Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Merksprueh Wer elntm Armen das Almosen Cffcntlidi gibr, Ist ein Sünder. (Au* dem Talmud) Passah, das Freiheitstest Wenn der Schnee hinwcgsclmiilzt und die Früh. liinis.Ntiiriiie durchs Land brausen, daun hält in den ILuscrn Israels ein gar wundersames Fest seinen liiuzug. Aelit läge wird es geleiert, und au den vi'icn zwei Abenden werden die seltsam schünen jederabende nbgehaltcu, deren eigenartiger Zauber und halb ausgelassen lustige, halb verträumte ,Mci״dieu nie verfehlen, einen tiefen Eindruck auf alle zu machen, die sie mit wirklichem Verständnis für den tiefen Sinn, der in ihnen verborgen Hegt, brechen. I'ussali ist cs. das Fest unsrer Befreiung, das l\st des werdenden, sprossenden und grünenden!•'1 r.liimus der Natur, wie auch unsres Volkes. -- i‘״d "eiin am Tage vor Passah Orossvater sieh iiHcr/uigt hat. dass das iüugstc F.nkelehen die iiebrä. i'v '.cti!•ragen, die es an Um morgen richten soll, virkheu fehlerlos und mit richtigem Verständnis Meilen kann, dann lieht er ihn wohl zur Belohnung;111; ,;eil Schoss und erzählt. wahrend sich die änderet» kleinen, eng an ihn geschmiegt, zu seinen Füssen . 1״ die F.rde liocken. von der Beschichte des Festes. v.> sie morgen erwartet. Fr leimt sieh hcliaglich au grossen Lehnsessel ztniiek. und wiihrend cs Im ,V.tni ne prasselt und ab und zu eine rote Lohe auf• vU.!gt. d;0 die aufmerksamen Gesiebter seiner kleinen /־'״< er mit hellem Feuerschein beleuchtet, spricht er /» ihnen von den .Mühen und Drangs!len, die die ' :er dereinst in dem Laude der Kucchiscüntt zu . :•...:eil hatten, wie dann der (leist der. Herrn über U v kam und Um zu dem kühnen Fntschiussc bc• wehe, das ganze schwergeprüfte Voll!, das inner dir Last der Bedrückung zu erliegen drohte, hinweg, /in' ■I ren in das Land, d is dem Volke •Inda besUniml v,<! v״n Anbeginn. Und er crzfihlt von den Schauern der heiligen Nacht, in denen IJie Schwingen des Tdesviige's durch die Hauptstadt Mizrajims rausch• :!a W ehklagen and Verzweiflung in den Häusern der grausamen Bedrücker eiukchrteti. Wie dann *as gesamte Volk zum Watulerstahe gegriffen und r: Vertrauen auf die Führung Moses, des Aiiscr• koreiicu < *ottes. die weite, mühselige NVamleruiig ^treten habe, die sic zu ihrer künftigen Heimat 1׳!:reit sollte. I '11.1 wenn Orossvater dies er/ühlt, dann leuchten wi׳K a!!c,1 Augen und aus Jedem seiner Worte ';׳׳׳e'1{ dieselbe jubelnde Freihcitslnst, dasselbe 1111• .1' iuligte Frohlocken über die zersprengten Sklavenj ie'vh!. wie sie aus den Liedern Mirjams und ihrer!!״■!!״;rauen ertönte, als sie am Scliilinicer nach uer! <il'vrst;m<k1־K11 letzten grossen Ocfabr, dem Ewigen j ״.>:׳ Dank des geleiteten, befreiten Volkes dar• 1! r!.•',teil _ j l1׳ tiefes Siimci) versunken sitzt der Orossvater ן d > und schweigt. *-- Doch der kleinen Ruth datiert j d 1s Schweigen zu lange, sie klettert auf das andere J K nie des Orossvaters. kraut ihn zdrtlich in dem -׳!gen. weissen Hart und fragt daun: ,.So sag doch. (!r<׳ssvf:«t׳cl1e11. wie kommt cs denn, dass wir ,!:din jetzt nicht mehr in dem schönen Lande "olmcii, in das Mose das Volk getiihrt hat? Warum Mnd wir denn aus ihm fortgezogen?“ Leise streicht ihr Orossvater über das sciiwarz- 1״ckigc Haar mul entgegnet: .Ja. meine kleine Ruth, das hat seine traurigen Ursachen: ein mächtiger Feind, dein kein Volk der Welt widerstehen konnte, hat uns aus ihm verjagt t1:׳d hat unser Volk in alle Länder der F.rde zer• 1:reut, wo cs nun des Augenblicks harrt, der es 'Weder einigen und ins ümd unserer Ahnen zurück• führen wird. Und sic warten auf diesen Augenblick mit Schmerzen und heissem Sehnen. Denn cs geht ihnen nicht gut in der kalten, unwirtlichen Fremde, in der sic ihre sonnige Heimat nie vergessen konnten. Und nicht viel geringer sind die Leiden, die sic aus• zustehen hatten, als die, an denen die Vütcr zu Moses Zeit zu tragen hatten. Und wenn ihr morgen am "ifblgcdeektcn Scdertischc sitzen werdet, so wisset, »lass Tausende in fernen Ländern den Scder m i t eti eh begehen, frierend, obdachlos, vielleicht nicht einmal 1111 Besitze eines Stückchen Mazzotli, der Willkür einer rohen, feindlichen Menge ausgc• H't/.t, und dnss der Ruf ״Lcslmiioh liobo hejerti• seholojlm," den Ihr vielleicht nur wie •irgend ein «lelchglllUges Gcbetstück hcruntcrlcscn würdet, sich von ihren Lippen lösen wird, wie der Schmerzen«- schrei eines von. grausamer Meute zu Tode gehetz* teil Wildes, ln diesem Rufe, meine liehen Kinder, sammelt sich das tausendjährige Weh unseres Stammes, liegt die letzte und einzige Hoffnung von Millionen unsrer Brüder! Betet morgen abend dieses Wort mit aller Warme, aller Inbrunst deren ihr fällig seid; der König der Heerscharen, der die gläubigen Bitten der Kinder so liebt, möge euch erhören! Aber, wohlgenicrkt, nur dann wird er nuf euch hören, wenn er sicht, dass ihr nicht nur zu beten versteht, sondern dass auch hi euren kleinen Herzen der feste Wille keimt, später einmal eurem armen Volke mit all eurer Kraft zu helfen und Opfer für dasselbe zu bringen!" Der Orossvater schweigt: eine Welle schwelgen auch die Kinder ergriffen, doch dann bricht der kleine Wolf, dem mich die Tränen In den Augen stellen, In die Worte aus: ״Ja, das wollen wir, Orossvater. lass uns erst gross sein, dann soll unser Volk ein neues Passah erlebenI“ Hans 0 o s I a r; : *־■ ■׳••־..י ■ •Vf | Die Erschaffung des ersfen Menschen! Dem Midrasch nachcrzühlt j von Lina W a g n c r T a 11 b c r. l Ehrfurchtsvolle Stille ruhte auf der Hrdc, als am 1 sechsten 'fuge das Sehöpfuugswcrk vollendet wurde, | Alle lllumeii atmeten balsamische Düfte aus; ein! leiser, frischer und erquickender Wind zog durch ן die Welt. I Alle Geschöpfe reckten lind streckten sich, um ihre Kraft zu erproben. Alle fühlten und atmeten in sieb die «öitlichc Schöpfung. Die Sonne strahlte In : ihrer ganzen Pracht umJ vergoldete die Krdc mit ihrem Scheine, Und Oott sali die Welt und fand, dass sic gut war, ״Jetzt." sprach Oott," will Ich der Schöpfung die Krone mifsetzeu, dun edelste, da» vollendetste schaffen, den Menschen. In meinem F.hcnblld soll vr sein und die gan/.v F.rde beherrschen." Da trat die Wahrheit dicht verschleiert hervor und nahte sich schüchtern dem Throne Gottes. ״Schöpfer des Himmels und der Hrdc," bat sic. *rufe nicht den Menschen ins Dasein, denn er wird nur Lug und Trug sprechen und mich, die Wahrheit, die du lielist. mit Füssen treten." ״Ja, Ja,' licss sich die Stimme des Friedens hören. ״Die Wahrheit hat Recht, so wird der Mensch auf Erden sein. Und auch mich, den Frieden, wird er von der Erde scheuchen. Mein schönes weisses Kleid wird er mit Blut bedecken, Kampf mul Krieg wird er beraufbesehwören mul Zank lind Zwietracht wird er säen. Allmächtiger Oott. erschalle den Mc;1. sehen nicht," hat demütig der Friede. Mit schnellen Schritten trat die Ge-echtigkeit hervor. Sie war gross mul stark und sah wie eine hcrr.seiu.mle Königin aus. Ihre Stimme hatte einen festen Klang. Man hätte die Gerechtigkeit für gar zu streng halten können, wenn Ihre Augen nicht so hell und freundlich geleuchtet hätten. ״Der Friede übertreibt, erhabener Herr und König," sprach sic. ״Der Mensel! wird gutes auf der Erde tun mul seine Pflicht erfüllen. Ich. die Gerechtigkeit, werde ihm die Wege weisen, die er gelten so])." Ehr׳ •rchtsvol) trat die Barmherzigkeit hinzu. Sie war nur dürftig aber anmutig gekleidet. Auf ihrem frischen, rosigen OcsicUtchcu leuchtete so viel Güte mul Liebe, dass die Wnlirheit und der Friede sich zu ihr neigten und sie küssten, ..Barmherziger Oott." sprach sic mit sanfter Stimme, ״erschaffe den Menselten mir. wie Du sagtest, in Deinem F.bcnbiide. King und weise wird der Mensch sein, denn er wird Dir. 0 Gott, naebstreben. Gib ihm ein Herz voller Liebe und Demut, dass er bilfbcrcit und gut wird. Und gib* Ihm die Wahrhoit mul den Frieden als Geleit mit auf die Erde׳. Dann wird der Mensch Dir zum Ruhm׳.' gereichen und die Welt mit Jubel erfüllen.“ ״Du linst Recht," sagte Gott mit milder Stimme mul freundlich blickenden Angen und erschuf den Menschen. Die Wahrheit und den Frieden Hess er zur Erde nieder: die Gerechtigkeit aber und die Barmherzigkeit Wieben In dem Himmel. So wandert der Mensch beute noch auf der Erde. Neben Ihm Wahrheit und Friede, über Ihm Qerechtigkeit und Barmherzigkeit. Der Geburtstag der Bäume Das Volk der Juden war in aber Zelt, als cs noch auf dem heimatlichen Boden Palästinas lebte, ein ackerbautreibendes Volk. Eimi Volk, dessen Lebensunterhalt, dessen Denken und Fühler, in erster Linie abhängig war von einer gesegneten Ernte, vom Tau des Himmels, von Regen und Sonnenschein, die ihren Ertrag bedingten. Das erkennt Ihr in den Büchern der Bibel, in den Psalmen, welche die Fruchtbarkeit des Landes preisen, aus den Gebeten, die Gottes Segen für die Felder Israels erflehen und vor allen aus unseren Festen, die nur als Feste eines Volkes von Ackerbauern ihren rechten Sinn haben. Da haben wir z. B. das SchcbunthfcsL bei welchem unsere palästinensischen Vorvfltcr Gott für das Ertrügnis der Ernte dankten, ganz ähnlich, wie auch bei uns die ländliche Bevölkerung ihre Erntefest feiert. Wem« wir das Fest nun hier In Deutschland zu einer Zeit feiern, wo die Natur sich gerade anschickt, Dir Frühlingskleld anzuzlchcn, so körnten wir uns daran erinnern, dnss zu gleicher Zeit unsere Brüder, die ln die ulte Heimat unseres Volkes zu• rUckgckchrt, unter der Sonne Palästinas ein rechtes Erntefest mit Gesang und Tanz feiern und von den arbeitsreichen Wochen der Erntezeit, die ihnen ihre Scheuer füllten, bei frohem Spiele ausruhen. Vor wenigen Wochen hat man dort unten ein Fest gefeiert, das aufs engste mit den Verhältnissen Palästinas verwachsen ist, so sehr, dass der Tag in mulereit Ländern fast ganz in Vergessenheit gc• raten ist Am 15. Sclicwat beging man in Palästina den Geburtstag der Bäume, ein Fest, bei welchem nach altem Brauch in feierlicher Weise die Anpflanzung von Bäumen vorgenommen wird. In diesem Jahre hat man nun den Schulkindern Jaffas ein besonders schönes Fest bereitet: Etwa 0X1 Schüler machten unter Leitung ihrer Lehrer eine grosse Landpartie nach einem Platze ausserhalb Jaffas der am Meere gelegen war. Dort nngcknmmcn fanden sic einen Hnulcn langer Bünmchcn vor, und ein Jedes Kind durlte dann ganz selbständig eine» Baum ein• pflanzen, Dann wurde noch eine kleine Feier ab• gehalten, bei der einer der Lehrer eine Ansprache!lieft. Unter den Klängen hebräischer Lieder zog man alsdann in frohem Zuge wieder heim. So lassen sielt unsere Feste in dem Lande feiern, in dem sie eingesetzt wurde״, und mit dessen Klima zusammcnsHimucfi zu harmonischer Schönheit. sie fs. Rätsel A! A B B E E . 0 E E H H ' 1 L L L L 0! 1 P P R 1 R f s U W Z M ...v ״,i^HMunen ergenen, richtig geordnet, folgende Worte: I. Eine Pflanze. 2. Partei im alten Rom. 3. Nom« eine» berühmten Juden. 4. Verkaufsstelle Im Orient. 5. Ein tierisches Produkt. Jeder Einsender einer richtigen Lösung erhält eine schöne Ansichtspostkarte, mit Bezug auf dieses Rätsel! Einsendungen (auf Postkarte) bis zum 14, April unter Angabe des Alters des Einsenders an die Redaktion von ״Jung Israel", Bcrlin-Charlottenbiire. Dlelbtrcustr. •19. Scherzecke Die kleine Lea verrichtet gerade Ihr Abend• gebet, und wird dabei von Ihrem Bruder EU gestört, der sic an den Haaren zaust. Ohne sich zu unterbrechen, betet sie weiter: ..Lieber Gott, entschuldige mal einen Augenblick. Ich muss Eli erst mal eins ,runtcrhaucn!" _ Briefkasten. Trudo T, in Mannheim. Sende uns doch, bitte, die Auflösung Deines Rätsels nochmals ein. Es Ist offenbar beim Druck ein Irrtum vorgekommen, Besten Dank und herzlichen Gruss! Allred H, In B. Dank für die schöne Kartei J