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Jüdische Rundschau · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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H f <1 Mi, Seite 136, JU ED ISCHE RUNDSCHAU No. 12. jenen Gütern, die sielt von unserer Gesellschaft losgclöst und sieh im Sinne Oppenheimers als Sicdluugagaio.sseiiscliaffen organisiert haben; mich jene Güter nicht iiiitgcieelmet, die von unserer Gesellschaft in Kultur gesetzt wurden und nachher in den Dcsltx wohlhabender Volksgenossen Übergingen. Unser Werk wuchs von Jahr zu Jahr, und was nicht minder wichtig ist: es wies den anderen Kolöiiisatloiisgesollschaden neue Wege zur Erreichung des gemeinsamen Ziels: Schaffung eines in seinem historischen Hei• inatslunde Ackerbau treibenden jüdischen Volkes, eines jüdischen Hauern• und!landwirtschaftlichen Arbeiterstamms. Nun, hochverehrte Versammln!!(;, In _ der kurzen Summe Zeh, die mir für meinen Ucberhliek zur Verfügung stellt, kam! cs unmöglich meine Aufgabe sein, die!•'raue ״Wie ist das gekommen?״ allseitig erschöpfend zu heantworten. Jeder liistorische Vorgang ist so vielseitig und kompliziert, dass seine wissenschaftliche Aufhellung' dickleibige Hände erforderlich macht. Was liätte 2. 13. in unserem Halle all die Weisheit der Initiatoren der P.L.D.C., der War- ׳ hur(,׳. Kuppln und Hermann genutzt, j■/־ wenn nicht bei der Entstellung der Ge- .׳ Seilschaft buchs ein Arbeiterelemcnt!•' vorhanden gewesen wäre, wie cs tat•! sächlich In ״Mapoel Hazair" und ״Po- ’{* ale-Ziou" organisiert war? Oder wer kann mit Sicheriicit behaupten, dass fijןeH o] 111 e. ,0ie'Neugestaltung des osma. ׳. jiisc!1{11 Kc?aH!־s-, ,||1y1'cl)0n(;1lls I90S«. folgte, die P.L.D.C. so schnell ihre Ziele '־. erreicht hätte? — Wenn also die vor• 1 schicJciisten Faktoren an dem Gelingen unseres Werkes ihren Anteil haben, so muss ich mich in meiner kurzen Rede darauf beschränken, sozusagen seine treibende Idee, wenigstens in grossen Umrissen darz.ustellcn. Mene liehen Freunde I Wenn wir unserer Ge- Seilschaft gerecht werden wollen, müssen wir uns der Zeit erinnern, io der sie in die Erscheinung trat. Heute weiss ein jedes Schulkind, was Pa• jiistina wirtschaftlich bedeutet. Aber um das Jahr 1908, zur Zeit der Einstellung der P.L.D.C., war es ja wesentlich anders. Zu lener,,Zeit .war,!.unser, schönes Vaterland dem Gros der Judeiihcit das hei- 11 g c Land und seihst den Zionisten nicht ' viel mehr als ■das Land ihrer Sehnsucht und ihrer billigen Träume, aber noch lange nicht das Land einer realen Gegenwart und Zukunft. Leb• haft erinnere ich niieli noch meiner ersten Tournee, die ich im Interesse der P.L.D.C. im Winter 1908 in Ocstcrrcich-Ungarn unternommen habe. Wohin immer mich mein Weg iiihrtc, stets hörte ich diesclben Lieder von missiiingeiien Unternehmungen, von Krach und Hankcrott. Und als ich auf Grund pcrsöiilieber Erfahrungen den Leuten zurief: ״Aber warum seid Ihr denn solche!! /jcr|),1׳rn1lichcn Schafsköpfc? Warum macht Ihr denn!solche dummdreisten Oeschäfte? Warum legt Ihr denn nicht lieber in Palästina Manclclhauin• oder Oelbaumplantagcn an? Der Boden von Palästina ist ein treuer Schuldner. Er hat noch nie bankerott!gemacht. Er zahlt treulich seine Zinsen mul Zinseszinsen an Kinder und Kindeskinder. Eine Oclbaumplantagc ist eine Assekuranz für Generationell, »nd besser früher denn späterI“ — Als ich so zu den aus ihrer Lethargie Aufgestörteii spräcill, da wurde ich von Ihnen als ein.fremdländisches Qcspenst augestarrt und fand durchaus kein Verständnis. Absolut kein Wunderl Jahrhunderte war ihnen unser Land identisch mit Kotei Maurubi, mit dem Grab des Rabi Meier Baal Huucs, und wie sollten sie sieh nun vorstcllen, dass In diesem Lande, rein kaufmännisch gesprochen, ״viel zu holen" sei? Es mussten zuerst grossartige, augenfällige Erscheinungen sichtbar werden, bis sich die gesamte Judenhcit zu einer besseret» Kenntnis Palästinas durchringen konnte. ׳ musste man die Familien ,*.rp■■ •••*•■♦*י ■״*־ ■,•*״*״ •%■>«•«־ .'׳■ •*• ׳י— ׳־•* ־״״* ־ ״ ׳״ /, ,׳ ■>׳•-, f ' ■ /׳, r t ״V, Dlo ortto Farm dor P, L. D. C, In Kfnareth am Tlberlas-8eo Und eine solche Erscheinung par excclleiice war die P.L.D.C. - Damit ich cs gleich klipp und klar sage: Das Neue in unserer Gesellschaft war, d a ss wir — z 11 m Unter s e 11 i e d c von der JCA, vom Esra und anderen Kolonisationsgcscllsc haften — ein für alle Male mit d « m System der p b 1 (a n 111 r 0 p 1 - sehen, h a r in h e r z i g e n Kolonisation brachen, d a s s wir k o 11 s e q 11 e 111 und unerbittlich die kaufmännische Kolo. 11 i s a t i 0 11 proklamierte 11. Mit anderen Worteil: dass wir uns als Erwerbs gesell, schuft konstituiert hnheuf Jüdisches Geld für palästinische Kolonisation nicht als Almosen, auch nicht als Nationalstcuer, sondern als Kapitalanlage für die Gebenden — das war das hauptsächlich Neue, das Umwälzende unserer Gesellschaft. Neu waren aber auch alle die Methoden, die wir nnwaudtcu. Zunächst bähen wir im Vorhinein verzichtet, Kolonien zu gründen". Einer der Hauptfehler der früheren Ko• Ionisation war es. dass sie, gleich wie aus einem höheren Willen heraus, willkürlich ״Kolonien", Dörfer und Stiidte gründen wollte. Natürlich schienen dafür Familien geeigneter als junge, ledige und arbeitstüchtige Männer, und was noch schlimmer war: in ,. ' .11* >• den allermeisten 1'Fällen bis zur ersten Ernte ״ausl.alten", und so begann üiC Scluiorrerci sich gleich heimisch zu machen. Die Erist bis ׳ zur nächsten Ernte wurde gar vielfach ausgedehnt. Was Wunder, dass ein solches System mit grossen Mitteln gar wenig erreichte? — Wir räumten auch mit diesen» System auf. Wir waren ja ciuo Development*, eine Lntwick* lungs-Qesollschaft! Entwickeln nicht willkürlich und von oben herab Kolonien dekretieren. Wir hatten nutürlieh nichts dagegen, ja wir sahen cs sogar gern, wenn aus unseren Anlagen Kolonien, Dörfer und Städte hervorgingen. .״Gemacht'‘ haben wir dergleichen nicht I Wir richteten und richten zunächst Güter, richtiger Zentralgüter ein. Die Entstehung' unserer ersten Zentrale ״Kincrctli" ist ja charakteristisch fiir alle andern. Dank der unermüdlichen Arheit des Herrn Berniann war Kincretli schon zu Ende des Jahres 1909 so weit eingerichtet, dass er in dem darauf f״|* geuden Jahre sich nicht mehr ausschliesslich mit diesem Gute zu bcschüftigen brauchte und au die Einriehtung einiger Nebengüter schreiten konnte. Zugleich hatte sich in den auderthalb Jahren 1908 bis 1909 ein gesehultes V o r a r b e i t c r c 1 c in c 111 lierausgebildet. dem mau getrost bei einiger Heauisiehtlgung die Arbeiten in den Nehcngiitcrn überlassen konnte. Seho.n i!| dicse1pfkJcinfiul(Anfang jag•!,0• reits der Keim des ״Zentralen“ — Systems, das fiir das Wirken der P.L.D.C. von so grosser Bedeutung wurde. Natiirlieh verringerte ein solches System ungemein die Admiuistrntionskostcn, was fiir die Erzielung von Divi• deiulen von bestem Einfluss war, erreichten die Dividenden erst dann ihre Hülie, als wir zu intensiveren Kulturen j % •־ #• ••y* 1 ... . *. - . ,v Ereilicl respektable wie Baumwolle und Zuckerrohr übergingen, oder au anderen Stellen unsere Weinberge und unsere Baum• Plantagen ertragsfähig wurden. Als aber sozusagen die ersten fetten Dividenden zur Auszahlung gelangten, da wurden wir mit einem Schlage kreditfähig. Ja wir wurden geradezu umworben vom. Jüdischen und niehtjiidisehen Kapital — von jenem in t ernationalen G r 0 s s k a p i t a 1, das noch jc t zt wi c daz 11 ina 1 dort in Hülle und Hülle zu haben ist, wo einmal eine gute Verzinsung evident erwiesen ist. Von diesem Zeitpunkte an war die Errichtung der weiteren Zentralen nicht mehr eine Frage des Kapitals, sondern blos eine Frage der Technik und des Men• schciimaterials. Die Errichtung der weiteren 31 Zentralen, die in immer kürzer werdenden Intervallen erfolgen konnte, bewies, dass aneli diese Fragen keine un- Ubcrwiudliclicn Schwierigkeiten boten.״ Da wir eine ürwcrhsgcselisehaft waren,(sy hatten wir nichts dagegen, wenn nach und nach bemittelte Volksgenossen kamen, um uns das eine oder andere Nchciigut hei angemessenem Verdienst abzukaufen• In Europa kam» jeder Landwirt, der genügendes Kv pital hat, zu jeder Stunde eine Qutswirtschaft von näher treten. ״l.ca," sagte er ganz flüsternd, ״meine ׳läge sind gezählt, bald werde ich vor Gott stehen!“ — Lea war kreidebleich geworden, aber si>;• suchte sich zu beruhigen und sagte gepresst: ״Nicht doch. Salomon, hege nicht solche düstere Gedanken! Du lästerst Oottl Gott wird helfen l" — ״Lass mich 7a» Lude reden,“ unterbrach er. ״Wenn ich tot bin, Lea, so traurc nicht! . . . eine schwere Last wird durch meinen Tod von dir und den Kindern genominell sein. . . Euch wird der Ertrag deines Handels hinEeichen . . . Sei getrost, Gott *ist ein Vater der Waisen und ein Richter den Witwen, er wird euch nicht vcrllasscn!“ Lea konnte sich nicht länger beherrschen, einen Trüncns'ti-öm brach aus ihren Augen. Da kam der Arzt und beruhigte ahn, dass die heutige sonderbare Schwäche ein Symptom der Besserung sei . . . Aber draussen erklärte er der Frau, dass der Kranke in Lebensgefahr schwebe ... er benötigte eine kräftige Weinsuppe, um sich etwas zu stärken. Er riet ihr, sich an den Vorsteher dor ״Bikkur-Cholim“ zu wenden .... W4c konnte sie sich dazu cntschlicsscn? Seit anderthalb Jahren ist der Mann nicht aus dem Bette gekommen, und sie hat bisher keine Unterstützung für seine Pflege angenommen. Sollte sie heute den Vorsatz brechen? Der Wein ist zwar sehr nötig, aber wie kann sic das? Zeit ihres Lebens hat sic ja nie eine Untcrstiizung angenommen, sie kann keine Unterstützung annehmen, besser der Tod als betteln . , . Nein! beschloss sie fest, Gott wird schon helfen müssen, aber die öffentliehe Wohltätigkeit will sic nicht in Anspruch nehmen; auf dem Markte wird Ihr Gott gute Kunden schicken, und sic wird den Wein für eignes Geld kaufen . . . Aber mm sitzt sie schon mehr als eine Stunde zwischen ihrtm zwei Körben und hat erst sechs Kopeken gelöst. Die Kinder sind hungrig, auch Salomon wünscht gewiss eine Erquickung, und in der Stube ist nichts. Der Wein, ja, der würde ihn gewiss laben . . . Sic sitzt liier, und wie sehr möchte sic letzt zu Hause sein, um nachzusclicn, wie's ihm geht, wie möchte sic bei ihm weilen, aber sie muss ja hier sitzen, auf Losung harren. ״Barmherziger Vater!“ jammerte es in!ihrer Seele. ״Warum strafst du uns so hart? Warum schüttest du auf uns deinen ganzen Zorn aus? Wenn du von mir dein Antlitz gewendet hast, warum Ist dein Erbarmen von meinem Maime, der doch ein wahrer Heiliger ist, gewichen? Und was haben meine zwei kleinen Würmer verschuldet? Der Maggid hat zwar In seiner Predigt gesagt, dass diese Welt den Sündern Vorbehalten sei. da sie an der zukünftigen Welt keinen Anteil haben; dagegen müssen die Frommen in Kummer durch diese Welt gehen, um dafür •in der zukünftigen die Glückseligkeit zu gcnicssen. Auch mein Salomon pflegte mir das immer zu sagen. Aber, auch diese Welt ist ja e>me Welt, und cs »st bitter darin so viel Leid zu tragen, so viel Not und Kummer zu erdulden . .. Ich begehre ja keinen Reichtum, keinen Uebcrfiuss, nur das trockene Brot fiir meinen Manu und meine Kinder, sogar mit der Armut würde ich zufrieden sein, wenn nur mein Mann, gesund wäre.“ 1 V״Üa.*M crklan« Plötzlich die rauhe Stimme des Wächters, der seine Hand auf ihre Schulter geigt hatte, ״Lea, geh nur, sammle für mich die paar Groschen, wfe gewöhnlich 1 Zwanzig seid 7wV? v-Lb1״!ngrc m r ~icrzi{r Kopeken. Hörst du? Zwei Kopeken vom Stück.“ G^ldb'khCUt° n°cl^S ZwdmafhSatWcr heute• Ä״Ä g«,״••״״**il1f (Fortsetzung folgt.) :. 1 :!

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