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Jüdische Rundschau · 1909-04-16 · Heft 16 (16.4.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JUEPISCHE RUNDSCHAU Seite 183. No. 16.. Russland Die Loge der Jüdischen ״Steuer-Slüdtc“ Mine «rosse Kalamität herrscht jetzt in manchen Orten des jüdischen Ansiedluugsgcbicts, Mehrere Städte mit einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung befinden sich auf einzelnen Qrossgruudbcsitzcrn ge. Iiurigcm Hoden mul hahen seit jeher an diese Jillir• liehe Abzahlungen entrichten müssen. Seit einiger Zeit werden in verschiedenen derartigen Orten die (]esaintsteiicrlelstiiiiKcn abgeseliafft und statt dessen die jüdischen Einwohner einzeln als Pächter mit he• stimulier Kontraktsfrist bcliandclt. Nach Ablaut dieser I rist verlieren die Juden Jede» Recht aut Ihren Grundbesitz und können vom ״Poriz" ohne we.tcres aus ihren Wohnstätten gejagt werden. Dieser lässt sie auch deutlich fühlen, dass er der eigentliche Herr der Stadt ist: er erlaubt ihnen nicht, neue Hauser zu errichten; er verkauft den ganzen Boden um die Stadt und entzieht dadurch den Juden den Weideplatz für ihr Vieh; die Pachtsumincn steigert er zu unerschwinglicher Höhe. Die hilflosen J11.I ,1 ertragen mit Ocduld all diese Drangsalierungen und sind froh, dass sic aus ihren Häusern nicht ver• trieben werden. Aber auch hierin sind sie nicht sicher, und mit Angst sehen sie dem kommenden Tag cm «wen. Der einzige Ausweg für sic wäre, dass sie dem ,.I* 1 iz“ den Orundhesitz abkauften. Aber dazu fehlen ihnen die Mittel, Hier liegt eine dringende Ain.abe für die grossen jüdischen Organisationen, im״.entlieh die JCA. vor. Es gibt hier, tausende j,!1ii־cl1e Eaniilien einfach vor dem Elend ־zu rettenI Verhaftung Jüdischer Emigranten Dass jüdische Emigranten, welche die Orenze 01;׳c Auslandspass überschreiten wollen, von der I’. /ei ungehalten und fcstgcnonimeu werden, gehört iii.1.1 /11 den Seltenheiten und findet kaum noch he• s<1;>:crc Beachtung, Ein derartiges Vorkon [•luiis. ü.K mcIi von kurzem in Mlawa, an der russisch• PMisMschcn Orenze ereignet hat, erregte jedoch 'w.eii seiner Begleitumstände Aufsehen und Ein- ׳יין* m 1g. Dort sind zwei jüdische Kmigrautentrupps vim dir W'ar sc ha ner Polizei fcstgcnommcn «»Iden, die von einem Agenten der Li hau er Sc h i f 1 u h r t <t •O c sei 1 s cha 11 eigens zu dies e m Zwecke e i n g e f ü 11 r t wurde! Die 1r\'.!l111:e Gesellschaft erfreut sieh keiner Beliebtheit i'iiiiT den Auswanderern, die es meist vorziehen, sieh Mhi einen ׳iiisläudl.sehen Hafen nach Amerika zu hezcl'eii. Und da denunziert sie nun arme Emigranten lei der Polizei) Dieses imerhürte■ Vorgehen kann nicht scharf genug gebiaiidinarkt werden, wenn man bedenkt, um weichen grossen Mühseligkeiten und Schwierig• knien das Verlassen ihrer Wohnsitze für die i'iuigranien ohnehin schon verbunden ist, und in "elelic verzweifelte Lage sic durch ihre Verhaftung ger.!teil, Türkei Wie durch die Tugesprcssc bekannt geworden in. brach in K o 11 s t a n t i n o p c 1 vor einigen a, eil eine M i I i t .׳i r - E m c u t c aus. die von einer v-1 kurzem erst gegründeten gegen die Jung• in!• ki seiie Regierung arbeitenUen geheimen <m ‘.ellseliafi inszeniert worden sein soll, Es lässt siji gegenwärtig — obwohl die ״Revolution In Kon• siaminoper natürlich von der Presse mangels niiikrir Sensationen gründlich ausgcscliiaclitct wirdl nichts (kmnicrcs sagen, wohin die Bewegung 1 ׳;•entlieh zielt, wer ilire letzten Urheber sind etc. W!r verzeichnen deshalb vorläufig nur die nach• (״!.ende He pt sehe vom Donnertag über die Neubildung des Kabinett• und verweisen im übrigen auf den Leitartikel in dieser Nummer. Pera. M. April. Das neue Kabinett ist ge• Udet. Die olliziehc Liste lautet; Orosswesir: '• > w ii k . Pa se h a; Inneres Üntcrhnistiseh): \ 1 i I Bei; Krieg: E d h c m Pascha; Murine: 1• ׳<! i 11.l'asJia: Auswärtiges: wie bisher Rifaat* l'.iseha; Handel: wie bisher N n ra d u n gh ia n; Ihm!/.: Hassan F e h m i Pnsclw; Finanzen: N tt 1־ I - Beiv; Scheich ul Islam: wie bisher Zin• I ׳Min, Wie verlautet, hat Tc w f I k •Pa sehn die Ititdiiug des Kabinetts erst auf wiederholte• Blttoa des Sultans übernommen. In der Ernennungsurkunde drückt der Sultan den Wunsch aus, der neue Gross• «eslr möge uul dlo Anwendung der religiösen Vor• schritten sowie auf die Aufrcchterhaltung der Vor• lassung die grösste Sorgfalt verwenden. Eine Ab* ׳•rdnung der Ulenms begab sich zum Sultan mit der!inte, er möge künftig wieder die historische Tracht der früheren Sultane tragen. »ei der offiziellen Visite, die der Chachainbnichl, wie auf der Hohen Pforlc so dem Kammorprä• י identen nhstattctc, richtete dieser an Ihn unter andern) folgende Wortes ״Wir sind der Treue der Juden zum ottom&nl• Heuen Vatcrlandc hei Jeder Prüfung absolut sicher, wir sind überzeugt, dass die Juden grosse Eühig* keiten besitzen, und dass sic In allen Ländern der Welt ein Element des Fortschrittes, einen wichtigen Faktor der Zivilisation darstcilcn,!dass die Juden eifrig für das Glück des Vaterlandes arbeiten und cs herzlich lieben. Wir w IIn sc 11 cn sc 11 r zu sollen, dass die Juden anderer Lünder, w 10 die russischen und die r u m ä 111 sehen, 111 unser Land kämen und uns die Mithilfe ihrer Intclllgcn-z und Ihrer Tugenden brächte n. Geben Sie diese unsere Gesinnung Ihren Glaubensgenossen in Europa und den jüdischen Organisationen kund. Unser Reich leidet an einer grossen Armut, während sein Boden immense natürliche Rcichtilmcr enthält. Es gibt ungeheure Strecken im Reich, wo nur fünf Seelen auf den Quadratkilometer kommen. Die Juden wären imstande, diese Gegenden zu bevölkern, ihre Kultur über sie auszubreiten und mit Hilfe der Wissenschaft aus der Erde die Rcichtilmcr zu ziehen, die sic verborgen hält.“ Die Rede Ahmed Risas, die der offiziöse ״Tlcmpo" wörtlich wicdcrglbt, hat auf die leitenden Kreise der türkischen Judcutscliaft einen grossen Eindruck gemacht. Man weiss, dass an den höchsten Stellen im Staate keine andere Meinung. Jedenfalls« keine widersprechende, herrscht. Und man findet cs an der Zeit, die notwendigen Schlüsse ohne Versäum* nis aus der Situation zu ziehen. Man spricht dnvon, dass die jüdischen Deputierten und die Notahclu der Konstantinopcler Gemeinde zu Beratungen über die Angelegenheit zusammcntrctcu werden. Rumänien In der längsten Generalversammlung der Jassy er Handelskammer konstatierte deren Präsident, dass die Kammer nicht in der Lage ist ihre Aufgabe zu lösen, weil Juden nicht Mitglieder der Kammer sein dürfen und fordert, die Schafhing eines Gesetzes, durch welche» die ..Fremden“ wenigstens als• ausserordentliche oder korresponliierende Mitglieder nnfgenommen werden können. Amerika Der neue Präsident Taft hat sieh In seiner Ansprache am 17. d. Mts. anlässlich seines Amtsantritts Über die bekannte Passlrage wie folgt geäussert; ..Die Politik der .,Vereinigten Staaten“ hat seit dem spanischen Kriege eine elnlhissreichc Stellung unter den Nationen errungen. Wir sollten diese Stellung dazu benutzen, um allen unseren Bürgern, einerlei, oh sie Eingeborene oder naturalisiert sind, auch in iremden Ländern die ihnen gebührende Achtung zu verschaffen. Wir sollten keine Anstrengung scheuen, um diejenigen unserer Bürger, die sicli vorübergehend in fremden Ländern aufz.11•!»alten wünschen, vor jeder D c m ü t i g 11 n g oder erniedrigenden Beschränkung w׳egcn ihrer Rasse oder R c 1 i g i o 11 zu sc 11 lltzc 11." scher (Posen), dem Vorsitzende« der vom Breslauer Delegiertetago gewühlten 'Gemeinde- Kommission, aufmerksam und bitten, uns Be- Stellungen auf diese Schrift umgehend zukommen zu lassen. Der Einzelpreis betrügt 20 Pfg., bei Abnahme einer grösseren Anzahl, von Exemplaren geben wir die Broschüre mit 15 Pfg. ab. Bei der Wichtigkeit des Themas, das seit langem!in allen zionistischen Kreisen eifrig diskutiert wird, erwarten wir eine rege Propaganda für die interessant und mannigfach anregend geschriebene Broschüre. PALAeSTINA-'RUMOSCHAU Die der ״Jüdischen Turnzcitung“ aus Jaffa Jüngst /!!gegangenen Korrespondenzen lauten sehr erfreulieh. F.h scheint so, als oh die Turnklcc dort unten in den jililiselicu Kolonien sein• schnell festen Ftiss zu fassen beginnt. In der Kolonie Petliaeii• T i k w a 11 ist ein neuer Turnverein gegründet worden, der zurzeit mit der Anschaffung von Turngcräten und Einrichtung eines 'Für 11platz.es beschäftigt ist. Der In Jaffa bestehende Verein ״R (schon I c Z i o 11" hat eine MUimer-, Frauen, und Knaben• Abteilung. Besonders die Mäimcrabteihmg macht gewaltige Fortschritte. Es ist sogar infolge Platzmangels die Gründung neuer Sektionen erforderlich geworden. Besonderen Anklang finden die Turnin ä r s e 11 c in die midiste Umgebung der Stadt. Die Teilnehmer sind stets von zahlreichen Zusclwucrn umgehen, die lebhaften Bewegungen und die Spiele erwecken unter diesen Zuschauern so grosse Lust, ׳dass sie am liebsten sich seihst daran beteiligen möchten, Berichtigung Bei der Berichterstattung Uber die Sitzung des Aktionskomitees ist bezüglich der Ausführung von Gr 011c mann zur Frage des Gymnasiums ein bcdaucrlichcs Versehen unterlaufen, durch das gerade Im entscheidenden Teil die Ausführungen des Redners in ihr Gegenteil verkehrt wurden. Der Redner kam zu dem Schlüsse, dass unter keinen Umständen der ursprüngliche Beschluss der Subventionierung des Gymnasiums aufrecht erhalten werden dürfe, dass vielmehr derselbe so lauge zu suspendieren sei, bis die Garantien geliefert wfiren, dass den Missstäuden im Gymnasium dauernd abgehoben wäre. Diese Garantien fand Redner bislang noch nicht gegeben. Redner formulierte auch die Bedingungen, unter denen ihm die Unterstützung des Gymnasiums möglieh erscheinen würde. ZIOMISTISCHe BCWEGUNG Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland 1. Die Ortsgruppen und Vertrauensmänner werden aus Anlass des Quartalswcchscls dringend gebeten, uns und womöglich auch der Prtsgruppc des Z u z u g 0 r t c s beim Verziehen ihrer Mitglieder Mitteilung zu machen, damit dieselben der Organisation nicht verloren gehen. 2. Wir machen die Ortsgruppen und Vertrauenmnünnor auf die soeben in unserem Verläge erschienene Broschüre «,Jüdische Gomolndo- Politik״, von Rechtsanwalt Dr. M 0 x K 0110 n < «SPReCHSAAL«־־ Pflr dleien Teil Qbernlmmt die Redaktion den Lesern «eienOber keine Verantworten!. Offener Brief an t\r. ZangwiU Aus der heutigen Nummer der ״illustratcd L011don News" entnehme ich, dass die ״JTO“ schon dabei halt, das eben erst zur Diskussion gestellte Cyrcnaica-Projckt wegen des berichteten Wassermangels a u f z u g c b c n. Hierzu möchte ich bcmerken, dass ein solches Vorgehen den wirklich grossen Möglichkeiten, die der Plan in sich trägt, , keineswegs gerecht würde. — Erstens gibt cs genug Wasser in Cyrenaiea und zweitens ist Wasser gar nicht in dem Masse nötig, wie meist angenominell w׳ird. Es sollte nicht zngclasscn werden, dass die Irrtiimer. die zur Aufgabe des EI-Arisch- Planes geführt halten, nun zum zweiten Male ein sehr ausführliches Projekt begraben. — Ich weiss mehr über die Möglichkeiten und Eignungen von Cypreuaien als — vermutlich — viele andere, mul halte dieses Land nicht zufällig oder gedankenlos von Jeher zu den Nachbarländern Paiästinas (in einem weiteren Sinne) gerechnet. Ich würde mich auch freuen, einem Unternehmen nieiuo Hilfe zu leihen, das mir zwar nicht so lieh ist w׳ic unsere Kolonisation in Palästina. Cypern und EI-Arisch. alter immer noch viel heiter als weitaus die meisten anderen Pläne. Natürlich gibt cs Vorfragen, die heantwortet sein wollen, bevor die Frage nach der Eignung des Landes zur Sprache kommen sollte: 1. Was sagt die türkische Regierung, der doch das Land gehört? 2. Wie stellt sicli die ״JTO" ilire Autonomie vor? 3. Hat die ״JTO" entsprechende materielle Möglielikcitcn? 4. Und würden die eventuellen Mittel der ״!TO“ nickt gerade so gut für jüdische Kolonisation in Palästina oder Palästina direkter lt c n n e 11 It n r t c 11 Ländern zur Verfügung stehen? Sind diese vier Fragen 111 einer dem Cyrenaiea- Plane günstigen Weise zu beantworten, so würde ich cs für ein Verbrechen halten, wenn die ,JTO" sich mit der Veröffentlichung eines ״Bcrichtcs“ begnügen und die Sache au( das erste im* günstige Wort hin fallen lassen wollte. Gross-Lichtcrfcldc-Wcst. den 13. April 1909. (gcz.) Davis Tr letsch. AUS'DCM GEMEINDEN 01• Mitarbeit unterer Leser an dieser Rubrik Ist besonders —. erwünscht.... Berlin, Das Vorlesungsverzeichnis der Lehranstatt für dlo Wissenschaft des Judentums für das Somnicrscmcstcr ist soeben erschienen. ״. ״c" 1!r- Bane 111 wird lesen: 1. Talmud. Synhedrin, Kap. 1 (Forts.), •I Stunden, Montags und Donnerstags 10—12 Uhr. 2. Talmud lialili, Htillin, Kap. 1 (Forts.), *I Stunden, Montags und Donnerstags A—10 Uhr. 3. Mlschna Tora, Buch 8 (Forts.), 2 Stunden. Sonntags 8—10 Uhr. 4. Jorc Dc'a. Hilch. Ta'arulmt (Forts.), 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr. 5. Ehen Haczcr. Hilch. Jschut, 1 Stunde, Montags 12—1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud, l Stunde, Mittwochs 10—12 Uhr. .... Hcrr, 1?־י•, El bogen; 1. Einleitung ln dlo WUseiucnaft de» Judentum», 2 Stunden, Montag» und Donnerstag» 10—1! Uhr, 2. Pentateuch mit allen

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