Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 16S. JU EDI SC HE UÖJlDSCHAli No. 14/15, iQgggl n Karl Kautsky, Der ürsprunfl des Christentums Eine Besprechung von Dr. M a x B c s $ c r (Hamburg). (Schluss,) Im babyionisehen Exil Batte sich die Neigung der .luden /um Handel (dem! nur Städter waren ln die Gefangenschaft «ernten) verstärkt, und damit nneli ilire Intelligenz, iiir Abstraktinns- und Spekula• tionsvermögen. Aber für die Betätigung dieser Seigang zum Hat.dcl fanden sie nach ihrer Rückkehr in Palästina keine Möglichkeiten melir. Her «neckische Handel, der seinen Hauptsitz in Aegypten hatte, verdrängte immer melir den pltönizisclieii Handel. Paher War ein Teil der Juden, da sie in ihrem Kunde nur geringe sonstige Hrwerhsmöglichkeiteii hatten, zur Auswanderung in fremde Länder gezwungen. ״So kommt es zur Piasnnra, zur Zerstreuung der Juden ausserhalb ihrer Heimat, gerade in der Zeit nach dem babylonischen Exil, gerade von da an, wo ihnen die Heimkehr in ihre Heimat wieder gestattet war. Diese Zerstreuung war eben nicht die l'olgc eines Gewaltaktes, wie die Zerstörung Jerusalems, sondern die Holge einer nnmerkl/eiieii Umwälzung, die damals begann, der Veränderung der Handelswege. Um! da die Wege des Welthandels seitdem bis heute Palästina gemieden haben, wird es auch ins Heute von der Masse der Juden gemieden, seihst wmu ihnen die Freiheit der Niederlassung im Lande ihrer Väter geboten war. Daran wird aller Zionis- Jims nichts ändern, so lange er nicht die Macht bcsitzt, das Zentrum des Welthandels nach Jerusalem zu verlegen." Schon in der vorchristlichen Diaspora treffen wir in allen grösseren Städten Jüdische Oemeinden, die selbst die Sprache ihrer Umgebung an* nahmen und mit dem palästinischen Judentum nur durch die Religion national verbunden waren. Als zersprengte Minorität mussten sie den Wunsch haben, j durch Expansion ihren Machti.rcis zu erweitern und 1 die Zahl der Volksgenossen zu vermehren. Dazu bot sieh ihnen Gelegenheit durch die Propagierung ihres religiösen Monotheismus. Dieser fand auch in einer Zeit, die den Glauben an die alten Hotter verwarf und sich nach einer höheren religiösen Auflassung sehnte, zahlreiche Anhänger. Was Mniimsseu über die Stellung der Juden in! römischen Reich sagt, ist unhaltbare pmLssorale Geschichtsschreibung. Jerusalem blieb lednch der gewaltige nationale Mittelpunkt, dem zahllose Spenden und Schätze von den .1 ihicn der gesamten Diaspora gesandt wurden. .Nicht blos die P'icsmrselnft. das ganze Volk war an der Erhaltung tmd Monopolisierung' des Jalivckiiltus in Jerusalem materiell interessiert. Das politische J und geistige Lehen der Jüdischen Hauptstadt wurde ' xוו״ Parteien beherrscht, die mau als religiöse Riehtmnreu zu hetraehteii pflegte, ׳,io aber in Wirklichkeit Klassengegensätze lK׳!cntetcn, Die S a d d 11 e ä '•1 ־' Waren die Vertreter der Priesteraristokraten. Sie sympathisierten mit der }•'rcnullierrschnft, anfangs der syrischen, später der römischen, weil ihnen dadurch die wirtsei:,•li'üche Ausbeutung des Volkes erpichter• xvurde, Ihnen stand die demokratische Patriotei marlei der Pharisäer gegenüber, deren Vorläufer die Makkabäer waren. Hinter ihnen stand die breite Vniksu'asse. v׳«n nationalem Hass gegen die Hretiuhai und ihre Bräuche erfüllt. Unter ihnen lebte der (Haube, dass Hott einen gewaltigen Helden, den Messias, sende» werde, der sie von der Unterdrückung durch Fremde erretten würde. Ihr nationaler Messius- und Au(ct׳*deUmv׳sgUu1hc gewann in Philosoph!* scher Sublimierung viele Anhänger in der nichtjiuh• scheu Weit und wurde, als er seine Wurzeln im Judentum verloren hatte, ein Mittel der Propaganda für die christliche Ocnicindc. Allmählich Hess die nationale Energie der Pharisäer und damit mich ihr Einfluss auf die breiten Vnlksmasscn nneli. Die hositzloscn Volksschichten Jerusalems wehrten sich im Verein mit der Landbevölkerung Haliläas machtvoll gegen das römische Joch und bildeten eine neue Partei, die ■der Z c I o t c n. In der Zeit, in die das Wirken Jesu fällt, famlcn zahlreiche Aufstände der Zeloten gegen die Unter• drücketdes Volkes statt. An der Spitze einzelner Scharen standen häufig׳ Ehlirei־, die sich für den Messias oder einen Propheten ausgnheu. Schlicsslicii steigerte stell der streitbare Enthusiasmus der Zelotcupartci zu Jenem Rlesenkampfc, der mit dar Niederwerfung Judas durch die Römer endete. .,Ein Denkmal von Ausdauer, Heldenmut und Hingebung, das aus dem Schmutz allgemeiner Hclgiieit und Selbstsucht lener Zeit einsam aber mich um so gc* waitiger hervorragt." Zu den vorhandenen Riehtuiigen geseilte sich noch die Organisation der Essücr. Sie stellt ein Produkt der Uebcrtragtmg kommunistisclicf Tendenzen, wie sie bei der Massenarmiit dein grossstädtischen Proletariat nahe lagen, auf das flache Land dar und hat die bäuerliche Wirtscliaft zur Oriiiullage. Die Organisation, die sich für das grossst.idisehc Proletariat geeigneter erwies, ist die neu entstehende christliche Ocnicindc. Von den Anfängen des Christentums handelt der vierte Abschnitt. Es ist weder möglich noch not• wendig, Bestimmtes über Jesus zu wissen. ,.Alle Gedunkcngüiigc, die man gewöhnlich als die Eigen• art des Christentums preisend oder verurteilend bozeichnet, Italien wir bereits als Produkt, teils der röinischüielleiiisclien, teils der jüdischen Entwicklung keimen gelernt. Es gibt keinen einzigen christlichen Gedanken, der es notwendig machte, ihn auf einen erhabenen Propheten und Ucberiiiciischcn zurilckzu* führen, keinen, der nicht schon vor Jesus in der heidnischen oder jüdischen Literatur nachweisbar wäre." (S. .H?.) Jedenfalls ist aus den Schriften des neuen Testa, liients ersichtlich, dass die ureliristliehc Oemeiinie proletarischen Charakter hatte, und ihre Mitglieder von starke!» Hass gegen die Reichen beseelt waren. Wie d 11 roter Huden spinnt sich durch alle Reden und Schriften eine! kommunistische Tendenz, die ihren äusseren Ausdruck in dem gemeinsamen Mahl iitulct. Allerdings handelte es sieh nur um einen Kommunis- »ins des Ociiiesscns, nicht um einen des Produzicrcr.s, uml de!» entsprach auch die Verachtung der Arbeit und die Z<!•Störung der Haniilio durch Propagierung der Ehelosigkeit. in ihren Anfängen •unterschieden sieh die messinnischen Erwartungen des Christentums nur wenig von denen des übrigen Judentums. Die Anhänger Clirisii schon m ihm ׳len Spross Davids, der sic als nationaler Messias von politischer Knechtschaft hefreien Augenscheinlich lebte Jesus in der ursprünglkhen Pebcrlicierung als Rebell, der wegen 1 iucs mit bewaffneter Maimselmft ausgeführten Empöniugsvcmielivs von den Römern gekreuzigt wurde. Dn!׳itt weisen einzelne Aeusscrtmgeu Jesu und die Spuren einer Uehcrarhoitmig der Evangelien. Die .‘•p/ttcro christliche Heineinde hatte natürlich mit Rücksicht auf das herrschende Rom ein Interesse daran, ans dem Jcsiisbild das nationale Rcbcllentum zu cutiem.m und ihn als ein Opfer seiner unendlichen < iöle hiii/nsiellen. Was dem christlichen Glauben au den gekreuzigten Ak’sxins 11״d sehie Wiederaufer• st'.lmng im Gegensatz ziun Auftreten vieler Jüdischer Messiasse ermöglichte, die Schranken des Judentums zu ühersebieiten und bei allen Völkern ein williges Ohr zu finden, das war die mit Jesus in Verbindung gebrachte S’cl!"׳pf1mg einer kommunistischen Froietarierorganisatimi. hervorgegaugeii aus dem Hass gegen die Reichen. Ans »lein ualionaleu Messias war ein sozialer geworden. Nneli Vernichtung der jiidi• sehen Selbständigkeit nahm das Christentum unter dem l'.is'duick der Unbesiegbarkeit der römischen Macht friedliche Tendenzen an. und gleichzeitig biidete sielt mit dem Bestreben der Heideiichristen, alle »idiscb-naiionulen Momente ans der Ueberlieierimg aus/usclialien mul die Jüdischen Satzungen als unver• Eiiullicli zu erklären, eine starke Gehässigkeit gegen das Judentum heraus. Dar, tritt besonders in der ,*nssiousgeseldchte Christi hervor, von der Kautsky Bücher-Besprechungen Ein Ealüstina-fMbum Im ״Orient-Verlag" erschien' kürzlich ein A|l>m,t ז von Palästina-Bildern״) in grossem Format La. * 30 40 א cm), das sicherlich eine der .schönsten Palästina-Publikationen ist. die wir ic gesellen haben. _ Zwölf Blatt in Steindruck, auf verschieden ■s׳> tönten Kartons mittelst zweier Platten licrgcstclU — zwei Blätter sogar in vier Harben —, das ganze in einer vornehmen Mappe, erinnert diese Publikation an die besten Erscheinungen des ״Jüdischen Verlages". Das Albuin ist zunächst nicht a u s g c s p r o c h e n jüdisch — es ist palästineiisisdi, und das ist judix;!! genug. Allenfalls sei gesagt, das nichts speziiivch christlichpalästinensisches darin enthalten ist. Dem, der n ä her zusicht, ist es dann freilich auch spe z j f 1 sc h-Jüdisch genug — Ja sogar zionistisch. Zwei der Bilder, die ״R 11 i 11 c n v 0 11 A 1111 i t" uuj der ״Jordan bei U' in c I -Dsc 111111 c“ halie.1 sogar ein spezielles א a 11 0 n a I f o 11 d s-1 n t e r. esse. Die Ruinen von Athlit, dem alten ״Castelli;,u Peregrinorum" (Pilgerburg) der Kreuzfahrer, gehör•m jetzt dem Baron Rofhseliild und in ihrer trutzigea N'älic soll — hoffentlich baldigst -• die .,Versio x• Station" auf Mationaifoiuls-Latul erstellen. Das B!!d ״Um-el-Dsel.ime" dagegen zeigt den Jordan in »Kr Nähe seines Austritts aus dem Tdierias-Sce. juxt .!n der Stelle, xvo beide Ufer, in jüdischem Besitz v׳:r. einigt, den Boden der neuen Kolonie ״K ine r c 1!;" bilden, die von der ..Palcstinc Land-Dcvelopnient- Company" hew irtseliaitet wird. Die ganze Mappe zeigt Landschaften!; •! historische Stätten. Unter den erstercit sind z-x 1 von Tibeti,1׳s, der Perle unter den landschaftlich■!( Schönheiten Palästinas, ein farbiges Blatt zeigt x!11 ׳ praciit vollen, von alten Cyprcssen überrag!. :1 Brunnen lei Jaffa, an den sich merkwürdige G׳•• schichten knüpfen. Die Zitadelle von Jerusalem in I eine M.'Sdiee in Akka zeigen zwei der charakteri'tiseliestcu Bauwerke des Landes, während von ,.Kn xiclcn traditionellen Hr Übern die Raitels, Davids. | Ahsaloms. und — hoch oben auf dun Dseliehcl liarim im siidii! listen Teil des Landes, inmitten starrender! Einöde, das wenig bekannte Grabmal Aarons, zu dun die Araber der Wüste zu wallfahren pflegen, dari gestellt sind.; Ein Knpi ist in der Sammlung. Der Kopf eiu׳׳x v e m e n i t i s e!1 c u I 11 d e n , ein•' farbig bchanJvlu : Hcdcrzcicknuug eines der besten jungen Künstler der 1 B e z a I c I - S c!! u I e. Jakob St.irk’s erste bekam-! tere Arbeiten bilden einen Teil des Buchschmucks von Theodor I ler/l’s .,Zionistische Schritten". Sv,!• dem hat Stark eine grosse Anzahl von E x - L 11׳ ri>־. von dekorativen Entwürfen, Stilisierungen hebräischer Biielistabcii mul Namens/.ige uml dergleichen ca•• Worten. — Sein .,yetneiiitiseher Jude", der gedauke!׳. voll in neu Raum schaut, wird vielen als das packendste Biatt der Palästina-Mappe erscheinen. Alicr auch manches von tlen landschaftlichen Blättern wird gern als W :1 u <1 s c 1111111 e k verw einla: werden her Preis der Mappe ist angesichts des Hebnteiien als sehr massig zu bezeichnen. Übrige;■.* sind auch Hinzclblättcr zu billigem Preise vom \ er• läge und den Buchhandlungen zu beziehen. sr. •) Verlag J. H. W. D'lctz Naclif״ Stuttgart 1000, Ocb. 3.50 Mk. s-gt: ״In dieser ׳ganzen Erzäliluitg ist die Tendenz der Set'viHuu w die Römer ml des Busses gegen die Juden so diel׳ :uifgetragcn und in einer solchen Häufung v1!,׳ Sinnlosigkeiten zur Darstellung gebracht, ־.lass mau meinen sollte, sie hätte auf denkemle Menschen nicht die geringste Wirkung üben können. Und doch wisse״ wir, dass sie mir zu gut ihren Zweck erreichte. Diese durch den Glorienschein der Gottheit verklärte Erzählung, geadelt durch das Martyrium des stolzen Bekenners einer ן hohen Sendung, war viele Jahrinmdertc eines der wichtigsten Mittel, mich in höchst wohlwollenden Gemütern der Christenheit Hass und Verachtung gegen das!mleiittiin zu erwecken, das ihnen Personlieh ferne *.!and. mul von dem sie sieb fcrnhielten. das Judentum zum Abschaum der Menschheit zu xiemiH'hi. zu einer Russe, die von Natur aus erfüllt ist von verruchtester Bosheit und Verstocktheit, die man {enthalten muss von jeder menschlichen Gemein• scliaft, die uiedcrzultaUcn ist mit eiserner Haust. Was als Geschichte der Passion des Herrn Icsus Christus auftritt. ist im Grunde nur ein Zeugnis für die Passionsgcseliiohtc des Jüdischen Volkes." (S. 432.) ״Palüslinu“ Die Vorträge der beiden Paliistinukn;sc des Vereins Theodor llcr/.\ tu Wie«, die soeben gebabe« wurden, erscheine!: in extenso in einer Sondermnnmer der Zeitschrift ..Palästin.1." Hs ist somit der Allgemeinheit die Möglichkeit gegeben, sielt di•־ Kenntnisse a11z.1t׳.׳i׳.׳uen, die von den vielfach in der Presse genannten Palästina-Autoritäten zum Vortrag gebracht worden sind. — Des weiteren erhalten d e Abonnenten und alle die, die es in diesem Monat werden, ein׳: grössere Brosclmre über die k 1111 ״ r eilen und sozialen Verhältnisse P׳>* lästinas von J, Gastmann /.!!gesandt. I s wird dabei vorausgesetzt, dass die Palästinafretmde %!k* Verbreitung der Zeitschrift mehr denn ins ict/t ins Auge fassen, zumal der geringe Preis (Mk. A5" uro Jahr, res», Mk, 3,—. Adresse München, Peilen• koferstrasse?5). eine grössere Verbreitung crleichter». aber auch voraussetzt. Gerade in Verein.׳;׳. Bibliotheken, Restaurants etc. sollte die X.eitsehrui i.ielit fehlen. Als Geschenk für Zionisten und übet׳• haupt für Jeden luden, besonders alter auch für die Jüngere Generation, ist ein Abonnement auf ..Pa• lii.stina" sehr empfehlenswert. •) Orient-Verlag, Berlin SW. <». (Preis 12 Mk.). Album sowie F.luzclhlätter auch durch dm Verlag ״Jüdische Rundschau z I c!1 c.n z u