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Jüdische Rundschau · 1909-04-30 · Heft 18 (30.4.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2tM. JU KD ISCHE RUNDSCHAU No. Ih. Jüdischen Volkes während 41er Zeit des zweiten Tein- . pels durchaus phnris.'ilscl; dachte, dass alle unsere Krossen Ucsetzeslehrci iiationalKesinnte ״Pltaris.'icr" waren Ins liinal* auf Akiba, den kühnen OrKani• satnr des Barkochhafeldztigcs. Sieht vielleicht der fn..Mitarheiter in diesem letzten gewaltigen Aufstand eine ״Wühlaibcit der alten Phurasüer", weil ilun die ״staatliche Finlieit" endgültig zum Opfer fiel und Ariba und seine Sehliler den Miirtyrcrtod starben — für (lolt und Vaterland? Fr iiuik überzeugt sein: •leliuda iMakkabi, zu dem er Kevviss bewundernd auf• blickt, hat durchaus .,pharisfiisch״ Kcfüldt und 11,'itte sich niclil träumen lassen, zwei Jahrtausende nach seinem lleldenende von :,einen Bewunderern verun• j'Jimpft zu werden, — Wenn es llir Mitarbeiter niclil für lohnend findet, die falschen Vorwürfe zu widerlegen, die vor einem Jahrzehnt gegen den Zionismus erhöhen wurden, so »»lüge er sicli nur au die eigene Hrust .schlagen. Wie hat er ein Hecht, skh zu beschweren, da er die weit unverzeihlichere Sünde begeht, durch die Wieder• holuug der hingst ad absurdum geführten Behauptung vom ״niederen (.leiste" 41er Pharisäer der!ihre des Jüdischen Volkes in's Angesicht zu schlagen?! ־-- Als vor wenigen Jahren ein hervorragender in• dischcr Publizist, Milarbeiter vom .,Berliner Tage• blatt", in einer Theaterkritik den Ausdruck ״pltari• süiseli״ anwandte, schrieb ich ihm einige aufklärcnde Zeilen. Meine Worte hatten den l'.rfolg. dass der Herr, gewiss ein ,.;\ssimilaut" im Sinne Ihres fa.• Mitarbeiters, sich entschuldigte und erklärte, dass aus seiner Feder niemals mehr dies Wort üiessen würde, um Menschen und Handlungen moralisch zu diskreditieren.*) Hcn Auli*Assimila:1teu hütlichst zur Nachahmung' empfohlen! Rabbiner Hr. Finil l.evy. deiic Muster, grösstenteils schon für diesen speziellen Zweck gearbeitet, konnten Jetzt schon vorgclegt werden. Darunter befinden sieh Spitzen und Hinsätzc in (larii und iwidc, Rondels, Deckehen, Tasch״־.׳- tiieher, Tiscliläufer, Kimlerhätihehcn und dergjeichen mehr. Die Aüsstelhmg erlreut sieh regen Zuspruchs und man kann beobachten, wie schwer es manch entzliektein l'rnncuaiigc fällt, sieh von dem Anblick all der zierlich kostbaren Herrlichkeiten zu trennen. Um auch weiteren Kreisen (Iclegenhcit zu geben, die schönen und eigenartigen Spitzen zu besichtigen. \vir4l die Ausstellung Anfang nächster Woche in den Kunstsalon Ricscmaim und l.iuthaler verlegt werden. Ucltcr die Aussichten des Projekts seien den» ״H e r lebt ii b e r 41 e 11 g e g e 11 w׳ ä r 11 g e 1t Stand der j ü 41 i s e b e 11 Spitzen! 11 d 11 s t r I e in Pa I ä s l i n;14.״ler vor einigen Tagen erschienen ist. folgende Ausführungen entnommen: Die Reichhaltigkeit der in so kurzer Zeit bc• schafften Kollektion lässt keinen Zweifel mehr darüber aufknmmcn, 4lass cs sieh hier um eine Technik handelt, die nicht von einer vorllltergcheii• den Mode abhängig ist. Alle Artikel, die (iherhaupt für die Spitzenfahrikatimi in Betracht kommen können, sind mu'ii in der Technik der palästinensischen Nadel• spitze in zahlreichen Variation e 11 ausführbar, und ilire gefällige Wirkung steht ausser Präge. Die 011« 11 tä t der Arbeit jüdischer M.'Ulehen und Praucn Ist gleichfalls eine solche, dass die Voraussetziiugen, auf denen der erste Versuch aiifgebnut war, sich vollauf erfüllt haben. Die ersten Arbeiten neu angelernter Kräfte sind i m h ö c 11 s t c 11 M a s s c ermutigend ausgefallen und zeigen, dass hei geeigneten Methoden und bei hinreichenden Mitteln in der Tat erreicht werden kann, was von vornherein als das Ziel der neuen Bestrebung aufgcstellt worden war: Frauenerwerb in Palästina Aus Königsberg i. Pr. wird uns ge• י schrieben: 1 ) Vor einiger Zeit berichtete ich von der am hie• > sigen Ort erfolgten tiründung eines Komitees, welches sieh zur Auigabe gemacht hat. durch Ausgestaltung der im Laude bereits bekannten Spitzcnarbcit 41en jüdischen Frauen und Mädchen in Palästina lohnen• den P.rwerb zu schaffen. Mit Ibli'v der von dem Komitee aufgebrachten Mittel ist die Sache gegenwärtig so weit gediehen, dass eine Ausstellung palästinischer Nadelspitzen arrangiert werden konnte, tun dadurch Freunde für die ausserordentlich vielversprechende neue Be• strelmng zu gewinnen. Weit über hundert vcrschic• *) Wenn unser sehr geschätzter Mitarbeiter. Herr Ralthiuer Dr. I.cw. es sieh auch hei uns mit dieser Versicherung genügen lassen will, so kam! diese Polemik hiermit beendet sein. Wir können Die Beschaffung von Arbcftsm ö gI i c h k cit für viele Tausend e jüdischer F r a n c n 11 n 41 M ä d c 11 e n in Palästina. I!s ist selbstverständlich, dass dieses Ziel nicht ohne vigl Mühe and Arbeit erreicht werden kann, und auch au gelegentlichen Hemmungen wird cs kaum fehlen. Aber in der Hauptsache• ist schon jetzt erwiesen, was doch vor wenigen Wochen noch nicht einmal bei allen denen feste Überzeugung war. die sich seihst au der Sache beteiligten. —-Nach diesem Anfang aber wird man mit umso grösseren Hoffnungen die weitere F.ntwickclimg der Sache bc• obachtcn küimcn. F.s sei schliesslich bemerkt, dass die Schriftführeriii des Königsberger Komitees, Fräulein fda F r c 11 d e tt I! e 1 tu, (Bcrgplatz 1/2) zu Auskünften in dieser Angelegenheit gerne bereit ist. L. allerdings den Zweifel nicht unterdrücken, ob es gej lingen wird, das Wort ,.pharisäisch" im üblichen ן " AUS ALL6R W£LT :: Sinne aus dem internationalen Sprachschatz zu verj drängen — vertragen doch auch so viele andere all• j gemein übbehe Bezeichnungen keine historische Nachprüfung und haben sieh trotzdem nicht aus• rotten lassen. Immerhin wollen wir in diesem Falle wenigstens das Unsere dazu gern ,timl — Red. der ..J. R." 1 Deutschland Die von einigen jüdischen Zeitungen verbreitete s'achrielit. die Sozial d e tu »kratc 11 hätten in ler Berliner Stadtverordnetenversammlung einen An• rag auf Erlttrs eines Scliiielitvurbolus eiugebraeht. der von der Versammlung abgelehnt worden sw entspricht nach unseren authentischen 111:1,1% matt nteit nicht den Tatsachen. Fs 1u,ik!*.i; sich lediglich um eine unverbindliche Bcsprcvhuu•׳ in einer Kommission der Sta41tvcrord1tete11vers.1:1,m' hing, in der ent sozialdemokratischer Stadtvcrord. ncter sich dahin äusserte, 4lass ־ - wenn hcstim1,1u; Voraussetzungen, von denen die Rede war, cm. träten — auch das Schächten nicht mehr gestatte werden k4mr,tc. Dem wurde ciitgcgeiigchalu•״, (!aSH ein Sehäehtverhot niclit unbedingt die Folge 1k,!,! Aussicht genommenen Anordnung׳ sein könnte. 11.!. mit war die Sache in der Kommission vorläufig .ך• ledigt. Die Stadtverordiietenversimmluiig «., ׳• wirtl erst in einiger Zeit sich mit der ganzen A ׳!׳.:,•. legenheit beschäftigen, und die Sozialdemokrat.'«.!,;: Fraktion des städtischen Parlaments hat 4k‘1<llb auch bisher noch gar keine Stell!!!■ /״ 41er ganzen Sache genommen. Sobald die!>.< % i:! der Stadtverordnetenversammlung zur DMoosj,!! stehen w ird, werden w ir näher darauf zr kommen. וי In der Dtidgctkommissloi! des Reichstages 0:•/!«: der Mariuegenerahirzt Fhkc die Mitteilung. olmlieh wie beim Laudhccrc. mich die de״!.,■Inj Murine unter einem fühlbaren Acr/tcttiangtl leklc. Von den 247 ctatsmfissigcu Acrztestellen. die!1 dem nciieii F.tat auf 2(71 steigen, sind zurzeit 41. , fast der fünfte Teil unbesetzt, während los vor s Jahren noch ein Ueberangcbnt vorhanden war.!>.: ein tüchtiges, in der Zahl dem aktiven Bestand;״׳. •gentessejtes Sanitfitskorps zu den wichtigsten 1.4: fragen einer Jeden Wehrmacht gehört, so wird d!s Ministerium nicht umhin können, in Kürze euere: \ Schritte zur Beseitigung dieses Mangels zu mm, r. neluucu. Wir stehen hier wieder einmal vor einem I i. wo sich die antisemitische V c r w a 11 tt 11 Praxis unserer Behörden so recht gegen di: Behörden und gegen das I.andcslntcrcsse sW •t kehrt. Fs ist zweifellos, dass es möglich wäre, e!mi erheblichen Teil der bestehenden l.uckcit dmJ! Zulassung jüdischer A c r 7. t e zum Sani: ־.'• korps zu füllen wenn — das nicht gegen die neiv i:• liehen Passionen der herrschenden Kaste verstieße. Wir sind aber der Ansicht. «lass wir cs uns in dieser ׳entstell Zeit nicht leisten können, den Neigungen dieser Herren länger willfährig zu sein und dasv ein jeder Staatsbürger nach Möglichkeit an die S!Wh׳ gestellt werden muss, wo er dem Vaterland, : besten dienen kann. Dass Jüdische Schiüsürztc suh bei der Handelsflotte seit langen! aufs Beste Iw• währt haben, dürfte bekannt sein. Peiiitoch wird das Ministerium wahrscheinlich Mittel und Wege finden. den Mangel auf andere Weise auf Kosten der T. tigkeit des Sanitfitskorps zu beheben. Denn gei.u'.e in der!Tage der jüdischen Ciiciclibcrcchtigting hak׳;! die deutschen Belüirtlen die Mahnung ..priiicipus obsta!" Itisher noch stets beherzigt. (N.J.K.1 * Das Plenum des ReieJistages hesehäiiigte vU: während der letzten Woche mit der Novelle z 11 ׳; Strafgesetzbuch. Bei dieser Oclegeiu unterzog der ZcutrnmsabgCordiictc F 11 g e I e 111 m. das Scliäeliten betreffenden Ausführungen der ..De• grilitdung" die seinerzeit auch in der Jüdischen l’ri vc Finger, den sic mir anbot, sic wollte mir ihr seidenes Festkleid schenken, ich blieb hei meiner Forderung, obgleich ich nicht unberührt blieb. F.ndlich da sie sah, dass alles nichts anschlug, aiie.s nicht fruchtete, sprang sic wie eine zür* nende Löwin, entschlossen und wütend empor und schrie: so muss, so soll mein Vater sterben! mit meiner Schmach und Schande darf, soll und will er nicht losgekauft werden! Kr sterbe, Sch werde ihm und der Mutter bald nachfolgcni Du aber, elende Bestie, geh mir ans den Augen, dass Ich mich nicht an dir, verworfene Kupp• lern», vergreife. So schrie die jüdische Dirne wie rasend, mit wilder Gcbcrdc, ihre zwei schwarzen Amten flammten, wie brennende Kohlen, ilire dunklen Haare wallten mit ihr Angesicht, gleich Schlangen, ihr Angesicht war glühend rot von» wilden Feuer des Zornes. Ich war am Ende nur auf meine eigene Sicherheit bedacht, ging auf und davon und entfernte mich mit eiligen Schritten. Und ich soll die schöne Beute fahren lassen I rief Antonio Zavcllo. ich soll auf die reizende Jessica verzichten müssen! Nimmermehr! Ich wenigstens, erwiderte Fortia, möchte nicht um alle Schütze der Welt in Jenes Judenhaus zurück, •möchte um keinen Preis mich noch einmal an die Dirne wagen. Audi dir, Antonio, rate ich alle Behutsamkeit und Vorsicht. Behutsamkeit! Vorsicht! rief Zavcllo und lachte laut, bei diesem hobrüisehen Gewürm, das sielt nur krümmt, wenn cs getreten wird! Ist auch alles bis Jetzt fclilgcschlagen, hat kein Mittet gefruchtet, um das Herz der starrsinnigen und hartnüekigen Jüdin zu bezwingen, eines soll mir sicher gelingen! Ich werde morgen den Römern ihr Oktohcrfcst mit einem Schauspiele verherrlichen, wie man es noch niemals, selbst nicht ln Dloelctlans Zeiten, da die wehrlosen Christen den wilden Tieren vorgeworfen wurden, erlebt hat, ich habe heute schon das Publikum auf dieses Schauspiel vorbereitet» lassen, indem!ich reiche Gaben und Spenden unter die Arme!» verteilen licss, um meine Dankbarkeit wegen des gewonnetten Prozesses gegen den Juden, der mir tausend Zccluucn schuldet, zur öffentlichen Kunde zu bringen. Ich werde morgen die ganze Stadt it» Bewegung setzten und in Alarm bringen, und selbst der trägste Langschläfer soll morgen in frühester Stunde auf den Boincn sein. Unserem heiligen Vater aber will ich in seiner eigenen Münze eine Schuld zurückzahlen, die er bei uns allen zu Gute hat. Denkt er doch mit seiner Gerechtigkeit und Strenge alles untcrdrückcn und unsere alten Gerechtsame und Privclcgicn mit Füssen treten zu können! Heute wird er criahren, wie man sich seine streike Justiz zu Nutzen machen, und wie der Baum seine eigene Waffe gegen ihn selbst k־.h ch kann! So redend und höhnisch lachend verlor er sich mit seiner Kupplerin im Dunkel des Strasscnlabyrinthes und des Ghetto. II. Felix Pcretti, Kardinal de Mnntnho, und zuletzt Papst Sixtus V., hat uns ein herrliches Beispiel geliefert, was der energische und Lu• rige Wille eines Mannes in kurzer Zeit aus,!!־ füll reu und zustande zu bringen vermag, der Hr Recht und Gerechtigkeit erglüht, und die Wahrheit erkannt und verehrt hat. Kr war cs, der während seines fünfjährigen Papates Rom zu neuem Glanz und zu »»euer Blüte, und den Kirchenstaat aus der Anarchie zu Gesetz und Ordnung erhob. Kr war cs, der die zügellose״ Banden der Condotticri bändigte, ihre Führer und die Barone, in deren Sold sic standen, niederwarf, und somit die überall gefährdete Sicherheit des Eigentums und der Person *״ den» Grade wieder!»erstellte, dass mau durch das ganze Gebiet, wohin sein Arm reichte, sei״ Geld in offener Hand, wie man sielt ausdriiekte, über die Hccrstrassc tragen konnte. (Fortsetzung folgt.) 1 *» t * i > 1 I 1 ( I % f I i 4 f ». \| |: 1 ■ *. I; י:!ז a 0 I >

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