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Jüdische Rundschau · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 12. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 137. beliebiger Grösse kaufen. Vor der Entsteh״«״ p.l..l>.C, war das In Palästina' nicht derPa* Dl musste jeder, der eine Gutswirtschait erwerbeS wolhc, sic auch selbst• clnricht0H..w£wr ,2 Viele zurückschrecktcn, da sie gernotwaWo? tue* Ifc״ wollten Unsere OesoUschah efmö; bebte auch ihnen die Ueberslcdiung, indem sic S. wirtschafte» vorbereitete, und slq In den für sic passenden Kulturen entwickelte. . , Pas war eine unserer Arbeitsmethoden. Plc andere, weit umfangreichere, bestand darin, dass unsere Gesellschaft manche der Nebengüter pam'llicrtc mul die Parzellen den Arbeitern vcrpachtctc «Hier auch unter gewissen günstigen Bedingungen ihnen als Eigentum Überwies. Tausende und Abertarnende von jüdischen Arbeitern, die bei . der IU..P.C. ihre landwirtschaftliche Ausbildung geniesen und Ersparnisse gemacht haben, wurden "so als freie, selbständige Bauern angcsicdclt mich stets (bestreben, die Löhne entsprechend der Steigerung der Leistungen zu gestalten 1“ Ohne dlcso Einsicht hätte die P.L.D.C. ein nahes Endo erlebt. Wolil batte cs sclncp guten Grund, dass dlo Ad nissen Stellung zu nehmen. Der Referent, Fabrikdlrcktor E. Lichtenstein, schilderte den Vorlauf der sattsam bekannten Mugdan-Affürc. War das Eintreten von Vorstandsmitgliedern des Zcntralvcr* njjnlstratorcn der PlLD.C. stets gerne Junge Krftito eins für die Kandidatur des getauften Juden in keiner ftcfanzogca.und ,Familien fast nur da engagierten, wo ausser, dem Manne auch die Frau oder andere Familienmitglieder Verwendung,, fanden. Als Erwcrbsgescllschaft musste sie Ja in, erster Reihe darauf bedacht soln, nur produktive Kräfte zu v.er,- wenden, un<! sich möglichst von,allem fern zu hatten, was eine unnütze Belastung mit sich, bringen konnte. Auch der Uebergang zur rationellen intensiven Wirtschaftsform lless sich eher bei Jungen Leuten als bei der bereits erwachsenen Generationen durchführen. Endlich aber war cs auch bei der Jungen Generation viel leichter, das Vorarbcitcrcicmcnt heranzuzüchten, ohne ... ... .. , welches die P.L.D.C. schwerlich ihr System der Zenl.me Art Mittelding zwischen Outswlrtsclmftcn tralcii und Nchcngllter hiltto durchillhrcn können ,1 l.liizelwlrtsclmftcu stellen unsere ״Achwoh״-Ko. Vorarbeiter! Hs ehrt die P.L.D.C., diese Kategorie Mm11 ׳ vlar, Port taten sich diejenigen von unseren Arbeitern, die den in unserem Volksclmraktcr ruhenden Individualismus überwinden konnten und wollten, tu kollektivistischer Wirtschaftsform, einst Sicdlungsl gcnosscnschaft genannt, zusammen. Ja, erst die IM .P.C. bot auch diesen edlen Bestrebungen die M.iulichkcit der Realisierung. Schon dadurch, dass sic ein tüchtiges, geschultes, an eine stramme OrgaiiKitioti gewöhntes Arhcitcrelcmcnt schuf. Schon ikdialb. well die P.L.D.C. von der ersten Stunde Huer Entstehung an durch Entrichtung eines guten 11:;! allmählich wachsenden Lohnes Iden Arbeitern die Möglichkeit der Sclbstündlgmachung und somit de< selbständigen Vorgehens, der freien eigenen luttiniivc gegeben hat. Freilich. aAfzÄlilrctdriVuff' 'sind die Scharen jener, die mit dem Beruf des landwirtschaftliche» Arbiters vorlicb nahmen. Bedenken wir dlo Höhe, welche die Löhno des qualifizierten, bei der P.L.D.C. mißgebildeten landwirtschaftlichen Arbeiters seit Jahren erreicht haben, so wird uns die Neigung, im Arbcltcrstande zu verharren, weiter nicht Wunder nehmen. Ja, der Lohn des Arbeiters! Das Ist ein eigener Ruhmestitel der P.L.D.C.t Und ln der Abwesenheit des Herrn Bermann wird cs ja gewiss nicht als ein leeres Kompliment gedeutet werden, wenn ich sage: cs Ist unbestreitbar ein Verdienst des Herrn Bermann, dass die P.L.D.C. von Anfang an diesen ruhmvollen Weg betreten bat. Ich erinnere mich w״hl ganz genau der ersten Lohnabmachung, die Herr Bermann im Jahre 1908 mit den Arbeitern von Kinereth getroffen hat. Die ersten drei Monate, die Probezeit IQ, die Jahrcs-Arbcitcr, waren vergangen, und der Zeitpunkt war gekommen, mit den Jahres Arbeitern auch einen Jährlichen Kontrakt abzu schlicsscn. Als Lohn für das erste Arbeitsjahr 11» Kinereth scldug Herr Bermann vor: Kost, Logis, ln stnndhaltung der Wüsche, medizinische Hilfe, - IM) Fr. bar, Vj ha Weizen, ohne Abzug der Selbstkosten, ferner das Recht In der Outsherde ohne Ent , geh ein Stück Jungvieh und zwei Stück Kleinvieh gross zu ziehen. (Gelächter.) Sie lachen, mclno Herren, und wollen damit zum Ausdruck bringen, dass das' Jetzt als ein recht dürftiger Lohnsatz er scheint. Gewiss! Aber mancher von Ihnen wird siel» vielleicht noch erinnern, dass Herr Bermann dieses Lachen noch 25 Jahre zuvor, schon bei Jener Abmachung, vorausgesagt liat. Das ist nämlich das interessanteste, dass, so bescheiden uns Jetzt dieser Lohn erscheinen mag, — zu Jener Zeit war es der beste Lohn in Palästina! Tatsächlich wurde er auch debattclos von der Arbeiterschaft angenommen. Herr Bermann schloss die erste Abmachung! damals mit der scherzhaft-ernsten Bemerkung, er hoffe kn komtuenden Jahre selbst einen Streik zwecks Erhöhung der Löhne veranstalten zu können. Denn Ule technisch-wirtschaftlichen Tendenzen, von denen sich der erste Administrator der P.L.D.C. leiten Hess, waren durchaus auf Intensivierung der Arbeit gerichtet, und infolgedessen waren auch die damaligen niedrigen Löhne auf die Dauer nicht zu hallen, Intensivierung der Arbcltl Das bedeutete, von flclsslgcn Arbeitern, die In Westeuropa schon längst bekannt war, zuerst in Palästina geschaffen zu haben. Es verdient mit allem Nachdruck hervorgehoben zu werden, dass cs bei der P.L.D.C. nie und nlnuncr, zu keiner Zeit und bei keiner Feldarbeit Aufpasser gegeben hat. Diese schändlichste aller Kategorien, die In unserm schönen Vatcrlande so lange Ihr Unwesen getrieben hat, Ist bei unserer Ge- Seilschaft nie In Erscheinung getreten. Das Zutrauen, das wir In die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit unserer jüdischen Arbeiterschaft setzten, hot bald die besten׳ Früchte getragen. Es entstand eine Einmütigkeit zwischen Leitung' und Arbeiterschaft, wie sie überall herrschen sollte, aber nur selten vorkammt. Andererscits haben wir cs vom Anfang an darauf abgesehen, Vorarbeiter hcranzubildcn: Leute, die allo Arbeiten am besten beherrschen, mit ihren Kameraden gut auszukommen verstehen und auch für Instandhaltung von lebendem und totem Inventar Sinn haben. Sie ar beiten mit, gleich den anderen Arbeitern und erhalten eine Vergütung für gesteigerte Leistungen. Besonders bei der Einrichtung von Nebengütern kamen uns die Vorarbeiter zu statten. Wenn wir beispiclswcisc cinlgo hundert Hektar in der Nähe einer unserer Zentralen erwarben, so war cs nicht nötig, gleich mehrere massive Bauten nuf/.uführen; gemäss unseren klimatischen Verhältnissen genügte cs in den meisten Fällen, hölzerne Baracken hlnzustcilcn, dlo noch dazu den Vorteil bieten, dass sie leicht von einem Nehenguto auf das andere zu transportieren sind. Und ebenso war kein besonderer Administrator erforderlich. F.s genügen dazu dlo Vorarbeiter, welche die nötigen Anweisungen von der Zentrale erhalten und auch von dieser ab und zu beaufsichtigt werden. Sonntag früh ziehen unsere jungen Scharen frohen Mutes von der Zentrale auf eines der Nebenguter, um dann Freitag nachmittags zur Zentrale zurückzukehren. Den Sabbath verleben sie alle gemclnschaftllch In der Zentrale. Sic haben sich dann vieles zu erzählen, Heiteres und Belehrendes, Nach einer Woche emsigen Schaffens kommt der Tag der Ruhe, der Einkehr und der geistigen Erholung. Soli ich noch eben von diesen geistigen Erholungen und Vergnügungen sprechen, die die P.L.D.C. Im Vereine mit dem Ausschuss der Arbeiterschaft veranstaltet? All die sanitären Vorkehrungen und kulturellen Einrichtungen erwähnen, die den lüdischcn Namen In» ln- und Auslände so beliebt gemacht haben? So verlockend das auch sein mag,— mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde muss ich leider verzichten, darauf einzugehen. Hervorheben will Ich nur noch, dass auch der allgemeine Aufschwung der Agrikultur in unserem Vatcrlande wc- «entlieh der P.L.D.C. zu danken ist. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass der einzelne Landwirt sehr wenig für die Hebung seines edlen Berufes leisten kann. Er kann nicht Jede neue Maschine erproben und Jedes angeboteno Saatgut überprüfen. Das Ist Sache der üutswirtscliaftcn, resp. der Gesellschaften. Blicke ich aui die vergangenen 25 Jahre zurück, ן die im Zeichen der schweren Arbeit, aber ebenso auch im Zeichen des Erfolges standen, so erblicke ich das Geheimnis des Erfolges in der glückliehen Vereinigung der realen und Weise zu rechtfertigen, so wurde durch das Verhalten des Vorstandes bei der Generalversammlung, in der er mit keinem Worte die Haltung der Mugdanfreundo missbilligte und sogar in parteiischer Weise die Oppositlon zu unterdrücken suchte, die Existcnzbercchtigung des Vereins überhaupt In Frage gestellt. Unter solchen Umstünden Ist cs nach Ansicht des Referenten die Pflicht eines Jeden selbstbewussten Juden, falls der Vorstand sein Unrechtes Handeln nicht cinschc, einen energischen Strich zwischen sich und dem Verein zu ziehen. Der Korreferent Dr. W 11 k 0 w s k y wies darauf hin, dass man in diesem Falle nicht von einem vereinzelten Vorkommnis sprechen könne, vielmehr sei Uns Geschehene symptomatisch ihr den Geist, der im offiziellen Judentum herrsche. Pie sogen. ״Führer“, die in den grossen Jüdischen Organisationen sässen, stellten meisten den Uebergangstypus zum TaufJudentuni dar. Deshalb sei eine wahrhafte Liberalisierung und Modernisierung der deutschen Judculiclt notwendig. An der Stelle der Notabclu- Wirtschaft soll das lebendige Interesse der Jüdischen Masse treten. Diese Aufgabe habe der ״Neue lüdlschc Oamcindcvcrcin“ zu der sclnigen gemacht. In der Diskussion gab Professor ßlumcnthal zur allgemeinen Ucbcrraschung im Aufträge des Vor- Standes des Zcntralvcrcins die offizielle Erklärung ab, dass der Vorstand In seiner Mehrheit die Haftung des Herrn Löwinsohn und seiner Freunde nicht bllilgen könne und dass Prof. Landau, der die Ansicht des Vorstandes nicht teile, sein Amt, nlcdcrgcfogt babo. Weiterhin gab Prof. BI u m c nvf h all zu; dass der Zcntralvcrcin In dieser Angi'fCgenhcit Felder ge* macht habe, er hoffe aber, dass man nunmehr wieder einig sein werde im Kampfe für die Jüdischen Aufgaben, Die massvollcn und versöhnlichen Ausführungen ides Herrn Prof. Blumenthal wurden von der Ver- Sammlung mit grossem Beifall aufgenommen. Es darf mit Genugtuung konstatiert werden, dass der Zcntralvcrcin unter dem Drucke der öffentlichen Meinung zu einer Revision seiner Stellungnahme gcgcuUiicr der Mugdan-Affäre gekomem» Ist. Nicht zum mindesten gebührt das Verdienst für diesen bc. friedigenden Ausgang dem ״Neuen jüdischen Gemeindeverein", dem übrigens unsere Geslnnungsgcnosscn mehr Interesse cntgcgcnbrlngcn sollten, als cs bisher der Fall war. dass man nicht den damaligen arabischen Bauern und!dealen Grundsätze, die unsere Gesellschaft Landarbeiter als Muster und Vorbild zu betrachten hatte, das bedeutete, dass das Ziel der Bestrebungen nicht die Herabsetzung der Lebensanspräche, sondern dlo Erhöhung der Leistungsfähigkeit zu bilden hatte. Herr Bermann zog' die Parallele mit den Intensiven westeuropäischen oder amerikanischen landwirtschaft* liehen Arbeitern. Und die Jüdische Arbeiterschaft, die schon zu Jener Zelt von hohen ethischen und nationalcn Idealen getragen wurde, begriff schnell dlo Richtigkeit der neuen Ansichten und suchte sie bala in Wirklichkeit timzusetzen. ״Ich will wohl -״־ sagte Herr Bermann bei der erwähnten Abmachung zu den Arbeitern — ״Ich will wohl eure Physischo >1■ 1 geistige Kraft ausbeuten, ebenso wie Ich me ne c ::ne Kraft ausbeute. Aber njemal» werde eh euern Idealismus exploltleren. und darum werde icn von Anbeginn beseelten. Auch die Geschichte der P.L.D.C. Ist ein Beweis für die trostreiche Lehre, dass, wo ein klares Ziel und ein stahlfcstcr Wille vorhanden ist, leier endliche Erfolg nur eine Frage der Zeit Ist! Zentralverein und Gemeindevere'n Die Vorgänge in der letzten Generalversammlung des ״Zcntralvcrcins deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens“, dio in der vorigen Nummer der ״Jüdlsehen Rundschau“ bereits ausführlich besprochen wurden, hatten den rührigen ״Neuen Jüdischen Oemclndovercin“ veranlasst, noch einmal in breitester Öffentlichkeit zu diesen unerquicklichen Vorkomm- Der neue Schachmeister Der neue Jüdische Schachmeister Rubinstein, der Im Petersburger Wcltschachturnicr den ersten Preis mit Lasker teilen wird, wurde Im Jahre 1881 Im Städtchen Stawlsk (Oouv, Lomza, Russ.-Polcn), zwei Monate nach dem Tode seines Vaters geboren. Im Hause seiner armen Mutter hat er nur Elend und Entbehrungen gekannt. Er genoss eine echte Ghetto- Erziehung, besuchte den ״Cheder" und lernte fleissig Talmud und Hebräisch,! worin er grosse Kenntnisse erlangte. Seine Mutter übcrsiedcltc später nach Bialystok, und dort hatte der hinge Rubinstein Gelegenheit, In einem Jüdischen Lokal das Schachspiel zu erlernen, worin er bald grosse Gewandtheit zeigte. Vor einigen Jahren begab er sich nach Lodz, wo er anfangs in schrecklicher Armut lebte und mit fünf Kopeken täglich sein Dasein fristen musste. Er arbeitete sich Jedoch als glänzender Schachspieler empor. Voriges Jahr gewann er auch einen Match gegen den Weltmeister Marschall. Jetzt wird Rubinstein bereits als ״Schachkönig“ bezeichnet. _ J. L. ״ AUS ALLCR W6LT ״ Deutschland Ein Breslauer Möbelgeschäft, A. Kögel, Palm- Strasse 16, versendet einen Katalog, aui dessen Titel- Seite in grossem Sternpcldruck oben und unten der Vermerk zu lesen ist: ״An Juden wird nichts verkauft.“ Hin dortiger Jüdischer Kauf, mann, dem dieser Prospekt mit dem entsprechenden Aufdruck zu Händen gekommen war, hat sich nun ln das Geschäft begeben, dort einen Einkauf gemacht und dann an den Verkäufer die Frage gerichtet, ob er einen Katalog habe. Der Verkäufer leugnete, einen Katalog zu besitzen. Darauf wartete der Käufer mit seinem Exemplar des Kataioges auf und betonte seine Eigenschaft als Jude. Zunächst suchto der Verkäufer mit der Bemerkung: ״Das geniert n I c h t“, auszuweichen, dann aber entschloss er sich doch, sich zu seinem Geschäftsprinzip, an Juden nichts zu verkaufen, zu bekennen. Mut und tapferes Eintreten für ihre Prinzipien, weiut's an’! Geschäft geht — das war von Jeher eine starke Seite unserer Antisemiten!

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