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Jüdische Rundschau · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite M(i. JUKDISCHK RUNDSCHAU Und was wir heute in Deutschland zur Zeiehnun}׳ anbictcn, sind keine utopischen (iriindungen, keine .Gesellschaften an Orten, die kaum auf dem Atlas zu entdecken sind, keine Unter- | nehmiiiißcn, die ihre Zweckdienlichkeit und ihre; Rentabilität erst zu beweisen haben, cs sind viel-! mehr die Aktien einer Dank, die seit einer Reihe j von Jahren arbeitet, ihren gesicherten, sich stfini dig ausdehnenden (icschäftskre's besitzt und; ihren Aktionären eine befriedigende Dividende j abwirit. j Die Anglo Palestine Company, deren Aktien i wir heute dem jüdischen Publikum aub'eten. ist i dabei noch grosser Ausdehnung fällig, und es f’st! damit zu rechnen, das sie sich mit der Zeit zu j einem ausserordentlich lukrativen Unternehmen j entwickeln wird, das von dem bevorstehenden j wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei zu : ihrem Teil vollen Nutzen ziehen wird. Die Anglo j Palestine Company hat, wie in dem dieser Nr. beiregenden Prospekt näher gezeigt wird, in Palästina überaus segensreich gewirkt, sie hat die Krcditvcriiältnüsse!in europäischem Sinne reformiert und das palästinensische Judentum in [ jeder Weisel geiordert. Sie hat aber vor allem eins getan, sie hat bewiesen, dass m a 11 in! Palästina gleichzeitig mit grossem j f in a n z i c 11 c n n 11 d m o r a 1 ■i s c h e u E r f 01 g j Qcschäfte führen kann, zur Betricdi-; Rung der Aktionäre und zum Segen für die ge- 1 samte Judcnheit. Die Anglo Palestine Company hat für das! Jahr 1908 4 7״ Dividende verteilt und rund; 3 r* in Reserve gestellt und auf neue Rechnung j vorgetragen. Da ist cs kein Opfer mehr, wenn j wir von unseren Freunden den Erwerb der . Aktien verlangen, sondern cs ist nur der Hinj weis auf eine zweckmässige und eine jüdische Form der Kapitalanlage. Die Stärkung des Ka- | pitals der Anglo Palestine Company ist erst vor! wenigen Tagen auf der Aktionskomitee-Sitzung j in Köln von unserem Führer Wolffsohn als die 1 wichtigste Aufgabe des Augenblicks bezeichnet! worden. Darum fordern wir alle unsere Freunde j und Leser auf:! Zeichnet Aktien | der Anglo Palestine Company! j Werbet 1 für die Aktien In Eurem Freundeskreise! ' Stärkt! das ArbcitskapUa! des Jüdischen Volkes!; Brief aus Petersburg Petersburg, 11. März 1909. Die Debatte über den Etat des Ministeriums des Innern in der Rcichsduma war eine willkommene Gelegenheit, die gesamte russische Judcnfragc aufz.u- (N'tcKdruck vcrbo'cn.) Lea Ein Strasscnbild Von Bcn-Avigdor. Aus dem Hebräischen von Benjamin Sage 1. (Fortsetzung.) Da liegt mm der arme Mann allein und totkrank in der Stube darnieder, sic selbst und die Kinder sind hungrig, und dieser Nimmersatt hat kein Erbarmen. Sie wartete sehnsüchtig auf einen Kunden, um für den Erlös etwas Wein kaufen zu können, und wie zum Trotz hat sie beinahe nichts verkauft, und da kommt dieser Schurke Qcld zu fordern; wo soll sic cs hernehmen? Da verlangt er, dass sie für ihn sammle, während cs ihr im Kopfe wie ein Mühlrad herumgeht und ihr Herz zu zerspringen droht. Nein, diesmal sammelt sic nimmer, mag da kommen, was wolle. ״Räuber!" schrie; Lea, ״du hast ja schon heute zweimal Qcld bekommen! Was willst du noch?" ״Jenes Qcld hat mir Magdalena abgenommen, dass der Teufel sic hole! Jetzt ist mir die Kehle trocken, und ich lechze nach einem bisdien Branntwein." No. 1.3. tollen. Die hiesigen jüdischen Kreise erwarteten daher auch das Auftreten eines unserer beiden Abgcordneten. Da Nisse io witsch noch Immer krank ist. war Fried mann gezwungen, zum ersten Mal während dieser Session das Wort zu ergreifen. Er hat sich seiner Aufgabe recht gut entledigt. Seine Rede veranschaulicht klar die Wurzel des Ucbcts: die Gesetzgebung und ihre praktische Anwendung. Sie weist auch mit Recht auf den engen Zusammenhang der allrussischen Freiheitsbewegung und der Lösung der Judenfrage hin; im einzelnen war aber die Rede nicht besonders geeignet, auf das Zentrum und die Rechte zu wirken. Die Aufzählung aller Gesctzgcbimgsaktc gegen die Juden wirkte ermüdend, die Auswahl der Fälle, in denen die Willkür der Behörden gcbrandmarkt werden sollte, war nicht bc. sonders glücklich getroffen, die angeführten Fälle sind bei weitem nicht die krassesten. Merkwürdig ist cs, dass die Rechte sich während der ganzen Rede völlig ruhig verhalten bat; vielleicht ist es auf den Zwischenfall •zurückzufUhren, der unmittelbar vor dem Auftreten F r i c d m a n n s Infolge Markows Rede stattgefunden hatte. Auf jeden Fall Ist cs aber traurig, dass auch diesmal die Herr e »1 Kadetten uns hu Stich gelassen haben: über die Judcnfragc verloren sic kein Wort. Auch Ffiedinaims Rede bringt die fortschrittliche Presse in stark verkürzter Form und ohne Jeden Kommentar. Die Telegramme, von denen Priedmann in schier Rede spricht, sind in der Tat eine alltägliche Erschcinung geworden. Täglich erhalten die Duma• abgeordneteu telegraphische Gesuche von Juden aus allen Gegenden, die ohne jeden Grund aus* gewiesen werden. Da die russischen AbgeorJucten sich nur selten für ihre jüdischen Landsleute verwenden, lastet diese gewaltige Arbeit jaul Nissclowitsch, dessen Bemühungen übrigens häufig von Er* folg gekrönt sind. Die Zcntralvcrwaltung kann in den einzelnen Fällen das völlig־ willkürliche Vorgehen ihrer lokalen Organe nicht gutheissen. sic bemüht sich aber andererscits, die bestehenden Bestimmungen zu Ungtmstcn der Juden zu interpretieren, und der Senat bringt auf diesem Gebiete das Unmöglichste fertig. Hinweise darauf finden sich In Frlcdmanns Rede, * Rede des Abgeordneten Friedmann ln der Sitzung der Rcichsduma vom 25. Februar 00. Matz) 1909. (Auszug.) Mono!lerrc.i! Die Politik des Ministeriums des Innern hinsielitlicl. der jüdischen Bevölkerung ist gleichbedeutend n it der Politik unserer Regierung ■gegenüber der jüdischen Frage, und die Rcgicrungs- Politik in der jüdischen Frage war und ist stets der beste .Massstal), das beste Barometer für imsern allgemeinen politischen Kurs. Auf Grund jeder Rc* gieruiigsmasMiahine. auf Grund ieder politischen Handlung hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung können 8k• stets richtig und klar über die La׳״• im Reicli und über die nllgcmc'.nc Richtung unserer inneren Politik Auskunft erteilen. Wenn unsere Regierung' der jüdischen Bevölkerung besondere Aufmerksamkeit sei•',׳kt. so bedeutet das. dass die dringlichsten Bedürfnisse des Landes ohne iede Behütung, ohne Befriedigung bleiben. Wenn unsere Regierung hin* sichtlich der jüdischen Bevölkerung besondere Energie an den Tag legt, so bedeutet das, dass die Regierung ihre Untätigkeit In wichtigen Fragen der Verwaltung verdecken will. Wenn unsere Regierung strenge A11 w c 11 d u n e - d « r Gesetze hinsichtlich der J u d c 11 fordert, so.bedeutet das. dass im Lande völlige Rechtlosigkeit herrscht. Wenn die Regierung Rcpressinnsriiassualimcii gegen die jüdische Bevölkerung ergreift, wem» sie Zwietracht unter die verschiedenen Klassen der Bevölkerung siet, wenn sie Feindseligkeiten und Exzesse eines Teiles der Bevölkerung gegen den andern hervorruft, so!״•. deutet das. dass die Regierung den Gedanken des Volkes eine andere Richtung geben will, dass sie den Zorn des Volkes von den wahren Schuldigen am Unglück des Volkes ahlenken will atii jene, die keinen Widerstand leisten können. Dahingegen zu jenen seltenen Zeiten, da unsere Regierung progressiv war. Hess man die Juden entweder völlig in Ruhe ״der legte sogar eine gewisse Fürsorglichkeit für sie an den Tag. Nehmen Sic z.!1. die Epoche der grossen Reformen unter der Regierung Alexander 11״ und Sic sehen, dass alle Massnahmen jener Zeit, alle Gesetzgebungsakte hinsichtlich d r Juden dem Wunsche der Regierung entsprangen, d!•; jüdische Bevölkerung zmn allgemein-russischen l>ürgerlichen Lehen hervorziizichcn: cs wurden Mass. nahmen ergriffen, um das sittliche und geistige Niveau der jüdischen Bevölkerung zu heben: die Tore der allgemeinen Untcrrichtsanstalten wurden für die indisehcv Jugend weit geöffnet, und der Drang der ,luden zur Bildung wurde durch alle möglichen Mittel an. gespornt. Durch eine ganze Reihe von Gesetzen wurde die politische und wirtschaftliche Lage dir Juden verbessert. Es wurden einige Km,. rtiissioiia! und Komitees ins Leben gerufen, die si,.'■; mit der Lösung der jüdischen Frage beschäftigen sollten: die Kommissionen der Grafen Pali len 1: : des Grafen Lcbanow-Rostowskl unter der Regierung Alexanders II. Alle diese Kommissionen kamen zu dem Ergehn;., dass die Juden in ihren bürgerlichen Rechten uni«. - dingt der Stauunbevölkerung gleichgestellt werdet müssen. Bemerkenswert ist aber, dass die Arbeiten dieser Koim.iissiontn niemals zun» Abschluss gelangten: Kaum sprachen sic sich in bestimmter Wci>0 für die Emanzipation der Juden aus. so wurde ihre Tätigkeit eingestellt. Dann folgte die Periode der Reaktion — die achtziger Jahre; die Politik unserer Regierung in der Judcnfragc nimmt eine scharfe Wendung: es wird eine grosse Reihe Gesetze erlassen, die eine Be- Schränkung, eine weitere Beschränkung der Rechte der jüdischen Bevölkerung bezwecken. Uni Ihn. 1 dies zu beweisen, gestatte ich mir. Ihnen eine kurze lieber sicht lener Gesetzgebungsakte zu unterbreiten, die in den letzten Jahrzehnten in dieser Richtung erfolgten: Am 3. Mai 18!2י wurden die sogenannten provisorischen I g n a t i c w s c 11 c n Be- Stimmungen erlassen, die trneli heute in Kraft sind, obgleich seit'.ier 27 Jahre verflossen sind. Bure:! dieses Gesetz, wurde den Juden die Niederlassung In den Dörfern und Flecken innerhalb des Ansicdlungsravons verboten: cs winde ein neues Ghetto innerhall) des alten geschahen. In» Jahre 1887 wurde den Juden, die schon in Dörfern wohnten, das Recht entzogen, in ein anderes Dorf iiherzusiedeln. 1887 wurden die bekannten Bestimmungen über die Proz.cntnnrmcn erlassen, die den Eintritt der Juden in Untcrrichtsanstalten einschränk.::■.. I8S7 wurde die Stadt Rostow aus dem Ansicdlungsravon ausgeschlossen. 188S wurde wiederum ..nrovisoriscli" bestimmt, dass Juden in den Anwaltsstand mir mit Erlaubnis des Justizministers auf.• - tiommcn werden dürfen, und die praktische Anwen- (hing des Gesetzes bewirkte den völligen Ausschluss der Juden aus diesem Beruf. In einem Zeitraum von 18 Jahren wurde kein Jude zur Anwaltschuft zugelasseii. 1890 .werden die Juden v1;״ ״Säufer! Trunkenbold!" schrie chic andere Verkäuferin, ״wann lechzest du nicht nach! Branntwein? Ein Meer würde dir )a nicht gej nilgcn." 1 ״Genuß ßeseliwatzt, Weiher! Das Geld j licrl“ rief der Wächter in befehlendem Taue. J ״Das letzte Mal hast du ja hoch und heiliß versichert, dass du uns in Ruhe lassen warst. Wo .1st dein Wort. Mörder?“ empörte sielt jene. ״Also, wirst du mich nicht für einen Mann von Wort halten, närrisches Weib!" höhnte der Wächter, dann wandte er sich an Lea und rief: ״Rascii, Lea, mach dich auf und brinßc mir mein Geld zusammen!" ״Lass mich in Ruhe!" flehte Lea. JPlaßc sie nicht, ihr Mann Ist gefährlich krank!" bestätigte Sarah, die unweit von Lea sass. ״Nun. so jage ich euch alle fort von hier. Ihr wisst, hier dürft iiir nicht sitzen." ״Ich werde dir diesmal das Qcld einsammein,“ rief Sarah. ״Gut, aber du, Lea," drohte ihr Marccll mit dem Finger, ״sollst cs bereuen." ״Wirst du uns heute aber auch fortan in Rulib lassen, Marccll?" fragte Sarah. ״Bei Gott und allen Heiligen!" schwor Marcell, indem er die Hand zum Hetzen erhob, ״heute dürft ihr den ganzen Tag ungestört sitzen." ״Frauen, Frauen," wurde Sarahs Stimme hörbar, ״gebt für den Sanfbold zu zwei Kopeken« zwei Kopeken für den Mörder, für den Räuber, zwai Kopeken, dass .ihn Gottes Faust niederstrecke." ״Ich gebe keinen Heller." rief eine, ״ich habe noejt heute keine zwanzig Kopeken verdient." ״!eh kann nur eine Kopeke geben!“ rief eine andere. ״Ich gebe nichts, habe schon heute zweimal gegeben!" ״Nehme ich denn das Geld für mich?" schrie Sarah entrüstet, ״wenn ihr nicht geben wollt, gut, macht cs mit Marccll ab!" Im Nu war das Geld beisammen und verschwand in Marce’ls Tasche. * »ur vierzig Kopeken. Mlten sich, welch ein Qlück! Um d H?MVlr<!. SlC Wci" ,ar dc״״«» ״ » der Händler kennt sic und wird ihr au d e geringe Sutrnno guten Wein verkaufen Z ' "־n ><.a1*en Ist _ der fest wird ai für sic und d0׳ Kinder reichen; einige Ko f«|i f i,1

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