Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Soltc Z03. N0J?. ______ ... ן$! (;ist scllistvcrsUlmlllch. Und die Näho J'l'jtiru» ist für die dortiiccn Juden nicht gerade '״ Vorteil. Ihre europäischen Stammes- und Qtau• Iciitf«"1110 •״51*״ sich ״bcrl1a«Pt für ׳den CVricnt wcfcsdcren. 1:cl*cn eher und Heber ihr Qcld für ״•üstina. «1־s mau ihnen kaum llhclnchmcn kann. AnJcrcrsw.il> aber stellen die Juden doch ein nnschu* t-hes Koiiiineeiit zur wohlhabenden Kaufmannscliatt. «an soll Sonnabend nicht durch die Muski, die ifjpticcrstr.1sse von Kairo. Rehen, weil cs an dem r, ,c uninteressant sei, wird den Fremden gesagt, f.i, {and cs sehr interessant, da viele geschlossene yjen zu sehen. Pie Krossen indischen Firmen mtüriicli. die Kaufhäuser In Kairo wie In Smyrna BnJ K0nsi.1'1tino|1el, die schlossen auch In dem iiioliammed.misclicn Lande am Sonnta{{‘. Kinc traurige Erscheinung ist cs oder vielmehr ■ן cs sein, dass die vielen öffentlichen Hüuscr In Kairo ihren Bedarf an menschlicher Ware zum {f.«sc11 l,;l al1s Runiiinfcti decken, lauter Töchter jiidisci'cii Volkes. VcrlasMii wir endlich Ägypten und seine Fleischlöpfe. naci; denen Ich mich, um die Wahrheit zu B«n. /uriickgcschnt liabc (wahrscheinlich waren jjj im 7x‘.\ unserer Vater sauberer), und streben iir pala>:tnn. dem eigentlichen Zielpunkt unserer Reise zu. ungefähr von den Qclühlcn bewegt, wie sc Dr. Emil Levy vor kurzem in der .Rundschau״ s, hiihsch skizziert hat. Allerdings die poetischen und hcili^'ii Qcliihlc können ziemlich leicht zur profanen l'msa werden, wenn man In Jaffa vor Anker (cht, l's ist gerade nichts für .׳lugstliclic Gemüter, wenn nach Erledigung der sanitären Formalltütcn ein Hank l untgeklcidctcr wild ausschcndcr Araber enter nl1re״i»ct;iul1cmlcm Lärm auf das Schiff stürzen «ie die l’natcn oder wenn man dann bei noch nicht einmal I1<xl! gehender Sec in kühnem Schwünge vom Schill ins B״ot geworfen wird. Allerdings wer ruhiges Itiut hat. der amüsiert sich königlich, bcsonders wum eine etwas korpulente Dame laut schreiend in die nllcncn Arme der arabischen Schiffer stürzt, l'nd dann dieser Hafen in Jaffa! Das ist!נ gar kein Hafen, das ist eine Mcnschenfalie; wenigucns hei Sturm, wo dann tatsächlich kein Schiff landen kann. Nur mit cingczogcncn Rudern kann das schmale Boot durch die Klippen fahren. Es gehurt wenig prophetische Gälte dazu, um vorauszusagen, dass, wenn eine der projektierten Bahnlinien Port Said- Jaffa und Jaffa—Haifa gebaut Ist, Jaffa den grössten Teil seines Handels verliert, cs sei denn, dass man sich endlich zur Anlage eines Hafens entschllesst. übrigens plant ein Deutscher, wie Ich gehört habe, ein kleines Motorboot zu kaufen, um damit die Passagiere von den Dampfern abzuholen. Pass- oder /!״!!Schwierigkeiten gab es nicht. Lag cs an der hingen Türkei oder an der Hapag. der ich reich und meine Sachen anvertraut hatte? Nicht einmal zu ״fliien brauchte Ich meine Koffer. Fs ist ja eigentlich ein Jammer, dass die meisten Reisenden schon etwas vom Orient kennen gelernt laben, bevor sic nach Jaffa kommen. Ich bin sicher, dass ein gut Teil des Eindruckes, den Jaffa sonst auf den Europäer machen würde, dadurch verloren geht. Das bunte orientalische Leben, die verschlcdemütigen Trachten und Typen, die Kamel- und Rsclkarau .׳■neu, das Lfirmon und Schreien auf den Strassen, der Schmutz und die Ruinen, das alles war für mich schon etwas alltägliches und nur das Jüdische Element fiel mir noch in die Augen. Der Jüdische Reisende wird selbstverständlich den verschiedenen jüdischen Institutionen sein Intercsr.c zuwenden, man wird Ihn durch Schulen und Kindergarten, Hospitäler und Synagogen schleppen und er hat die Pflicht, alles zu loben und gelegentlich auch schriftlich seine Bewunderung und Freudo über die glanzenden Einrichtungen der betreffenden Anstalt nlcderzulcgcn. Wer tadeln wollte, der vorsteht eben nichts und ist bei weitem nicht lange genug in» Lande, um überhaupt selbständig• zu urteilen und wer sich gar auf das Urteil anderer verlasst, der hat cs erst recht bequem. Es gibt keine einzige Institution Im heiligen Lande, über die ich .*nicht von Eingeborenen eine!direkt vernichtende Kritik gehört hatte: Palästinaamt und Hilfsvcrcins• schulen, Anglo Palcstlnc Company und Bczaici usw., sic taugen alle nichts. Aber trotzdem gibt cs Eimf/ückc, die sich zwar nicht .'strikte .beweisen lassen, die aber dennoch schlechthin überzeugend sind. Ein Blick in die Bibliothek der Ackcrbauschulc in Mikweh Israel genügt, um zu zeigen, hier gibt cs französische Kultur und keine jüdische. Und um auf ein sehr aktuelles Thema zu kommen, wenn Tadler und Lobredner einmal dasselbe sagen, wenn die einen die religiöse destruktiven Tendenzen des hebräischen Gymnasiums verdammen und die andern dieselben rühmen, dann wird man doch stutzig und cs Ist mir sehr fraglich, ob das hchrälscho Gymnasium, trotz seines schönen, so stolz klingenden Namens cs wert Ist, einen Zankapfel ln der zlonlstisehen Bewegung zu bilden. Ich verstehe cs recht gut, wenn־ Münncr, 'die in Deutschland nicht auf dem Standpunkt des traditionellen Judentums stehen, aus pädagogischen Gründen eine religiöse Erziehung in Palästina fordern. Man kann schliesslich ein Verehrer Nietzsches sein und braucht dessen Philosophie doch gerade nicht Kinder zu lehren. Eine religiöse Erziehung tut in Palästina doppelt und dreifach not. Welch sonderbare Blüten treibt nicht doch der Kampf gegen die Tradition, wie er von russischen Juden dorthin verschleppt wird! Es gibt wohl kaum eine vernünftigere allgemeiner anerkannte Vorschrift des indischen Gesetzes als die, sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Es Ist mir nicht einmal, sondern mehrere Male passiert, dass Ich spöttischen Blicken begegnete, wenn Ich dieser Forderung der Hygiene nachkam. Dann mussto auch Ich lächeln, jene taten cs wegen meiner Rückständigkeit und ich wegen ihrer Dummheit. Aber es war mir doch weh ums Herz. Wenn Ich In einer jüdischen Kolonie mit 5 Jungen Leuten am Freitag abend zusammensitze und keiner von ihnen nach alter Väter- Sitte den Segen über den Wein spricht, dann fühlte ich, dass damit ein Stück Judentum verloren gegangen Ist, verloren gegangen auf jüdischem Boden und ein schönes und poetisches Stück dazu. Ich kann cs fa wohl verstehen, wenn Jünglinge, die aus dem Cheder In die Revolution kommen, jede Art von Autorität hassen und sich als ״Freie“ den ״Qesctzcsmcnscbcn“ cntgcgcnstcllcn, aber Ich kann nicht wollen, dass Ihre Bestrebungen durchdringen. Ich bin davon überzeugt, mancher der ziemlich linksstehenden Zionisten Deutschlands — wenn er die Zustände in Palästina mit offenen Augen sähe, er kämo als halber 1 oder als ganzer Misraciiist zurück. Zur Cyrenalkafrage Die Zeitschrift ..Unsere Zelt" vom Jahre 1880 (״Unsere Zeit", herausgegeben von Rudolf v. Gott sch all, 1880, 2. Band.) enthält einen Aufsatz von Gerhard Robl ts. der durch das ncucsto Blaubucli Zangwills uktucll geworden Ist. Der Verfasscr geht von der Notwendigkeit aus, die starke Auswanderung der Deutschen zu verwerten und hält Cyrenaika für das geeignetste Kolonisationsgcblct. Er weist auf die ungerneine Fruchtbarkelt des Bodens hin, erwähnt das gesunde Klima und zitiert Karl Ritter, der in seiner, 1822 erschienenen ״Erdkunde von Afrika" über Cyrenaika folgendes schreibe: ,.In der Tat ist cs auffallend, dass dieses Land von Europäern unbesetzt blieb, ja erst von Neuem entdeckt werden musste, nachdem Phönizier, Karthager, Griechen, Aegypter. Römer dort schon einheimisch gewesen waren.“ Von besonderem Interesse sind die Acu&scrunzen Rohlls über die Wasscrvcrhültnissc des Landes: ״Der wasserreiche *und fruchtbare Boden verleiht im grossen auch heute noch dem Lande dasselbe ״Q r & n“-Oeprägc. welches cs im Altertum Hatte. Ewig grün taucht Cyrenaika aus dem Meere auf, so grün, dass ausser dem Namen Barka das Land von den Eingeborenen auch schlechtweg ״das grüne Gebirge" (״Diebel achdas") genannt wird. ״Der natürliche Haupthafen, derjenige Hafen, der als der beste an der ganzen Nordküsto von Afrika bczeichnet werden kann — Born ha und Tahruk — denn beide, nahe aneinander gelegen, sind gleich vorzilglieh — diese Bucht hat leider kein Trinkwasscr. Es würde sich aber mit leichtester Mühe Wasser dort hinlcltcn lassen." Warten wir nun ab, was Zang'wffl auf den offenen Brief Davis Trictschs antworten wird. Paul Walk. .,Pharisäer!“ Gestatten Sie mir, sehr geehrter Herr Redakteur, meiner grossen Verwunderung und meinem cnergisehen Protest Ausdruck zu geben, dass die an sich berechtigte Polemik Ihres Ia.-Mitarbcitcrs gegen die Kampfcswelsc der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums" in durchaus verfehlter, um nicht zu sagen antisemitischer Form erfolgt Ist PharisäerI — Wir olle wissen ia, was heute christlichcrscfts unter diesom Namen verstanden wird, und wer nur ein Gran Kenntnis iüdischer Geschichte hat. ist sich bewusst, welch schreiendes Unrecht den! Judentum durch die falsche Anwendung dieses Wortes seitens unserer Gegner widerfährt. Wenn aber die Unterstellungen unserer Gegner nun gar in zionistischen Kreisen aufgegriffen werden, dann weiss man wirklich nicht, was man vor Entrüstung sagen soll. Ihr fa^Mltarbeiter scheint sich die Kenntnis Jüdischer Geschichte aus dem — Neuen Testamente geholt zu haben. Die Erzählung vom Zinsgroschen ist ihm geWiulig. Doch scheint er nicht zu wissen, das9 die Pharisäergestaltcn des Neuen Testamentes nachträgliche Konstruktionen sind, verlasst zu einer Zelt, als cs längst keinen jüdischen Staat mehr gab; er scheint nicht zu wissen, dass die überwiegende Masse des Wer war wie sein Junge? Wer ihn gehen sah, so gross, so gelenk und so kräftig, der musste schmunzeln: ״Das ist ein Kerl!" Und dann — eines Tages.-Wie das Morgenrot einer neuen Zeit, wie die göttliche Erfülluutc seiner Prophetie, sah Meyer etwas v״llig Neues. Er las es fieberhaft da in der Zeitung, er ias fiebernd wohl hunderte Mal. Hin Turnverein für die jüdische Jugend, »as war das Neue. Und sein Junge musste so- •Ort hinein.- Nu״ ist Mcycr’s höchster Traum ein Erleb- ®j5• br liat’s heut gesehen, sein Qlück, seinen Ruhm. Das Einst ist nun ausgelöscht. * * * . Der Wind heult wild. Der Schnee weht J® Wirbeln. Von hinten schallt’s höhnend: ״epp licpp, Jude, heppl" ״ Still selig schlürft Meyer die Strasse hinab. 7erklärt seine Augen. Er hk\kt nur so kaum. Sein Junge, sein Junge I- Sixlus der Fünfte Von Dr. M. Duschak. I. Es war an einem Oktoberabende, als sielt das Ghetto-Tor in Rom öffnete. Dieses Tor wurde gewöhnlich nach Untergang der Sonne geschlossen, damit kenn jüdischer Bewohner seinen Aufenthalt verlasse, in weichem er eingepfercht war. Ein Kricgsknccht war mit der Schliessung des Tores beordert, und nur in üusserst dringenden Fällen durfte er das Kerkertor Öffnen, und dem jüdischen Bewohner Ein- und Ausgang gestatten. Es war nun an einem hellen Oktoberabende, als sich das Tor öffnete. Zwei schwarz gekleidete Gestalten traten aus demselben hervor, eine grosse, schlanke, von stolzer und gebictcrischcr Haltung, und eine kleinere, von gemeinem Ansehen und vollem Formen. Ausserhalb des Tores standen sie still und führten folgendes GcsprÜch: Hast du was ausgerichtet, Portia? rief eine männliche Stimme, ist es dir gelungen, das spröde Judenmüdchcn zu überreden und für mich zu gewinnen? Hast du " a n m c r k u n g: Der liier erzählten Legende entnahm Shakespeare den Stoff zu seinem Schauspiel ״Der Kaufmann von Venedig." j HirnmeÜ und Hölle in Bewegung gesetzt, um ן meinen Wunsch endlich zu befriedigen? — I Nichts habe ich ausgcrichtct, gar nichts, ant-! wortctc eine weibliche Stimme, die Dirne blieb spröde, wie immer, unempfänglich für Schnici- I cheleien und Drohungen, ich mochte ihr den Himmel zeigen, sie blieb unbesiegbar und 11nbezwingbar. Abgehärmt und abgegrämt, 1r.it rotgeweinten Augen und blassem Angesichte, warf sie sich mir zu Füssen, umklammerte krampfhaft meine Knie, und rief schluchzend: Barmherzigkeit, Gnade und Erbarmen, für meinen armen, verzwoiflungsvollcn und 11nglücklichen Vater! wahrhaftig das Judenmiideiten hat mich gerührt, und ich hatte alle Mülie und Not fest und standhaft zu bleiben und ihr den Preis deiner Gnade zu wiederholen. Ich Herr Zavcllo, ich habe das meinige getan, ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, ich habe es an nichts fehlen lassen; ich rühmte ihr deine Jugend, deine Schönheit, deinen Glanz, deinen Rdchtum, deine Liebe, deine Zärtlichkeit, ich stellte ihr auch das traurige Los vor, dass ihrem Vater, dem Juden Sh,ylock bevorstünde und erwartet, der seine Schuld von tausend Zcchincn dir nicht bezahlt hat. Sie bat, sic flehte, winselte, rang die Hände; sie zog einen Diamant-Ring, die Erbschaft ihrer Mutter, vom