Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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JUED1SCHK Seite 195. 4► ■יי י ■•*״*< RUNDSCHAU n?. '■־־:) '5^׳׳' Ü Merkspruch Wenn aus Dir selbst nicht Adel spricht. So nfllzcn tausend Ahnen nicht. | Juda Makkabis Gebet Von Theodor Zloclstl pa hast aus meinem Frieden mich geschreckt Und in die Hand geschmiedet mir das Elsen I Nun soll die Glut, die In mir brennt und leckt, pie flammend auch die Schwachen aufgereckt, pen stolzen Feind aus unseren Gauen weisen. pu licrocst deinen Ruf an mich ergehn! Prausö' rast der Sturm, du sollst Ihm wehren I — lnbrflnt-üg send' Ich nun zu dir mein Flehn.. poch nicht um Kraft, um Mut und Slegestrophä’n, Penn Kraft und Mut wird mich der Syrer lehren. Nein! Eines nur erfleh' Ich, Duda's Hort! j Wenn ich erschau die eignen Stammesbrüder Sich treulos freun am nackten Griechensport, Uhd alle Helmailiebe ausgedorrt, PenMund entweiht durch trunkneBacchuslleder,— Wenn schaudernd diese Schmach mein Aug erblickt Dann gleb mir Kälte, Härte wie dem Steine, Dass mir das Weh nicht alle Hoffnung pflückt, Und ich, von Seufzern nicht die Brust zerdrückt, Aufschluchzend sinke In den Staub ... und weine. Das erste jüdische Lied Dem Midrasch nachcrzfthlt von Lina W a g n c r T a u b c r. Viele, viele hundert Jahro waren seit Er• Schaffung der Welt dahingegangen, die Menschen wurden immer klüger und weiser, lernten schöne Künste, Musik und viele andere Dinge, nur singen so rei ht aus voller Brust, singen und jubilieren konn* ten sic nicht. Wohl stieg manches Dankgebet zum Himmel empor, wenn ein Mensch aus irgend einer grossen Gefahr errettet wurde oder wenn eine grosso Frcudo sein Merz durchzog. Auch die Juden, dlo oft In Not und Sorge waren, konnten nur mit Innigen Worten danken, wenn sie aus derselben befreit wur* den. ln tiefer Traurigkeit konnten sie weinen und schluchzen, In grosser Fröhlichkeit nur lachen, aber singen konnten sic nicht, Keine harmonischen Töne, die von Herzen kamen und zum Herzen gingen, «nlströmtcn Ihren Lippen. Fs musste etwas gewaltiges, etwas grosses geschclicn, um das erste Jüdische Lied, ein Lied an Gott hervorzuzaubern. Kein Wunder batte dos bis letzt vermocht. Weder Adam konnte singen, als er ille Schönheiten der Erde allein genoss, noch konnte Abraham cs, als er unversehrt aus dem glühenden Kalkülen hervorging. Auch Isaak vermochte nicht *u singen, als er vom Opfcrtodo befreit wurde, Seihst Jakob, der sogar einen Engel bezwingen konnte, konnte kein Lied anstimmcn. Finnial aber, da sang das ganze Volk Israel *In Lied, so schön, so zaubervoll, mit solch süssem Klange und solcher Kraft, wie cs noch kein Mensch »ul der ganzen Welt gesungen hat. Und wie dieses erste Lied entstanden Ist, das will Ich euch, meine lieben Freunde, erzUlilcn. ״ Ihr wisst c» olle, dass Joseph einst nach Ägypten see und dem König Phatao durch seine Wolsholt «ml Güte grosso Dlemto erwies. Doch kaum war Joicpli gestorben, da begann dof grausame und un• dankbare König alle Juden zu quttlen und zu peinigen. Sic Wurden schlimmer als Sklaven behandelt, mussten schwere Arbeit verrichten und wurden verfolgt und bedrückt, zuletzt beschloss aber der König das ganze Volk zu vernichten und umzubringen. Es *fir® ihm dieses ein leichtes gewesen, wenn der liebe Oott nicht rechtzeitig In Mose einen Retter gesandt htltte. . Trotzdem Mose mit allen königlichen Ehren und dem Glanze eines Ägyptischen Königssohnes erzogen wurde, hatte er doch cltto grosso und starko Ltcbo zu seinem jüdischen Volke bewahrt. Tiefes Mitleid erfasste Ihn. wenn er die Lodden seiner Brüder sah, und er flehte zu Qott, dass er das armo Jüdische Volk aus der Sklaverei befreien möge. Eine» Tages, da Moso traurig durch dlo Wüste wand orte, hörte er plötzlich eine unsichtbare Stimme rufen. ״Ich habe dlo Leiden meiner Kinder In Ägypten gesehen und Ich will sie durch dich, Mose, befreien. Nimm diesen• Stab, mit dein wirst du vor den Augen des Königs grosse Wunder vollbringen." Mose dankto Qott Inbrünstig für die!grosso Gnade und ging zu Pharao, um für die Befreiung seines Volkes zu bitten,. Pharao war mit seinem ganzen Hofstaato gerade an den Ufern des Nils, als Mose und Aron zu Ihm traten. Unerschrocken bat Mose, das Jüdische Volk aus Ägypten ziehen zu lassen. ״Oho,“ sagte Pharao, ,,an Sklavcnkcttcn werde ich die Juden schmieden und sie mit GelsscL hieben foltern." ״Lasse, mein König, dlo Juden In Frieden ziehen, denn sonst wird der Zorn unseres Gottes dich treffen," antwortete Mose. *P.uer Qott Ist machtlos," spottete Pharao, ״Ich habe noch keine Wunder von Ihm gesehen." Da wies Mose den Stab, den er von Qott er• halten und sprach zu Ihm: ״Schau her, hartherziger König, mit diesem Stabe, den Ich von Qott erhalten habe, werdo Ich viele Plage über dein Land bringen, so lange bis du das Volk ziehen lassen wirst." Pharao glaubte detn Mose nicht, als aber dlo schrecklichsten Plagen sein Land und sein Volk zu vernichten schienen, und zuletzt gar der Tod vom Palastc bis in die niedrigste Hütte drang, da Hess Pharao den Moso mitten In der Nacht rufen: ״Rette, rotto uns!" schrie er schon von weitem, ״Ich will dein Volk In Frieden ziehen lassen, gelte und ver• künde das den Juden." Da lief Mose eilig ln die Stadt und licss alle Juden mit schmetternden TrompctcnklSngcn wecken. ״Auf, auf mein Volk," rief er, ״erwache, hinaus aus dem SklavcnJochc, Zwclhundcrtundzchn Jahre wäret Ihr In der Knechtschaft, schnell rüstet euch, In die Freiheit zu ziehen l" Alle Juden sammelten sich eilig, nahmen alle Ihre Habe, selbst den Teig, den sic zunt Brotbacken bereitet hatten, und zogen hinaus. Und Oott selbst geleitete und führte sic. Am Tage gab er Ihnen Speise und Trank und nachts erleuchtete er die Wege durch eine Fcucrsllule. Wlo ein Hebender Vater seine Kinder führt und hütet, so bowahrtp Qott sein Volk vor allen Hindernissen der Wanderschaft. Eines Tages lag das Volk friedlich, vom Wandern ermüdet, am Ufer des Roten Meeres um auszuruhen, als cs plötzlich ein Oertiusch hörte wie von tausen• den von herannahenden Menschen und Rossen. Als $10 aufbllcktcn, gewahrten sic Pharao mit einem grossen Heere, der slo verfolgte. Entsetzt sprangen sic alte auf. Eine wilde Angst und eine furchtbare Vcrzwclflung packte sic beim Anblick Ihrer Pcinde. Mit aller Kraft flohen slo Immer schneller und schneller — und hinter Ihnen her Pharao und dlo Ägypter. Schon standen sie am Roten Mccro und konnten nicht weiter, vor sich sahen slo den schrecklichen Tod des F.rtrlnkcns, hinter sich dlo Schwerter der Feinde. Rechts dlo Wüste und links wilde Tiere; Skorpionen, Schlangen und Löwen, die Ihren Rachen öffneten. Ganz verzweifelt hoben sie bittend dlo Hiindc zu Qott, dass er ihnen helfen möge. Die Kinder fingen bitterlich an zu weinen und drfingten sich an Ihre Mütter. Da, schon konnton sie nicht mehr weiter flüchten, als plötzlich Moso vor 810 hintrat und sprach: ״Fürchtet euch nicht, Qott Ist mit euch, dann hob er seinen Stab und Im Nu wich das Meer zurück und lag wie eine sonnige ebene Strasso vor Urnen. Ungehindert konnten sie weiter flüchten, Als aber Pharao mit seinem Heere gleichfalls durch das Moor ziehen wollte, da wich der Boden untor Ihren Füssen, und haushohe Wellen schlugen über Ihren Köpfen zusammen. Zunächst standen dlo Juden elnlgo Mlnuton lang ganz starr vor Staunen ob dieses gewaltigen Wun• ders. Dann aber fühlto Jeder, wio sich Ihm die Brust In Freiheit weitete, wie Ihm das Herz In unendlicher Dankbarkeit schlug, und ein Jubel er• füllte sic $0 gross und stark, als ob ein Singen und Klingen durch die Luft zog und plötzlich, ganz plötzlich stimmten Männer und Frauen, Orelso und Kinder ein Lied an, ein schmetterndes Danklied zu Ihrem grossen starken Qott, zum Qotto der Juden, der die Trotzigen gobeugt hatte, und slo• die Qefesselten und Bedrückten, erlöste. Ein neues nlo vernommenes Lied sangen sie alle einmütig am Mccrcsstrandc. ״Wer Ist wie du, höchster Qott, so gross und stark in deinen Wunder• taten," tönte cs aus tausenden von Kehlen zum blauen Himmel empor. ״Der Herr wird regieren Immer und ewig" erscholl cs von allen Seiten, und so süss, so wundervoll und harmonisch klang es, als würden die Engel Im Himmel jubilieren. Das war das erste Jüdische Lied, ein Lied der Freiheit! Niemals Ist bis auf den heutigen Tag wieder ein solches Lied gesungen worden. Nur wenn das zerstreute Volk der Juden einst wieder vereint nach Zion gehen wird, dann wird ein solches Frclheitslied von neuem ertönen. Sprüche aus dem Talmud Ratei Uugend: ״Baue aufl“ ״Relsse elnl״ die Allen, Sollet du nicht der Ougend trau'n, Dich ans Aller hallen. Denn der Dugend ״baue auf" 161 oft Nlederrelssen, Wo der Alfen ״re!66e ein" Aufbau kdnnte heissen. £•' I ' Ein Deut Im Kasten klappert mehr, Als wenn er voller Taler wär\;.' w Den Wein erkennt man am Geruch, Den Esel an den Ohren, Den Welsen wohl am Tun und Spruch Und am Geschwätz den Toren. ־יין 60 niedrig steht kein ehrlich Tun, Dass es nicht höher stände, Als mdsslg geh'n von Haus zu Haus Und fleh’n um eine Spende. Rätsel Strotchholzaufgabo. Diese Figur Ist aus 18 Streichhölzern gebildet; sechs dieser Streichhölzer sind so umzulegen, dass sechs völlig gleiche Vierecke gebildet werden. . A V *7 A A Rütscllösung Auflösung des Buchstabenrätsels aus Jung Israel vom 2. April 1909: E P H E j' U P L E B S H E R Z L B A Z A R W 0 L L E Richtige Lösungen sandten ein: Herta Tauski Posen; Hcrmlne Höuslcr, Lübeck; Hans Herrmann, Charlottcnburg; Kurt Tuchler, Stolo I. Pommern; Amalie Ntlsscnfctd, Dessau! Qrcte Qoldstcln. Hameln a. d. Weser: Anna Roer, Berlin. Vorstehenden Einsendern wird In diesen Tagen eine künstlerisch Busgeführte Ansichtskarte von der Redaktion von ״Jung Israel" zugehen.