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Jüdische Rundschau · 1909-05-07 · Heft 19 (7.5.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 215. No.J?! yI1< *ciKl. JwJcי* ״"'«'» werden können, ohne dabei *״ verhauen!. Und nun »He Schulen, I'rniizüslsclicr Geist Ist w nicht, der in den Kolonien herrscht und der französische l-dircr In Rlseliou klaute mir auch sein Leid. Ich wciss ״icllt• oh erhebend ist, wenn eine S־h»derin der ersten Klasse in einer häuslichen Arbeit אשי' יולדניך übersetzt: heurcusc qui ta KCOUvhcO, utiKcffihr auf Deutsch: Olilcklich deine Hchaiinne. Aber ob cs echt Jüdischer Ocist Ist, der auf den Kolonien im Allgemeinen herrscht, das war mir doch gelegentlich recht fraulich. Diese Qlcich• cfillich'it ucucn die Religion, die man vielfach trifft, ist umicMinslelt. (lcwiss wird llbcrall biblische Ge- Kliieliie edehrt, aber cs kommt Immer auf den fleist n״. >» der sic gelehrt wird, ob als die Ge• schichte einer Nation wie alle andern oder als die Ge• schichte eines Volkes, bei dem Nationalität und Rcliuion in eirunder verschmelzen. Man kann nun einmal nicht mit einem Federstriche die Rcliuion aus den! Lehen des jüdischen Volkes ausmer/.en. Hs bleibt nicht viel übrig. Dass man aber andererseits den Cheder auch in den Kolonien clnucführt hat, Ist natiiruidriu und ucradezu abschreckend. Die mittlere l.lnlc kann uefnnden werden und ist uefunden »Orden. Die Schule in Hkron zum Beispiel wird, soviel i.h ueschcn, rcliuiös geleitet und ist in keiner Weise schlechter als die anderen, wenn auch die Kinder hei der nicht günstigen Laue der Kolonie etwas •innliehcr ausschcn. Und trotzdem gibt cs auch d>*tt ein Cheder. IVtehr oder weniuer sprechen die .luden Palästinas arahise!׳. genug, um sich der Bevölkerung verstund• lieh /n!tt.ielim. manche so gut, dass man sic nicht \nn dn Maliern unterscheiden kann. Sie sIhrcii auch arabischen Lieder mit derselben einförmi• cm Mi ,.eie "ic die Araber seihst, und im Munde der i!.1.'%> ־en Kinder aus Mesopotamien und Arabien Klimt* >!.׳s Hebräische selbst beinahe wie arabisch. Pie KiiiD'iiehstabcn sprechen sic uanz anders aus als Mi! ln dem harten eh haben sie verschiedene Nuancen und das y, das wir überhaupt nicht heraushriiiücn. hat bei ihnen einen nicht gerade fistheti• sehen. .יKt deutlichen Laut. Man darf dem Arabi• scheu ui Serien eine grosse Zukunft Voraussagen. Mit de! Freiheit wird ein nationaler Aufschwung kismine!!.;.!;!bische Zeitungen, arabische Bücher, das wird dem jetzt allmächtigen Französisch nicht wenig Konkurrenz machen. Man siebt cs in Egypten, wo die arabische Sprache langsam, aber sicher selbst In die gebildeten Kreise cindringt. Ks gibt dort füdisclte 1’amilieii. die zuhause arabisch zu sprechen an• fangen, weil sie und vor allem ihre Kinder cs am ineiMvii hören mul deshalb am leichtesten sprechen Jedcnj.iÜN witd mau leichter ohne Französisch in Palästina auskouunen als ohne Arabisch. Mit der Befahr einer Arabisiermig der Juden hat cs natürlich gute Wege. Eigenartig ist es, dass bereits einige Araber s ei» etwas Hebräisch ungeeignet haben. Verlassen wir die jüdischen Kolonien, die Hings der Meeresküste zwischen dieser und den Judfiischcn Bergen /. T. recht malerisch auf einer welligen Kbetie lagen, Wir erreichen in Ramtel! die Bahn• linie von l.ifia und fahren an der Kolonie Artuf vor• bei. dami durch wilde Felsschluchten und durch das altben!!,! tc Betar entgegen dem Ziele unserer Scliiisii, :.t. Jerusalem -. JUSPISCllü RU Ix DSC KAU -—-ן—-— - Zur Cyrenaitiafrege Wir erhalten von Herrn Eugen Doctor, der seit langen Innrcn für die Besiedelung Cvrcnalkas durch JuJen clntrltt, folgende Zuschrift, die wir angesichts des aktuellen Interesses, dass diese Frage Jetzt Infolge der JTO-Publikatlon über Gyrenaika bat. die bekanntlich zu einem negativen Resultat kommt, wiedergeben, ohne uns selbstverständlich mit den Anschauungen des geehrten Herrn Verfassers identifizieren zu wollen. Herr Doctor begibt sich übrigens eben letzt auf eine Itlngcro Studicnrolso nach Cyronnlko, von der die ״Jüdische Rundschau" Berichte veröffentlichen wird. Gleichviel oh dieser Plan reale Aussichten hat oder nicht, oder ob ein neues Projekt überhaupt wllnschens• wert erscheint.* da noch so viele Kräfte für nndero uns n.'ihcrlicgondc Pläne fehlen, halten wir eine Prüfung und Klärung der Sache Jcdcnlalls für wünschenswert. Red. der ״J. R.'\ Seit zwanzig Jahren trete ich für eine Jüdische Kolonisation der C y r e 11 a I k a, des heutigen Vilajet Bengazoi ein und Gerhard R 0111 f s war der erste und wohl der auch kompetenteste, welcher diese meine Anschauung begeistert befürwortete. — Siehe meine bezügliche Veröffentlichung unter Wiedorgabc des Rohlfsschcn Briefes in der Jüdischen Presse", Jahrgang 18%. — Die traurige Lage der Juden in Russland und Rumänien, die Krisis in Amerika, schreit dringend nach neuen luuiiigrntlous-Lümleru, Welches andere Land sollte wohl günstigere Voraussetzungen bieten, als die Cyrennika, das alte Jüdische Stammland? Meiner Anregung entsprechend, sandte die JTO Im Sommer verflossenen Jahres *eine klcino Expedition hinaus, die leider den bekannten Tatsachen nichts neues hinziizufilgen vermochte und zu Schlüssen gelangte, die nicht optimistisch lauten. Dieselben können aber keineswegs irgend welchen Anspruch auf Kompetenz machen, umsoweniger als die Kommission in der trockensten Jahreszeit — Juli- August — ihre Studien machte und so naturgemässzu einseitigen Resultaten gelangen musste. Besonders hallt aus den Berichten die Feststellung eines gewissen Wassermangels wieder, welchen man um diese Zeit hüuiig selbst in mitteleuropäischen Ländern konstaticrcn kann, so dass also diese Feststellung wenig bedeutete. Nach den übereinstimmenden Berichten anderer Reisenden lässt sich in der Cyrenaika dieser Mangel sehr leicht durch Graben von Brunnen und Anlage von Reservoirs belieben. Das Land ist fast gar nicht bevölkert und besitzt ausser den drei Plötzen Beug n z I, Dem n und M e r j keine fcsthcwohntcu Ortschaften, wenige Beduinen schlagen hier und dort ihre armseligen Zelte auf, um mit Schafen und Ziegen die fetten Weiden etwas abzugrasen und wohl auch etwas Gcticidc auzuhauen. Ks kann der Pforte nur willkommen sein, wenn flcissigc Hände das dünn bevölkerte osinanlsche Reich beleben lind demselben eine wesentliche Stütze werden. Die geographische I.a gc des Landes ist hervorragend günstig, schon als Nachbarland Ägyptens. Es ist Bier genügend Raum für eine Be• vöikcruug von 1% Millionen Menschen, während heute kaum äOOOO Seelen daseihst ihr Lehen fristen. Die mannigfachen!,rojekte, welche bisher von der JTO favorisiert wurden, kranken von vornherein an dem Mangel gesunder Voraussetzungen. Unscro Rasse, soweit sic in den niedergedrückten Massen Russlands, Rumäniens etc. repräsentiert wird, neigt durchaus nach dem nahen Orient zu und alle Mache kann hieran nichts ändern. Wir Iiabcn dies an den törichten Uganda- und Guyana-Projekten zur Qenüge erfahren. Unscro Devise kann nur Palästina und Nachbar- Binder sein und unter diesen letzteren steht Cyrenaika voran. Eug-cn Doctor. * I Von Herrn Tr letsch erhalten wir zu dieser Frage folgende Zuschrift: , In No. 18 der ״J. R" wird aul meinen ״Offenen Brief an Mr. Zangwlll" Bezug genommen, resp. auf Zangwills darauf zu erwartende Antwort. — Ich hatte ntm s. Zt. an das Bureau der ״JTO" In ähnliebem Sinne direkt geschrieben und den Sekretär ersucht, Mr. Zangwill von meinem Schreiben Kenntnis zu geben. Auf dem gleichet» Wege ist cino sogenannte Antwort erfolgt, und es dürfte für Ihre Leser von Interesse sein, zu erfahren, was darin stand mul besonders was nicht darin stand. Statt einer Antwort auf meinen Brief werde Ich nämlich belehrt, dass das Programm der ״JTO" sei: ״Die Beschaffung eines Territoriums auf autonomer Basis für diejenigen Juden, die In den Ländern ihres lAiut^oH AiirAHttmitAe nirht hioihon körnten oder wollen." Was diese Auskunft mit meinen Fragen zu tun haben soll, Ist recht rätselhaft, — man braucht aber deshalb an kein Vorsehen in der Beantwortung zu denken — in! Oegenteil —: sic passt vollständig zu allen übrigen Verlautbarungen der ״JTO", die Ja auch recht rätselhaft sind. Weiter heisst cs in den! Schreiben der JTO", ״dass kleine Kolonisationen in verschiedenen Richtungen von ihren! Plane ausgeschlossen seien." Dagegen sagt schon der nächste Satz: ״eine kleine Kolonisation ist für die JTO" nur möglich, wenn sic den Nuclcus einer grossen h i I d e t, oder wenn sich zeigen lässt, dass sie als Vorbereitung zu ihren grösseren Zielen führen kan n." Also wäre der ״JTO" eine kleine Kolonisation doch möglich und Hesse sich jederzeit verteidigen. Argumente sind Ja wohlfeil und manchmal sogar richtig. Die viclgcschmähtc (besonders aus de! ״JT()"-I,sycltologlc heraus viclgcschmähtc) Kolon!• satinii der Chowevc-Ziou war ganz sicher so eine ״Nticleiis"• oder ״Vorbereitungs-Kolonisation". Die ״JTO" könnte also — nach all den hohen Tönen in den letzten 4 Jahren — auf Grund dieses Programiiics, da anfangen. wo 15 Jahre vor dein politischen Zionismus die — Chowcvc-Zion angefangen Italien. In ähnlichem Massstab und mit älmliehen Methoden, Sogar im seihen Lande. Denn Zangwills neuerliehe Abneigung gegen Palästina muss wohl wieder seiner früheren Zionslicbe gewichen sein. Sonst würde er doch nicht als Argument für Cyrenaika seine Nähe zu Palästina geltend machen. — Auch gegen die Türkei hat er kaum noch etwas cinzuwcndcn, denn Cyrenaika ist ״noch türkischer als Palästina". (Ucbrlgens — was hinimtcrsteigcit, in die Tiefe des Ozeans, wo eine ewige Ruhe in ewiger Dämmerung waltet, heute will ich unter Bettlern frei von der furcht der Vergiftung, eine Klostcrsuppc verlehren, das karge Mittagsmahl vor dem Kloster soll mir besser munden als die Kraft- und Icckerspcistn meines Koches. Die Bcttelsuppe in sicherer Kulte schmeckt besser, als der Leckerbissen in ewiger Todesfurcht. Bald nach diesem Selbstgespräche vcrllcss er, in einen zerlumpten Bcttlcrmantcl gehüllt, den Vaiiknn und w,änderte durch die Longara im Trastcvirc der Kirche St. Pietro in Montorio *״• Zu seinem Erstaunen bemerkte er eine ganz ungewöhnliche Anzahl von Bettlern dieseihe Strasse ziehen, und sich noch beträchtlich vermehren, als er ans dem Tore getreten war, der Weg sich den Abhang des Janicolo mnan־zie11t, und nach der alten Wasserleitung, sowie nach dem genannten Kloster dort. Bett- |er und Bettlerinnen Jeden Alters und mit allen Gebrechen des menschlichen Körpers behaftet, Krüppel aller Art, zogen, hinkten und huschten ohne Beine mühsam mit den Händen sich tortschiebend In •einer langen Reihe teils 0011 kürzeren Fusspfad, teils, den länger fen und bequemeren Fahrweg hinan. Noch *toufc kann man, an Festtagen besonders, solche Scharen den Kirchen und Klöstern zu, in der ewigen Stadt dahinzichcn sehen. Ehe die Glocken zu Mittag läuteten fand sich dann die ganze ehrbare, zerlumpte Versammlung an der Klosterterrasse versammelt, jeder mit einem blechernen Geschirre für die Suppe versehen. Auch Sixtus reichte das seine hin und empfing die reichliche, duftende Speise nebst einem Brote, Pagnotcllo genannt. Er setzte sich in den Schatten eines Maulbeerbaumes, und genoss mit gutem Appetit seine schmackhafte Suppe. Als er geendet und der Segen gesprochcn, rief er: Das war ein kostbares Mahl! Möge cs Gott gesegnen! Sich umwendend, erblickte er einen Bettler, der ihn folgenderweise anrcdctc: Die Suppe könnte immerhin heute etwas kräftiger nach Fleisch schmecken, da der edle Antonio einen Zuschuss gegeben, aber ich bemerke keinen grossen Unterschied gegen gestern. Was denkst du davon? Zavcllos hundert Scudi werden wohl durch andere Kehlen, als die der Armen gehen. Heute hat’s mir recht gut geschmeckt, entgegnete Sixtus; wie cs sonst Ist welss ich nicht, da ich heute zum erstenmal meine Suppe auf den Janicolo get* nlcssc So bist du wohl aus der Fremde? Bin! seit gestern hier in Rom; bisher lebte ich in I Qvita Castollana, da wurd’s von Tag zu Tag langweiliger. Passiert nichts, ein Tag vergeht gleich dem andern. Und die Kost ward immer schlechter. In Rom, dachte ich, kann’s unsereinem nie fehlen. 0, erwiderte der Bettler, du könntest dich doch geirrt haben. Viel Säue, sagt man, verderben den Koben. Aber langweilen wirst du dich nicht, und gerade letzt kommst du zur rechten Zeit. Der Zavcllo, dessen Freigebigkeit wir eben beute eine kriittigero Suppe und ein besonderes Pognotcllo verdanken, hat seinen Prozess gegen den Hebräer gewonnen, und morgen früh soll an der Bocco dclla Verita der Jude geschunden werden. Sixtus ward aufmerksam. Das ist ja eine eigentümliche Prozedurl Ein Hebräer wird geschunden, sagtest du? Ei ja! Er hat sich dem Zavcllo mit einem Pfund Fleisch, malte seinem Herzen, für eine Schuldforderung, so gleichsam zum Scherze verschrieben; aber die Zavcllo verstehen keinen Spass, morgen wird Ernst daraus! Wie gross ist denn die Summe, fragte Sixtus? Man sagt 1000 Zcchinen. Fürwahr viel Oeäd für 1 Pfund Judenfielsch, da das beste Sauflefsch um 6 BaJochi feil ist. Und was denkst denn du, fragte Sixtus, dass so 1 Pfund Menschenfleisch wert sei? Keine Quatrino gebe Ich darum 1 Zavello vermutlich auch nicht, wenn das Vieh schon geschlachtet

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