Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1909-04-16 · Heft 16 (16.4.1909) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2651273-2651605-2651621--06341-2663423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iS#/ JUEPISCil^ RUNDSCHAU Seite 181. ״ml sein Weit» Hatsch« aus Huer Passivität erlöst. UHU *VIM ז 1 « «וז iuii *I njs Spiel zwischen den dreien zu scliildcrn. erfordert einen echten Pichtcr. \\ ie in David (der im Drama «limi sein Unrecht cingescheii hat. ehe er den Uria kommen hisstt Schuldbewusstsein und Liebe mit eimimler riiiKCii. wie Datscha stellt zwischen dem (knudil. der die . img rau zum Weihe gemacht mul dem königlichen Liebhaber, der ihrer Liebe einen |nl׳.dt gegeben hat. wie Uria, der Mann des Krieges, / 11ii •11• *׳ , ׳ .. י׳יי ******* '**» •Mivjiva! i״l;l1 nml verstellt, was ihm der «rosse König «etan lull lind was sein Weih «ewordcu ist, das zu .,childcni. verlangt eine dichterlselio Kraft. I\s ist nicht schwer zu sclicn. dass Hebbel stark an( den Pichtcr chigcwlrkt. Nicht nur darin, dass Hcriilmrdt (wie die Kritiker hemerken) die Szene der Sklavin aus dem (lyges variiert, sondern vielmehr m der Struktur der Tra«üdic, in dem Siehhimiid'ohren in Ule Seelen seiner Menschen, ln der Kntv «׳Minig der Katastronhc. Aber cs sind nicht wie tvi seinem Vorhilde Menschen, die mit dem sehe :,! die Sterne berühren, die nn den Weltengeist yd. •>v.cu. deren (Icschick deshalb auch ans dem etice•• K’.dimen des Meuschcuschieksals gigantisch hin,״^wächst zum MenschhcitsseUieksal. Man stelle neben den ßcrnliardtsclicn König einen Qolo — oder Mohn, nies ־ nder Merodes — oder die Nlbcl1111«en• liebte". V ,1111 der Ver«lcich «ezosen wird, so soll cs nul l die leiüiKc Kritikersucht sein, etwas dadurch her.5 ,setzen, dass mau es mit «anz drosseln vereku \her was ״- ausser seinem Namen — hat der;,״ui«, den wir zwischen den Kulissen sahen, mit V.u Koni« David in Jerusalem «emcln? Hs Ist «ii ■!ו einer spiritistischen Sitzung. Der (leist ns wird zitiert und wenn er erscheint, kann us tun. als Tische von der Stelle rücken. Koni« David hat wohl die Philister hcsic«t kann sein Hcldhcrr auch — aber er hat nie hi Geschichte tmd Sagenkreis unseres Volkes lte«eu Schütze verboten, die ans Licht drängen, sprudeln Quellen unter dem Scheine des Tages. Sie harren des Zauberstabes, der aus den! Gestein das Wasser iiervorrauschcn lassen wird. L a z a r u s 13 a r 111. Der IV. Jüdische Turntag Na;'׳' er 1 ■ Pies, ihm ha! k'ii!: Bai' \kh me Psalmen gesungen, keine Ewigkeitswerte geschaffen. . .- . Hin Schwanken zwischen seinem 1u wiisstsein und der Reue. In den Szenen mit ,ו finden sich viele schöne Worte (vielleicht zu .!her in zu häufiger Wiederholung desselben l 1ia ist eine kraftstrotzende Natur, die vor den \1u, .!es Zuschauers die «anzc Skala der Gefühle Jur. :.,;וו!, einen «rossen Kampf durchficht und als v,■ 1:vrv״r«cht. An ihm hat der Dramatiker Ucrn'aai'dt*) gezeigt, dass wir cs von ihm zu hoifen )•a!׳ Ms Siccer. nielit wie im lliieiic der Richter als i. , ..hr, steht Uria du. Denn in der Entwicklung t , lasirophe kommt der Mehhclschülcr wiedei /!;! hiliini«. Uria will den Küni« strafen, dadurch dass er ihn vernichten muss, wie Mariamne den In! .!:■,, ■\1nlcrs als sie allcrdiu«s ar«ume11tiert er 1,11» Wgmneittiereii unter den Hitticlien des Todes ist auch stark, allzu stark hehhcllsch). Er will, dass 1'." K1 ■nie. der zum Rünher seines Weihes ward.5;׳!s ,,111 Mörder dastelic. Und er zwin«t ihn, den l’.mi .ui den Hcldhcrrn zu schrcihcu, der dcu lieber•!,rin•..■, r seihst dem Tode weiht. Per Dichter sejhst will ohne Zweifel, dass mau een iiujisten Massstab an seine Tragödie anlc«t, '■!,'! hätte er nicht ans H.wi«kcitswcrken seine Habel i Hiei nt. nicht einen* Köni« auf die Szene «cstcllt, de! nie kein anderer der licld seines Volkes ist. I'es! .•:־׳ diese A11sstclh1n«cn. und weil wir «lauhcn, dass er reifere Kunstwerke schaffen wird, wenn er ei.er.eie* Tone siu«t, wenn er die lyrischen Motive hehl zu unterdrücken sucht, um Hddengesten zu zeieeii. Uchriccns vcrliirct sich hinter diesem Pscu• üonvm unser bekannter Gcsinmm«s«cnossc Rabbiner Pr.!;11111 Cohn. — Red. d. ״J. R." Zu Pfingsten d. Js. findet In Berlin die IV, T a « u n « des Jüdisch ei* T11 r n t a « c s statt. Nach ן den bisher cin«claufe1tc11 AmtieUlunecn werden zahlreiche auswärtige Vereine, z. 13. Köln. Posen, Graz, Wlei^ ctc. ihre Turner mul Delegierten entsenden. Die Tnriierschnft, welche 1111 Laufe der letzten Jahre einen recht erfreulichen Aufschwun« genommen hat, zählt zurzeit über ,1000 Vcrbnudsmitglicdcr, welche etwa 25 Vereinen nngchürcit. Mit der Ta«1111« ist gleichzeitig mich die Feier, des z c ]1111 ü 11 r l« c n Bestcjicns des Jüdischen Turnvereins IJar-Koch ha in Berlin verbunden. Per Bar-Koehha •blickt auf eine sehr urbeits• «md erfolgreiche Vergangenheit zurück. Hr hat in hezu« auf die Verbreitung des indischen Turugedaukens ausserordentliches geleistet mul gilt noch heute als die Seele dieser Bestrebungen. Der Berliner Verein zählt 500-00«) ־ Mitglieder, welche in neun verschiedenen Abteilungen (Miinner•, Hraucii•, Miid* dien•, Knaben• mul Lcl1rllngx«AI>tcllu11gc11) all• wöchentlich Turnübungen und Spiele, ausserdem regelmässig Wanderfahrten ahhült. Gelegentlich finden auch gemeinschaftliche Sehwimiiiülumgcii• Hecht• und Samariter.Knrsc statt. Eine grössere Anzahl der Bar-Koelihniier (Damen und Herren) hat, nachdem sic sieh die nötige turnerische und praktische Vorbildung «»geeignet, das preusslsclic Turnlohrcr-Examcit, meistens mit vorzüglichem Er* folge, absolviert. Die ()Öffentlichkeit dürfte ganz besonders das Schauturnen Interessieren, welches ans Anlass des Turiitages und des Stiftungsfestes in einem grossen Massstahc geplant ist und an welchem nicht blos der Berliner, sondern auch die auswärtigen Vereine teiliic'iinen werden Voraussichtlich wird dieses Schauturnen in einem der grossen Berliner Zirkusse slattfinden. Hemer werden an einem anderen Tage volkstümliche Uc bungen auf dem eigenen Turnplatz des 13ar«Knchba im O r u 11 c- \v a I d «!»gehalten werden. Dem Jüdischen Publikum, welches wahrend der Pfingsttagc in Berlin wellt, bietet sich mithin eine ausserordentlich günstige Gelegenheit, über die I cistungcn der Jüdischen Turnerschaft aus eigener Anschauung sich ein Urteil zn bilden und sich darüber nufzukh'lrcn, dass weite Kreise der jüdisehen Jugend gerade durch die jüdischen Turnbcstrelningen einer vernünftigen Lcihesziicht und einer Jüdische» Lcbcnsau'fassung zngeführt werden. Ja, es erscheint sogar recht empfehlenswert, wenn auch Niclitlicrlincr durch Verlegung־ ihres Pfingstaufcnt• Iialtcs nach Berlin sieh die Möglichkeit verschaffen würden, diesem interessanten Schauspiel beizu• wohnen, zumal im Anschluss an die Tagung der Turncrscliaft Ausflüge nach P o t s d n m und Rügen geplant sind, an denen teilzunelmicn Güsten gcr» gestattet werden dürfte. Die Gleichgültigkeit, welche gerade der eminent wichtigen Hragc der körperlichen Kräftigung׳ von den meisten Juden entgegengebraoht wird, wird ltoffentlieh bei allen denjenigen, welche iil>erl1aupt den Wunseli haben, sieh belehren zu lassen, einer regen Anteilnahme weichen. Nicht mierwülmt soll!)leihen, dass die Verhandlungen, welche auf dem Turniagc gepflogen werden, ein allgemeines Interesse verdienen dürften, da abgesehen von den reinen Organisation*, und Adiiiinistrationsfragcn vor allem auch die Hragc in den Vordergrund der Tagung gestellt Ist. wdcho sich um die von dem Hilfsverein der deutschen Juden, der Alliunco und anderen «rossen Verbünden für!ganz besonders dringlich erachteten JII d (selten E rzi c hu n gsproblc tue im Orient dreht. Ein allgemeines Palästina Rct c r ut wird nicht blos Informationen über die seit Jahresfrist int Aufblühen begriffenen Jüdischen Turnbc» Strebungen 11t Palästina bieten, sondern auch wertvolle Hingcrzeigo gehen, wie in Palästina und überhaupt int Orient der Jüdischen Erziehung in Schule und Verein durch grössere Hcrvorkclmmg des physischen Elementes gedient werden kann. Der Umschwung im Orient liut auch in dieser Beziehung schon Hrüehte gezeitigt. Seihst denjenigen, denen aus irgendwelchen Gründen eine aktive Betätigung iiincrltalb der iüdi• sehen Turnbewegung versagt ist. wird der IV. Jü• disclic Turnt«« in Berlin einen Ansporn bieten, den bestehenden Vereinen und auch dem allgemeinen Verbände wenigstens materielle Unterstützungen in grösserem Masse angedeihe» zn lassen. In heutiger Zeit, wo cs Insbesondere in Deutschland so lebhaft beklagt wird, dass ein grosser Teil der Jüdischen Jugend sich von Jüdischen Bestrebungen fcmhült, verdient die zeltgem.'issc Jüdische Tumsaehc sicherlieh eine besonders kräftige Hördcrnng. Zu Aus• küuften ist das Z c 111 r n I b u r c a u der J ü d i - sehen T ur n c rsehu f t. Berlin. Alexander• Strasse 39, 3. Hof, Aufgang Ü., recht gern bereit. Religiosität und Judentum In einer von der Königshergcr Zionistischen Vereinigung nm 27. März veranstalteten öffentlichen Versammlung sprach Herr Rabbiner Dr. Emil Colin aus Kiel über ״Religiosität und Judentum". Ausgehend vom Begriffe der Reformation, den er mit Harnack als kritische Reduktion erklärte, begann er über die Reform des Judentums im 19. Jahrhundert zu sprechen, die von Mendelssohn ausgehend in Zu uz, Geiger und Hold 11 ei 111 ihre Hauptvcrtretcr hatte. Diese Reform werde von manchen als Reformation hlngcstcUt. sei aber keine gewesen. Demi cs fehlte die Reduktion und mir die Kritik war da. Nur eine Neuerung, aber keine Erneuerung des Judentums erfolgte. Der Massstab filr die Reform war das, was Z n n z das .,Zeitgemiisse" nannte. Man änderte das Judentum zeitgemäss. Dazu verstand man unter ..zcitgcuiüss“ auch ..cmaiizipatioiisgemäss." Die erwartete Gleichberechtigung führte zu innerlicher Umdrehung des Judentums. Um die Gleichberechtigung zu erlangen, opferte man reli- «iöse ursprüngliche Werte. Da man sic trotzdem nicht erlangte, wurde sie zum Ideal mul zwar zum religiösen Ideal, das die Rolle des Gottesreiches im Denken der deutschen Juden spielte mul noch heute spielt. Man habe so verlernt, etwas über die Gleich» bereehtiguug hinaus zu wünschen. Sie sei der fl« ..Weh' mir! Mein Mann, mein!Mann ist schrie Lea, indem sic die Fischkorbc zu Bad׳ n warf, die Hfindc rang und wild auf und ab 1 cnnciul sich die Haare ausrauftc. Bald aber Hirte sic wiedar, cTgriif mit beiden Münden das weinende" Mfidchcn, schüttelte es heftig hin und her und schrie: ״Tot sagst du? Dein Vater ist tot? So sprich doch, tot ist er?" Pas Kind begann noch heftiger zu weinen, bald kamen eine Menge Weiber zur Stelle und entrissen ts der Mutter. — ״Was ist dir, Lea?" neun sic, ״warum schlügst du das Kind?" ,,Sic sagt, dass er tot seil" rief Lea mit ilder Stimme und ihre Augen rollten schreck- ■ich. ״Höret Ihr? Tot sagt sic. Ha, ha, hal" stiess sic plötzlich ein schauerliches Gelächter n״s, ״sic lügt! er Ist nicht totl Sic lügt, slo lügt!״ Kleines Feuilleton Die Juden ln Turkestan Sic rannte auf und ab, zerrte sich die Kleider vorn Leibe und schrie unablässig: ״Sie 1«Kt. sic lügt! nicht totl nein! . . kittsetzen ergriff die Umstohondon. ״Führt sic ab! Sio Ist von Sinnen 1“ riefen »lehrcrc Stimmen, Die etwa 20000 Seelen zählende buch arische Juden heit leitet ihre Herkunft von den aus Babylonien nach Turkestan ciiigcwandcrten Juden ab. ihre ökonomische Lage ist 1111 allgemeinen befriedigend: sic haben volle Gleichberechtigung־ und betätigen sieh hervorragend auf dem Handclsgehictc, insbesondere hclimlct sich der Manufakturhandd fast ausschliesslich hi ihren Händen. Dagegen bieten die buchariscii-scphardisclicii Juden in geistiger Hinsicht ein wenig erfreuliches Bild. Sie sind zwar fromm und gesetzestreu. kennen aber die Ocsctzcsqucllcn wenig, und ihre Hrömmlgkcit trägt den Charakter der Äußerlichkeit. Von einer innere» Anhänglichkeit an das Judentum und zum jüdischen Volk merkt man bei ihnen nichts. Die Jugenderziehung befindet sich in einem verwahrlosten Zustand. Das Chcdcr- ״System" in seiner ganzen unhygicnischcn und verdcrbllchctn Art herrscht ■in allen biieliarlschscphardischc» Gemeinden vor. wobei Jo 50 bis 60 Knaben in einem ..Chcdcr“ von einem rohen, ungebildeten ״Mclamcd" (Lehrer) der Skidur (Gebetbuch) clngcdriilt wird. Noch schlimmer steht cs mit den M ll d c h 0 n. die überhaupt kclno Erziehung erhalten und zu 12—13 Jahren, olino befragt zu werden, nn einen Mann vorkauft werden. Bel der Geburt eines Mädchens, dio man als ein Unglück betrachtet, wird den Eltern kein ״Masel tauw“ (Glück) gewünscht. Das Verhältnis der IJucharcn zu den russischen Juden Ist ein mehr als Indifferentes. Und cs muss als ein Schandfleck für die Juden In Turkestan bezeichnet werden,, dass slo In ihrem ..staatscrlialtcndcn Patriotismus" gegen die russischen Pogrome lüehts cinzuweiulcn hatten. Allerdings verspüren sie Jetzt selbst eine gegen sic!gerichtete Hciiidscligkcit seitens ihrer Mitbürger. J11 letzter Zeit haben sich mehrere Juden aus Russland in Turkestan niedergelassen, die eine merklieh gute Einwirkung auf die Geistesverfassung der Bucharcn — die sich noch unnötigerweise in abgcsclilossencn Glictti aufhaltcii — aiisübcn. Ein MltUonür als Pogromdicb In Thcodosla wurde kürzlich eine Strafsaclic gegen den Gutsbesitzer und Millionär Kusma Iwanow verhandelt, der beschuldigt war. während des Pogroms, der bekanntlich auch in Thcodosin mit besonderer Heftigkeit wlltctc. aus dem Manufaktur- Inden des Juden Zengln verschiedene Waren ge. stöhlen zu hnben. Vor Gericht wurde nun durch Zeugenaussagen fcstgcstcllt, dass der chrcnwcrto Herr Iwanow nn dem Pogrom überhaupt einen sehr tätigen A 1t 1011 genommen habe. Der bravo Patriot wird sich daher demnächst wegen seiner diversen Heldentaten und Diebereien nochmals vor dem Strafrichter zu verantworten haben. Ucbcr einen Panvru* aus Etcnhantlno sprach Jüngst Professor Suclinu In der phiiosopliisclihistorischen Klasso der Berliner Akademie der Wls- Seilschaften. Der Papyrus enthält ein grosses Namensvcrzolchnls, aus dem sich ergibt, dass die IsraelitIsche Niederlassung Jn Klephantlno im 5. Jahrhundert v. Chr. eine Militärkolonie war. r.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.