Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seite ISU. JUEDISCHE RUNDSCHAU. /imiiMiscliai Aktion erklärt, eine Kauze Anzahl von AbKenrüncicii hat sich für. keiner k'ckcii eien /•ionisiiitis. entschieden, die innerpolitischen Konstellation macht eile türkischen Machthaber zu unseren natiir* liehen Verbündeten und damit ist das stolze Gebäude ZaUKWiilscher Aruuiueutalloii jetten den Zionismus seiner stärksten Stützen Iierauht in Grund und Hoden gekracht. ... Werden die ruhelosen l.andsuehcr noch einmal \״n der rechten Fährte. die sie ln den palästinischen Länderkreis führte, abkomincn, wird ihnen noch öfters ״ein rosiges Land 'der Uücltergelcbrsninkcit im trockenen Lichte der Wissenschaft als ein wasserloses Land erscheinen müssen,'• (Zangwills eigene Worte In dem Cyrenaien-Berichtl) ehe sic einsehen, dass bei der Verteilung der Welt ״JTOlaud" nicht vorgesehen wurde, dass cs besser ist, im alten Juden* laude herzhaft in den Wettstreit der Nationen zu treten, zu dem wir wohl gerüstet sind, denn in der Wildnis nach einem übersehenen Fleckchen l'.rde zu suchen? Wir können nicht Klauben, dass ein Politiker vom Schlnkc Zaugwills nun, da seine alten AfKti* mente kckcii 1ms liinl.'iliiK Kcworden sind, neue suchen wird, wir hoffen vielmehr, dass lim der Weg über Cyrcunicn in Kürze nach Palästina und In unscro Reihen zuri'tekführcn wird. fa. Die hebräischen Kindergärten in Palästina Die Zeitschrift ..Kindergarten. Zeitschrift für entwickelnde F.rziehiiiiK in Familie. Kindergarten und Schule" (L. OchmiKkcs Verlag. Berlin) bringt folgenden anschaulichen Bericht: Wenn Friedrich Fröbcl der grosse Kenner der kindlichen Seele war. wenn er den richtigen Wege zu derer Frz.iehung gef linden hatte, wenn die Körner seiner Lehre und seiner ganzen (iedanken sieh weit (»her Meer und Ozean verbreitet und zu j schönen Gewachsen aufgebläht sind, so verdankt rucii der hebräische Kindergarten seine Existenz diesem grossen Geiste. Ausser dem allgemeinen Ziele der Kindergärten in F.uropn, Ame1.ika etc. — die physischen mul geistigen Kräfte, die schlummernden Fülligkeiten schon in den ganz Kleinen zu entwickeln und zu stärken ־ trag! der hebräische Kindergarten noch eine wichtige und schwere Aufgabe: die Wiederbelebtmg und Fntwicklung der hebräischen Sprache im Mumie der Kleinen mul sic, d. 11. die kleinen Ver* tretcr der asiatischen Kultur und Lebensart, allmiih• lieh der europäischen nahe zu bringen. , Wie die ganze Bevölkerung in Palästina, so ist | auch die Zusammensetzung der Kinder in den Kinderj gärten sehr verschieden und Imnt: es sind Kinder 1 aus verschiedenen Orten Palästinas, aus Arabien, der; europäischen Türkei, Russland, Australien, Afrika 11. a. j Und jedes Kind bringt seine Sprache, seine Sitten, J seinen Charakter und Temperament, sein Verlangen l mit, Pie Kinder von Jerusalem allein sprechen '־ mehrere Sprachen. Je nachdem welchen Ländern ihre; Väter oder Urväter entstammen. [ So wird z.mu Beispiel Arabisch, spanischer Dialekt : (ähnlich dem italienischen). Türkisch, Hebräisch, ן Französisch, Deutsch, l'.ugllscli, Russisch gesprochen. Um! so haben wir in einem Miniaturblldc die Verkorpenmg der naiven Bibelcrzühhuig von der baby- | Ionischen Spraclienvcrwirrung. j Und diese b 11 n t c S c 11 a r nun, die doch einem; einzigen Stamme — dem jüdischen Volke — angehört, mittelst einer ihr verwandten und nahen, und doch für sie fremden Sprache — der hebräischen . — zu einem Ganzen wieder ziisauuuenzufilgcn, ist der nächste und wichtigste Zweck der hiesigen Kindergärten. Und nun kommt uns Fr. Fröbcl vortrefflich zu Hilfe dank seines Lehrsystems, seiner sogenannten ״Frubelschen Beschäftigungen“, die einen und denselben Gegenstand und Begriff verschiedenartig darstellen und uns die sebwerc Arbeit erleichtern und die Möglichkeit gehen, zu den Kindern leicht durch — sozusagen — lebendige Bilder- Worte zu sprechen. Da die hebräische Sprache im Kindergarten für das Kind nicht Muttersprache ist, so dass es uns längere Zeit nicht verstehen kann, ist die Aufgabe im hebräischen Kindergarten so schwer. Und darum ist der Charakter desselben meistens sclitil.'ihnliclier und nicht rein kindlich, familicnliaft. Poch allmählich verdrängt die 11 e b r ä I s c 11 e alle a n d e reu Sprachen, und aus einer halbtoten, vergessenen ist sie kräftig und schön erstanden und fliesst, gleich einer plötzlich verschwundenen und doch wicdcrgcfuudcucn Quelle, aus dem Munde der kleinen Hchräcr und ]ichrilcriimcn. Der materielle Zustand der hiesigen Kindergärten ist meistens befriedigend; mehrere besitzen einen passenden Selmlraimi und einen kleineren oder grösseren Garten, in dem die Kinder die freie Zeit verbringen. Alle sind V o 1 k s k i n d c r g ä r t c n, und wenn die europäischen Kinder neidische Zuschauer und Bewunderer von grossen Läden und Magazinen. Stadtbahnen, Kutschen. Droschken, Tramwaycn, Automobilen sind, so können meine Kinder erzählen von dem wunderbar bla neu Himmel und der glühend brennenden Sonne, von den mächtigen, dicken Kain eie 11. die im Gänsemarsch die Strassen durchziehen und sich dank der Glocken weit hören lassen, und auch von dem trotzige u I*. sei, auf dem so leicht zu reiten ist, gerade wie auf einem Steckenpferde, und den alten Molzen Zedern, den Feigen-, Dattel- und Z i t r o n e 11 b ä 11 m e 11! Und die schonen blauen Gebirge rings herum! Und noch vieles, vieles könnte der asiatische Bube seinem europäischen Kameraden erzählen, wenn sie sich nur verständigen könnten! Die Kindergärten hier existieren erst 5 ö Jahre, und mit jedem Jahre nimmt sowohl ihre Zahl wie 1 auch ihre Qualität zu. Hie und da entstehen neue Kindergärten, und gar sehr oft übersteigt deren An* ' zahl die Zahl der 11 e b r ä i s e 11 e n Kinderg ä r 111 e r i n 11 e n. Dieser Mangel au Kindergärtnerinnen wird in der letzten Zeit sehr fühlbar, so dass man beabsichtigt, in kurzem ein Kinderg ä r 111 e r i 1111 c 11 - S c tu i 11 a r zu crüiinen. Und damit wird Fr. Fröbcl ein vollberechtigter Bürger auch hier werden: seine grossen Gedanken mul Lehren werden weit verbreitet mul von allen Freunden der Kindercrzicliung' verehrt und verstanden werden. Und mm niöehtc ich mit seinen j Worten seliliessen: ..Kommt, lasst uns misern Kindern leben."; .. ...____ ״Jüdische Gemeindpoüiik“ Seitdem vor Jahren an die Zionisten mmg erging, in die ׳ Gciiieindcstiikn ciiizinlringV״, war man in unsern Kreisen von der Notwendigkeit! von der Zweckmässigkeit dieser Parole ither/eugt*. Trotzdem fohlte cs immer noch an einem Programm für eine moderne, vom zionistischen Standpunkt gc• rechtfertigte Gcinemdepolitik. Hudlich liegt uia■ im Verlag ״Zionistisches Zcutralliurcau" ersJüutCm. Broschüre ״Jüdische Gemei1u|cpo!itik" Vor. der.n Ver• fasscr Rechtsanwalt Pr. Max Koltciischer in |*t,%c״ ist. Und mau muss sagen, dass dieser erste Ver• such, unser: Forderungen imicrlialb der Ou״ci11Je• zu fixieren, uns ein logisch durchdachtes, .msserst zugkräftiges Programm au die Hand gibt. Nachdem der Verfasser die Bedeutung d.c1c. meiudearheit für die Ausbreitung des ן!;״,«,׳;•״. jüdischen Gedankens in knappen, aber 1ibcta.,gt״. den Worten dargetan hat. bespricht er aus, «:!,,׳! die Reorganisation der deutschen Judenbeit, 1)1" veränderten Zeitverhältniss'cn müsse die st;...!liehe Gesetzgebung entgegen kommen. Wenn aiui eine \ollige Trennung von Staat und jüdischer RU geiiossciiscl'iift nicht verlangt werden kom; . y, müsse doch jegliche l'.innüsehimg des Staates ״ d.e imierei׳ Angelegenheiten der Gemeinde ab, Uwlui! werden. Andererseits müsse eine Gliederung der mich• heit dureil staatliche Gesetzgebung in (Jciik ״den, Gemeinde-Verbünde und eine Zmtralorgau.s inon erstrebt werden, Gemeinden mul Gemeinde.Vt.!;u:kL erhalten Jas Recht der Steuererhebung. Pur,; eine solche G'iederimg sei ein F.intreteii der leis!es• fälligen Gemeinden für die dringendsten Aua־.!In. n der kleinen Gemeinden gewährleistet. .,Pie Gemeinden sollen in (■«.i• h c i 11 i c 11 c r Weise v c r w a It c t w e r ü 1 n: ihre Satz 11 u g e 11 sollen I i b c r a I e! e um kru tische Verfassungen sein.־׳ In konsequenter Ausführung dieses Gedankens u ..nj Kollcnsclicr das allgemeine Wahlrecht, die <u;u;:• üehkeit der Rcpr.iscnta11ttf11.sit/1mgcn, prog.u ״!u• Besteuerung des Linkoimuens lind Vermögens.;.,״:• liebste Einschränkung der Gebühren für Geua.iule• leistmigeii, sorgfältige F.rzicliiuig der j11,!...'.:en lugend in jüdischem Geiste, endlich Uchcruahine der den Wolilt.itigkeitsvereincn obliegenden A11i.:,d«cn durch die Gemeinde. Hine ausführliche Besprechung dieser ve!. m. vollen Arbeit behalten wir uns noch vor. (1. W. ״Der Brief des üria“ (Trauerspiel in fünf Aufzügen von F.mil Bern .! dt. F.rstauüiihrimg in den Kaminerspiclcii des Denis, ii.u Theaters (veranstaltet von der freien Volks!!«.!;1u». Im zweiten Buche Sanmelis erzählt die Biln J e Geschichte von David und Urias Weib. Per k׳ von Lust nach der schonen Frau getrieben, send! s ihren Gemahl Uria mit einem Briefe an seinen 1׳cid• lierrn Joab, er solle den Ueberbringer des Seliritk״' in der Schlacht auf einen Posten stellen, auf de er den Tod finden müsse. Und er nahm dam; das Me■!» zu sich. Der Prophet Nathan hält dem König seinen Frevel in einer Glcielmisrede vor. und dieser Krad seine Schuld.. Per Dichter, der die Personen dieser Fr/.! (Hier die Preller der Itiilme schreiieii lies«., ü.,1 l i.u Hs dauerte• lange, bis cs ihm gelang ein ״Glieder'"״) zu eröffnen, und inzwischen verzehrten sie alles, was sie noch iibriyj hatten. Taue bitterer Not begannen. Salmons körper liehe Schwäche erlaubte Ihm nicht, seinem Berufe den ganzen Ta« obzulicgeit, und deshalb waren die Erträgnisse mir geringe und reichten kaum hin, die nötigsten Bedürfnisse zu bc* streiten. Die Not wuchs täglich. Uca musste sielt cutschlicsscn, iiire älteste Tochter in Dienst zu geben, Gott ailcin weiss, welch' schweren Kampf sic kämpfte, als sie ihr Kind zu fremden Leuten als Magd schickte. Dieser Tag riss eine Wunde in ihrem Herzen, die noch Immer klafft, nie vernarben wird. ' Und Hiraim, «ihr Sohn, der so gut lernte, dem die •ersten Kapazitäten eine ruhmvolle Zukunft prophezeit — wo mag er mm sein? . . . Sie haben ihn unter die Soldaten gesteckt und in ein weites, weites Land geschleppt, wo grimmige Kälte herrscht . . auch Hunger und Mangel, muss er leiden, der Vorgesetzte ist ein harter und grausamer Mann, der die Soldaten heim geringsten Anlass misshandelt . . . ״Weh’ der unglücklichen Mutter!" Und sie selber, was war aus ihr geworden? .letzt ist sie Fisehvcrkiiufcrin in der .Indengasse ... Der Gesundheitszustand des Mannes verschlimmerte sieh von Tag zu Tag und sie sah ein, dass die weitere Auxülnmg seines schweren Berufes ihn unfehlbar zu Grunde richten würde. Und sie zermarterte sich das Gehirn, um einen Ausweg zu ersinnen, Sie wollte wie früher die Last der Erhaltung des Hauswesens auf sieh nehmen, um •mir das Lehen des geliebten Mannes zu retten. Aber alles stand vor ihr verschlossen, sic hatte mir die einzige Wahl, einen Korb zu nehmen und auf der Strasse Fische feilziibictcn. Als sic ihrem Manne diesen Beschluss initteiite, weinte er wie , ein Kind: ״Du, Lea, willst ein Fisclixvoib wer- I den? Gott ist gerechti" Es war wohl die herbste Prüfung, die ihr das Geschick aiiferlegt, als sie das erste Mal in der Gasse erschien, mit dem Korb unterm Arm, und ihren Platz in der Reiiie der Fischweiebr eiimaiim. Eine grössere Erniedrigung hatte sie niemals erlebt, und heute noch, es sind schon zwei Jahre her, sic hat sich schon mit der Notwendigkeit ahgcftmden — aber die Erinncrung au jenen Augenblick schnürt ־ihr das Herz zusammen. Das Mass ihrer Leiden war wohl aber noch nicht voll. Salmons Gesundheit war innergraben; die Krankheit warf ihn aufs Lager und seit anderthalb Jahren hatte sieli sein /.iistanJ erheblich verschlimmert, die Kosten vcr.xch'an• gen den elenden Verdhm . . die Kinder M'.ni hungrig und nackt, im Zimmer ist kein l!״lz. um Feuer zu machen, der ganze Hausrat würde stückweise verkauft, das Elend ist schauerlich. Plötzlich erwachte Lea aus ihren Gedanken und Erinnerungen; ״Was stelle ich liier? Mer weiss. was er Jetzt macht!" Ein fürcliterluiicr Gedanke flog ihr durch den Kopf und 111a ■htc sic schaudern ״Ich will nicht mehr auf Kunden warten." beschloss sie, ״ich will nach Hause eilen!“ Kaum hatte sie einen Schritt gcmacln. als sic ihr Mädchen erblickte, das auf sic zu',»cf- Das Kind, bleich wie Kreide, zerfloss in Tränen, und bebte am ganzen Körper. ״Was ist?“ rief Lea ausser sich. ״M•1'' macht der Vater?" ״Mutter" stammelte das Kind, ״ich weiss nicht, was dem Vater ist; vor einigen Minuten blickte er mich so sonderbar schrecklich an. dann schüttelte er die Hand einigemal »״J schloss die Augen,!eh rief ‘וווי, zupfte ihn am Arm aber er liegt regungslos da . . '*) Talniuülchrcr.