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Jüdische Rundschau · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU. Aus den jüdischen Kolonien Vid Niiizc״ hat u.iserc Kolonie von der Nieder-' lafMiiik׳ von 13 kaukasische« Familien, die beim jüdischen Natiounlfouds Im benachbarten Hulda Hoden vrenachtet haben. Das Geld, das sic uns für die Y\ oliinnujei». Ihr das hsscu, für Ackergeräte und ArheUstiere. die sie bei uns mieten, bezahlen, trägt wesenilich dazu bei, unsere Lage während der drei Monate des Winters aufzubcsscrn. in denen der Kolonist nichts zu verkanten, als״ nichts einzuneh. men. und nur Ausgaben zu machen hat. 1:krou. Das Leben in unserer Kolonie entwickelt sich in aller Kühe in befriedigender Weise. Die Zelt ist zum Glücke schon vorüber. In der die Kolonisten in cwicer Furcht lebten, in einem Konflikt mit der Verwaltung Könnte ihnen die Unterstützung entzogen werden und sic selbst würden dann hilflos dastchen. jetzt hohen alle, auf sicherer Basis zu stellen und in ihrer Selbständigkeit steh limncf mehr zu bctVsticen. Einsetzung eines ständigen Schiedsgerichts Pie Hiitwiekehiiig des wirtschaftlichen Lebens in l'.ihistina, besonders auch unter den Juden, leidet nichi zum wenigsten unter der Hiislchcrlielt der 1 RcelnsplIcK״. Hie palilsthilsehen Juden unterstehen i Inluleo Ihrer verschiedenen StuutH»nuel1Urlgkolt bald .len ״ttomanlschen, bald den russischen, bald den t,üU’.icie!1isel1e11. bald den französischen, englischen ,de! ,lauschen Oesetzen, und ihre Rechtsstreite• keiun werden bald von diesem, bald von Jenem Kon- Milatv, bald von dem geistlichen, bald von dem weit*!iclu.n türkischen Gerichte entschieden. Diese Mannigfaltigkeit der ’ rfnstäiMigcn Gesetze mit! Gerichte erzeugt nicht nur eine grosse Unsicher- Iaht über das, was Rechtens ist, sondern erschwert auch die Verfolgung an sich klarer Rechtsansprüche in Imiieni Grade, da die Staatsangehörigkeit der ein- /viiicn nicht immer sofort fcststcht, und es für den klime:• ausserdem sehr schwer ist. seine Sache vor einem fremden Konsulat oder vor einem ottomani- ( sehen Gerichte zu vertreten. Dazu kommt der Mangel ' an Advokaten au vielen Orten des Landes und der Svlilepnendc Geschäftsgang der türkischen Gerichte. Selimi mehrmals ist deshalb der Ruf nach Schiedsgerichten laut geworden, welche Streitigi.viuii unter Juden nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden sollen. .letzt ist in Jaffa mit einem solchen ständigen Schiedsgericht der Anfang gemacht worden. Der Palästina rat hat eine Kommission von 9 Mitgliedern »mter dem Vorsitz des Pnllistiminmtes gewühlt, von denen je 3 allwöchentlich — oder Je nach Bedarf mehr oder weniger oft — zu einer Sitzung zusatnineiikiiimiicii und zwischen den Parteien, die ihre Streitigkeiten schiedsrichterlich entschieden haben wollen. Recht sprechen sollen. Ks ist zu hoffen, dass sich durch dieses Schicds* eerieht nicht nur langwierige Prozesse vor den Staatliehen Behörden werden vermeiden lassen, sondern dass sieh auch allmählich über die verschiedenen, heule in ihrer rechtlichen Beurteilung noch unklaren wirtschaftlichen Beziehungen unter den Juden ein konstanter Ocrichtsbrauch lierausbildcn wird. Pk. Erforschung des Toten Meeres I., Fine aus 20 Personen (9 dominikanischen ‘ieisiiiehcn und II Gelehrten aus Frankreich. Belgien, l'cnisjilaiid. Holland. England und Amerika) he. Meliendc F.xncdition hat sich nach Paliistlim begehen. "!11 das Tote Meer (Jam hamelach-Salzmccr) zu tonographischen, archäologischen und naturwissen• *cliaitiiclicn Zwecken zu untersuchen. Der Wassernived des Toten Meeres liegt 436 111 tiefer als das 1'•ittd!; udisclie Meer. Es ist 6־ Kilometer lang und uvit n, Kilometer breit. F.s enthält weder Fische noch ,׳i.mzvn und Muscheln. Sein Orund bestellt aus Vsn!,;,1t mul Salz. Sein Wasser enthält 26 «׳ Salz, Gilirmi das gewöhnliche Meerwasser nur •1 ׳?/ , z* cclialt hat. Schi Wnsservcwicht fibertrifft um ׳*daswitiev!!es gewöhnlichen Meerwassers, Wegen seines msHiiirdeiillich grossen Salzgehalts scheint das ייi1\M׳f des Toten Meeres besondere Holleiu'cnscbnl• ["ח zu besitzen Die Expedition wird auch die cv. ״dzüvlikeit von Knrlu'idcrn nm Toten Meere prüfen. "'<■• l.r!,tn1/׳mg einer Konzession zur Exploitlcrung des As!»11;11t. und Salzgriindcs dieses Meeres dürfte viel‘ 'ersnriclieiid sein, Pcldurbcller-Organlsatlon ״Hachoresch“ Pit• Piilästlun-Kolonisatlnn bestellt . bckannt'lch 1־»xzwtl llauptclemeiiten: dem Gclrclclcbaji 3״jni'nhiiitageric. Ersteros herrscht 111 den iumiiscl en Koltiiiitn vor. letzteres in Galiläa. Hier haben d;"disc'itn Feldarbeitcr eine Organisation ..Hachorcsch de/ f'iliieer) gebildet, die sieb zur Aufgabe tgwollt 1•׳‘י den Vorzug des Gctroldebaiiei vor der מז״ס״ ״'imziing diir/.utun und ein gesundes Gctrcklearhclt r•?«״ent lieranzuhlldcn, Das Programm dieser O«־• **nisation basiert auf folgenden not. I. Unter den zur Erreichung u״scrcs Zic cs not wpmiivnn Arhniicn muss die Landwirtscnau den ersten Platz clnnchnicn. da der Boden dlo .jiiiim.■׳Qniudlato Jedes Gemeinwesens Ist. ’2 ׳. Von den beiden landwirtschaftlichen Arten: Garten-Kultur und Getreide-Kultur, Ist letztere vorzuziehemi•• denn: a) DicQctrcIde-Kultur bringt uns das lebcndlso Inventar und liefert die wichtigsten Pro* duktc. welche die wirtschaftliche Grund• läge Icdcs Volkes und }edes Landes sind*. b) die Octrclde-Kiiltur Ist ein wichtiges Mittel zur Besitzergreifung eines Landes: bei Pflanzungen genügen 40—50 Dunam Erde für eine Familie, während bei Getreidebau 250—300 Dunam nötig sind: c) die Getreide-Kultur ist weniger angewiesen auf den Weltmarkt und hat deshalb von einer allgemeinen Krisis weniger zu fürchten: d) der Getreidebau erleichtert Menschen mit kleinerem Vermögen die Existenz, well der Boden schon im ersten Jahre Einnahmen bringt. e) Bel Getreidebau fühlen sich die Kolonisten mehr an die Scholle gebunden, sind nicht geneigt zur Emigration und verbleiben im Lande als gute Kräfte für unsere Zukunft. Des weiteren hebt das Programm die Wichtigkclt eines gesunden Bauernstandes in Palästina her* vor. der aber durch die Garten-Kultur mit Ihrem ..kapitalistischen Clutruktcr" nicht hcrnngeblldct werden könne. RUNDSCHAU DCR-PReSSG Hti'Olam. VW//7a ln dem In Wilna in hebräischer Sprache ersehe!• neiulcii zionistischen Wochenblatt ..Ha'Olam“ bclmndelt W, Sliabotinsky auf Grund persönlicher Erfahrungen ״Die neue Lage in der Türkei." Der Ocdankengang seiner lehrreichen Ausführungen sei hier kurz wicdcrgcgehcn. Drei Faktoren sind nach dem Verfasser bcstiniinend fär das Verhältnis der neuen Türkei zum Zionismus: die Ueistcsriehtmig der Türken, die Eutwickhing der nationalen Frage in der Türkei, insbesondere der arabischen Bewegung, und die türkischen Juden. Der Juugtürkc verhält sieh dem Zionismus gegenüber mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist ihm ein grösserer Zuzug von .luden nach der Türkei, die neuer Menschenmul Kapitalkräfte bedarf, erwünscht, wobei er den Juden vor anderen Nationalitäten den Vorzug gibt. Andererseits hegt er Verdacht und Befürchtung gegen eine Vermehrung der Jüdischen Bcvölkcrung gerade in Palästina. Der Verdacht ist in seinem Wesen ungefährlich, well er aus Un- Kenntnis der wirklichen zionistischen Bestrebungen und der jüdischen Volkspsvchc hervorgeht. In der Türkei, wo die nationalen Strömungen einen separutistischeu Charakter tragen, pflegt man die Begriffe nationales Eigenleben und souveräner Staat zu verwechseln. Die Beseitigung dieses Verdachtes wird nur von der Energie und dem Takt unserer סח• litisehen Arbeit In der Türkei Abhängen. Viel wichtiger ist die Befürcht u n g vor der Konzcntricrung einer Nationalität an einem Orte, wenn diese auch keiner separatistischen Motive verdächtig ist, Dur .!tmgtürkc ist nicht nur Patriot, sondern auch begeisterter Nationalist. Nationalist vor allem. Sein Ideal wäre die Assimiiicrtmg aller Nationalitäten ln seinem laiche In einheitlich-türkischem Geiste, Eiuo gewaltsame Tilrklslenmg liegt ihm aber schon wegen ihrer Unmöglichkeit fern. Selbst In Ocstcrrclch-Üngnrn und in Russland hat sich die Unmögliclikcit einer allgemeinen Assimilation nicht in dem Masso gezeigt wie in der Türkei. Und der mit wirklich gcuialcm politischen Talent und Taktgefühl begabte Türke muss zu dieser Erkenntnis gelangen. Die ersten Schritte, des ottomanischen Parlaments zeigen auch, dass die .lungtilrkcn In hczug auf das nationale Problem in ihrem Staate bereits viel gelernt Italien. Und zweifellos werden sie bald die Uebcrzcugung gewinnen, dass sic weder die nötige Zahl, noch die kulturelle und ökonomische Kraft besitzen, den Entwlckcluiigsg'ang des ottomanischen ״Nationalitäten- Staates" aufzuhalten. Insbesondere werden sic in kurzer Zeit zu dieser Einsicht kommen inbezug auf die arabische n Provinzen und betreffs Pa- I il s 11 n a 8. Der Zahl nach gleichen die eine grosso, zusatnmcnliäiigcnde territoriale Strccko bevölkernden Araber den Türken, oder (llicrtrcffcn sie noch: 9 bis II Millionen Araber gegen 7—9 Millionen Türken (von 24—26 Millionen Einwohnern überhaupt). Die Araber haben eine alte Kultur, ein hochentwickeltes religiöses Empfinden und einen nationalen Staat In Egypten, das ihnen immer mehr zu einem geistigen Zentrum wird. Es lässt sich schwer sagen, ob slo bereits eine wirkliche nationale Bewegung In der Türkei haben, Jedenfalls sind bei ihnen alle Bedingung zur nicht fernen Entwickelung einer solchen vorhanden. Diese ihre Kraft ist seihst den optimistischsten Türken nicht verborgen geblieben. Das gegenseitige Verhältnis dieser beiden Elemente wird den künftigen Gang dar Geschichte der Türkei bestimmen. Das Hlnzukommcu eines neuen Bcvöikcrungsclcmcnts auf einem fast homogenen Gebiet, eine ausgcdelmto Anslcdclung von Juden In dem fast gänzlich arabischen Palästina muss den Türken erwünscht sein, Da* Wachstum der arabischen Krllfto wird die Sympathien der Tflrken zu unseren Bestrebungen s 11 k c e s s I v vermehren und v e r g r ü s s e r 11. Und es wird unsererseits grossen 'Paktes bedürfen, dass wir bei Verwertung dieser Sympathien für die Entwickelung unseres Werkes und unseres Einflusses •mit den berechtigten Empfindungen der Araber rechnen. ln bezug auf die Juden In der europäischen Türkei und ln Klcinusicn hebt Sliabotinsky hervor, dass ihr politischer und gesellschaftlicher Einfluss vorläufig noch nicht bedeutend ist. Ein wichtiger Faktor kommt Ihnen aber zugute: Die Unterstützung der Türken, welche den Juden, die sich allein an den Inneren 11ationalen Reibungen und Fehden nicht beteiligt haben, in politischer Hinsicht mehr als irgend einem anderen Volke vertrauen. Diese politische Freundschaft ist für uns Zionisten von weittragender Bedeutung, wenn wir cs verstehen werden, die Liehe der dortigen Juden zu erwerben, ohne das gegenseitige Vertrauensvolle Verhältnis zwischen ihnen und den Türken zu trüben. Auch dazu bedarf cs grossen Taktes unsererselts. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Lage des Jüdischen Nationalismus in der Türkei, wo sein Sieg von der Unterstützung des herrschenden Volkes ubhäugt und sieh zu diesem In keinerlei Gegensatz befindet, ganz anders ist als in Russland und Galizien, wo er einen Kampl gegen das herrschende Volk zu führen hat. Per Versasscr kommt zu dem Schluss: Die neu© Situation In der Türkei eröffnet den Zionisten neiio und weite llori/milc. Sie müsse»» aber bei der Benutzung dieser Lago E n e r g i e und T n k t tinwenden. und es lässt sich schwer sagen, was mehr — Takt oder Energie 1 Jüdische Zeitung, Wien Über die vom Verein Zionistischer Hochschüler ״Theodor Hcrzl" in Wien veranstalteten Palästina- , hurso schreibt die ״Jüdische Zeitung" u. a•: ״Das Interesse fiir Palästina und für die Palüstinaarbeit, wie sic vom Nationalfonds und ‘der Palästinakomniission in weiser Voraussicht vorbcreitet wurde, Ist nie so stark gewesen, wie letzt. Wie Immer, wurde auch von dieser Bewegung di© Jugend am schnellsten und am heftigsten erfasst. Aus eigener initiative, von dem Durst nach Palästinawissen getrieben, veranstaltete der Studcntcnvcrciii ..Theodor Herzl" die Wiener Hochschulkurse Ein weiteres Zeichen der Zeit ist es. dass dis Dozenten so schnell und willig dem Rufe der Studenten gefolgt sind. Das war hei früheren Versuchen nicht immer der Fall. Dass auch zwei Christliehe Dozenten. Männer, wie Professor Oberh u m m e r und Pastor Eberhard, der Einladung Folge leisteten, ehrt sic seihst und ist ein Zeichen dafür, in welch hohem Ansehen der Zionismus heut© bei bedeutenden Nichtjuden steht. Der Verlauf der Kurse war ein glänzender. In der kurzen Zeit von fünf Tagen konnte das Thema natürlich nicht im entferntesten erschöpft werden. Immerhin wurde ein© Fülle belehrenden lind interessanten, teilweise ganz neuen Materials gegeben. Die Art. wie di© Kurse abgchnltcn wurden, war nicht minder erfreulieh. Dozenten und Hörer waren mit Lust und Liebe bei der Sache. Mau merkte, dass •da kein totes Wissen vermittelt wurde, sondern dass liier Stoff Lehrern wie Hörern ans Herz gewachsen war. Di© Vortragenden wurden bejubelt. Besonderen Enthusias- »ms erweckte aber Jener Dozent, der aus Palästina selbst kam. wo er lebt und wirkt: Aaronsohn. Aaronsolm! Ein Kind jüdischer Kolonisten von Zicliron Jakob (bei Haifa) und in Paris gebildeter Agronom, der seine Kenntnisse in Palästina nicht nur wissenschaftlich verwertet — er hat sicli durch di© Entdeckung des Urwcizcns einen Namen ln der Ge- Ichrtemvelt erworben — sondern der auch praktisch für die Jüdische Landwirtschaft in Palästina Bcdeutendes leistet — dieser Mann war so recht gceignet, der Heros der Studentenschaft zu werden. Jung, krilitig, im Auftreten selbstgcwiss und doch bescheiden, voller Liebe für unser Ideal und doch mit scharfem Blick für alle In Palästina gemachten Fehler begabt, wirkte er auf die Studenten zündend, verkörperte er doch ein Ideal, das Ihnen seihst vorschwebt: Nach Erwerbung gediegener Kenntnisse diese ihr miscre Sache in Palästina zu verwerten. . . Dem Verein ״Theodor Hcrzl" g'chiihrt eile Ancrkcimuiig für die gelungene Veranstaltung. Sie war ein vielversprechender Anfang! ü r ein© Systematlsc he Weiterbildung unserer Studenten *chaf t." Auch die llldlsclio Studentenschaft in Deutschl a n d sollte einmal ähnliche Veranstaltungen versuchen. Der Erfolg würde gewiss auch z. B, In Berlin nicht fehlen! Wer ergreift die Initiative? =5\70M״BeZALeL״ Eln Betriebsfonds für den Bezalcl In No 4 der ״Jüdischen Rundscjiau" lmt dei Unterzeichnete bereits Uber di© augenblicklich( Lago des ״Bezalcl" berichtet und Voran anlnssung genommen, sich nn die Stammes- und Gc• *Innung»-.genossen zu wenden, um dieselbe» zu ver׳ »»»lassen, für (Ile Schaltung eines Betriebsfonds <111 den Bezalcl bclzutrngc». Wie nötig der Ictztero füi dlo weitere gedeihliche Entwicklung der' Schul© Ist möge aus folgendem hervorgehen: ״ ׳ In der Zeit vom 1• Januar bis Ende Februar d. .1,

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