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Jüdische Rundschau · 1909-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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So. 14/15. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 165 Her KJnfültiirc fragt: Was ist Jas? Bemüh dich zunächst, Ilm mit den Gruudprin* zipien des Zionismus bekannt ztt machen, Wenn er diese bc* grifien hat, wird er den Sinn des NatlnuaUonds leicht er* fassen. Ist er über so dumm, dass ein neugeborenes Kamel sein Lehrer sein könnte, so er* teile ihm Jett Rat. er möge seinen Geist nicht weiter an* strengen, sondern die Zeit, die er fürs Nachdenken nötig hatte, lieber auf das Sammclu iiir Jett Nntinmdfonds verwettden. 1 Mit demjenigen aber, d c r nicht zu fragen vorsteht, eröffne selbst das Oesprächt Erzähl' ihm von der ruhmreichen Vergangenheit der Juden und ihrer trntirlgen Oegcuwnrt. Erwecke seinen Ehr* geiz und sein Schamgefühl, aber hüte dielt davor, seine Gemütsart zu beeinflussen! Er soll einer bleiben, der nicht zu fragen versteht, d. 11. er soll geben, ohne zu fragen. Indem ihr aber die andern, die vom ״.»״t fljNationaifonUs vor- ׳■- i I '3 ׳"* •י her nichts wussten, Bedeutung nuiklärt, müsst ihr Zionisten «c'.bst innen mit gutem Beispiel voraugehen. Ihr habt 11;m;iicb noch nicht annähernd das geleistet, was ihr lei linkem guten Willen hättet opfern können. Hüte sielt jeder von euch einmal ins Goldene Buch eiutragen lassen. — cs hätte genügt, דיני ז) ll.inct ihr eitel! nicht ins Goldene Buch eiutragen!״s'.cii. aber regelmässig seihst besteuert, — es hätte u nl'cr seine g'T.Ügt. Hättet ihr euch nicht regelmässig seihst he• steuert, aber wöchentlich׳ einen Oclhaum gestiftet, — vs hätte genügt, ICittet dir nicht wöchentlich einen Oclhaum ge- '!tat, alter den Betrag dafür in die Nallonaifoiids• l'iichw getan. — es hätte genügt. Hättet ihr nicht den Betrag dafür in die National-!■ 1!äs!'1:cl1sc getan, aber jeden eurer Briefe mit einer n.iiinndsmarkc beklebt. — es hätte genügt. V, ,*s ihr bisher für den N'atiouaKoitds getan habt, •va; u keineswegs. M״lt das Versäumte selilemiigd 1..!e\ äainit es am Beste der Ereiheit nicht wie eine!'!;::..v. sondern wie ein Ruf aus vollem Herzen , M I t I lb"l i ־ v I rfW ־• AUS ALL6R W6LT ־•: Deutschland liehen Befehl des Kaisers schuldig tünchen, wenn Ich einen jüdischen Untergebenen anders behandclu würde als einen, christlichen.“ Die neuerliche Eingabe des Verbandes der dcut• selten Juden (datiert vom März 1909) au den Reichstag. welche die bisherige Wirkungslosigkeit des vielfaelt erörterten krlegsnilulstcricllcu Erlasses rachweist, weckt die Erinnerung au den tragikomischen Prozess jenes Juden, der Im vorigen Jahre zu 300 Mk. Geldstrnse verurteilt worden ist, weil er behauptet hatte, sein Sohn sei aus konfessionellen Gründen nicht befördert worden: ..ln der Angelegenheit der nunmehr seit beinahe 30 Jahren innerhalb des preussischcn Heeres tatsächlieh diireheet'iihrten Aiisseltlicsstmg von Personen jüdischen Glaubens von dem Amt als Reserveoffizier hatten wir an Ew. Hochwolilccborcn am 16 März 1008 das abschriftlich anliegende Schreiben gerichtet. Die von uns in diesem Schreiben erhobenen Besehwerden wurden in der Rclehstagssitzmie vorn 30. März 1008 (Stell. B. 130־1׳) erörtert. Bel den damaligen Erörterungen blieb, wie der Abgeordnete Gröber ausdrücklich hcrvorltob. kein Zweifel darüber, dass im Reichstage von allen Seiten eine Z11 - r ü c k s c t z u u g wegen des GI a u b c n s b c k c n n t* nisscs verworfen wird, und atteb der Herr Vertreter des Kriegsministeriums erklärte, dass ״die Heeresverwaltung keine andere Stellung in dieser Eragc cinnclinien kann als dass sic sieb lediglich auf den Boden des Gesetzes stellt.“ Dem Herrn Vertreter des Kriegsministcriums wurde Jmmds durch einen der Redner die von uns gefertigte Zusammenstellung von l'.inzelfällen der Benaehteilicmig überreicht, und es wurde die Erwartung ausgesprochen, dass dem Reichstage das Ergebnis der von dem Herrn Vertreter des Kriegsministerimns ziicesngten Priiftmg dieser Einzclfällc werde mitgeteilt werden. Ist. wie anziniclimcn. und der Herr Kriegsminister woltl bestätigen wird, der Inhalt dieser Aussage des Herrn Obersten von Randow־׳ zutreffend, so wird dankbar anzuerkeniien sein, dass der Herr Kriegsminister bemüht ist, gegenüber den Offizieren der Armee die Vorschriften des Rcichsgcsetzes über .,dio Gleichberechtigung der Konfessionen“ vom 3. April 1869, der Preussischcn Verfassung und der in Ausflilirintg dieser Vorschriften erlassenen Armeebefehl© des Kaisers wieder in Erinnerung zu bringen. Dass dies durchaus notwendig ist, geht aus der zweiten Sammlung׳ einiger Stichproben hervor, wclelto wir anliegend überreichen. Gleichzeitig geht aus dieser Sammlung hervor, dass durch das b los so in Er i nnc r n ״ gb r I n gcn der bestehenden Vor- Schriften das Ziel ihrer tatsächlichen Durchführung schwerlich erreicht werden wird. Wiederholt sind in Einzelheiten die Beschwerden bereits seitens der Beteiligten unmittelbar den Generalkommamles und schliesslich auch dem Kriegsministerinnt vorgelcgt worden, fast immer aber sind sio a 1) s c 111 ä g I g I) c s c b i c d c n worden, selbst wenn bei unbefangener Beurteilung auf der Hand lag. dass die Zurücksetzung der betreffenden Soldaten n u r wegen ihres indischen Glaubens erfolgt war Unseres Erachtens ist dies darauf zurückzufiihrcn. dass die voigcnrdnctcn Behörden bei ihren Ent- Scheidungen sieb lediglich auf die Berichte gerade derjenigen Stellen stützen, gegen welche die Beschwcrde erhoben ist. Selbst wenn, wie in dem Ball Nummer 7 in zwei zu verschiedenen Zeiten abgcgehenen schriftlichen Erklärungen des Regiments, von denen die Richtigkeit der zweiten die Richtigkeit der ersten nusseliliesst, ganz verschiedene Gründe als massgebend für die Nlolilbefördcriing angegeben werden, legt dennoch das Kriegsministeriimi seinem die Beschwerde abweisenden Bescheide die Angaben des Regiments zugrunde, ohne, sow eit bekannt, diese Augabdi einer weiteren Nachprüfung zu unterziehen. Inzwischen hat nach Zeitungsberichten der Kriegs- | minister anscheinend die damaligen Erörterungen zum j Anlass genommen, tun durch ein Rundschreiben ' frühere Armeebefehle des Kaisers, wonach eine Zurücksetztmg ans Glaubuisrücksieliten Jim Heere mizulässig sei, wieder in Erinnerung zu bringen. Der Wortlaut dieses Rundschreibens und der durch dasselbe in Erinnerung gebrachten Armeebefehle ist unseres Wissens bisher nicht veröffentlicht worden. Der wesentliche Inhalt ergibt sielt iedoelt aus den ims von einem Pmzcsshctcilletcu )ungeteilten ' Bekundungen des als Zeugen vernommenen aktiven! Obersten von Randow In einer seltöffcngc-! rlchtllchcn Verhandlung von) 1. Oktober )908. Auf j die Prag© des Verteidigers, ob im letzten Jahr ein; Erlass oder eine Order ergangen sei, die eine elcicho; Bcliaudltme aller Konfessionen bei der Beförderung i vorschreibe, erwiderte der Zeuge• ״Ja! Der Herr Kriegsminister hat eitle Kaiser- : liehe Order wieder in Erinnerung gebracht, die uns zur Pflicht )nacht, bei der Beförderung ׳»der den Vorchlägcu für die Offiziersmmlifikatimt keine Rücksicht auf die Konfession zu nehmen.“ Auf die weitere Präge des Verteidigers, ob die Order nach seiner Ansicht sich nur auf die Christliehen Konfessionen beziehe, erwiderte er: ..NeinI S 01 b s t v e r s t ä n d 1 i c 11 a 11 c 11 für die i s r a c 1 i t i s c 110 n Soldaten, feit würde mich des schwersten militärischen Verbrochcns. des Ungehorsams gegen einen dienst- Darum richten wir an Ew. Hochwohigeborcn die Bitte, gelegentlich der Erörterung des Militäretats Im Reichstage auf die Militärverwaltung nach der Richtung hin 7.1t wirken, dass sic geeignete Massnahmen treffen möge, mn in dergleichen Beschwerdefällen die Wahrheit durch eine umfassendere Untersuelunig als bisher üblich, insbesondere also auch durch Vernehmung anderer Personen, als derleuigeti gegen welche sich die Beschwerde richtet, 7.11 ermitteln.“ Auf die Antwort darf mau gesummt sein! « Ein Opfer der russischen .fmlciivcrfnlguug wurde in Berlin der 17 Jahre alte Ulirmneherlelirling Markns Zrvrcskv. Der junge Mann stammt aus Slidrussland, wo sein Vater in der Nähe von Kiew ein Geschäft bcsass. Bei den Jmlcuhotzeii. die im Sommer \origen Jahres dort stattfanden, wurde der V ater e ז s e 111 n g e n . die M 111 ז e r wurde in* folge des Verbrechens au ihrem Manne irrsinnig und in eine Irrenanstalt gebracht. Der hinge Manu wurde \0!1 dem deutschen Komitee zur Unter- , Stützung notleidender russischer Juden nach Deutsch- 1!and gebracht und fand als Uhrniacherlelirling in l Cliarlnttenlmrg, Hardcnbcrgstrassc 38. Stellung, ln-; folge des Unglücks, das über seine Eltern licrcinge-; brocken war, wurde der bedauernswerte Mann! vom Verfolgung* w a 1111 s i n n ergriffen. Er 1 musste in eine Heilanstalt geschafft werden. y.\< lesen. Den Oipfc.1I ihres GIfickes bildeten die beiden Kinder, die Len ihrem Mnnnc '•cheiikte: Etrnini und Diimlt erheiterten dem Ulepaar und seinen greisen Eltern das Leben, das den Glueklidien wie im Paradiese dahinfif »SS. (Fortsetzung iolgt.) Vor Sonnenaufgang dem .lertisalcmischcn Talmud (Bcrnchoth 2,3) V 0 n M a r t i n B u 11 c r.!.ibbi Cliifa und Rabbi Simeon gingen einst 1 das Tal Arbcl zur Zeit der Morgendämmerung, anke Schatten deckten noch die Erde; es war j rlihcs, freudloses Schreiten durch dichte Nebel.! von einer schweren Last niedergedrückt, mit iktem Haupte und glanzlosen Augen, gingen die 1er und gedachten ihres Volkes, dessen Schick* י dunkel und so schaurig und unentwirrbar war, das verschleierte Zittern der Erde au diesem mten Morgen. Es schien, als sollte cs niemals n. dieses Weben der verborgenen Milchte, Und iätmter senkten sich immer tiefer, und die le verkrampften sich in Hoffnungslosigkeit. . . . Da begann sieb der Himmel leise zu röten. Es wie ein Wunder. Bewundernd und demütig »״«!. ..״. u,1ft ״,kJ durch ihren Sinn ging das Wort des Psalmistcn: ״Wenn der Herr zurück-! führen wird die Gefangenen Zions, werden wir sein 1 wie die Träumenden." Und ihr Gemüt erhellte sich, und frischen Mut im Herzen, den Geist dtirchglilht von netten, lebensvollen Gedanken, beschleunigten sic ihre Schritte, das Lehrhaus atifzusuchen, Klar und lieht breitete sielt der Weg vor ilmcn aus. Hoffnung wollten sic lehren mul Tatkraft. Da ging die Sonne auf. Der rote Ball stieg empor, langsam, au Leuchtkraft stetig zunehmend. Diircliströmt von Ahnung und Zukunftsfreude sprach Rabbi Cltiia zu Rabbi Simeon: ״Wie diese Sonne anfgeht, allmählich und unaufhaltsam, so wird die Sonne der Erlösung für Israel aufgehen, allmählich und unaufhaltsam, bis das Lieht des Tages voll erstrahlt und seinen leuchtenden Segen nnsschüttet auf das Volk, das zn nettem Leben erwacht ist." # >;« Noch kämpft heute das Lieht mit der BfnsternJs, noch ringt der Junge Tag nach Freiheit und Herriiüikctt, noch ruht der Bann der Nacht auf unseren Gliedern. Aber raffen wir. uns auf, erheben wir das Banner der Hoffnung tmd Slcgcslust, und tragen wir cs stolz hinaus ln den Sturm und Kampf des Lebens. Unsere Augen sollen tapfer und fest in die Zukunft blicken, unsere Hände lernen, Waffen und Pflüge zu führen. Werfen wir von uns die Zaghaftigkeit und Gebundenheit des Sklaven, fcsscllos und mutig wollen wir vorwärts schreiten. Es genügt nicht von Zelt zu Zeit mit müder Stimme zu fragen: ״Wach« wann endet die Nacht?“ Selbst müssen wir d! Sonnenaufgang wollen und unseren Willen in Tat m setzen. Dann erst wird das Licht des Tages vi erstrahlen und;•einen Segen ausschiittcn auf das c wachte Volk. Kleines Feuilleton Von geschätzter Seite wird uns geschrieben; Es Dürfte die Leser der ...1. R." interessieren, dass der Maler H a 11 s v o n M arccs, dessen Werke jetzt in der Berliner Sezession ausgestellt sind von Jüdischer Abkunft ist. Seine Mtittet Briedrikc. geborene Sussm,11111׳, die Tochter eine; Halberstädter indischen Bankiers, war eine sinnige in ihrem Kreise sehr geschützte Dichterin. Maries seihst wurde am 2-t. Dezember 1831 in Elberfeld geboren tmd erreichte nur eia Alte! von etwa 50 Jahren. Nachdem ihm während seine! Lebens fast Jegliche Anerkennung versagt blieb, is er jetzt lange nach seinem Tode zu dem verdientet Rulnn als einer der hervorragendsten Maler Deutsch latids gelangt, —־ Hierbei sei gleichzeitig bemerkt, dass der her vorragende Bildhauer, Prof. Adolf H i 1 d c b r a 11 d in München, den eine innige Freundschaft mit Han von Mardes verband, ebenfalls der Sohn eine Jüdin ist, _ H. S.

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