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Jüdische Rundschau · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 13. Seite 153. 1 1'!?! אל 1 Merkspruch ein einzig Gut, HV.t Sdiwdft und Schwielen aufgewonen, Hebt mehr den ITlut als hundert Sdid&e, dl« uns zugeflogen. (Colmud Spruch.) Das Purimfest In Saragossa Von N. E. Mcndrochowicz. Unter dir Rcsricrimg des Königs Alphonso V. von Ar.iconiiii konnten sich ule Juden überall ganz ircl bewegen und genossen die vollste Gunst des Regen* len, Es war ihnen Oewerbefrdheit und unbcschrUnk. (er Amciitlialt itn Ranzen Lande zuerkannt. In der Swdt Niragossa wohnten zur damaligen Zeit 5000 Paiiiiliia. Eiend, Verfolgung war ihnen unbekannt. Zwnli prächtige Bcth.'iuscr bcsass die iildisclio Qe-! nieinue Saragossas. Alphonso V, war ein grosser Menschenfreund und wurde von Jedem geliebt und vcrcl.ru Er wählte Saragossa zur Residenzstadt und nahm y״.j״cn Wohnsitz in einem der grössten und jcIk'11 •!in Paläste. Dein Könige zu Uhren war In der imiisJicn Gemeinde von Saragossa ein besonderer Br.nk't eingeführt worden. Am Geburtstage des K.muk' zogen die Juden mit Uoü' Thorarollen, die In »culci.f Gewänder gehüllt und mit silbernen Kronen ggwlmmckt waren, durch die Strassen der Stadt iiacli dem königlichen Palast. An der Pforte des l'.ii.istcN wurden sie vom Lnndcsfilrsten mul den Grossen des l.andcs aufs huldrciciistc empfangen, der Uhcri.ihhincr erhob beim Anblicke der irdischen M.iicsiiit seine H/inde zum Segeusspruehe und flehte am' das Haupt des Königs und dns Reich alles Oute und Schone vom Himmel herab. Nun war cs damals in dm indischen Gemeinden Spaniens Sitte, dass die Tl1»r,1r״IIcu nicht in sogenannte ״Kz־CI1a|im" ge* li'Ct. sondern in Futterale gesteckt wurden, gleich einer .Mcgillah, und auf der Spitze dieser Futterale ruliic eine silberne Krone. Hei ■der Huldigung des Kinnes benutzten mm die Juden Saragossas gewöhn* lieh mir die Futterale der Ocsetzcsrollcn, während sie die Rollen selbst, um sie nicht zu entweihen, In der Synagoge zurücklicssen. Das war natürlich nur den luden bekannt. Zu damaliger Zeit traf cs sieh alter, dass du ge* tvisser Cliaüm Seiaini dem Qlaubcn seiner Väter untreu wurde, und zum Christentum Übertrat. Fr wusste sich auch bei dem Könige so In dunst zu sci/m, dass dieser Ilm mit Würden, RelchH'imcrn mul \11s/eicl1111111gen überhäufte mul Ilm sogar zu seinem ersten Ratgeber ernannte. Als nun wieder einmal der Geburtstag des Herrschers hcrannahtc, veraiiMaltetc der König am Vorabend ein Fest, und 1ג> er mit den Grossen seines Reiches hei Tafel sass, hu״ das Gespräch auch auf die Juden. Der König sprach sich sehr lohend über die Liebes* und l.nv.iütätshcwcisc der Juden aus und üusserte seine Prämie über den schönen Brauch, dem Herrscher חג seinem Geburtstage mit den Thor«rollen Sn der F.unl zu huldigen und Ihn zu segnen Als der Renegat äi'.se königlichen Worte!hörte, erblasste er vor fiuüimm: er fasste sich jedoch bafd und sagte: ״Mein Herr und Gebieter täuscht sich gewaltig, wenn ff meint, dass die luden Irgendwelche ״loyale" Ge* Hilde filr ihn hegen. Bei diesem Volke ist alles nur Heuchelei mul Verstellung־. Seihst wenn sic am Oe* hiirtstagc. meines hohen 'GcbicKcrs mit :ihren ge* schmückten Thor«rollen vor ihm erscheinen, so Ist dies mir eine Heuchelei, Denn die Futterale sind ker und die Thorarollcn seihst lassen sic 111 der Synagoge zurück, um sic nicht durch den Anblick Chics christlichen Fürsten entweihen zu lassen." Als *r König diese Worte hörte, ergrimmte er heftig und schwur, dass er alle Juden Saragossas ver» lügen lassen werde, noch morgen, an seinem 03• hiirtst.itjc. Und dann werde die Reihe an die übrigen •htdon des Landes kommen. An demselben Abend, als der König den Juden S‘1:-״gossa־s Rache schwur, konnte der Synagogen- Gener P.fraim Baruch keinen Schlaf finden. Als er »her endlich Mitternachts cinschlicf, erschien Ihm im Traume der Prophet Ellas, benachrichtigte ihn von dc"' traurigen Schicksal, das der Gemeinde bevor- .stehe und forderte ihn zugleich auf, die Thorarollen ln ihre Futterale zurlickzugcbcn. Der Synagogen* diener legte Jedoch diesem Traume keine und schlief ruhig weiter. Da erschien ihm «er pf«Phct Elias nochmals und ermahnte lim, die ihora rollen unverzüglich in die Futterale zurückzui ״״d niemandem etwas davon mitzuteilen. %nagogendlcner sprang nun schnell aus dem ö <S fo) Jeworeehecho Adonai I (״Es segne Dich der Herr . . .“) Von Berlhold Pelwel Grossster ßprach und seufzte schwer 1 »,Grossvater Ist sehr krank, mein Kindl Wer welss, bald siehst Du Ihn nicht mehr, So wisse! Dass wir Duden sind. Der aber unser Schutz Ist, Er, Der Israel geführt durchs Meer, ״ Und niederwarf Mizralms Heer. Er segne dich und steh dir bei t ״Deworechecho Adonai!‘׳ Grossvater starb an diesem Tag. Ich wusste nicht 1 Das Ist der Tod, Der Tod, der alles lösen mag, Der Frühling war so rosenrot, Das Leben war ein Blumenhag Doll Sonnenschein und Lerchcnschlag, Und nur Im tiefsten Herzen lag Ein Klang wie ferne Träumerei! ״Oeworechecho Adonai!“ Und eine stille Stunde war, ln dieser Stunde war er da, Der gute Gott, wie ich Ihn sah Dereinst vor langem, langem Dahn ln weitem, wallendem Talar, Mit schneelgwelssem Bart und Haar, Die Augen sahen mild und klar, Und war ein Segensspruch dabei 1 ״Deworechecho Adonai I“ Nun hab’ Ich meinen lieben Gott. Das ist kein starker Herr der Welt, Dor dem man gläubig nlederfällt. Man liebt Ihn nur, Grossvaters Gott, Den Alten, der um Dakobs Zelt ln Treue seine Scharen stell! Und über uns die Hände hält, Das uns ein Trost In Tränen sei! ״Deworechecho Adonai l״ und tat, was der Prophet von ihm verlangt hatte. Als am nmlcrn Tage die Jüdische Gemeinde Sara* gossas mit den Futteralen ihrer Thorarollcn vor dem Könige erschien, da fuhr dieser den Rabbiner und dlo Vorsteher barsch an, warf ihnen vor, dass sic um Ihn zu verhöhnen, ״mit den leeren Futteralen vor ihm erscheinen," er habe daher beschlossen, alle Juden seines Reiches töten zu lassen, und mit dem Qemctzcl werde auch unverzüglich begonnen werden. ״Oeffnet diese Futterale, die Ihr in Euren Armen tragt," rief der König voller Ingrimm, ״damit alle mchio Untertanen sehen, wie das verdammte Judengczücht seinen Spott mit mir treibt und mich, statt mit der Tlmra mit leeren Pappendeckel und Holzschachteln segnet.‘' Bel diesen ,Worten erschraken die Juden gewaltig, und Totenblässe malte sielt auf Ihren Ocslelitern. Als der König ihre Verlegenheit sah, rief er seinen Diener herbei und befahl ihnen, die Futterale den Armen der Juden zu entreissen und sic mit Gewalt zu Offnen. Aber weiche Ueberrasclumg für den Rabbiner und den Vorsteher, dlo von dem Tramngo.slchtc, das der Synagog'cndlcncr In vergangener Nacht gesehen hatte, nichts wussten, als sie in den vermeintlichen leeren Futteralen die Thorarollcn erblickten! Das wirkliche Wunder an der Sache aber war, dass, als man In Gegenwart des Königs die Tlinrurollcn öffnete, dieselben In&gcsamt den Vers: ״Als sic noch Im Lande Ihrer Feinde waren, verachtete ich sic nicht und verabscheute sie nicht, um sic zu vernichten und meinen Bund mit ihnen zu zerstören, denn ich bin der Ewige Euer Gott", zeigten, Der König bereute cs nun, einem falschen und lügenhaften Ratgeber Gehör geschenkt zu haben und befahl, den Renegaten auf der Steile zu enthaupten, was auch geschah. Da sich dieses Wundor am 18. Schobst ereignete, so bestimmten die Juden von Saragossa, dass dieser Tag von nun an in ihren Gemeinden als ein Festtag begangen werde, der vorhergehende aber, ein Fast• tag und ein Tag der Busse sein solle. in Saloniki existiert noch Jetzt eine kleine, iii* 1dischc Gemeinde von ungefähr 150 Familien, welche Abkömmlinge der Juden von Saragossa sind und Ihre eigenen Synagogen mit ihren besonderen Ge* brüueheu besitzen. Ein Jedes Jahr versammeln sich nun nncH heute die Juden am 17. Sclicbat, fasten an diesem Tage und begeben sich dann in die Synagoge, wo nach dem Abendgebete eine Mcgillah verlesen wird. Nach der Verlesung kehren sie zu ihren Fa* millcn zurück, beleuchten die Wohnungen wie an einem Festtage und verbringen die Nacht und den folgenden Tag In Jubel und bei Fcstgelagen, wobei, was übrigens bei Juden sclbstvcrstllndllch ist, auch der Armen und Notdürftigen nicht vergessen wird, Da cs doch unmöglich ist, zu glauben, dass auf eine blosse Legende hin Jüdische Gemeinden sich herbei* lassen, einen Fast- und zugleich einen Festtag zu be* gehen und dabei auch eine Mcgillah in der Synagoge zu verlesen, so muss diese Sage sicherlich' emo historische Grundlage haben. ״Mein schönstes Purimfest“ Mein sehnlichster Wunsch wur es, ein Piiriinfvst bei meinen Grosserem zu verleben. Meine gute Mutter gewährte mir gern diesen Wunsch, und ich fulir zu meinen lieben Grosscltcrn nach Oswiccim, einer Stadt In Oesterreich. Gross war die Freude, als ich so imvcrliofft ins Zimmer eintrat. Meine Grosscltcrn gingen mit mir abends in die Synagoge. Wir hörten die Mcgillah Esther vorlcscn. Am frühen Morgen gingen wir wieder in die Synagoge, um wieder die Mcgillah Esther zu hören. So oft der Vor. l׳ctcr den Namen ״Hanum" erwähnte, verursachten die Betenden ein Geräusch mit Knarren und Hamans. klappern. Nachdem die Vorlesung beendet war, eilten wir nach Hans mul verzehrten das Frühstück. Nachher ging ich mit Geschenken zu Bekannten. Von Urnen erhielt ich ebenfalls Geschenke. Uchcrall findet man liier ein offnes Haus am Purim. Der Sitte g<> m.'iss, sich «111 Purim zu verkleiden, maskierte ich mich als Zigeunerin. Ich ging zu vielen armen und reichen Eumilicu und sang die verschiedensten Jlldi* sehen Lieder. Ucbcral] wurde ich herzlich atilge* noinmcn und ging nirgends unbcschcnkt hinaus. Als ich fast die ganze Stadt durchwandert hatte, kam ich auch am Ende derselben in eine zerfallene einsame Hütte. Welch schrecklicher lind triiher Anblick bnt sieb hier bei incincm Eiutiitt! Auf einem elenden Strohlager schliefen drei luilhmickte Kinder. Die Besitzerin der Hütte, eine Witwe, war gerade damit beschäftigt, ein wenig Feuer anzufaclicn. Als sio mich erblickte, erschrak sic sehr, da sie glaubte, ich käme um ein Ptirimgeschcuk. welches sie doch nicht bcsass. fei, war so von Mitleid ergriffen, dass ich moine Tränen nicht verbergen konnte, ln der Erregung gab ich der Witwe meine erhaltenen Ge. schenke. Ihre Freude war so gross, dass sic mich innig und herzlich küsste. Ein so schönes Erlebnis am Purimfest, Freude In einer elenden Hütte bereitet zu haben, wünsche ich allen Altersgenossen. Mit der Gewissheit, eine arme Familie durch meine Tat er* freut zu haben, eilte ich nach Hause, um meinen guten Grosscltcrn dns Elend der Familie zu schildern, die mich lohten und der Witwe weitere Unter- Stützung »!!gedeihen Hessen. Rosa Slmcnatier, Nikolai, (13% Jahre alt.) Unser Preisausschreiben Von den cingesandtcn Arbeiten filier das Thema ״Mein schönstes Purimfest“ sind leider nur drei eines Preises filr würdig befunden worden. Die beste Darstellung bringen wir vorstehend zum Abdruck. Unsere jungen Freundinnen und Freunde haben uns zum Teil offenbar etwas missverstanden. Indem sic meinten, sic sollten ein ״F e s t" beschreiben, während doch natürlich Irgend ein schönes Erlebnis am Purimfestc gemeint war. Prelso erhielten: J. Rosa Siinenaucr, Schülerin der Jüdlsehen Volksschule, Nikolai O.-S. (Percz. Erzählungcn. Jüdischer Verlag). 2. L c 0 KI c l n, B e r li n. (Solomon J. Solomon. Monographie aus ״Jüdische Künstler." Jüdl* scher Verlag). 3. Henny ßirsen aus Jakobstadt (Russ. lang), z. Zt. Leipzig. (Bild in ״Bezalcl"-Rahmen). Die Preise gehen den Genannten dieser Tage;tu.

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