Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 216. JUUDISCli. ," |: וי 5J . D S C ii A U No. 19. Kinc 1. vielen entgangen .sein dürfte —: JCangwill hat nicht etwa auf die ״N e 11 e Türkei״ ««:wartet, um wegen seines Territoriums *11 verhandeln — der Anfang der Cyreuaiku-Saclio fallt noch in die Zeit des alte u Regimes!) Oie ..kleine Kolonisatioii" ist Zaugwills roter Lappen, sein Schreckgespenst, sein Albdruck. Ich hatte ihm noch in der Maienblüte der ...ITC)" (d. h. im Außust/Scptcnihcr 19(15) aus meiuett Vorräten Cypern ״angebotcu“. Per grosse Mann lehnte es ab. ״Wenn ich eine k I c i u e Stiche wollte," sagte er, ״konnte ja Cypern «erade recht sein, aber wir wollen keine kleine Sache."-. ... Cypern hat Kanin für fast eine Million KinwauUcrer. — Zaiigwill hat es aber vorgezogen, seine Million Ktiilßraiiten (die wirkliche Ziffer ist etwas kleiner!) nach den SiidstaUten Uncle Sam's *11 ״infiltrieren". Wolilgeincrkt: — »lute ״Nuclcus"* und derlei Mit«* lichkeiten und ohne autonome Basis, Dafür aber in den — von ihm so sehr perhorrcszlerten — ״verscliicdeiien Richtungen". Kinc Antwort auf meine Kragen hat also */an«• will n i e h t gegeben, — Oder eigentlich d o c h. indirekte. Sein Schweißen gibt ia zu: 1c Kimvilligimg der türkisciten Regierung hat er 11 i c 111. 2. Die Ideen der ״.ITO" betreffs ihrer Autonomie vertragen nicht die rauhe Luft der ()öffentlich• keit. 3. Die materiellen Mittel der ״JTO" sind g 1111 s t i g s t c n Kalls ״Versprechungen iiir den Kall einer Unmöglichkeit."׳*) •I. Die nicht vorhandenen Mittel der ״.ITC)" wären nicht nur für die ״.ITO" oder nur für Cyreuaika *11 haben. Mehr kann mau cißcntlich nicht verheißen. U n s /. i o 11 i s t c 11 hat Zanßwill einen höchst wertvollen Beweis für die Richtigkeit 11 n s e r e r Lösmiß an die liainl gegeben. I'relllch nur einen u e ß a t i v e 11 Beweis. Aber bei der bedauerlichen Laiißsamkeit, mit der die positiven beweise kommen, ist auch das sehr willkommen. Die ßcoßraphische Wissenschaft hat auch aus der ״internationalen Ratlosigkeit" der ״.IT()׳' profitiert. denn der (übrigens recht günstige!׳ bericht ist w i r k l i c lt wert v o l i. — Die geographischen Gesellschaften sollten daraufhin Mr. Zaugwill *um Khrcmnitßlicd eriicnucn. Seine 1׳c wese neu Anhänger freilich hätten (Irund, Ihn ßleichz.eitiß — für eine so beispiellose Irreführung der Oehent- UcUkcit — zu h ä n ß e 11. — Hoft'eiulicU tun sie es nur ..in cffißic". Ks wäre lifihscli. wenn wir — bis hundert .fahr', wie mau im flidisclien Osten zu saßen pfleßt — auf dieses lebeiuliße Dclspiel hitiwciscn künnten, wie schwer es ist, unserer Lösung eine bessere ßcßeuüher z.u stellen, I Nämlich der Unmöglichkeit, ein Land zu finden, das menschenleer von der lietrciiciulen Regierung z u 11 a h e u und ohne lattßc Vor• hercituiißui für eine M n s s e 11 k 10 ״ n I s a t i o n in Icticr Hinsicht tntd zweifellos geeignet ist• — Also cißcntlich eine ganze Reihe von Unmöglichkeiten! r neunte1 Zic 1*״ o> * י•"» -hongress Wie uns initßctcilt wird, soll der neunte Zio* iiistcn-Koiißrcss, der nach der blsherißcn Uelnuiß im Juli oder Aiißiist dieses Jahres hfittc stattfinden müssen, erst im Dezember 1909 abßchaltcn werden. Ort und trenaue Zelt dar Tagung werden später bekannt gegeben werden. Obwoiil wir die Clründc. die für eine s» späte Abhaltung des Koiißresscs ina.ssßeboiid ßewesen sind, nicht kennen, ßlaiiben wir doch der Mcimuiß Aus• druck «eben zu .sollen, dass der Zeitpunkt uns wenig günstig erscheint. Abßcschcn von anderen Orüttdcn vor allem deshalb, weil ßerade Jetzt eine Steilungnähme des Zionistcn-Koiigresscs zu der Neuordnung der Diiißo in der Türkei erwünscht gewesen wäre und auch allßciuein erwartet wurde. Auch auf den besuch des Kongresses'aus den entfernteren Ländern dürfte der Dez.embertcruün einen uugüiisUgeu Kitifluss liahen. I US ALL6R W<־LT:: Deutschland Zum Fall Bloch üeßeu das Urteil des Kricßscerlehts der 29. Di- \ ision. welches den Rittmeister Q r a f c n von Uersdorft, der unter der Anklage stand, den jüdiselicn Kini'iltrigcn b 10 e 11 durch fortgesetzte nntisemitische ,Beschimpfung in den Tod getrieben zu haben, z.u z. w c i Tagen Stubenarrest ver• urteilt luittc. haben sowohl die Ankiaacbehürdc als auch der so äusserst milde bestrafte Angeklagte Berufung eingelegt. Die Verhandlung wird in drei oder vier Wochen stattfinden. Übrigens hat auch der Uefrcite Soister. dessen Aussage im ersten Prozess den Angeklagten belastete, gegen seine wegen angeblicher Unglaubwilrdigkcit erfolgte א i c 111 v e r e i d i g u u g Protest eingelegt und neue Zeugen zum Beweise der Wahrheit seiner Uchttupturnen nngeboten. * In der ״K 6 I u i sc 11 c 1t V״ I k s z.e i 111 n g" vom I. Mai lesen wir: ״Der ״Ulk" brinßt ein Ihld, :וווו dem drei Porträts: ״der belßisclie Herzog", ״der polnische Sclilaclizitz" und ״der römische Priester" ziisaiimiengcstclit sind lind setzt darunter: ״Diese drei lasst man zusammen unter dem Namen deutsche Zentrmnspartcl." Dazu bc* ineikt die ״Germania *; ״Offenbar würde der ״Ulk" an dem deutschen Charakter des Zentrums nichts aus• ziiset/.vii liahen, v. emi er auch noch das Porträt eines Juden hätte hinz.utägen k'innen.“ Vielleicht in diesem Kalle sogar eines galiz.isehen Juden. Im übrigen sind wir überzeugt, dass die gesamte an* ständige deutsche Judcuseliaft die Kreehiielt des Ulk gerade so verurteilt, wie die deutsche Zeiitrumspartcl »s tut." Auch wir sind der Ansicht, dass der ״Ulk" für seine Karikaturen weit n ä h c r I i c g e n d c Typen hätte finden können, wäre. Kr tut das hur wegen des Vergnügens, ן den Hebräer Kratzen schneiden zu sehen, wenn j er in seiner Haut zu schneiden beginnt und dem! Publikum ein so einziges Schauspiel als Zu-! Steuer zu dem Oktohcrfcstc zu liefern. Willst 1 du mit. so stelle dich morgen früh um 6 Uhr! ans Glicttotor, dort wirst du mich treffen, ׳ arivederei! Und damit hinkte der Bettler fort, j Diese Krzälihmg, welche auf Sixtus einen! tiefen Kindrnck gemacht, veranlasse hm dieser Sache genauer auf die Spur zu kommen, was ihn zu jenem Gange, den wir eben beschrieben, bewog, Ist cs wahr, dass ein solcher Frevel geschehen soll, so muss ihtu gesteuert werden, dem kecken Richter muss ein Strich durch seine abscheuliche Rechnung gemacht werden! Mein Hirtcnstab muss wohl schon wieder einmal mit der Schleuder vertauscht werden. Dein Handel muss ich auf die Spur kommen. IV. An jenem Abende, an welchem das Gesprach des Antonio mit Portia stattgefujiden, von dem Sixtus Zotige war, ereignete sich noch eine andere Szene. Kitt Mädchen eilte mit raschen Schritten dem Tore des Ghetto zu, das nun bald geschlossen werden sollte. Vcrzwoiflung schien sich des Mädchens zu bemächtigen, sein Blick war stier, sein Aussehen glich dem einer Wahnsinnigen. Ks war Jessica, die Tochter Sltylok's. Wohin so eilend, sprach der Papst, welcher das Mädchen atifhielt, was setzt dich so in Hast, Mädchen? Lasst mich, amwortetc Jessica, ihr sehet, dass man das Tor bald schliesseu wird. Sei unbesorgt, erwiderte Sixtus, der sieh zugleich dem wartenden Kriegs• kneelit näherte und ihn hat, indem er ihm eine kleine Siihcrinünzc reichte, das Tor nur noch einige Minuten geöffnet zu lassen, da er mit der Hebräerin zu sprechen habe. Sage mir, fragte nun Sixtus, was dir denn Unangenehmes begegnet ist, du sichst so ganz verstört und zerrilltet aus, vielleicht kamt dir meine Teilnahme nützen, vielleicht kamt ich dir gar helfen. Ich dank euch, antwortete Jessica, für euere Teilnähme und Bereitwilligkeit, aber ihr habt keinen Balsam für meine Wunden. Du musst nicht gänzlich verzweifeln, tröstete Sixtus, du kennst vielleicht den Vers des Psalms, in dem cs heisst: siche cs schlummert nicht, und lässt nicht schlafen, der lliitcr Israels, der schltimmert selbst nicht, und lässt auch solche nicht schlafen, die er als Hüter eingesetzt hat. Vielieicht kann ich dir, obwohl nur du armer Bettler, Rat oder gar Hülfe verschaffen. Gott wählt zum Schutze der Gerechtigkeit oft die unan» Russland Die Juden In Sibirien Die Lage der Juden in Sibirien liat sich in <!<:״ letzten Jahren wesentlich verschlimmert, besonders leiden sic hier in ihren kulturellen Angelegenheiten. Nach dem Zirkular des Kriegsministers vom י;’ Januar 1908 (No. •157) haben auch diplomierte .l,״!cn kein Wohnrecht i» Ostsibiri c n jenseits des Bhikalflusscs. hi ganz Sibirien fällt es schwer, jüdische Lehrer z.u finden, die liier das Wohnrecht haben: vollends uninößlioh ist es nun in OstsiDiricn. Dasselbe ßiit auch von Rabbinern und anderen Ko’tusi beamtet! Die eingeborenen sibirischen Juden he. sitzen wenig jüdische Kenntnisse, mul aus dem west, liehen Russland elrißcwandcrte Juden, selbst Di!»!»,, micrtc. haben dort kein Wohnrecht. So mmste die Jüdische Schule in T s c h 11 a wegen Mang.•! Lehrkräften geschlossen werden, ln Wer eh neu. d 111 s k wurde ׳:ine schöne ,.Talmud-Thora" er• richtet; sie konnte aber aus demselben Orunde uidit eröffne» werden, und die armen jüdischen Ki'iJcr erhalten keinerlei Unterricht. Noch schlimmer steht cs mit den Rabbinern. Der Gouverneur crliess <;na Befehl, wonach im gesamten ostsibirisclicu U.bict jede Synagoge einen besonderen Rabbiner haben muss, — sonst würde sie v o n d e r A 11111 inj. st rat io n geschlossen. Wo aber nun. r,״ch dem obigen Zirkular. Rabbiner hcrnchmcii? — An äeu Dinnaahgcordiictcn ücleussow wurden inU.rcrc Briefe von sibirischen Juden gerichtet, naii.c!;::;!; aus Tomsk und den angrenzenden Gouverneur.•.::*, worin mitgettfilt wird, dass die Administration iciclie. seit langen Jahren ansässige jüdische Ka m i I i c n a n s g c w i e s e n hat. Der AbgcorTk 1c wird gebeten. ..irgendwelche Krleiehtcruugvn giessen Unglück z.u erwirken." Leider nach •: :1 bisherigen Krialiriingeii ist in solchen Fällen «uu; Aussicht auf einen Krfolg, selbst wenn der AI:־..• ordnete sich alle mögliche Miilic gelten sollte. Jüdische Mohammedaner in Kussland Am 29. April ist folgende Scnatsentsclieidmiß offiziell publiziert worden, deren Resi1h.it wir bereits früher mitgeteilt haben: ..In Beratung des Rapports des Ministeriums ö.s 'i'ncrii über die zwei Kragen; 1. Haben Juden *.,.•> Recht, zum imiliamiiiedaiiischen Glauben überz.iitren;? 2, Werden sie dadurch von den verschiedenen Be• Schränkungen befreitV — Findet der Senat: I. d, •s das Allerhöchste Manifest vom 30. Oktober 1905 ikr Bevölkerung Freiheit von Gewissen und (Hauben g׳-• schenkt hat: 2.dass das Nichtvorhandensein von;•־.׳• sctzliclicn Bestimmungen nber die Art des Leb*:• tritts von einem OtuuFcu zu einem andere״ nicht n.s Hindernis iiir den Übertritt selbst dienen kann: 3. da-s die Gesetze, welche jüdische Rechte besohränkvn, für alle nicht dem c 11 r i s 11 i c h c n Glau 1״* ׳;1 n 11 ä 11 ge 11 d e 11 Juden Giltigkeit liahen: •i. da" seit dem Manifest vom 30. Oktober keine Ycr»r.:• nungeii wegen der Resultate des l'ehcrtritts v• .1 Juden zu einem anderen, nicht christlichen Glauben erlassen sind. Hierauf hat der Senat ln seinem Krlass an den Minister des Innern vom •J. März. 1909. No. 2029. er• klärt: 1. luder, dürfen zum mohammedanische■!; Glauben übertreten: 2. dadurch werden sie von de; auf ihnen lastenden Beschränkungen nicht befreit." 1 Da ist wenigstens der ״christliche Staat" k״ustiiuent. sehnlichsten Mittel und Werkzeuge. Den Riese:: Goliath hat der Hirtenknabe David bezwungen, der verstossene Jüngling Joseph Uettcte tansende von Menschen vom Hungcrtode. Ats Jessica diese salbungsvollen Woiu. aus dem Munde des Bettlers vernahm, iass;: sie Vertrauen zu ihm und sprach: Ich komm•־ vom grausamen Antonio Zavcllo, der für B •1' Zcchinc» meine Unschuld oder meines Vaters Leben verlangt, ich komme vom Obe meine׳■׳ de Rota, dem Oheim des grausamen Amon:<׳. ich bat sie nur noch um einige Tage Am* seluib, hoffend, die 11)01) Zeohinen zusammenzubnjngcn, aber Antonio, meine Verzweiflung merkend, beharrt auf seinem Vorhaben, und der Oberrichter hat mich mH Härte entlassen und meinte, dass das jetzt, nachdem da יי Pfand einmal verfallen, zu spät sei, sein Neffe werde gewiss das Pfund Fleisch so sanft als möglich hcratisschneidcn lassen. Auch soll es an einem geschickten Chirurgen ihn zu verbinden, nicht fehlen. An einer solchen Wunde stürbe der Mensch nicht immer. So mag Gott einen seiner Kugel senden, uns aus der Not zu erlösen I rief tief seufzend das Mädchen, und vergoss heisse Tränen. (Schluss folgt.) t )