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Jüdische Rundschau · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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.13 .0א_ jcr Teilnahme an der Sdbstvcrwaltune ausgc* schlossen. 1890 wurde den Juden die Pacht von suatsiandcrcien in Polen verboten. 1891 wurde S Juden verboten, in Kuriaud Grundbesitz zu cr werben• W0׳ wurde Jüdischen Handwerkern das Wohnrecht itn «samten Gouvernement Moskau cut- /oecn. niut .Intlen wurden aui Grund dieses öewtie» «ns Moskau ausßowloscn. 1890 wurde den Juden in Polen verboten. bäuerlichen Grundbesitz durch Kauf oder lacht zu erwerben. 1892 wurde den Juden das Wohnrecht im Kubaner und Tercr Gebiet culzoKcn. 1897 wurde de״ llidlschcn Ann. tliekern. /aliniirztcn. Uchurtsliclfurn und Hebammen d;1s \\ 011 nrecht ln Moskau entzogen. 1899 wurde eine Reihe Mosclir.inkiuigcu des Aufcntbaltsrcchts lildi• scher K.mneiite m Moskau eingct(i|lrt und 1893 Vurdo den •Inden ei dgillt g verboten, in den Inneren Gouvernc'iients Grundbesitz ׳/« erwerben. Ich habe Urnen, m. H.. Hingst nicht alle Ausnaliimxcsetzc angeführt, die in den letzten 25 Jahren erlassen worden sind. Die Politik hinsichtlich der Juden ■׳iHlerte oft ihren Charakter: als Gründe für diese ViiMialimegesetze Nviirdcii bald religiöse, balü wirisc •litlielie. bald politische Motive angeführt, aber als r* •er Faden zieht sich durch alle diese QesetzeebiuK'.iktc das eine .,Prinzip", dass der Judo nicht ein .Mitglied des russischen Staates Ist, dass der!udo kein Rechtsruhlckt Ist, dass er an und für sich Überli.mpt Keine Rechte haben kann, dass er vielmehr nur Insoweit geduldet werden kann, als cs don Bo. hrtrden genehm ist; er hat ein Recht auf Existenz und )teiiitlsnng nur insoweit, als es don Wiinschon dor Rcslcriuia nicht widerspricht, Meine Herren, wenn diese kVclusluge in der Periodo des ab so• luten Pol i zclstn ntes bestanden hat, so ist sie «!־,eh völlig undenkbar in einem Rechts- Manu! Un btaat, der den Wert und die Würde seiner Miirger mindert, ein Staat, der die Rechte seine 1 ihirger ohne 0 c r i c I! t beschrankt, ein Staat, der seine eigenen Bürger verfolgt, ist kein Staat, sondern eine erbärmliche Pollzolwlrtschalt. In völligem Einverständnis mit diesem Gesetzccbinu^svsteni befand sielt auch die Art und Weise der Anwendung dieses Gesetzes auf die Jüdische Bevölkerung. Diese Gesetzgebung musste notge- Jrunecn in ihrer Anwendung Erscheinungen unnatürlieber Art zeitigen. Die lokale Verwaltung trat in die h1vM.:i”.n der Zentralbehörden und lernte schnell, wie sie sich den Juden gegenüber zu verhalten habe: sie begann alle diese Ausnahmegesetze expansiv zu r.terprcticrcn. War dies doch für die Verwaltung vurteiliiaitcrl Alle diese Beschränkungen wurden clno Finkouuuensqucllc für die Polizei. Ucbcrall begann eine 1111 g I a u I) I i e 11 e Korruption. Und was Wunder, wenn im Ansledlungsravon der Bcamto als ״anständig" gilt, den man bestochen kann, da sonst das Leben unmöglich Ist. — (Redner führt einige konkrete!־'alle an. sowie die Jüngsten Vorgänge in Odessa, wo der General-Gouverneur Tolmatschcw z. B. auch in den jüdischen Krankenhäusern die ftnliselieii Aerzte durch christliche ersetzen will, tirncr einen Fall aus Moskau, wo ein l^lühriges an Kitarlneli erkranktes Kind mangels Wohnrecht aus. gewiesen wurde, obgleich seine gerichtlich ancr* kannten Adoptiveltern Wohnrecht haben.) Jeder rechtlich Denkende, der sich mit der Lage der indischen Bevölkerung vertraut gemacht bat. der de Gesetzgebung und die Art und Weise ihrer praktischen Handhabung kennt, muss ge- Melicn. dass unsere Rceicrungspolitik hinsichtlich der Juden, eine Politik des Hasses ist. eine Politik der offenen Feindschaft. Ohne Grund messen hier viele der Gleichberechtigung der Juden eine so grosse Bedeutung bei, ich muss Ihnen sagen, d.iss die Juden von der gegenwärtigen Regierung Soite 147.! LCciSuCrw2rtcIV •*1,de« verstehen nur zu gut. ״?,o uQl *1er beutizen Luko der Dinge, bei dem jetzt herrschenden Regime der Ausnahmezustände gar ovL?!101 tlcr ru,ss,.s(1!'־e Bürger erster Klasse in seinen Rechten dem Juden gleichgestellt ist; gar oft wird tur Um ein noch engerer Ansledlungsravon• Beschaffen als für die Juden, genau so. wie der Jude, ist er nicht davor geschlitzt, dass auch sein Haus zerstört wird, wie der Jude, hat auch er keine Garanticcn für scino elementarsten Menschenrechte, Der Judo weiss, dass seine Gleichberechtigung mit der russischen Freiheit bcnrltt halten muss, der Tag des Sieges des Rechts In Russland wird auch für die Juden der Tag des bieges iltres Rechts sein. (Beifall links.) Die Judenfrage in den Parlamenten Es gibt einen einfachen, falschen, von Jüdischer wlo nichtjlldlschcr Seite gleich ltüulig beschriftend! Weg, die Judenfrage, dio in fast ollen Landern der Welt mehr oder weniger dringlich eine Lösung crheischt, xu umgeben: Man leugnet 0 limine ihre Existenz oder begreift sic nur als Unterfrage irgend einer grösseren, bei deren erhoffter Lösung auch sie ihre Erledigung finden wird. Da will cs nun ein eigenartigen Zufall, dass sich In der letzten Woche fast zu gleicher Zelt die Parlamente dreier Gross* möchte, — ein Jedes auf seine Art, — mit den Juden Ihres Landes zu befassen hatten. 'Dort, wo man sich bemüht, nuf die Geschicke der Völker einztiwlrkcn, sprechen denn doch ein wenig arnlcro Rück• siebten und Motlvo mit, denn jene sind, von welchen sich die Freunde solcher Vogcl-Strnuss-Polltlk leiten lassen, und wer Augen hat zu selten und Ohren zu hören, der wird nicht verkennen, dass cs sich hier um ein Schicksal handelt, weiches dio Betroffenen wohl auf verschiedenen Wegen ereilen, und Je nach acn äusseren Bedingungen nuf verschiedene Art In die Erscheinung treten mag, dessen Ursache aber überall die gleiche ist. Hat man diese ,.causa mall" sicher erkannt, so drängt sich einem die Notwendigkeit einer c i n h c 11liehen Lösung von selbst auf. Und wer sielt Ihr vcrschlicKSt. den lenkt nicht bessere Einsicht, sondern dem fehlt einfach die Kraft des Wollcns, — Im!1 m c r i k n u I s c h e 11 Kongress und In der russischen R c I c 11 s d u tu a waren cü JII kJ i - sehe Abgeordnete, welche für die Rechte Ihrer Volksgenossen mit beredten Worten clntratcn. Dez Abgeordnete Ooldfogie befand sich mit seinen Ausführungen in vollster Ucbcrclnstimmung mit der gesamten amerikanischen Volksvertretung, als cr die Regierung aufforderte, die russische Passfraec durch ihre diplomatische Vertretung mit verstärktem Nachdruck zu betreiben, nachdem das Oberhaus bereits vorher In gleichem Sinne beschlossen hatte. Die Frage wurde allerseits unter dem durchaus riehticcn Gesichtspunkte behandelt, dass cs sich nicht etwa nur um eine Jüdische Frage handle, sondern dass das rechtswidrige Vorgehen der חסיי־׳יי״ייז Pccicrung gegen die mit fremden Pässen versehenen Juden eine schwere Beleidigung des Mutterlandes involviere. Auch die Rede des Duma- Abgeordneten Friedmann war die eines auircchtcn Mannes. Er war nicht so glücklich, wie sein amerikanischer Kollege, der dio überzeugende Kraft seiner Worte aus der zuversichtlichen Hoffnung auf unmittelbaren Erfolg gezogen haben mag. Seine Rede war einer Jener Proteste gegen das Uebermass des Unrechts und der Barbarei, die, vielleicht aussichtslos, dennoch um des Prinzips willen immer und Immer wieder erhoben werden müssen. Der Optimist wird sich trösten: ״Gutta cavat lapldcm Im deutschen Reichstag der schüblgo Oberrest eines alten liberalen Prinzips: Zwei nicht- JUdlscho Redner wiederholen vor einer feindlich gesinnten Mehrheit das alliübrUcIt Gesagte olmo Wärme, ein farbloses Bild, das dio Lage des dcutsehen Schutzjudentums treffend spiegelt. Drei Parlamente — und doch eine und diescibo Judcnfragc. nur in der Nuance verschieden. . .. ia. (Vergleiche ״Aus aller Welt": ״Amerika" und ״Deutschland" sowie auch den Brief unseres Petersburger Korrespondenten In dieser Nummer! D. Red.) Juden in der ״Weltliteratur“ Von L. Joseph. Vor kurzem passierte in Petersburger literarischen Kreisen ein ״charakteristischer Zwischenfall", der bei seinem Bekanntwerden zu einem ״sensationellen Erclgnls" wurde und den Anstoss zu eingehenden, zum Teil sehr erregten Erörterungen In der indischen und allgemeinen Presse in Russland gegeben hat. Im Hauso des Petersburger Künstlers Chodotow versammelten sich 26 bekannte russische Schriftsteller und Kritiker, darunter 14 Juden, denen Schalom Asch sein neues Drama ״Der Iches" (Das Ansehen der Herkunit), das in der russischen Übersetzung den Titel ״Der wclssc Knochen" führt, vorlas. in der anschliessenden Besprechung des Stückes üussorten sich einige russische Literaten kritisch und abfällig Über den künstlerischen Wert dieses Dramas, besonders über •dio Tendenz des Verfassers, eine der Personen, Rosa, zu idealisieren, die ihrer Meinung nach die ״kleinbürgerliche Psychologin" im Jüdischen Milieu verkörpere. Asch verteidigte sein Werk und bemerkte, der ״!dies“, dos Hauptmotiv seines Dramas, sei eine spczifisclt-jildiscltc Auffassungsart und könno deshalb nur von Juden in seinem Inneren Wesen richtig begriffen werden. Darauf erwiderto der bckannte Schriftsteller Tscltirikow — der Autor des Dramas ״Die Juden" —, auch die russische Eigenart könne von Juden nicht richtig erfasst werden und sei von den zahlreichen Jüdischen Literaturkritikern falsch verstanden und entstellt worden. Er fügte dann, sielt an die anwesenden Juden wendend, hinzu: ״ihr werdet behaupten, Ich sei ein ״echter Russe". Dies würde mich wenig berühren. Und bin ich auch nicht ״echter Russe", so bin ich doch ein ״einfacher" Russe. Ich hatte Sympathien für Euch. Das bewies ich in meinem Drama , Die Juden". Ich huldigte den Prinzipien der ״Brüderlichkeit und Gleichheit": Muss aber gestehen, dass ich das Nationalelomcnt unterschätzt habe. Und wenn Ihr Juden seid und sein wollt, so bcdauere ich, von Euch rezensiert und gewertet worden zu sein." —- Ein anderer russischer Literat, Arabaschin, führte dann aus: ״Herr Tschlrlkow fand den Mut, das zu sagen, w a י wir alle empfinden. Von nun an habt Ihr 0• nicht mehr mit den Hooligans, sondern mit der russldie sie schon von früher In der Tasche hat, werde« zur Bereitung des Sabbnth dienen. ..Sichst du, Anton!" rief der Wächter, als er das Held aus Sarahs Hand in Empfang ge* «•mimen und deutete auf das Vderzigkopeken- Miiek, das Lea erhalten hatte: ״gleich wird die ■Münze in mo’ncr Hand sein. Die verfluchte Jüdin muss für ihren Starrsinn büssw, dass sie niir beute das Geld nicht sammeln wollte."' ״Zeige doch die Münze her! Mir* scheint, ,־n ist falsch," wandte cr sich an Lea. Lea zuckte zusammen und erblasste. ״Nein, warum soll s'c gefälscht sein? Sie ist echt!" stotterte sic verwirrt und suchte die Münze zu verbergen, aber Maroedl riss sic ihr K-tvaltsam aus der Hand und betrachtete sic mit Kennermiene auf beiden Selten. .,Gefälscht! Eine falsche Münze! Zur Poll- *e! musst du!" ״Aber ich habe sic Ja soeben von •einem Miidclicn bekommen," suchte Lea elnzuwcnden. , ״Geht mich nichts an, von wem du sie be- ״öroinen. Das wirst du schon auf dem Polizeikvriclit nachvvcison I" donnerte der Wächter. ״Lieber Marccll, lass' doch ab. Du bist Ja c׳n guter Mensch, weshalb willst du mich ins ^niglüc kstürzen, du welsst Ja . . . mein Mann . . . meine Kinder," flehte Lea mit gebrochener Stimme. ״Nein, nein. Marccll ist kein guter Mensehl Zur Polizei!" ,!Nimm zwo!. Kopeken und lass* mich in Frieden!" ״Zur Polizei!" ״Vier Kopeken." ^Zur Polizei, verdammtes Judenweib I Rasch." ״Hier sind sechs Kopeken." ״Gut. Aber die Münze bekommst du nicht wieder, weil du sie sonst Jemandem für echt geben könntest. Die Münze werfe Ich ln den Fluss." Lea schrie auf, wie von einem Dolche getroffen und heisse Tränen rannen Ihr über die Wangonv ״Was soll Ich beginnen, was soll Ich beginnen. Dio Kinder, mein Mann!... 0 Gott, 0 Gottl" Die Umstehenden nahmen an Leas Mlssge* sch'ck tief Anteil und Marccll entfernte sich mit seinem Begleiter und sagte: ״Diese Münze gefälscht! Ha, ha, hal das dumme Wclbl Ich wollte, ich hätte einen ganzen Scheffel solcher falcsher Münzen." Kaum hatte sich der Wächter entfernt, als ' sich an der Biegung der Oasse der Viertelrichter zeigte. Er schritt gemächtlich auf den Ort zu, wo die F'schweiber sassen. Marccll eilte schnell voraus und schrie aus voller Kehle: ״Macht euch schnell aus dem Staub, Weiber, der Vicrtclrichtcr kommt!" ״Räuber, Mörder!" scholl es ihm wütend ontgegen, ״soeben hast du ja Geld genommen! Du hast ia geschworen, uns heute nicht mehr zu quälen! Geschworen hast du Ja!" ״Der Viertclrlchter kommt! Fort von hier!'* schäumte Marccll, ohne auf den Lärm der Weiber zu achten und breitete seine Arme aus, wie Jemand, der Schafe oder Gänse vor sich herjagt. ״So habe doch Erbarmen mit uns! Wir haben heute noch gar nichts gelöst!" ״Ich kann euch rächt helfenl Schnell! Fort!" ״Wir rühren uns nicht von der Stelle! Wir Melbcn hier!" ״Ich weiche nicht, und wenn du mich totschlügst!" rief Lea in dumpfer Verzweiflung. ״Verdammte Judenbrut! Du wagst es, dich zu widcrsctzonl" tobte der Wächter ganz rot vor Zorn und riss den einen von Leas Körben zur Erde, so dass die kleinen Fische nach allen Selben hinflogen; dio Bank, auf der Lea sass, schleuderte er heftig gegen die Wand, dass sic In Stücke flog. י j..

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