Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite HS. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 13. sehen Intclli^cii/. zu tun. Wir geben Euch jetzt die erste Warnung1"- , Die anwesenden Juden waren natürlich Kauz bc־ troffen, fanden jedoch keine Worte der Erwiderung. Die Debatte soll aber noch fortgesetzt werden. Es dürfte jetzt zu einer allgemeinen Auseinandersetzung über den Anteil der Juden an der modernen russischen Literatur kommen. So ist denn die arme russische Judenheit um eine ״bittere Enttäuschung" reicher geworden. Sic ist bisher auf ökonomischem, politischem und sozialem Gebiete» Widerstünden begegnet, — die Literatur, Kritik und Fresse standen ihr offen. Nun soll sic auch liier auf Hemmnisse stossen. Und von wem gehen diese aus? Von den IJestcn und Edelsten der russl. sehen Nation, die für die höchsten Mcnschlieitsideale gewirkt und gekämpft haben, die mau nicht mit der vulgaren Bezeichnung ״A 111 i s c mite 11" abtun knnnl Mail würde sicherlich dem Verfasser der ,.Juden" Unrecht zufügen, wenn man ihn als ciien ״Judenfeind" bezeichnen wollt:. Und gerade von dieser Seite kamen solche Aeusserungen unerwartet. Aber sind sic wirklich ..über• raschend" für. lene, die aus der historischen Kriali• ruug gelernt haben, dass die jüdischen Intelligenz- und Geisteskräfte, die sich auf fremden Nationalgebieten betätigen, besser täten, bei ihrem Volke zu verbleiben? » Das ist ja unser grosses Nationaliingliick, dass wir an geistigen Krähen so reich und zugleich so arm sind, weil diese grösstenteils unsere eigene Kultur verlassen mul sich einer fremden anschlicssen, die aber doch niemals die ihre in tieferem, psyelmhgisehem Sinne werden kann. Unsere, die jüdische Kultur, so behaupten sie, sei Ihnen ״zu begrenzt״, die jüdische sei ״zu eng". Aber weshalb ist denn die jüdische Literatur und Kultur in der Gegenwart so arm? Doch eben weil unsere besten Schaffenskräfte sich von ihr ahgewendet Italien! Hat nicht unser Volk eine grosse, leuchtende Universalkultur hervorgebracht als seine geistigen Produktivkräfte auch wirklich ilnn ge• horten? Aber manche von diesen wollen jetzt überbannt nicht im Rahmen des Nationalen wirken, weil cs ei ..rückschrittlicher Begriff" sei und ..den Anschaimngshorizoiit eineiige." Dabei vermögen sic aber doch nicht, sielt einer ״unterschiedslosen Welt- Kultur" nnzuschlicsscn, well es eine solche gar nicht gibt. Jede Kultur Ist die Acusserung einer Wesenscigcnart. Jedes Kunstsujet wurzelt in einer bestimmtcit Volkspsyclic. Das Kilnstlcrgcnic kann es zwar zu einem Ailgcmcinwcrt erheben, der jedoch die hesondere Wesensart des Gegenstands nicht abschwächt, sondern gerade auf dieser beruht. Und bietet nicht unser Volksleben mit seinen tausendjährigen Traditionen, seiner wcclisclvolicn und wandlungsreichcii Vergangenheit, seiner tiefen Gemütscigcnart und seiner tragischen Wucht und Kompliziertbeit Stof: genug zu grossen, allgcmcinwertigeu Schöpfungen für Künstlernaturen, die aus seiner Mitte hcrvoi gegangen sind und in seine Tiefen ein* zudringen vermöchten? Ein bekanntes — von Acliad Haam gclcgcntlicli angefillirtes — Beispiel: Autokolsky wollte eine despotische Hcrrschcrpcrsönlichkcit darstcllcn. die im ewigen Unfrieden mit sich selbst ist, Gewissensmm.. י■ ■' .. .. ■■ .'■»■• mm.. ״Weh mir! Ein Unglück!“ jammerte Lea; ..meine Fische! Mein SchwcLss und Blut! Meine Bank, der ei.1׳z:ge Hausrat!" ״Stefan! Kosma! Brasil!" rief der Wachtcr und winkte den Hausmeistern der nahen Häuser; flugs waren diese zur Stelle, umringten <lie Verkäuferinnen, schlugen, sticsscn und zerrten sie, und trieben sie in die nächste Sack- Sasse. wo sic hart hei einander zu stehen kamen. Dieser Ort, wohin sich kein Mensch verirrte, war der ihnen von Amtswegen zugcwicscnc Platz. Flüche ,Klagen, Geschrei und Schimpfwörter ertönten von allen Seiten, dass die Gasse 2׳r- <iröhnte. ״Mörder! Das Geld gib uns zurück!“ ,,Saufbold! Dass dich Gottes Fluch treffe!" ״Dass du zur Hülle fährst!" ״Dass dich kein Arzt heilen könne!" ״So lass mich doch die Fische zusammenlesen!" 4,Wir gehen ja, warum schlagt Ihr uns! Mörder!" ״O, mein Kopf!" ״Mein Gesicht blutet I" ״Meine Handl" ״Meine Schulter Ist ganz zerschlagen!״ bisse über ihre eigenen grausamen Handlungen empfindet mul von diesen doch nicht;!blassen kann. Er versinnbildlichte diesen Typus in ״Iwan dem Grausamen", der für die Aügcmeiukultur keine besondere Bedeutung hatte. Täte der Künstler nicht besser. Her ödes dafür zu verwerten, der doch den Gang der Geschichte so wesentlich beeinflusste und dem Juden Autokolsky innerlich näher stellt? Was würde die ״Wcltkultur" dadurch verlieren, wenn dieser statt des russischen Herrschers den jüdischen dargestellt hätte? ן Ach nein! Nicht unser Volk, sein Leben und 1 seine Kultur sind ״zu klein" — sondern die Hute:» den Rücken wendenden Juden sind zu kleinlieh, zu sehr begierig nach blendenden Moment- I erfolgen, zu schwach, um die grosse Tragödie ihrer Nation mitzuerlcbcn. Sie glauben, sielt von ihr hefreien zu können, wenn sie sich auf fremde Gebiete begeben. Aber cs ist Selbsttäuschung und Verkennung ilircr Umgehung. Die ״Judentragödie" verfolgt sie überallhin. Nur dass sic in der neuen Sphäre den mildernden Trost des inneren Kigcnbewusstscins verliert. — — Ik־r ״Zwischenfall" in Petersburg beleuchtete blitzartig die alte, immer neue ״Judentragik". Wird es unseren irrenden Brüdern zur Erkenntnis verhelfen, dass ihr eigentlicher Platz bei ihrem Volke ist? -- — — Die Juden in Westfalen Der schöne knappe Artikel, den wir unter dieser Ueherschrift in No. 6 der .,Jüdischen Rundschau" veröffentlichten, scheint sich leider zu einer Seeschlänge uiiswacliseu zu wölben, Unter dem 10. März suhlet uns Herr M. A. Klausner das folgende Schreiben,! das wo־ Wörtlich Wiedersehen, da wir um keinen! Preis auch nur den Anschein eines illovalcn Verj Haltens erwecken möchten: , In No. (1 der ״Jüdischen Rundschau" haben Sic ,in einem von Dr L. W c i n b e r g Dortnmml gej zeichneten Artikel Folgendes gesagt: > ..Hem Geschäftsführer der Deutschen Konferenz-; uemciuschaft der A.I.U., in deren Organ ..Ost und j West" der Jacnbsche Angriffsartikel Aufnahme ge- | fiinden hatte, wurde der Wahrheit zuwider berichtet, j Hr. Jacob habe an den hohen Feiertagen in der 1 Synagoge in unzweideutiger Weise die A.I.U. im Gegen• 1 satz zum Milfsvcrcin der deutschen Juden als nicht j der Unterstützung wert augezeigt, So erhielt Rahbiner Dr. Jacob auch aus dem Berliner Bureau der . Deutschen Koufcrciizgemciuschaft seine lüigc." j ״Ich habe Ihnen unter dem 4. März mit dem I Ersuchen um Aufnahme geschrieben, dass die in l diesem Citat erwähnte angeblich wahrheitswidrigo I Mitteilung niemals an mich gekommen ist, ן ln No.!2 nehmen Sic von dieser Berichtigung Kenntnis mit dem Hinzufiigen. dass unbestritten bleibe, dass Herr Rabbiner Dr. Jacob, wie von Herrn } Dr. Weinberg behauptet worden war. und was ן die Hauptsache ist. auch aus dein Berliner I Bureau der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft seine j Rüge erhielt. Das ist wiederum eine Unrichtigkeit. In Ihrer ersten fDr. L. Wcinbcrcsclicn) Puhlikation war der angeblich mir /»gestellte, angeblich wahrheitswidrigo Bericht in betreff des Herrn Dr. Jacob, wie aus dem obigen Citat ersichtlich. In ursächlichen ’/.usammenhang gebracht mit der angeblieh dem Rabbiner Dr. Jacob auch ans dem Ber- IV. In diesem Augenblick kam der Viertelriehtcr zur Stelle. Der Wächter stellte sich itt Positur und erhob die Rechte salutierend zur Mütze. ״Was ist das für e:n Lärm?" frug jener. ״Die Fishcrimicn Habe iclt verjagt!" ״So? Warum erst jetzt? Warum Hast du so lauge gewartet?" ״ich . . . ich . . ." stotterte Marecll und blickte zur Erde, ״ich habe sic schon früher davon gejagt, aber sie kamen wieder." ״Lüge nicltt!" wies ihn der Viertelriehtcr zurecht. ״Du weisst, iclt dulde keine Lüge. Bei mir kommst du mit der Wahrheit und der Gereclitigkeit am besten fort. Sic Haben dir gewiss etwas zugcstcckt . . ." Marcel! schwieg. ״Nun, ich will dich ja nicht unglücklich machen. Ich habe dich öfter gewarnt, Marecll; nimm dielt in Acht! . . . Aber — mein Teil . . ." dabei bückte •er;!m forschend an. ״Auf Ehre," beteuerte Marecll, ״Magdalena, der Teufe 1101c sic, hat mir alles abgenommen." ״Was klingt denn da in deiner Tasche?" frug der Viertelriehtcr und schüttelte die Rockschösse des Wächters. ״Billige Kopeken haben sie mir Jetzt gegeben, das ist alles," antwortete Marecll bclincr Bureau der Deutschen Konfercnz-Gcnicinsdialt erteilten Rüge. Da die Voraussetzung der Rttge. nainlicli der angehlicli au mich erstattete wahrheitswidrige Bericht nicht edstiert. wie ich in meinem Schreiben vom 4. III, Urnen gesagt habe, so entfällt damit auch die ver. ineiiitlich vom Deutschen Bureau der D.C.G. aus erteilte Rüge. Sie haben also völlig zu Unrecht gerade das als unbestritten hinuestcllt. was ich bestritten habe. Ich berufe mich, indem Ich Ihnen diese zweite Berichtigung cinschicke. nicht auf das Pressgesetz: ich Italic absichtlich die zur Erzwingung einer Berichtigung vom Pressgesetz, vorcesehriehcik• Form nicht gewahrt. Denn ich lege auf die Veröffentlichung meiner Berichtigung keinen Wert, da es in den Kreisen, die es nngcht. niemanden mehr gibt, der de״ falschen Darstellungen, die von gewisser Seite ver. breitet worden sind. Glauben schenkt. Nur wenn Sic selbst Wert auf!ovales Verhalten legen — das im vorliegenden Fall durch Ihre der Logik und den Tatsachen widerstreitende Anfügung an meine Berichtigung in No 12 Ihres Blattes verletzt worden ist — stelle ich Ihnen anheim, das vorliegende Schreiben abzudruckcn. Hochachtungsvoll M. A. Klaus n e r. Wir unterlassen iede Kritik dieses Schreibens um keine neuen Angriffspunkte z.u bieten, müsse״ akr nun selbstverständlich Herrn Dr. W einher g als den Angegriüencu in nächster Nummer nochmals das Wort '׳erstatten. Sind diese ״Documenta imFjic.1״ auch recht unscheinbar, so sind sie doch ein 11ic':t wenig charakteristischer Beitrag zur neuesten jüdischen Zeitgeschichte. Und dass cs gerade die ..Juden in Westfalen" sind, um die es •sielt hier j AUS ALLCR W6LT :: I ®eutschlQn(I | Ueber die ln diesem Frühling fällige jüdische I RescrvcoiiizIcrtUcbaüa gelegentlich des Militiircta'.s im Reichstage verlohnt sieh's. kaum zu berichte.1. Wir sind ia gewohnt, dass unsere Interessen, wenn sich schon jemand dazu hergibt. sie zu vertreten, so nebenbei in ״Parenthese" erledigt 1 werden. Die freisinnigen Redner Konsch und Gothein entledigten sich der unbequemen Verpflichtung schlecht und recht und die Antwort des Kriegs!!;!• nisters hatte den üblichen Kehrreim: ״Ihr habt ja so recht, aber . . . ." j Fürs nächste Jahr eine kleine Bitte an die Frei- ' sinnige Volkspartci: Wenn sic schon keinen jiidi- I selten .Abgeordneten zur Vertretung jüdischer In- I tercssen in den Reichstag bringen kann, dann sollte J man doch wenigstens nicht gerade Herrn Kops•:!: ן vorschicken, dessen Judcnfrcundlichkcit bei der; Rechten doch untnüglich sehr ernst genommen werj den kann! j Dem Reichstage ist soeben der Entwurf zu einer Novelle des Strafgesetzbuches zttgcgangcn. Nach dem Vorschläge des Reichs-Jitstizamtcs soll der Begriff der Tierquälerei strafgesetzlich weiter denn I früher gefasst und Vergehen schwerer geahndet werden. In der Begründung der Vorlage bemerkt die 1 Regierung: schämt, ״liier haben Sie es", und er gab ihm dreissig Kopeken von seiner Beute. ״Höre. Marecll," sagte der Viertelriehtcr. indem er das Geld in seine Tasche gleiten Hess, ..ich gelte eben, uni Micreis Handlung dort an der Ecke zu schliesscn, da ihre Konzession schon seit drei Tagen zu Ende ist. Geh du voran und lass sie es wissen, damit sic diejenigen Waren fortseliaffc, die sic zum Verkauf nötig Hat, bevor ich hinkomnic. Verstanden? Du Hast doch Ocl itn Kopfe. Die dumme Jüdin weiss nicht, dass die Konzession schon seit einem Monate auf dem Amte Hegt. Jeden Tag kommt sic gelaufen und macht mir den Kopf voll: Das Papier, das Papier! Lass sic laufen. Inzwischen wird sic nicht undankbar sein . . er Anton, ihm zu folgen. m ”alJ «15״auf sa!1 man in der Gasse Menge von Männern. Frauen und Kindern, Hiü üßJ,warcn• aus Micreis Hand; Eiscnstabe. Blcchktsten, Nägeä zu entfernen, * f diC benachbarten Höfe und Haudiur zu tragen Mareeii und Anton halfen eifrig ST Arhfcf r C u°r ,kam• u״d da cr "10*־ktc, < d'c.tu**"0Cb nicht zu Ende war, wandt( sich ab und rief: ״Schnell, macht ein Ei denn der Viertelrlchtor kommt, das Gewölbe