Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651618--06294-2663373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
Seite MN. JUEDISCIIK RUNDSCHAU No. ii. Oer i ii 11 i א c 11 c G 0 11 c s ü i c 11 st war am vergangenen Donnerstag vor der fünften Strafkammer des Landet rielits Berlin I Gegenstand eingehender l'.rörtcruug. Pie hiesige jililisehe Gemeinde 11er Chassldm die nicht als Religioiisuemeiiusohaft im Sinne des Stnatsgesetzes, sondern nur als privater Rcligiousyerein angesehen wird, liattle einen Ans- )ander vörhetcu lassen. Per Staatsanwalt hatte Keelatibt, dass dieser Vnrhetcr ein fest Amresteliter sei mul da das (Jesetz eine Mcamtnmr von Ansliinderu im religiösen Knltnsdienste verbietet, gegen den Roligionsvercin eine Strafe von (»0 Mk. hcuulragt. ln der Verliamlliim: wurde erwiesen, dass der Vorbeter iedocli nicht als Menmtcr Im Sinne des Gesetzes v.w beurteilen sei. und demgemäss Spruch das (lerielit die (lemeimle frei. Russland Pie Ausweisungen von .Inden ans den Pöri'ern und Städten ausserhalb des Ansiedlmigs-Ravons dauern nmmterbroelien fort. Pie lihtralcn Duma-Abgeordneten. insbesondere auch die indischen Abgcordneten N i s s 0 I o w i t s c 11 mul 1’’ r i e d m a n n werden niianfliörlieli mit Briefen überschwemmt, in denen die armen Ausgcwiesaien um Hilfe und Fiirspräche hei der Regierung l>ittcn. Indessen hat auch die Intervention der Puma-Mitglieder mir seilen einen Hriolgzu verzeichnen und in den meisten ballen bleibt den mit dem Ausweisungsbefehl Bedachten nichts w eiter tibrivr. als ihr Bündel zu schnüren. Pie Auswanderung 11 a c 11 A m c 1׳ i k a . die eine Zeit lang iniolge der amerikanischen Krisis etwas zunlckgegangen war. ist denn auch bereits wieder im Steigen, obwohl sich die Verhältnisse in Amerika noch keines- \ues sehr gebessert!iahen. « In der ökonomischen kaue der Juden hu Aiisiedhmgsravon, inschsoudvre in k'ussiseli-l'olen. vollzieht sielt seit dem ״tirwaclieu des rnssischeu Volkes" ein ernster Wandel, durch den die ohnehin traurigen wirtschaitlkhen Verhältnisse der russischen .Inden sieh noch trostloser gestalten lind den Charakter einer c h r o 11 i s c 11 e n K 1' i s i s;imielimeii. Zu der völligen Untrechtung und dem polnischen .Imleuhass tritt der organisierte d k o 11 o in i s c 11 e A n t i s e in i t i s - nt ns hinzu, der sieh in allen (ioiivcrnements. wo .luden wohnen dürfen, immer mehr ausbreitet und planmüssig und systematisch betriehen wird,!n allen Städten und Doriern liildeii sieh christliche Konsumgenossenschaften mit eigenen Petuilgeseluifteu, in denen die christliche Bevölkerung ihre Lebensmiltel einkumt. Pie Parole dieser Genossenschaften lautet: ״Kauft nicht bei ,Inden!" und wird vornehmlich von den cimhissrcichcn k a 111 o I i - sehen ti e i s 11 i c 11 e 11 genrediut, die auch die Haupiorganisatoreu dieser ganzen Bewegung sind. Pie Juden können mit den christlichen (ivnosseuschuften um so schwerer konkurrieren, als diese V o 11 de r R e g i c r 11 n g d 111 e 11 B e f r e i 11 n g v o 11 •Jeder Steuer unterstiitzt werden und dadurch in der Laue sind, die Waren zu den niedrigsten I*reisen zu verkanten, hie russische k’egicruug ist eben ״•tpicrireudig", wenn es gilt, llundcrttaiiscndc , von jüdischen I:\1ste11zu1 zu ruinieren. Und so blieben alle jiidischerseits bei der Negierung gemachlen Vorstellungen wegen der Nielithestcueriiiig der ־christlichen Konsumgenossenschaften ohne jeden Lrfolg. Diese lialieu eine einheitliche Organisation um! werden von grossen Zentralen aus mit einer ..Hingchurie" geleitet, die <kr ..christlichen Nächstenliebe" idle l'.lire machen würde, wenn sie einem besseren Zwecke gedient h:1U׳. Per immer weiter am sich greifende Boykott der Indischen (icschiiitc verändert völlig die ökonomische Struktur im indischen Davon. Pie ,Inden haben sich hier bekannt lieh bisher grösstenteils auf dem Bändels- und Ocscliäftsgcliiet betätigt, das ihnen jetzt aber fast Willig entrissen ist. Sie sind nun meist gezwungen, sich den Handwerken zuzti* wendet, um nach den inneren russischen (iouverucmeiits nberzusicdeln. (Jüdische Handwerker haben das Wohnrecht in ganz Russland.) Line solche gäm׳.- liehe Aeiidertimg im ökonomischen Status bedeutet zwar eine liefe wirtschaftliche und psychische Frselilittermig -- scheint aber doch der einzige Ausweg fiir die unglücklichen russischen .lud1׳.׳t. Und es ist Aufgabe der liier tätigen jüdischen philantropisehen Organisationen, insbesondere der JCA, diesen schweren Uebergang zu erleichtern mul i 111־ e ganze Wirksamkeit der Ver b reit u ״ g d c s 11 a n d w c r k s unter den Juden i n Russin n d z u w i d m e n. (os.) Pie• Petersburger Zentralleitung des ״Verbandes des russischen Volkes" hat vor einiger Zeit an .sämtliche l'rovinzyercine ein Gchclmzirkulnr versendet, über dessen Inhalt strengstes Stillschweigen beobachtet wurde. Wie die ״Russkoje Slowo1' aus siciiercr Quelle erfährt, hat der Vcrhandslcitcr hi diesem Zirkular die FÜialvcreine auigefordert, die Km m p f u b t e i hi n g e n wieder z.וו o r g a n I s i e r e n . du w ic h t i g c I', r c l g n i s s c bevor- Stände n. — Sollen e w׳ u neue Juden* P ״ g r o m e organisiert werde 11? * ln Kutna hat-die Militärverwaltung den Sol- Oatcn verboten. In den in der Nähe der Kasernen befindiiehen indischen Ocschäftcn Waren cinztikuufcn.! Fine besondere Wache ist lieauftragt worden, die N1hlat־׳n zu beaufsichtigen, dass sic dieses Verbot nicht iih'riieton, das ihnen sehr ungelegen ist. da sie ’•! den 'ädk'Chcn Beschilften gute Waren und auch Kredit erhalten haben. Per Boykott von jüdischen (Jeschäften scheint auch in den ״Reorgaiiisicriingsplnn" der russischen Militärverwaltung lihieiiiziigchürcn. Und da zur strengen Durchführung dieser ״Reform" besondere Wachen nötig sind, verstellt mau das Widerstreben det russischen IIe־e1׳osloit1111gtgegc11 eine Herabsetzung der Pricdenspriisenz. — — ä (os.) 111 M i n s k sind die ״echtrusslsclicn" Kandidaten bei den Waiden zur Stadt-Puma glänzend diirehgefalleii, Pie gesamte Liste der uuparteiiscliprogressiven druppc vereinigte auf sieh die überwiegende Stimmenmehrheit. Auch die mit den ״V e r 1י ii udler 11" p a k t i e r e 11 d e n I* o I e 11 fielen durch! Minsk galt bisher als eine der Moelibiirgor der .,Schwarzen Hundert". Finnland Pie Kommission. die im Mai FW mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über das Wohnrecht der ,luden In Finnland beauitragt worden war. hat in diesen Tagen ihre Arbeiten vollendet. Per l'.ntwun zerfällt in drei Teile: 1. Pas Recht der Juden, in das finitl'iudische Staatsbiirgerreeht anigenonmieu zu werden. Pas Wohnrecht der .luden in Finnlauü. .זי. Verschiedene F.rgünzungshestinuiumgeii, — Nach den neuen Bestimmungen, wenn sie Gesetz werden sollten, müssen alle I u d c n, die in!״'imilaiid wohnen und die Absicht Italien, länger als drei Monate dort zu bleiben beim Gouverneur mit eine Urlaubnis dazu einkommen. Per Gouverneur hat das Recht, eine Aufenthaltserlaubnis bis zu sechs Monaten zu erteilen, Für eine längere Aufeiitliahsbewilligiiiig bedarf es der Zustimmung derienigen Gemeinde bezw. Polizeibehörde. in deren Bezirk der betreffende Jude wohnt. Auch in diesem Falle aber kann die Hrlaulmis stets nur fiir 11 ü c ii s t e n s e i 11 .1 a 111׳ gelten, Piejenigeu .luden die nicht fimiläiuliselie Staatsbürger sind, können nur in den Städten eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Ligenai tige!Tcilieilsbegriffe sind es in der Tal. die die mit soviel larmoyantem Getue um ihre F'reiheil ringenden I*innl;i1111cr fiir andere zur Anwendung bringen. Wie w/ir's wohl, wenn einmal in einem anderen Laude die Herren Finnländer so belumdcit würden? .... Oesterreich Pie N'mnur.v II du' Prager likliselien Wochenschrift ..Selbslwehr" vom 12. Marz ist von der S t a a t s a 11 w a 11 s e 11 a 1 t l> e s e h I a g 11 a 11 tu t worden. Pie Konfiskation erfolgte wegen Abdrucks eines Artikels des Wiener Hof. mul Gc1׳icl1tsudv> Katen Pr. i'riedrich 1:1 Im» ge 11 ans der ..Sonn- und Montagszeilimg", den die Wiener Prcssbchördc ausiandshis hatte passieren lassen. In dem Artikel ״K e i n v w i e 111 i g e 11 (J1־ Ii 11 d e". ein Hpilog zur Affäre llllsner, w ar das Vorgehen des Kreisgcrichtcs Pi sek einer scharfen Kritik tiiilerzngen worden, Welches das von Pr. ]!llmgcn an den Kaiser überreichte Gnadengesuch ztiriickgcw ieseu hatte, ..weil keine wichtigen üriimle für die Nachsicht der Strafe vorliegen.‘• Frankreich rechtlichen mul sozialen Verhältnisse der Juden in der Schweiz nicht mein erschienen. Und doch killen in die 150 Jahre seit dem Hrsclieiuea des genannten Buches aitcli für die Juden der Schweiz eine grosse Reihe wichtiger Ureiguissc. u. a. das ihrer Hmanzu patiou. die. wie noch wenig bekannt ist. eine recht eigenartige Bntstclitmgsursache hat. Nun wollen auch die schweizer Juden anfangen. all das in den mannigfaltigsten Veröffentlichungen, in den Prot״, kolleu der gesetzgebenden, ndministrativen und riehterlichcn Behörden, in Jahresberichten historischer Vereine, in Abhandlungen statistischer, geogranhischer, volkswirtschaftlicher Natur, ja sogar in protcstnntischen und katholischen Zeitschriften verstreute Material zu sammeln und vielleicht zu einer systematischen Geschichte der Juden in der Sc 1: w e i z ausziibaucn, In dem Züricher ״Israelitischen Wochenblatt" erlässt der Präsident des schweizerischen Auswanderungs-Amtes Dreifass in Bern einen Aufruf zur Gründung einer Ge- Seilschaft, die sich die Schaffung einer solchen Geschielite zur Aufgabe setzen soll. Pein Aufruf ist im allgemeinen Interesse der Beste Erfolg zu wünschen, und cs ist zu hoffen, dass sowohl indische wie nichtjüdische Kreise in der Schweiz sieh lebhaft fiir die Gesellschaft interessieren werden׳ Türkei Pic nationalen Gegensätze der im osmanisehea Reiche vereinten Völker, welche im ersten konstmitionelleu Verbriiderimgstatmiel begraben schienen, beginnen bereits sich von neuem zu regen, noch I׳.•- vor das junge Parlament in das Stadium gesetzgeb׳.•- risclter Tätigkeit getreten ist: Zwei Interessengruppen sind es. deren Zwistigkeiten den l'remulen eines ein!- gen osmaiiisclii u Reiches noch manche Nuss zu knacken geben mögen, auf der einen Seite iene \ol• kerschaitcn. die entweder nach eigener nationaler Autonomie und Loslösung von der Türkei streben oder ihre partikularistisehen Bestrebungen in Anieliinnig an ein iiiehlliirkisches Mutterland zu verwirkliehen trachten mul andererseits jene Völker, die ihr Heil im Wohly des gemeinsamen osinaniseheii Reiches sehen und entschlossen sind, nach Besten Kräften an der Wahrung der Reiehseiiilieit mitziiw irkcn. In Saloniki luilten sich nun zum ersten Mal die Griechen im Kample gegen die komitee-treuen .luden des mo. ilernen Kampfmittels, des wirtschaftlichen Boykotts bedient, selbstverständlich nicht ohne auf indischer Seite <iegaimassregeln hcrvorzuriifen, Bilden di־.• .luden auch *.,ic Majorität der Salonmiicr Bevölkerung, so macht der Rückhalt. den die Griechen in ihrem eigenen Mutterhmde finden, dieselben doch zu ge* führliehcu Gegnern. Pie Sympathien der Jungtiirkeii befinden sieh in diesem Kampfe natürlich auf Seiten der Juden und finden in ,len Prcssorgaiuu der Recicrimg lebhaften Ausdruck. Wie verlautet, sind die angesehenen Juden Salonikis damit beschäftigt, ein eigenes Bankinstitut ins!.eben zu rufen, und wollen sieh au die Zionistischen Bankinstitute in London Ucwish Colonial Trust) zwecks Unterstützung ihres Vorhabens wenden. PALAe5TINA־RUNDSCHAU Aus Paris lässt s'cli die ״Peilt sehe Tages- Zeitung", das nie111•: 1111ise 111 itisclic Agraricrhlatt, schreiben: ״Pas Ziviltribitmd der Seine hat Alfred 1) re.vf 11s mit seiner Eiuschädjgung.sklagc gegen zwei Pariser Blätter, die die ihm unangenehme (icwohnlich haben, ilnt noch weiter als den ״Ver- 1' ä t e r“ zu bezeichnen, nhgewieseu. l!r verlangte bekanntlich die Verurteilung der beiden Zeitungen zu einem Schadenersatz von nur •bin min l׳‘res. 11ml wollte das ihm günstige Urteil in niil) Zeitungen veröffaitlieht sehen. Pas Ziviluähmud bat. sieh aber als U\- kompetent erklärt und hat Herrn Preyfus angewiesen, sich mit seiner Klage au das Schwurgericht zu wenden, was• aber der einstige Hauptmuim nicht will. Auf den Ausspruch der Volksrichter, ob mau ihn als einen Verräter bezeichnen darf, ist er nicht neugierig." Pas Interesse der nielitaiitisemitisclien Zeitung für Alfred Preyfus ist in holieiu Grade chruktcristisch. Wir möchten das Blatt nur eines iragen: Was wäre bewiesen, wenn Preyfus wirklich ein Verräter wäre? Würde das in e 11 r beweisen, als dass einmal ein Jude tat, was hundert arische und eliristlieho Schufte ihm vorgemacht Italien? U. A. w. g.l Schweiz _ Seit der im Jahre I7(i׳s in Basel erschienenen ״Sammlung' jüdischer Geschichten, welche sich mit diesem Volk in dem XIII, und folgenden Jahrhunderten (bis uni MDCCI.X) in der Schweiz zugetragen", die von dem Züricher Pfarrer Johann Kaspar Ulrich herausgegeben wurde. Ist. wie die ״N. J. K." schreibt, eine zusammenhängende Darstellung der politischen י Die!*resse In Jerusalem l'.s zeigen sieh hier auch wenig erfreuliche Früchte der neuen Ordnung, Pie Prcssfrcihcit hat die Grün- *.hing von mehreren neuen jüdischen Blättern criimglieht. Von diesen neuen Zeitungen sind auch einige im .sephardischvu (snanioliselien) mul deutschen ,1 a i'gon, Fis ist sehr bedauerlich, dass die Sprachen- Verwirrung, die bis jetzt unter den hiesigen Juden nur im I. e b e 11 herrschte, - die literarische Spruche war ausschliesslich die hebräische! - nunmehr auch in die Literatur ,und I*resse cinreissen wird. Pie s 1׳ r a e 1111 c 11 e F i 1111 e i l der tui l ü s 1 i u i s c U e » .111 de nlic it ist eine unbedingte Voraussetzung fiir ihre Konsolidierung und ihren geistigen Zusammen- Schluss, F.s stellt zu hoffen, dass die hiesigen .luden zu dieser Frkenutnis gelangen und ihre Bestrebungen darauf richten werden, die hebräische N.itionalsprache zu ihrer literarischen mal Umgangssprache zu machen! — l. , 7 ' , K!1•jben sieh vor kurzem zehn wohlhabende jüdische Familien niedergelassen. -- In Galiläa sind i׳n Linie dieses Winters mehr als liiimlcrt indische Arbeiter liuizuuckoiittiicn -- Pie vor anderthalb Jahren in Haifa begründete Bi hl in. t h c k ״Jeschuriui". welche vom Odessuer Palästinakoiuitcc unterstützt wird, entwickelt sich immer »teil־ und erfreut sich eines grossen Zuspruchs: sic leidet icdncli au Hiiohcrinaiigcl. Der palästinische B ü c h e r v e r I a g ..Aclidoth" ■f?cr.flts ־'e.‘״c. Tätigkeit begonnen. Seine erste I ublikation ist ein populäre Schrift in hebräischer Sprache ״Was ist Freiheit?" — I'