Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 219. I i Merkspruch Ctn nur stehn tchöno Keden gut, Otf, was er predigt, selber tut. (Aut d»m Talmud.) Ein lieber Gast Van Kurt Abraham Hitit ihr jehört, was die Amsel gezwitschert? ihr gehört, was die Drossel erzählt?!1$ Ihr gehört, was die Henne gegackert? 0 Ihr gehört, was der Karo gebellt? Iftsl ihr, was mir der Brunnen geplätschert? Ifnsl Ihr, was mir die Weiden gerauscht? fest ihr, was ich In aller Pröhe Heuli morgen vom Winde erlauscht? prAben am Zaun, an der Gartentflre, Hin!er 1Hollunder und hinter Qasmln, p1( wo sei; gestern die allerersten Weinen welken Schneeglöcklein blöhn — ICo die Birk׳ in silberner Rüstung 5!0!z und aufrecht den Eingang bewacht — Steht ein blonder, blauäugiger Dunge Und lacht! gehl ihm, ihr Kinder, nur freundlich entgegen, 6:0551 ihnur.d winkt Ihm —• vielleicht tritt er ein t flöchte am Ende — wer kann das wissen? — flöchte am Ende der Frühling sein! Von unseren Weiden Von 1' r 11 z A b r a 11 a in. D!e Weide ist ein Baum, der cs mit den Kindern Pt meint; l'rc Ruten lassen sich als Gerten zum fitrdspiclcn urwenden und die stärkeren geben im brauehliarc Flitzbogen; denn sic biegen sich leicht und!«reellen schwer. Durch diese Eigenschaft «»eist sich d e Weide auch dem Korbflechter nütz* k!1 Alle die leblosen Reise-, Wasch* und Obst* t fle, die Ihr in den Geschäften ausgestellt oder im kjushchen (lebraiich seht, prangten ehedem als *:.׳־ne, farbige, grüne, rote oder auch goldiggclbe kirn an unseren Weiden. Ja vielfach wird der Basa nur dazu angepflnnzt, um immer wieder scino lin.'cn Ruten zu treiben, die, sobald sie eine Lüngo zwei bis drei Metern erreicht Italien, den f״|ütn Schnitten des Flechters zum Opfer fallen. Diese Weiden gewinnen dann oftmals ein ganz F״;sches Aussehen, das von dem, zu welchem die ktsr sic ursprünglich bestimmt hat, recht ver* Rieden ist: lügcntiich strebt die Weide fn raschem ״»chsum nach oben, der Sonne entgegen, ohne sich ® das, was um sic herum passiert, zu kümmern. r״B bt sie bescheidener, als Eiche, Ahorn und wke, die ihre Krone weit aushrcitcn, wie Jemand, , riicbiclitslos mit den Ellenbogen Raum Wiificn will, Wenn mm aber der Mensch jedesmal, wenn die {!de zum liochstrchcudcn Wachstum ausholcn ך Vommt und die Ruten abschneidet, dann muss *'״־ oder übel auch sic in die Breite wachsen und :״tut an! olleren Ende (höher denn zwei Meter 1'* s,c der Mensch nicht wachsen) von Jahr zu an Umfang zu. Wie ein kleiner Kobold mit Runipi un(j mächtig grossem Kopf nimmt sich «5a solch ein unglücklicher Stamm aus; entweder, «in der Flechter gerade geerntet hat,, kahl ge- ״Oien, oder aber cs erscheinen die neu gewachsenen ־3 "‘ץ' l3n8cr, struppiger, aufrecht stehender arvuehs. Solche arme Krüppel habt Ihr alle ge- Sm *^0״ am Feldwege oder auch an sumpfigen . tn! den Wiesenbach entlang, gesehen. Im «!3ז' w(:rm 8|C belaubt sind, bloten 810 ein lj,?cs Versteck und ihr könnt sic leicht von den 612!,» 1 ci״c1 Kameraden aus erklettern. Dies V0J־n *ch auch die Soldaten zunutze, wenn sie als oh## n cincn 'Vcg weit überschauen wollen, Vom Feinde gesehen zu werden. .Anders als durch Ihre Ruten vermag die Wcldo ״> Menschen nicht zu nützen. Da sic viel schneller.!״*"*Isten anderen Baume wächst, so kann sie ׳*ein so festes und haltbares Holz zuwtgo bringen, dass cs als Nutz* oder Brennholz Vor* Wendung finden könnte. ... Vfelartig an Qcstait und Färbung sind unsere Weiden. Die einen bleiben ihr Lebelang niedrige, unansehnliche Sträuchcr, andere wachsen zu achtung* gebietenden Stämmen bis zu 20 m Höhe heran. Dio Vielfarbigkeit zeigt sich in! Geäst, den Blättern und m den Kätzchen. Wir haben gllnc, rote, silberne, goldene und schmutzig graue Weiden. Dann aber bat jede einzelne Art auch besondere Bäume, wclcho die männlichen und andere, welche dio weiblichen Kätzchen tragen. Aber an einigen gemeinsamen Merkmalen wird doch ein Jeder die Weide erkennen können: Zunächst die lang aufsclilcssciidcn Ruten, deren späriche Belaubung dem ganzen Baume etwas Lichtes, Freies, Lebhaftes verleiht und das Qcäst durchscheinen lässt, Dann die länglichen, spitzen, kurzstlcligcn Blätter, deren Rückseite oft mit silbernen Haaren besetzt Ist Am breitesten sind noch die Blätter der Salweide. Besonders schön sind die meisten Weidenarten gerade letzt, im Anfang des Mal, wo die Blatt* knospen noch nicht erschlossen sind, dafür aber die gelben Blüten in inärelicnliafter Pracht prangen. Wenn sich solch eine einzelne Weide etwa auf einer Anhöhe vom dunkelblauen Frilhllngshlmmel nhheht und wie goldübergossen die ganze Landschaft über* strahlt, daun bietet sic ein Bild, das sich dem Be* schauer unverwischbar clnprägt. Eine eigenartige, allerdings nicht in Deutschland heimische Abart der Weide Ist die Trauerweide, deren hcrabliäugeiulc Acste, dem aufgelösten Haar von Klageweibern vergleichbar, dem Baume ein düsteres, trauriges Aussehen geben. Man verwendet sie da* her vielfach als Gräbcrsclumick. Der bekannte .Naturforscher I.imie nannte sic ״sallx babylonica", weil er in ihr jene Weiden zu sehen vermeinte, die unseren Vorvätern au den Bächen Babylons zu Ge* fälirten wurden, als sie in Trauer ihrer schönen, verlorenen Heimat gedachten und zu stolz waren, ihren Bedrängern ein Lied von der Schönheit Zions zu singen. So Hessen sie die Harfen an den Weiden und crilchtcn von Gott cincn Rächer, der grausam unter ihren Feinden wüten sollte. Einen Verwandten der Weide wollen wir noch erwähnen, der uns Juden besonders unbestellt: Es ist dies der Olhaum, dessen Urheimat wahrscheinlich Palästina ist, wo auch unser Volk seine glücklichsten Zeiten verlebt hat, jener Baum, der schon Noah als Zeichen des. Friedens galt und der später dem sieg* reichen griechischen Läufer als Siegespreis winkte. Fr ist wohl die lohnendste Kulturpflanze, deren Pflege sich der Mensch je angelegen sein Hess. In wenigen Jahren liefert der anspruchslose Baum reichlichen Fruclitcrtrag und erreicht ein Alter bis zu 1000 Jahren, so dass er auch hierin alle anderen Kultur* pflanzen ühertrifft. Deshalb lassen sich unsere Brüder, die in dem alten Judcnlaiide unserem Volke eine neue Heimat schaffen wollen, die Pflege dieses Baumes besonders angelegen sein und deshalb hat man durch einen besonder!! Verein ״Olhauinspcndc" einem jeden Juden der von seiner jetzigen Heimat aus an dem grossen Werke mitwirken will, Gelegenheit geboten, durch einen kleinen Beitrag von sechs Mark die Pflanzung eines solchen Baumes zu ermöglichen. Der ersto Olivcnwald. der aus den Erträgnissen der ״Oclbaum* spende״ gepflanzt wird, soll den Namen Theodor Hcrzls tragen, als Dank dafür, dass er uns den Weg gewiesen hat, Palästina wieder zu einem Jüdischen Lande zu machen. ‘ Der Trost Israels (Aus dem Talmud.) Ein König verlobte sich einem »ehr schönen Mädchen und begab sich dann auf eine lange Reise. Die Monate und die Jahre vergehen und der König kehrt nicht zurück. Dio Genossinnen der Braut sagen ihr immer wJoder: ״Armo Verlassene, der König wird nie mehr zurückkehren." Das Mädchen kränkte und bekümmerte sich ob dieser Worte und schloss sich in Ihre Qcmächcr, um zu weinen. , ״ , _ , ״ . Dann nahm sic dio königliche Schrift zur Hand, In welcher er ihr die Krone und das Reich vor* sprach und verscheuchte bald Jenen Verdacht und war wieder heiter und froh. Endlich kehrt der Fürst zurück und sagt: ״Wie konntest du mir nach so vielen Jahren die Trcuo bewahren?" ״Herr!“ antwortete dio Jungfrau, ״Ich hatto dclno Schrift zum Pfände; das könlßUcho Wort **״*Sosagcn die Nationen der Erdo mit spöttischem Tone zu Israel: ״Euer Qott hat euch verlassen.־• Und Israel versammelt sich bekümmert und weinend in seinen Tempeln und LctirhUuscrn und liest in den heiligen Büchern die göttliche Vcrhclssung der Erlösung und stärkt sich wieder von neuem. Wenn die Tage erfüllt sein werden; wird Gott zu Israel sprechen: ״Wie lutst du mir so lange Zeit Treue bewahren können?" ״Mein Gott," wird Israel antworten, ״Ich hatte zum Unterpfand dein Gesetz." Der Geburtstag des Löwen (Dem Hebräischen nacherzöhlt) Als der Löwo sich entschloss, seinen Geburtstag zu feiern, traf er Vorbereitungen zu einem grossen Fest und lud alle Tiere ein, daran tcilzunchmen. Für den Tiger hatte er warmes Fleisch, Gemüse für den Elefanten, Korn für die Müusc und so fort; er bereitete für jedes Tier die Licblingsspcisc, so dass alle ihro Freude an dem Fest haben sollten. Die Katze ICdocti• konnte den Festtag־ nicht erwarten. Sic wurde ängstlich und schlich in die Küche, wo all' die Gerichte bereitet wurden, und sehr gross war ihr Erstaunen, zu hören, dass für sie nichts besonderes hcrgcrichtct war. ״Das Ist wunderbar," dachte sic bei sich. ״Ich bin cingcladcn, nher cs ist nichts für mich bereitet; c3 soll midi wundern, oh der Löwe denkt, ich soll dasitzen und zuschcn, wie die anderen Tiere essen." Dies ärgerte die Katze sehr, und sic bcklagto sich bei dem Löwen. Der Löwe war Jedoch gar nicht überrascht. ״Wcisst du nicht, dass ich auch die Mäuse zu meinem Geburtstage cingcladcn habe? Was willst du noch mehr?" antwortete er. flbzähl-Verse Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Hasen Sassen auf dem grünen Rasen. Lampe, Lampe, lauf nach Haus, Sons! löscht dich der Däger aust ln den Ecken Und den Hecken Helssl's verstecken. Einer muss den Hals sich recken, Um die andern zu entdecken. Drei mal drei ist neun, Du musst sein! Rätsel Seht einmal zu, wer ralen kann» Halb Isf’s Friseur, halb Reitersmann Und hat ein Kleid von Federn anl Ihr habts nicht gefunden? Sieh’ einer anl Natürlich Ist es Meister Hahn; Der hat auf dem Kopf einen Kamm, nicht wahr? Und an den Füssen ein Sporenpaar. * Mit D gebrauchst du mich Im Streite, Mit S bin Ich ein gut Geleite, Mit R komm Ich von oben Wenn Blitz und Donner toben. * Mit Z bin Ich zum Kneifen, Und ebenso mit Wj Wenn Ich mit R mich nahe, Ruff jedermann» 0 wehl Rätsellösung (Streichholzaufgabe.) Richtige Lösungen sandten ein: Mordechai Korn, Mannheim und Rosa Bauer, Wien IX. V