Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite i66. JUEDISCHE RUNDSCHAU. No. H/15. Z11 lange hat. wie es scheint, die ״Ruhe" für die 1 nissiselieu .luden ungehalten — und war es auch ן nur die Ruhe des Grabes. der stumme Schmerz der ן Hoffnungslosigkeit. das trostlose l'lend der Ver* ׳ zweiilimg. Die Blutgier der Judeuniürdcr ist »och! nicht gestillt, lind was hiitten sie auch zu bej fürchtenV Begnadigt werden sic doch ־־• , wenn sie überhaupt zur Verantwortung gezogen . werden I- In einem Lubliner• Glasgesehäit wünschte vorigen Donnerstag eine Christin einige Teller zu kaufen. Die ihr gezeigte Ware gefiel ihr nicht, und es wurde ihr vorgeschlagen. sich nach dem im Keller befindlichen Lager zu begeben, um dort die ihr zusagende Waro auszusuelici). Die Käuferin erwiderte, sic wolle in den Keller nicht hcrimtergehen. und verüess gleich das Geschäft. Sic begab sich zur Polizei und erklärte dort, die .Inden hätten sic in dun Keller schleppen wollen, uni sie dusclhst zu tüten und ihr Blut zum Pessaehfest zu gebrauchen. Die Polizei machte dar* auf in Reiners Geschäft eine strenge Untersuchung und fand da natürlich nichts Verdächtiges. Der Vor* fall hat aber gleichwohl in der hiesigen Bevölkerung grosse Aufregung hervorgernfen. Der Kiewer Gouverneur richtet in einem Zirkulär au die l.oknlbeliördcn seines Gouvernements die Anfrage, ob die Nachricht, die in der echt-russischen Presse erschien, dass die Juden viel Grund und Boden von Bauern und Gutsbesitzern des Gouvernements Kiew erwerben, den Tatsachen entspreche und welche Massnahmen die Behörden da* gegen ergriffen hätten oder zu ergreifen gedächten. Kr verlangt gleichzeitig eine genaue Statistik über die erfolgten Orimdkäufc und ein spezielles Verzeichnis Ueriemgcn .luden, die einen Bodenbesitz haben und derjenigen, die Boden verpachten Ans dieser Mass* regcl geht wieder einmal zur Uvidenz hervor, mit welchem Kifer die russische Regierung darauf bedacht ist. die Juden um keinen Preis in Rnss. I a » d s e s s 11 a i t werden z n lasse n. Man wird ihr diese Handlung und andere mit ähnlicher Tendenz in der Duma energisch Vorhalten müssen, wenn sie sieh wieder einmal über den mangelnden Patriotismus der Juden beklagt. an der Ostgrenzc von Tripolis für eine Kolonisation im Vorschlag gebracht hat. Dieser Vorschlag cr. scheint von allen denen, welche die JTO in den vier Jahren ihres Bestehens zur Diskussion gestellt h;!u noch der plausibelste, denn das Land steht unter der jiidcnfrcundlichc» türkischen Verwaltung und zaitlt ierner i!11 weiteren Sinne zu den Nachbarländern Pa. I.'istiuas, welches heute doch schon als Zentrum der jüdischen Kolonisationsbcstrcbungcn angesehen wgr. den ,muss. Ein genaueres Urteil wird mau sich w־״,| erst nach Erscheinen des offiziellen Berichtes bilde״ können. Doch geht die Meinung der Kenner des Landes dahin, dass Cyrcnaica sich wesentlich nur für Viehzucht eignet. Oesterreich Im Wiener Franz Josef-Spital ist das Ideal de׳ radikaltcutomschen Helden verwirklicht. Dort speise״ nicht mein־ Juden und ..Arier" an einem Tisch Die deutschen Arzte weigerten sich, mit ihren Jüdischen Kollegen gemeinsam zu speisen. Schliesslich wurde die Trennung von Tisch durchgeführt. Kinc spanische Wand teilt den Spciscsaal in zwei Räume, und dea Ariern wird durch den Anblick der Juden der Appetit nicht mehr verdorben. — Das muss aber ein trautes Zusammenarbeiten sein! Und wie liebevoll iimgcn die germanischen Medizinmänner etwaige jüdische Kranke behandeln. Bulgarien Der Medizinische Kongress in Sofia bcsci.ä •s medizinische Bücher!111 scphardlsche» Jargun (Spaniolisch) herauszugebe;; für diejenigen Jude!!, die der bulgarischen Sprache nicht mächtig sind. Türkei Die Wirkung des neuen Rcgicrimgs-Svster.is;״ der Türkei auf die Kntwickhmg des isutional-jndis.lu.״ Gedankens und seiner praktischen Bestrebungen w'.:d immer klarer. Unterredungen mit verschiedenen V• geordneten. Artikel in Zeitungen aller Pariciriehtn::* gen beweisen, dass die öffentliche Meinung in der Türkei dem Zionismus wohlgesinnt ist. und dass a;.-a einer Förderung der j ii d i so 11 e 11 Koloui.su t :׳■:! Russland Pogrom-Gefahr Kaum zwei Jahre sind seit den furchtbaren Juden* Pogromen in Russland verflossen. Noch leben jene entsetzlichen Geschehnisse mit ihrer ganzen er* schlitternde» Grausamkeit in unserer Krinncrimg — und schon wird uns eine Wiederholung dieser «patriotischen Heldentaten" in Aussicht gestellt! Ks liegt wieder etwas Unheimliches und Grauenvolles in der Luft, ln den Reihen des ״Schwarzen Hundert*‘ rüstet man sich zu grossen Handlungen. Die Re* giertmg hat es für nötig gehalten, die Gouverneure auf die den Juden drohende Gefahr aufmerksam zu machen und sie zu ersuchen, für die Aufrecht* erhalt n n g d e r 0 r d n n 11 g zu sorgen. Wer aber die Selbständigkeit der russischen I,roviuz.be• hörden keimt, dem wird diese Aufforderung der Zen* tralrcgierung wenig Beruhigung zu gewähren ver* mögen. Jeder Generalgouverneur fühlt sich als autonomer Herrscher in seinem Rayon mul kümmert sich nicht viel um Weisungen aus Petersburg, mul S t o I y p I » hat bis jetzt v e r g e b e 1! s g e g c 11 die Willkür d e r G c n e r a 1 g o n v e r 11 eure a » g c k ä 111 p f t. Abgesehen davon, dass mau naeli de» bisherigen Kn'alirmigcn der erwähnten ..Auf* fordermig zur Aiifrocliterhnltuug der Ordnung“ nicht allzuviel vertrauen darf. So sind die russischen Juden wiederum von Schrecken ergriffen, ״k'usskojc Siiamja" droht offen mit einem Ausbruch von Juden* hass, der ״an gewisse Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit erinnern werde". Die ״Potscluijcws* kaja Isvcstija". ein Organ der echten Russen in Potschajcw (Wolhynien), hetzt die dortige christliche Bevölkerung gegen die Juden in nieder* trächtigster Weise auf mul fordert direkt zu Aus* sclirettungcn gegen die Juden auf. Die Potschajewer Juden sind von der Pogrom* getahr ganz besonders bedroht, mul die Aufmerksam* keit der gesamten russischen Judcnhcit wendet sieh ihnen jetzt zu. Potschajcw liegt auf ״geheilig* tem Boden", weil sich dort ein von der nissiselieu Christenheit verehrtes ״Bild der Mutter Gottes־‘ be* findet, zu dem sehr viele Christen ־aus ganz Rtiss* latid wallfahren. Seit mehreren Jahrzehnten wohin dort eine grössere Anzahl von Juden, denen die Kirchengenicindc Boden verkaufte, worauf sic Häusc, und Geschäfte errichteten. Die Juden haben den Wallfahrern verschiedene Bedarfsartikel verkauft und lebten stets im besten Einvernehmen mit det christlichen Bevölkerung und mit den kirclilicbcn Behörden. Nach Berichten aus Janowka (hei Odessa), ans Kose hau (Bcssarabicn). und TI raspol gehen dort!milderte von Juden dem sicheren Hunger• todu entgegen. Die örtlichen Behörden sind nicht im* Stande, dem allcrdringliclistcn Verlangen der Hungern• den nachziikommcii. welche halbnackt durch die Strassen ziehen und tun Brot betteln. * i n P a I ä s t i 11 a 11 i c 111 s in den W e g stell«. n will. Aber auch die Juden der Türkei wenden s.cS immer mehr einer national-jüdischen Tätigkeit zu und zeigen bei jeder Gelegenheit, dass sic nunmehr aS 1'1'eic Männer auch freie selbstbewusste Juden sc,י wollen. So haben sich in der letzten Zeit verschiedene jüdische Vereine zum Zionismus offen bekannt »ad sich von ihren bisherigen, mehr aus Zaghaftigkeit angenommenen Tendenzen losgesagt. In den SOcr Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde in dem unter Pobjcdouoszcws Leitung stehen* den Heiligen Synod angeregt, die Vertreibung der Juden ans Potschajcw •zu verlangen; da protestiert« die dortige Kirclicnvorwaltung dagegen mit der Begründung. dass die Juden diesem Orte sehr g ross c 111 א וו z c n b rächte ». Seit dem Beginn der ״ITcll1eltsä11.־" ist aber, das gute Verhältnis zwischen d>11־ Juden mul Christen in Potschajcw imii'er mehr getrübt worden jnnd nimmt jetzt einen für die Juden bedrohbehen Cba* vaktcr an. Unter der dortigen Geistlichkeit sind Jüdisches Interesse für Palästina Das Interesse für Palästina dringt in immer wei* tcre Kreise der russischen Judcnhcit. ln mehreren Städten bilden sieb Vereine zur Krwcrbung von Boden* besitz in Palästina. Die Zahl der Reisenden dorthin ist in stetiger Stclrdernng begriffen. Unter diesen be* finden sieh aueli wolillmbende Juden, wie der Gross* hiiufmaim Neid it sch aus M o s k u 11 und der Bankier W i s e 1111 i a k aus W i t e l> s k , der nicht zur zionistische» Partei gehört. Der bekannte hebräische Dichter Bialik hat sieh ebenfalls nach Palästina begehen. — einige Kci1t*R11ssen aiifgctancht, und der \ erbaud des russischen Volkes arbeitet mit den gemeinsten Mitteln für die Säuberung des ge 11 e i Iig t c 11 (Mat z e s v o 11 J 11 den. wobei seine Mitglieder Von \ ersteekter m a t e r i 0 11 e r G i e r getrieben werden. Der Verband hat nämlich dort eigene Warenhäuser am'gemacht und möchte den ganzen Ahsatz an die Wallfahrer an sich relssen. Nach Ver* iagimg der Juden hofft er ihren Besitz au Huden und Geschäften in seine Hände zu bekomme». Hin solcher!,reis ist auch der grössten Miihe wert, und so lassen die Verbäiidler nichts unversucht, um zu ihrem Ziclo zu gelangen. Zuletzt griffen sie zur Verleumdung, und als in einem ihrer Geschäfte Feuer anshrach, richteten sie an den Zaren ein Telegramm, worin sic die Juden der B r a 11 d s r i 1't u 11 g 1>e* schuldigten und um Schutz gegen die ״Vaterlandsfcimlc" baten. Auf den Strassen schrien sie: ״Schlagt die Juden tot! Die Juden haben unser Kigcntuni in Brand gestccktl" Die Putsch a* i e w e r Juden leben 111 der grössten Angst und haben einen herzerschütternden Hilferuf cm den jüdischen Abgeordnete» Nisse 10witsch gerichtet. Sic schildern darin ihr früheres friedliebes Verhältnis zur christlichen Bevölkerung mul ihre jetzige verzweifelte Lage, über die cs in ihrem Schreiben heisst: ״Die Pogromgefahr rückt immer näher heran. Man hört schon das dumpfe Donner* gcrüuscli, man füldt das Hcrankonnncn des .schrecklielicn Sturmes. Ja. cs ist klar: Wenn wir nicht freiwillig Potschajcw verlassen werden, wo unsere Litern lebten und starben, wo wir geboren sind mul unser ganzes Leben verbracht haben — dam: harrt unser der ״Zorn" des Volkes. Aber was sollen wir tun? Wohin sollen wir uns retten? Wohin? —"! Die Schul* mul Krziclumgskommission des Odessacr Palästina-Komitees bat den in Fachkreisen angesehenen Pädagogen Isaak E ין s t c 111 beauftragt, die Kindergärten In Palästina eingehend zu besieh* tilgen und zu inspizieren, um über dieselben einen ausführlichen Bericht zu erstatten. — Das Odessacr Palästina-Komitee hat an sämtliche Mitglieder ein Zirkular versendet, worin cs auf die besondere Wichtigkeit des gegenwärtigen Moments für die gesamte Palästina-Tätigkeit hinweist und zur Anspannung aller Kräfte für dieses grosse Werk an* spornt. Finnland ln Petersburg־ fand eine Zusammenkunft von an* gesehene» Juden statt, die über das Scliäclitvcrlmt in Finnland eingehend berieten. Hs wurde eine aus einem Arzt, einem Juristen und einem Veterinär bcsichende Kommission gewählt, die sich an das Mi* nisterimu des Innern und die höheren finnischen Bc* Hürden wegen Aufhebung des Verbotes wenden soll. England ״Jtoland“ Die Suche der ״JTO“ (Jüdisch-Tcrritorialistisclie Organisation) nach einem für eine grosszügige Kolonisation geeigneten Lande, hat ein neues Projekt zutage gefördert: Am 2. April wird das Londoner Bureau den ausführlichen Bericht einer Expedition herausgeben, welche unter der Leitung des General* gouverncurs von Tripolis die Nordküstc Afrikas und das westliche Aegypten bereist hat und schliesslich das türkische Territorium Cyrcnaica Die Schüler der hiesigen Schulen haben sic״ vereint zu einem Verbände mit dem Namen ״Jüdischer Natioiialionds". Der Zweck dieses Verbandes beste;.: in erster Reihe in der Propagierung der National• fonds-Idcc und der Vcrgrösscrimg der Mittel des Nationalfonds. Ausserdem haben sie hebräische Sprad1kur.se eingerichtet, an denen sich alle diese Schiller mit grossem Pleisse beteiligen, Oer Verem hat schon jetzt Jbu Mitglieder, und er hat bcre,!> gewisse Erfolge zu verzeichnen. Ausserdem wurde eine jüdische Vereinigung mit dem Namen ״Adiwalr begründet. Dieser Verband bestellt liaiin'.* sächlich aus Scpbardini. also aus denjenigen .Indus, die bis jetzt jeder organisierten national-jüdischen läti'gkeit abgeneigt waren. Ks wurden zionistische Redner berufen, und der Verein gebt auch daran, ein nat'onales Programm aiiszuarbciten für eine plan* massige jüdische Politik. (II \<VIM scheu Turnverein", dessen Mitglieder ans* den he* kannten lialhassimilatorischc» Typen sich zusammen* setzen, beginnt ebenfalls die nationale Bewegung e.:1* ziidringcu, Ks ist interessant, dass gerade d.c snamolisclien Juden gefordert und diirchgcsct/t hak ׳. dass dev Asshmtam״,-Jargon. der sich schon י Namen lumdtut. abgeändert wird, und dass der Verein von •ctzt ab ..Jüdischer Turnverein Makknk" heissen soll. Audi wurde das Hebräische als die om/1clle Nonichc cüigeiührt anstatt der bisher!ר...־ deutschen Sprache. Als Wappen des Vereins wurcc der ״Mögen Dowid“ cingcführt. - Audi in de! tim'k SC1״ " ,n ״I״« rc>jc Agitation für de jild sdi-natioimlen Bestrebungen geführt, und es N: \on midistem Interesse, zu selten, wie sieh unter dem neuen Regime auch die zielbewusst jüdischen De- Strebungen immer weitere Kreise erobern. Persien uxjlT T.fhC,r,a" n!cldc״ die Zungen, dass ■ ן ג?2׳ antJscmltjscf'c Unruh״, i״ Kermanschal. ’fSlC ,w"rdc״ durch die Bcsdmldi; *״ Kciufen, cn, Jude liiittc einen Mohammed rlf, Eine grosse Volksmenge jiidf?ni 1 ״ an u״d veranstaltete unter Leben 1!״ ^rci -*«den kamen dabei u״d über 300 erlitten Verletzungen, viel b r•! n nt!■«"'י" t חד * *h;• Dic V01ksmc!k׳e plünderte rannte 170 Häuser, die len Juden der Stadt ürten, ausserdem wurden 500 Juden misshui und ausgeraubt, — Bestätigung bleibt abzuwai