhanden ist, in systematischer Bearbeitung. Die Untersuchung dürfte schon deswegen allgemeines Interesse erregen, weil sic eine geeignete und zuverlässige Unterlage bildet, wenn cs gilt, den rumänischen Glaubcnsbrildcm helfend zur Seite zu stehen und ihre trostlose Lage zu verbessern. Die von dem Bureau hcrausgcgcbenc ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" hat mmmehr ihren vierten Jahrgang beendet. Die Tatsache, dass die Zeitschrift sich bereits in der Wissenschaft einen guten Namen erworben hat, und dass sic von ernsten Forschern überall zitiert wird, beweist am besten, dass dieses Organ eine Notwendigkeit ist. Neben dem wissenschaftlichen Wert der Zeitschrift darf aber ihre hervorragende Bedeutung für alle Wohlfahrt« he Strebungen, sowie für die Abwchrbcwcgungcn und die Aufklärungstütigkclt licrvorgchobcn werden. Auch der jetzt neu begonnene Jahrgang der ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" wird den irüheren an Wert nicht naehstchcn; es liegt bereits eine Anzahl wertvoller Aufsätze vor, die demnächst zur Veröffentlichung gelangen werden. Die Zeitschrift wird Jetzt von Herrn Dr. Bruno Blau In Berlin redigiert. ln kurzer Zelt wird die schon früher uiigckiludigto Arbeit über die ״Juden in Hessen" Im Druck vorliegcn. Sodann wird im Laufe des Jahres eine Monographie Über die ״Juden in Ungarn" erscheinen, die seit längerer Zeit von dein Bureau vorbereitet wird. Diese Arbeit ist namentlich deshalb von grossem Interesse, weil die amtliche Statistik in Ungurn ein ausserordentlich umfangreiches Matcrial bringt, das die Erforschung der Lage der Juden in einem Masse ermöglicht, wie dies kaum in einem anderen Laude geschehen kann. Mit der Veröffentlichung dieser Arbeit wird, abgesehen von einigen kleineren Staaten, wie die Niederlande und die Skandinavischen Länder, im Grossen und Ganzen das vorliegende amtliche Matcrial, das für die Statistik der Juden in Betracht kommt, verarbeitet sein, soweit cs siel« um das Ausland handelt. Eine Monographie, die die Verhältuissc der Juden in Deutschland erschöpfend darsteilt, muss so lange liinnusgcschohcn werden, bis die Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1907 veröffentliche sind. Wir werden jedoch auch die neuen statistischen Angaben für die von uns bereits bearbeiteten Länder fortlaufend sammeln und von Zeit zu Zeit in geeigneter Weise veröffentlichen. Daneben harrt unser die weit schwierigere und villcicht auch wichtigere Aufgabe, statistische Erbe-!*unsren in den Ländern zu veranstalten, in denen die amtliche Statistik das Religionsbekenntnis entweder gar nicht oder in ungenügender Weise herücksichtigt. Als solche Länder kommen u. a. F r a 11 k r c i eh, die S c h w c l z, England, ß c I g i c n. die Vereinigten Staaten von Amerika in Frage. Derartige Orißinnlcrhcbungcn können natürlich nur unter Aufwendung grosser Mittel in Angriff genominan Wertteil. Zur Zeit schweben Verhandlungen mit den massgebenden Körperschaften der Schwei z. um dort eine umfassende statistische Enquete zur Durchführung zu bringen. Eine weitere geplante Originalcrhcbung soll sich auf die U n t e r r i e 111 s - und E r z i c h u n g s v c r- 11 ä1111 i ssc in Palästina erstrecken; diese Arheit wird (ür alle Organisationen, die sich mit der jüdischen Hilfsaktion im Orient befassen, von grösster Bedeutung sein. Die Untersuchung, deren Leitung in den Hunden des früheren Chefs unseres Bureaus, Herrn Dr. Artur Ruppin liegt, soll den Anfang bilden für eine genaue Erforschung der Wirtschaft• liehen und kulturellen Verhältnisse Ucr Juden im Orient. Hcrvorzuliehcn ist noch eine im Druck befindliehe und voraussichtlich sehr bald erscheinende Untersuchung über die jüdische Bevölkerung in M ü neh eil, deren Verfasser Herr Dr. I. Scgall in München ist, und die namentlich dcslulb ausserordentlich interessant ist, weil sic zum ersten Mal die Verhältnisse der nach Deutschland cingcwanderten ausländischen Juden eingehend behandelt. m «1 Hiclit an demselben hielten zwei stolze Rvitvr, es war Antonio mit seiner Kupplerin, die in IVgenklcidern an seiner Seite war. %iok, indem er sfc an der Treppe des Gefüstcs erbiiektc. erhob schweigend seine Ligen, w :e ,״״ Hülfe flehend, zum Himmel und 'sieg. unterstützt von seinen Freunden, unter Ni-rhcge■litten das Gerüst hinan, oben angc- Kommen, lösten ihm die beiden Glaubensgc- 11״wn sei״ Totcnklcid bis auf die Hüfte, und (ז seihst bereitete sich zum Sterben unter tollem Gebete vor. Man hörte ihn überall deutlich beten, denn ringsum herrschte eine Wc Stille, Phit/licli verwandelte sich dieses Schweiim in allgemeines Gemurmel1. Aile Köpfe Indien sich rückwärts, und die Masse Khwanktc und wogte, denn cs drängte sich durch den Volksknüucl auf wässern Mäuler tiner der Senatoren in schwarzer Sammetrobe u״d Barett, mit goldener Kette über die Brust, u*ki rief dem Vollstrecker des Urteils, als er wen das Messer anzusetzen im Begriffe war, C1n Halt zu. Sodann stellte er sich dem Anlönio gegenüber und sprach laut: Se. Heiligkeit, unser Vater, lässt dich Antonio Zavello, durch **1*eh ersuchen, dass es dir gefaben möge, von «einem strengen Rechte nachlzulassen, und Jarmherzigkeit an dem iinglllekiielicn Hebräer 11 üben! — Ich werde einfach auf meinem Rechte bestehen, antwortete kühl der Baron - und Sc. Heiligkeit wird wohl am wenigsten cncigt sein, die Strenge desselben zu mildern. - Er will das auch nicht; nur lässt er, weil ja ein Verbrechen dem Hebräer zur Last fällt, ich bitten, da nunmehr die tausend Zcchincn usainmcngcbraclit sind, Gnadb für Recht er-;elicn zu lassen, und das Geld statt des verpfändeten Fleisches anzunehmen. —• Das Pfand st verfallen! an dem Gdde liegt mir nichts;;11 will das Fleisch von unseres Heilands Mör-!er. für dessen Leben *ihr so grosse Sorge tragt. - Ich fordere dich, Antonio Zavello, im Namen >r Heiligkeit, unseres Herrn, zum dritten ,fale auf, von deiner Forderung an den Hebräer ihylok, einen unbescholtenen und trotz seiner rrtümer in seiner Weise frommen Mann abzutchc1״ — Mein Beschluss ist nicht mehr zu nderir cs bleibt dabei, rief mit trotzigem lohne der Baron. — Wohlan denn! sprach der Senator zum Volke, cs hat sich zu Gunsten des iebräers ein unverdächtiger Zeuge oingefunlen ein Zeuge, der für sein Leben cinstehcn ,"ן• Mag er auftreten! Damit winkte er mit inem Tuche, und mit der Eie des Winkeis prcngl'o einer aus der Nobclgarde über die Brücke dem Vatikan zu. Auch dauerte es nicht lang, da trabte die ganze Nobclgarde heran, drängte das Volk zur Rechten und Linke״ an die Seite, und machte Strasse dem auf seinem Maultiere sicli nähernden, von mehreren Kardinälen umgebenen Papst; dieser ritt vor bis an’s Blutgerüst, stellte sieh dem Kläger gegenüber und sprach mit seiner erschütternden Donnerstimmc: Ich bi״ der Zeuge! Jener Unsehuldige, den du in diesem Momente den! Mbsscr des Henkers überliefern willst, duldet, weil du ihm zwar die tausend Zcchincn erlassen wolltest, aber nur um den Preis der Schande seiner Tochter, die deine Lüsternheit erregt hat. Du bist ein heilloser Bube und dem Gesetze verfallen, das innerhalb des Kirchenbannes jede gewaltsame oder hinterlistige Verführung der Unschuld, zugleich aber und insbesondere den aufs strengste verbotenen Umgang des Christen mit den Töchtern der Hebräer mit der Todesstrafe belegt. Du hast das Leben verwirkt! Bereite dich vor zum Tode! Du hast nur noch eine Stunde zu beten! — Der. Hebräer behält die tausend Zcchincn als Schmerzensgeld. Führt dm zu seiner frommen Tochter in das Ghetto zurück 1 So lautete der Spruch Papst Sixtus', des Fünften. Dann zog er sich zurück, begleitet