Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JU.ED1SCHE RUNDSCHAU Seite 207. ״Erez Israel“ Man muss diesem Buch*) gegenüber eine andere Stellung cinucluncn, als cs 1111 allgemeinen ReisejchilJcrunsc•• gegenüber am Platze Ist. Es ist ein guili von Ranz besonderer Art, und cs reiht sich ichwcr in irgend eine der «blichen Kategorien ein. /um Teil ist cs Rdscschilderung, zum andern Teil Koloiiisatimisgcwlilclitc und zu einem nicht unbeträchtliclien '!*eil ist cs Politik. Und nimmt man cs ,1$ Ganzes, so ist es doch wieder von allem so weit entfernt, dass man nicht wagen wurde, cs so oder 10 anzusprcclicn. Dann stellt cs sich als ein rein persönliches Huch, man küniito fast sagen als eine Bekennt!:;ssclirift dar, die umso anziehender ist, weil i-c von einem stammt, der nicht nachspricht, was jan* um! gäbe ist, der wirklich One Meinung hat, den nun: diese Meinung im Laufe seiner Erzählung gewinnen oder modifizieren sicht, und der Sans peur ausspricht, was immer er über die Dinge denkt, auch wenn er den schroffsten Widerspruch oder Intertssierte Feindseligkeit mit Sicherheit zu erwarten bat- S> entwirft der Verfasser, das bekannte Mitglied des l’ngcicii Aktions-Komitees der Zionistischen 13cmccm 1g. m dem Schiusskapitcl seines Buches, das er dem Zi1:״.siuiis widmet, ein politisches System für die zionistische Bewegung, von dem er natürlich genau v css. dass es nicht den Intentionen der beutigen /:״nistiselicn Politik, die er ia selbst mit rächt. 1:u>prici1t. Pr gibt cs auch ausdrücklich als rein persönlich. Und dass cs wohl heute durch die Entwickln::.; der Dinge überholt ist, darf man nicht Kiiwcr :uircchncn. da ia bekanntlich durch diese Entwicklung so ziemlich alle Welt auf das Acusscrste iibcrrasclu wurde. Aber der Mut Ist sympathisch, mit dem K a 11 n sein Schema für die ״Eroberung" Palästinas entwirft, ohne Rücksicht nach rechts oder links. Und sympathisch ist dieser im besten Sinne persvnliclic, k'inahc intime Ton des Buches auch dort, vm der Verfasser die Freuden und kleineren oder grosseren Leiden seiner bisweilen etwas beschwerliehen Rc.se erzählt, wo er von den jüdischen Kolodien und den jüdischen Kolonisten spricht, gleich sympathisch. »!11 er mit wissenschaftlichem Ernst über Kolonisation oder Untcrrlchtssystcmc, über die Verdcrbliclikc.t der Chaluknh oder über morgcnl.'indischc Sitten und Unsitten, über Eisenbahnen, Banken oder Kunstschulen spricht. Ucbcrall fühlt man die warme liebe ftir Palästina und für das jüdische Volk, die den Verfasser zu seiner Reise veranlasst, und die ihn auf seinem Wege geleitet hat. •Man kann aus dem Inhalt des Buches nichts erzählen. F.s ist eines von jenen Büchern, die man In ruhigen, beschaulichen Stunden In sich aufnimmt, die nicht zu blinder Begeisterung entflammen — dazu ist der Verfasser ein zu kritischer Beobachter — die iber den Geist, aus dem sie geboren wurden, unmerklich, doch desto sicherer und tiefer in den Leser fberstrümen lassen. Es Ist ein Buch, das wohl keiner für immer aus der Hand legt, ein Buch, in dem man immer wieder liest und blättert, wenn man im Geiste Erez Israel und seinen Bewohnern nahe sein möchte.- Bass dies Buch auch eine seiner würdige AnsiWtuug erfuhr, sollte Jm Orundc selbstverständlich sein, sei aber ausdrücklich noch besonders und mit Bank anerkannt. Eine ganze Anzahl photographischer Aufnahmen, vom Verfasser seihst gemacht, fügen sich vortrefflich in den Rahmen des Buches ein; eine Original-Titclzcichnung von Josef Israels ver* kilfl Ihm zu einem entsprechenden Oewandc. Eine feine charakteristische Probe für Stil und Stimmung des ganzen Buches geben cinlgo Sützc am Schluss des Vorwortes, die hier ®Ino Stelle finden 8*bäten. Dort sagt der Verfasser: ״Ich bin kein Schriftsteller; Ich bin Bankier, ״ein Zweck war, Palästina aus eigener Anschauung { »ennen zu lernen. Ich bin nicht hJng'egangen wie fle meisten Palflatlnardscnden, wie Geistliche und *) Erez Israel. ״Das Jüdisch« Land." Von J. יי• Kann. Mit einer Titolxclchnung von Josef 18־ ו01יז. Köln und Leipzig, Jüdischer Vorlag, 1009• *" Preis 3,50 M., gebd, 8«—• M, fromme Leute, die als Pilger wandern, oder wie die Gelehrten und Touristen, die dortliin gehen wlo In ein Museum. Ich bin als Kaufmann gegangen, um zu sehen und zu hören, ob es dort etwas für mein Volk zu erwerben gibt, für das jüdische Volk, das so arm ist an Freiheit, Qlück, Ehro und ungestörter Lebensfreude. Und am Endo meiner Reise war Ich mir Klar, dass diese heiligen Cllltcr In der Tat zu erlangen sind, und zwar im jüdischen Laude, Der Wege, die lilnfllhrcn, sind viele. Vor allem ober tut dio Vereinigung der Krüftc aller derer Not, denen das Wohl des jüdischen Volkes am Herzen liegt." Natürlich kann dieses feine und vornehme Buch gar viel dazu beitragen, und schon darum allein wären ihm zahlreiche Leser zu wünschen. Aber es wäre schade, wenn einer dieses Buch läse, nur um cs gelesen zu haben, Dabei kämen Verfasser und Leser zu kurz. Das Buch verdient Leser, die es so lesen, wie Jacob us Kann cs geschrieben, mit einer tiefen Liebe zur Sache und einem Empfinden für die eigenartige Schönheit des Landes und seiner Menschen, sr. Bücher-Bes prechungen ״Getaufte und Baldqetaufte“ Unter diesem Titel ist soeben im Verlage von Moriz Frisch in Wien ein Büchlein Qodlchtc er* schienen, das allgemeine Beachtung verdient. Nie- ״und fürchte sich, sie zu lesen. Denn cs Itaiulclt sich nicht um zarte, lyrische Herzensergüsse einer schönen Seele, sondern um scharf beobachtete und gut gereimte Satiren. Mail kann sic am besten mit den witzigen Gedichten von Ridcamus vergleichen. Während aber dort das Berlinische Element überwiegt, ist bei unserem Wiener Autor, der sicli bcscheiden unter dem Pseudonym ״Beda" verbirgt, mehr die österreichische Note betont. Von jeher Ist der Spott und dio Satiro chic der besten Waffen gewesen wider die Tnufo und die Assimilnnten. Und Bedas Büchlein ״Getaufte und Bnldgctnuftc" liefert uns eine neue vorzügliche Wnffo, die den Gegner, nllmlich den ״Meschiimiticd", Ins Herz trifft. Nicht mit Brustton der Uchcrzeiigmig und sittlichem Emst nilcln, sondern auch mit scharf pointierten, zündenden Versen, die sicherlich bald geflügelte Worte werden dürften. Es würde zu weit führen, hier als Proben einzelne Gedichte abzudrucken. Aber Schlager wie: ״Für wemcnoin bin Ich katholisch?", ״Wie man sich trefft Im Ampezzotal" oder ״Jeder Jod wird toleriert, wenn man gut hei ihm soupiert" werden bald in aller Munde sein. Denn fast alle Gedichte sind richtige ״Schlager', die sich vorzüglich zur Rezitation eignen. Unscro Gesinnungsgenossen, die In Gesellschaften zu dckla* mlcrcn pflegen, erhalten hier eine wirksame und dankbare Bereicherung ihres Repertoire die nun neben dem Schmerze Morris Roscnfclds, neben der Schn* sucht des lyrischen Jung-Juda auch dem freilich ein wenig bissigen Humor zu seinem Rechte hilft. Wie köstlich wird da wohl In einem Berliner W.W.-Salon etwa dio Rezitation des ״Fall Back" wirkenI Also ans Wcrkl Ein Jeder erstehe sich für eine Mark durch den ״Jüdischen Verlag" das Wcrkchcn. das durch eine flotte Umschlagzclchnung von Carl Josef einen besonderen Schmuck erhält. Jeder Zionist wird sich seines Besitzes frcucnl Von Beda aber, unserem zukünftigen, Jüdischen ״Wilhelm Busch", der fast allwöchentlich ln unserem bstctrclcWscUcm BrudetMatt, der ״indischen Zeitung" neue Verse veröffentlicht, hoffen wir, dass er uns bald wieder mit einem weiteren Bändchen der Kinder seiner Muse erfreuen wird. Curt Block. ״Wcstöstilcho Mlscoilcn". Von Samuol Moiscls, Xcnicn-Vcrlag, Leipzig 1908. Bei dem Mangel an literarisch-kritischen Köpfen, die sich mit der modernen schöngeistigen Literatur gründlicher und nachhaltiger beschäftigen, Ist dieses Buch eines Mannes, der ein trefflich geschultes literarisches Urteil besitzt, sehr zu begrüssen. Aus dem Inhalt sind In orstor Reihe drei Abhandlungen über Jungjüdlscho Lyrik zu nennen, welche einen umfassenden Ucbcrbllck über die deutsche indische — die Junghcbrülscho - und die moderno Jargonlyrlk geben. Wertvoll sind ferner dio Aufsätzo über dio polnische Schriftstellerin Ellso Orzeszko und Hermann Hcljermanne, dessen Ghettoschlldorungen gegenüber sich Mclsels scharf ablehnend verhält. Bemerkenswert sind die Ocdcnkblüttcr an Heine und ücrtliold Auerbach; dagegen hätte das Herzi gewidmete Feuilleton besser ungedruckt bleiben sollen. Ebenso entbehrlich sind die ״Zeitgemässen Betrachtungen" mit Ausnahme des Artikels Uber ״Jargon", den man sich nur etwas ausführlicher wünschte. Wenn das Buch trotz der unantastbaren literarischen Vorzüge mehr den Eindruck einer foulllctüiilstlschcn Sammlung hinterlässt, $״ liegt das nicht allein an der zu bunt geratenen Auslese; in der Hauptsache Ist die wenig sorgfältige Konzeption der Aufsätze daran schuld. Die einzelnen Abhandlungen sind in sich nicht abgeschlossen; cs fehlt Ihnen Jede Rundung. Sie sind scheinbar aus den Zeitschriften, in welchen sic zuerst veröffentlicht wurden, unverändert übernommen worden. Zum Schaden der Gesamtwirkung; denn der literarische Wert des Buches wird dadurch stark beeinträchtigt. L L. - Kbg. i. Pr. * Als eine Ergänzung der ״J c w i s 11 E n c y - clopcdia" soll eine ״Geschichte des Jüdischen Volkes" hernusgegeben werden. Wie Dr. F. De Sola Mondes, der Vorsitzende des Redaktions* nusschusscs mlttcilt, soll das neue Werk nicht streng wissenschaftlich gehalten, sondern mehr für einen allgemeinen Leserkreis berechnet sein• i Es wird 12 Oktavbändc von Je 600 Seiten umfassen und mit 1800 Illustrationen versehen sein. Eingegangene Bücher gÄÄ nicht »uulimJen. Di« m!« briclchnctcn Werke Und bereits xur Besprechung vergeben, *Graf Cohn, Roman von Paul Langen-?ehe idt. Verlag Dr. P. L. l.angcnschcidt, Gross- Lichterfelde-Ost 1909. 4 Mk,. geh. 5 Mk. ♦ Komödien einer Frau. Ein Roman in Briefen von Rcttiy de G 0 u r m o 111, München 1909, Verlag von Haus v. Weber. 3.50 Mk״ gcb. 4.50 Mk. * Der Doktor Lerne. Ein Schauerroman. Von Maurice Renard. München 1909. Verlag von Hans v. Weher. 4.50 Mk.. geh. 5.50 Mk. Gustav Alahlers Erho, Ein Mcltrne‘ zur neuesten Geschichte der deutschen Bllhuc und des Herrn Felix v. Weingartner von Dr. Paul Stephan. München 1908. Verlag von Hans v. Weber. I Mk. ^*80n8 der Zukunft. Von Hermann VII Ilers de l'IsU-Adnm. München 1909. Verlag von Hans v. Weber. 5 Mk.. gcb. 6 Mk. * Dio Puderquaste. Ein Damenbrevjer aus den Papieren des Prinzen Hinpolvt von Franz Blei. München 1909. Verlag von Hans v. Weber. 4.50 Mk.. gcb. 5.40 Mk. ♦ Erduntergang. Tragödie künftiger Zeiten in 5 Handlungen und 9 Szenen. Von Valerius Brjussoff. Autorisierte Uebersetzune aus dem Russischen von Hans Ouenther. München 1909, Verlag von Hans von Weber. 2 Mk״ gcb. 2,75 Mk. # Der schlecht gefesselte Prometheus. Von AndrdOidc. deutsch von Franz Blei. München 1909. Verlag׳ Hans v. Weber. Geb. 4 Mk. Gcscllschaftskimdo In der lüdlschcn Schule. Von A. N c u 11 a 11 s. Lehrer in Fritzlar. Berlin 1907. Verlag von Louis Lamm. 50 Pf. Emigration und Immigration. Ein Wort zur indischen Auswanderernot von Eugen Doctor. Berlin 1908. Verlag von Loris Lamm. 60 Pf. Widerspricht der Zionismus unserer Religion? Von Dr. H. Brody. 2. Auflage. Leipzig 1909. Verlag M. W. Kaufmann. 50 Pf. Enstohung, Entwicklung und Prinzipien de» Chassidismus. Von Dr Clu BogratschoH. Berlin 1908 Verlag von Louis Lamm. 2 Mk. Palästina Im Mehle der gegenwärtigen Orientkrlso. Von Dr. Julius Bo chm er. (Qegenwartsfragen. Heft 3.) Stuttgart 1909. Verlag von Ordner « Pfeiffer. 50 Pf. * Form und Farbo. Von Friedrich Nauman. Buchverag der ״Hilfe". Berlin - Schöneberg •1909 Geb. 2 Mk. *«?, P10., Geschichte der Balkanhalbfnsd 1m 19. .!ahrhundort. Von B. von Rauther. Schicslsche Druckerei und Vcrlaesanstalt, Q. m. b H- Hirschberg I Schl. 1909. 0.40 Mk. * Dag lüdlscho Museum für Elsas« - Lothringen, y &,,n8,,bur*cr>1 L Drevfus. Ocbwdlcr L , 190?־ 'Schriften der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsass-Lothrinccn.) * Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentum•.?3. Jahrgang. Heft 1/2. Breslau. Koebncrsche Verlagsbuchhandlung (Barresh und Rlcscnfdd). Jahrgang (6 Doppelhefte) 10 Mk Zu ..Eingegangene Bücher.'4 Untorwog«. Drama aus dem jüdischen Leben. v.n,r 1 ® LSr Köln und Leipzig. JüdJscher Verlag, 1909. (1,50 M., geb. 2,— M.)