Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 218. JUEDISCI1K RUNDSCHAU^ No. 19. V. Leute mit 60000 bis 80 000 Franca Vermögen können eine Orangonpflanzuitg von 00 bis 70 Duuain onlcgcn. Eine solche Pflanzung erfordert 50 000 bis 60 000 Pres.. wozu noch etwa 12 000 bis 20000 Fres. lür den Lebensunterhalt aul 6 bis 7 Jahre kommen. Nach 6 bis 7 Jahren traut die Pflanzung Frucht und bringt dann 0000 bis 100U0 Fres. jährlich. Erwerbsaussichten ln Handel und Verkehr Im palästinischen Handel sind die Erwerbsaus• sichten für neue HinWanderer ziemlich gering. Der noch wenig entwickelte Engroshaiidel ist zum grossen Teil ln den Händen der Araber und der scohardischcn Juden, gegen welche der aus Ostcuropa erwandernde Jude in den ersten Jahren kaum konkurrieren kann, da er die Landcsvcrhültnissc und die Landessprache (das Arabische) nicht kennt. Kaufmännische Bureaus sind nur in geringer Zahl vorhanden und Stellen für kaufmännische Uurcauangestellte gibt cs deshalb mir wenige. Am meisten Aussicht für Besetzung offener Stellen haben Korrespondenten. die das Französische beherrschen; zuweilen wird auch die Kenntnis der hebräischen, englischcn oder deutschen Sprache verlangt. Das Qchult schwankt von 60 bis 250 Francs monatlich. lin Detailhandel sind durch die grosse Eiiiwan* derung aus Osteuropa, die in den letzten Jahren stattfand, alle Erwerbszweige überfüllt. Ladcnangcstcllte werden nur In sehr geringer Zahl gebraucht, und die wenigen Stellen werden durch Leute in l*a• tästina. die des Arabischen mächtig sind und für sehr geringes Gehalt (30 bis 50 Fres.) arbeiten, besetzt. Im Fuhrwesen können vielleicht noch Juden Erwerb finden, entweder als Droschkenbcsitzcr in יden Städten oder für Personenverkehr über Land, ‘insbesondere (iir Rciscverbindting mit den jüdischen Kolonien. Hotels sind zwar in den Städten und den grösseren indischen Kolonien bereits vorhanden, doch Ist das Hotelwescu noch weiterer Ausdehnung fällig. In einigen Städten, z. B. in Haifa und Tiberias, haben europäisch eingerichtete, komfortable und saubere Hotels Aussicht auf einen grossen Kundenkreis. Auch in einzelnen Kolonien bestellt noch das Bedürfnis nach kleinen, aber sauberen Hotels. Ebenso könnten Sanatorien und Erholungsheime, die .bisher in Fa* lüstina gar nicht vorhanden sind, an schönen!,unkten des Landes auf zahlreiche Besucher rechnen. Badeanstalten für warme Bäder und Duselten könnten an vielen Orten errichtet werden und einen bescheidenen Verdienst abwerfen. Eine wicdcrcrwachcndc Kolonie (pk.) Roscli-Plnah. Vor etwa einem halben Jahre ist durch die Vermittelung des hiesigen Administrators der 1CA 61• •8 jüdischen Familien aus dem Kaukasus die Möglichkeit gegeben worden, sieh in M a c h a 11.1 j i m anzusiedeln Maehanajim, eine halbe Stunde von Rnsch-Pinah entfernt, war irüiier eine Jüdische Kolonie, ist aber vor inclirercii Jahren von den Kolonisten verlassen worden, und die Häuser Mauden leer. Die Kaukasier sollen sich, wie es heisst, in Macliana.'iiii gut bewähren, mul so wird hoffentlich dieser Ort wieder zu neuem Leben erstellen. Bauimvollpflanzungcn (pk.) Haifa. Nachdem in »len früheren Jahren in den judäischcti Kolonien schüchterne Versuche mit der Anpflanzung von Baumwolle gemacht worden sind, ist mau 111 taesem Jahre zu grösseren Arbeiten iibcrgegangeii. Der arabische LatifundieiihcsUzcr Sursuk haut Baumwolle südlich vom Tiheriassec auf einem grossen Urrain au, das er aus dem Jarmukfiusse bewässert und mit ägyptischen Arbeitern bearbeitet. Fällige jüdische Kolonisten, die bisher in Pethach-rikwah Uaumwollversuchc gemacht haben, halten ihr Tätigkeitsfeld ebenfalls in die Nähe des 1 ihcriassees verlegt und Bauen Baumwolle aut mehreren hundert Duiiuui, die sie von der Kolonie Melliamic gepachtet haben. Man sieht den Resultaten dieser so wichtigen Kultur überall mit Spannung entgegen. Jalfa. Die )udlschen Arzte in Palästina, insgcsamt etwa 20—25 an der Zahl, wollen sich zu einer Organisation zusammcnschlicsscii, welche die Verfretung der wlrtselinltUchen Interessen der Xrzto, den Austausch ärztlicher Erfahrungen und die Verbcssc* rung der hygienischen Verhältnisse zum Ziele hat. Demnächst soll eine konstituierende Versammlung In Jaffa oder Jerusalem stattfinden. 1— Der Verband ״Kohclcth", der die Herausgabo von hebräischen Lehrbüchern (Ur die Schulen ln Palästina erstrebt, hat folgende Lehrmethoden publiziert: 1. Rechenübuugen für den ersten Jahres- Kursus (für Lehrer). 2. Rcchcnübungcn für den zweiten und dritten Kursus (für Schüler). 3. Arithmcthischc Tafeln. Diese vorn hebräischen Lehrerverband ln Palästina ins Leben gerufene Organisation Jst bisher vom indischen Publikum wenig beachtet . BcL .(lcr «rossen Bedeutung geeigneter hebräischer Schulbücher, an denen cs bisher fast ״.«oZIlc)’.m0£*c,t• verdient der ״Kohclcth״ weitgehendste Förderung seitens . aller grossen maischen Organisationen, die auf kulturellem Gebiete In Palästina tätig ahd. — (pk.) Dank den Bemühungen des Direktors des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa. Herrn Dr. Met mann, fimien seit einiger Zeit regelmässig fünfmal in der Woche im Hebräischen Gymnasium populäre Vorlesungen über naturwissenschaftliche Themen statt. Es werden Vorlesungen über Anatomie und Physiologie. Physik, Erdkunde und Pflanzenkünde abgelsalten. Manche Vorlesungen werden von 50—60 Zuhörern rcge'm.'issig besucht. Die veranstalter gedenken Ihre 'Tätigkeit noch auszudclincn und Vorträge mit Lichtbildern an verschiedenen Plätzen des Landes abzulsatteu. 0 Seit mehreren Wochen hat sich die Ocnlckstarre in Jerusalem in bedrohlicher Weise verbreitet. Die Ursache, wie auch der Charakter der Epidemie Ist noch nicht genau fcstgcstcllt. Sic hat bereits viele Opfer gefordert. 11ml die Augst unter der Be« völkerung nimmt zu. Einige Schulen halten bereits fclcu Unterricht eingestellt, andere dagegen shtd gleich den Jerusalemer Aerzteu der Ansicht, dass die Kinder in der Schule besser als zu Hause ge* schlitzt sind. — Diese Ansicht wird auch sonst geteilt, zumal die Bevölkerung durch unvernünftiges Verhalten zur Verbreitung der Seuche viel lreiträgt. 0 (pk) In der deutschen Kolonie Wilhehna in der Nähe von Pctaeh-Tikwali kam es vor einigen 'lagen zu einen׳ Koniliktc zwischen den deutschen Kolonisten und den arabischen Fellachen aus der Nachbarschaft. Die Deutschen nahmen arabisches Vieh, weiches sie auf ihren Weideplätzen angetroffa» hauen, fort und fesselten die Hirten. Zur Befreiung ihres Viehs erschienen in der darauffolgenden Nacht die Araber in grosser Zahl, denen die Kolonisten aus Willielma keinen Widerstand zu leisten in der Lage waren. Sie konnten sie an der Verwüstung einer grossen Oelbaumpflanztiug von ca. 150 Dunam nicht hindern und mussten das Vieh und die arabischen Wächter wieder (rekelten. Der deutsche Vizckmisul in Jaffa erschien bald darauf in Willielma und leitete einen Prozess gegen die .schuldigen Araber ein. Auch in Sichren Jakob kam es vor kurzem zu einem kleinen Zusamiiicnstoss zwischen Arabern und׳ .luden wegen unrechtmässiger Benutzung indischer Weide durch die Araber, der aber bald einen friedliehen Abschluss fand, da die Araber vor der grossen Zahl der iungeu Indischen Arbeiter mul Kolonisten zurückseliraktn. die gewünschte Satisfaktion gaben und durch ihren S c 11 e e 11 feierlich versprachen, sich in Zukunft solche Missgriffe nicht zu erlauben. « In Jaffa ist eine unparteiische Oeselisehaft ins!.eben gerufen worden, welche die (iriinUimg von knoperallven Vcrc.iicn mul Institutionen für die Jüdischen Arbeiter in Palästina erstrebt. Die Gesellschaft hat sieh zur Aufgabe gestellt, die Existenzbedingungen ״er kooperativen Verbände in allen Ländern zu erforschen, die diesbczäc'ichcn Kenntnisse unter den Jüdischen Arbeitern in Palästina zu verbreiten und .solchen Vereinen hierzulande den nötigen Kredit zu verschaffen. Die Gründer richten an das Jüdische Publikum die Bitte um Zusendung von entsprechenden Werken und Satzungen kooperativer Vereine, Spar- und I.cihkassen. Krankcnuiitcrstlitzungskasscn, Konsumgenossenschaften etc. Die Adresse ist: Hanoclzair, Jaffa (Palästina), für Hachcwra Hamerkasit. RUNDSCHAU DCR PRGSSe Oer Tag. Berlin. Im ..Tag" lässt Jos. C. Cortis an die Christliehen Nationen einen Kreuznd ergehen, der auch an dieser Stelle als Beispiel weltfremdester Ideologie 'registriert zu werden verdient: .Das 1:011c Ideal, das in gläubigen Jahrhunderten ganz Ein •־»na auf Jerusalem liinlcnktc. ist mit den letzten Kreuzfahrern keineswegs untergegangen. Es hat sie glücklich überlebt und den christlichen Nationen auch zur Zeit des grössten Skeptizismus vorgeschwebt. Schon seit drei Jahrhunderten mähen sieh die Mächte um die brennende Fra1׳c ab. aber noch sind vc über die Reformen und Konzessionen in einem Punkte nicht im reinen, da taucht das Pro- Wem wieder von einer anderen Seite auf. Gegenwärtlg sind die Augen der ganzen Welt auf den Orient gerichtet. Wäre da nicht der geeignete Augenblick gekommen, um mit Nachdruck die Forderung zu erlichen, dass das heilige Land endlich einmal in Hände gelange, die des in ilun vollzogenen Erlosungswerkes und der Achtung der zivilisierten Völker würdig seien? Gib t cs auf der ganzen Welt ein billigeres Verlangen? Gibt cs seit fast zwanzig Jahrhunderten ein Problem, das mehr Sympathien auf sich vereinigt Bütte? Wir dürfen niemals vergessen, dass Palästina und vorab .Icrnsalern den Christen gehört, und dass keine andere Religion und kein Volk darauf Anspruch erlichen kann. Selbst die Juden haben nicht dasselbe Anrecht, da sie von der Vorsehung nur zur Vorbereitung auf dio Ankunft Christi beruien waren, wie alle ihre Proplictcn und Patriarchen bezeugen, und ferner zur Be* stötigung seiner Ankunft. Seit fast *zwanzig Jahrhunderten ist Jerusalem nach der Anschauung der ganzen Welt nicht mehr dio Hauptstadt des Volkes Israel; cs gilt vielmehr als Wlcgo und Heimat des Christentums. Und wenn auch die christlichen Mächte aus Selbstsucht oder Unvermögen unterlassen haben, unsere Rechte wahrzunchmen, so sind diese doch Immer unveräusserlich. Heute macht sich Im christlichen Volke eine Art 11 c u o r K r e u z z u g s i> e g c I s t c r u n g bemerkbar, eine Erhebung Im Sinne unserer uralten Forderitngcn. Sic ergibt sich aus den Verhältnissen ganz von selbst, und niemand kann ihr Einhalt gebieten, da die ganze Christenheit und die Zivilisation, die h ihrem ganzen Wesen nach christlich ist. lebhaft daran interessiert sind. Deshalb erscheint cs auch geboten, dass die Mächte die Angelegenheit ins Auge fassen, denn cs ist kein Zweifel, dass sie von ganz Europa schmerzlich empfunden wird, bis die gcrech• teil Ansprüche der Christenheit befriedigt sind. Würde״ etwa die Türken cs sich bieten lassen, dass Mekka sieh in der Gewalt der Christen befände? Den Jungtürkcu müsste daran liegen, von vornherein diese Frage zu erledigen, die sich ilircr nach so vielen Bemühungen endlich zum Durchbruch gelangten Politik woni einmal als Hindernis entgegenstellen würde. — Jerusalem und Palästina den Christen! Das möge das Ziel sein, dem alle Christen, reich und arm. gebildet und ungebildet, mit Eifer! Opfcisimi und Ausdauer zustreben." Mit dem 11״ i s t o r i s c h e n Recht'■ dieser oder lener Gemeinschaft auf ein Land ist es eine recht heikle Sache. Wir Juden haben Jedenfalls gut dar.ut getan, dass wir uns im Laufe der letzten Jahre nicht darauf verlasse;! haben, sondern den Forderung!! der Gegenwart durch zielbewusste wirtsch.-it• liclie Arbeit gerecht geworden sind. ziomsTism BewecujiG Jüdischer Nalionalfonds Die Gesamtsumme der Im ersten Viertei;׳.״״■ 19119 für den Jüdischen Natioualfoiids cingcgungencii Spenden beträgt 89 937.92 Mark. Den grössten!;•• trag lieferte wieder Russland mit 24 663,64 Mat , worauf Oesterreich mit 16 125,3-1 Mark, Verchiig-e Staaten von Amerika mit 12 077.65 Mark und Deutsch, land mit lü lim.72 Mark folgen. Die übrigen Läm'.-r bleiben sämtlich ziemlich weit unter iüOOO Ms; und nur Eiighind mit 8374,82 Mark erreicht diese Summe noch annähernd. Den grössten Betrag ergeben wieder die all. gemeinen Spenden mit 28 255,63 Mark, ״Iso etwa V• der Gesamtsumme, etwa % der Gesa!!!:• spenden liefert die Oclbau in spende nt 19 285.33 Mark, ungefähr V״ das Goldene Buch mit 15 569,10 Mark und etwa ,A der Gesamtsumme ergeben die S a in m e I b 11 c h s e 11 mit 1188-1,29 Mk. Für das Goldene Buch Italien diesmal nächst Runs-!and ((1527.62 Mk.). Deutschland (2241,87 Mk.) England (19113,75 Mk.). Südafrika (18-16.21) Mk.) unJ Nordamerika (1189־,•Kl Mk.) die grössten Beträge geliefert. Die Sc Ibstbe Steuerung erbrachte leider nur den geringen Betrag von 3262.99 Mk.. au dem mit nennenswerten Summen nur Oesterreich, Russland, Deutschland und England beteiligt sind. In den meisten Ländern, die grossere Summen ahgefiihrt haben, erreichen die allgemeinen Spenden ohne I»■• sondere Zweckbestimmung annähernd '/> der vni dem Laude insgesamt aufgebrachten Summe, wäiirem! die iibrigcu Saiumelmittcl ihre alte Beliebtheit in den einzelnen Ländern ziemlich unverändert hei• behalten zu haben scheinen. So bringen z. B. die Sn m m el bogen bis Jetzt grössere Beträge mir aus Oesterreich (2233,53 Mk.) und Russland (1129 M. 52 Pf.), und das Oesamterträgnis der Sainniclbogcn beträgt nur *1050,75 Mk. Neuerdings ist vom Haut!!• bureaii des Jüdischen Nationalfonds der Versuch gemacht worden, auc 11 in anderen Ländern die Sa mmc 1 b0gcn populär zu machen. Es bleibt abzuwarten, welchen Erfolg diese Bemühiiugcn in den kommenden Monaten zeitigen werden. An die Statistik der im I. Vierteljahr 1909 eilige* gangenen Nationalfonds- und Oclbauinsncnden. aus der wir vorstehend einen Auszug gehen, knüpft das H a 11 p t b u r ca 11 des J. N.-F. einige Bemerkungen, denen wir das Folgende entnehmen: Zum ersten Mal sind wir.bei der Be* sprcetuiug der vorliegenden Viertclialirsstntistik in der Lage, auf die Ziffern der gleichen Periode des vergangenen Jahres zmiiekzugreifen, um aus dieser Gegenüberstellung Schlüsse zu ziehen, die uns mehr sagen, als die Betrachtung der einzelnen Tabellen für s!ch. Mit «rosser Genugtuung können wir konstatieren, dass die Lutgäuge. des J. N..P. erheblich gestiegen sind. Um rund •fO Prozent erhebt sich die Eiidsunuuo der vorliegenden Tabelle über die Endsumme der gleichen fab eile des vorigen Jahres. Von M.64 185.24 ist sic auf M. 89 937,02 gestiegen. Ein gewiss erfreu lieh er Fortschritt, der uns zu der Hoff״,!״« berechtigt, dass senon in naher Zeit die ahrcscingangc des J. N.-F. auf eine halbe Mil* I i 0 ״ F r a n c s steigen werden. ״,׳Cli״^CAarS ,ßrösscr? Teil unserer Sammclstcllcn Silm»bSrtÄ״"״ D'° 2י״2'״ י״ A"' Russland + M. 10 802.38 (78%) Amerika + 114%) 6445.89 ״) England + 603,22 4 ״ (abzüglich der aussergewöhnlichen Spende des Herrn J. Moser Im Befrage vor .M ' (Porisetrw auf S2U3 220.) ו