Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite l.M. J U EDISCHF RUNDSCH AU. N״. I. Mau mag die Wirtschaftspolitik eines Mose als seiner Zeit entsprechend anerkennen, wir werden sie für uns nicht mehr akzeptieren dürfen. Aber die Arheitspolitik, die keine Klassengegensätze wünscht, die l'ricdc und P.intrnelit für alle Kreise des Volkes Karantiwren will, sie kann uns manche» wertvolle» Fingerzeig bieten. Hie moderne Arbeite! imlitjk fordert atisj׳lefel1cndo Gerechtigkeit; sic kau» nicht nur durch die Gesamt* heit, sie muss auch durch den einzelnen Unternehmer betätigt werden. Wer als Arbeitgeber drüben im ge• Joblcn J.andc wirkt, der möge dies bedenken, denn! mir wenn alle Keleincntc des Volkes Zufriedenheit! atmen, dann haben wir den rechten Weg erwählt. Die Juden in Westfalen*) Von lierrii Rabbiner Dr, F. C ob lenz •Diele* 1‘eld erli.iileu wir folgende Zuschrift: Herr Dr. Jacob hat auf meine zur Abwehr gcseliriehene Broschüre mit einer Gegenschrift geantwartet, die fast mir persönliche Aiiwiin'e enthält. Ton und Inhalt der Schrift schlossen eine Krwidcnmg von meiner Seite aus. Ich kann um so eher darauf Ncrzichtc’i, als die Oefi'entlichkeit bereits das Urteil besprochen hat. Nur zwei Schriftstücke 11er Herren!,rofesMiren Ko 11 in und Kautz seit muss ich zur weitere 11 K c 1111 z e i e!1111111 ir d c r \V a 11 r 11 e i t s I i e b e I a c o b s noch voröffentlichen. Ich hatte aus der Kritik Prof. Königs ihrer den Jacolisclieu ״Pentateuch" in!!•einer Hroseliüre einen 1׳ a n z en, f ii r .1 a e 0 11 r e 0111 11 n g li n s t i g I!1111 e 11 d c n A b s 0 1111 i 11 ahgedrnekt. Darauf antwortet Jacob Seite 7 seiner Gegenschrift: י Dieser Professor König war nämlich sehr erbost; darüber, dass ich iiiu in meinem ״Pentateuch״ l nicht so ״ft zitiert habe, wie er wünschte. Aber! Herr C. bat in seiner - wie soll ich gleich j sagen? in seiner Wahrheitsliebe ..vergessen•• j 1u,tz11lei!v11, dass der Herausgeber der ״Studien ' und Kritiken•*, Professor Kautzsch, ausdrücklich 11')•»(, s. 4M) sein Hcdaaern ausgesprochen hat. dass er den mu׳crcchtc1t Vorwurf Königs geduldet hat. und dass ich ferner Herrn Prof. König in der ..Zeitschrift filr den evang. Rcligionsunterlicht" (l07״ S, ,102) nnoligcwiescn habe, dass ich •gerade gegen ihn mit fast übertriebener Gcwi.iseiiliaüickc't verfahren hin. Um nämlich seiner etwaigen Priorität in einer gewissen ),rage, in der ich eine wichtige ),.ntüeckung gemacht zu halicii glaube, nicht zu nahe zu treten, habe ich. nachdem ich seine Schriften vergebens darauihin nachgesehcn hatte, noch extra brieflich angefragt, ob er sich über die bewusste Präge vielleicht an einer mir unbekannt gebliebenen Stelle ausgesprochen habe (was er verneinte). Nach dieser Krinncruug bat denn auch Prof. König einen ganz anderen Ton angeschlagen. — Mit diesen Behauptungen Jacobs vergleiche man die Darstellung, die nur die Herren Professoren König *') Vgl. .,Jüdische Rundschau". No. (i, No. 7, No. 8. — Wir glauben, diese Auseinandersetzung, deren Präludien ia in der gesamten indischen OeffeitU liehkeit grosses Aufsehen erregten, unseren I.escrn nicht vorenthahen zu sollen, obwohl der Inhalt der beiden Schriftstücke nicht recht In den Rahmen tutserös Blattes passt. — Red. d. ,.J. R." und Kautzsch für die ()Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Herr Professor König schreibt: Herr Dr. Jacob hält sich ״Iso immer noch nicht für zu gut. die gemeine Verdächtigung gegen nileli zu schleudern, als sei ich gegen ihn ..erbost gewesen, dass er mieh in seinem Buche ..Ger Pentateuch" nicht so oft zitiert habe, als ich gewünscht hätte.*‘ P.r hält es aber nicht für seine!,flicht, den Lesern seiner Hroseliüre initziiteilen. weiches der tatsächliche Anlass zu einer Auseinander׳Setzung' zwischen ihm und mir gewesen ist. Der Anlass lag aber in folgendem: Pr bat in seinem Buche erstens den Gelehrten, die d:1s uuol.enkriiisolie Verständnis des Pentateuch bc* gründet haben, eine für gewisse Pällc ״übliche AiiNiliielit" vorgeworfen. Zweitens bat er in bezug auf ein einzelnes Moment des Sprachhewcl.ses mit Nennung meines Namens ecflusscrt: ..Der Beweis ist der gewöhn liehe Zirkel- Schluss der (,)iiUIeiikrltik" (S. öd), Da diese Vorwürfe mit ausdrücklicher J'.rwäliiiung meines Namens gemacht worden waren, musste Ich se'bstverständlieli zur Abwehr schreiten und! habe in den ״Tlieol. Studien und Kritiken" I90ö nac'igewicscn. dass beide Vorwürfe völlig linbe- ] gründet sind, imlem speziell der Vorwurf des! . gewöhnliche» Zirkelschlusses“ darauf beruht.! dass Jacob •einen ganzen Teil der Untersuchung unberücksichtigt g class c 11 11 at. d i c i 11 m 0 i » e r .li i n I c i 11111 g ms Alte Test a in e 1! t" d c 11 I* e 111 a t e 11 c 11 betrifft, (l'iiil. S. 229 f.) An meiner Kritik, die in der er wähnten Zeitschrift veröffentlicht worden ist. Bat deren Mitherausgeber. Herr Prof. Kaulselt, hinterher nur in bezug auf einet) einz e 111 e 11 s e 11 a r f e 11 A 11 s d r 11 e k. den ich in der doch so sehr h e r a 11 s g e f o r d e r t e 11 Abwehr gebraucht hatte, bedauert, *lass er ilm in meinem )Manuskript übersehen hat. Aber ..Ungerechtigkeit" meiner Darlegung in der Abwehr der beiden Vorwürfe, die Jacob den Vertreten! der Peiitateueükritik in .seinen oben angeführten Worten gemacht bat. hat Prof. Kautsch nicht behauptet. Was Dr, J.too'.i von seiner .fast übertriebenen 1 Gewissenhaftigkeit mir gegenüber" bemerkt, re- I duziert sieh darauf, dass er mieh einmal schriit- | lieh gefragt hatte, ob ich über einen gewissen | Punkt mich ausserhalb meiner ״Pinleitung" gei äussert habe. Als leb dies verneint batte, war j es doch uinsotnelu seine Pflicht, das •zu beachten. was in meiner ..Pinleitung" filier den Pentateuch I stellt, und sieb davor zu hüten, eben wegen seiner 1 Nieluberüekslchtie.tmg eines Teiles meiner Dar. i legimgeii mir das Verfahren des ״Zirkelschlusses" I vorzuweifen. ' Uiullieh spricht Herr Dr. Jacob davon, dass 1 ich• nachdem er mich an jene Korrespondenz er* ן innert habe, einen ״vaiiz anderen Ton auce- ־ seidigen" häU«\ Aber erstens bütte dies־.׳ Kr- . iuneiim׳.׳ dazu keinen Anlass geben können, und zweitens habe ich auch meinen Ton nicht zu äudem gebraucht, da ich. wie cs in der ganzen wisv.'iisrliaftlielien Welt bekannt ist. stets mir mit sachliche» Gründen operiere, nur dass ich syllistverslämilich die oben erwähnten beulen Vorwürfe klar als ungerechtfertigte bezeichnen musste, Der Brief des Herrn Professors K a 111 z s e ii hat folgenden Wortlaut: Halle a. d. Saale, den 4 1. M. Hochgeehrter Herr Doktor! Mit der Konto!- Verse Jacob-König verhält es sich so: Prof König lu-s,»rach io den Tlu-olog .Studien und Kn|,k״t 0110ן S. 13.1 *1 lö Jacobs Pentateuch. |)ara״| s;1.1״tc Herr Jacob eine ״Fntgcgming״ ein (S. 4k! bis 84). s. 482, Zeile 5 f. sagt er: ..Demnach darf icli getrost dem Leser das Urteil überlassen, a״f welcher Seile die .,leichtfertige Verdächtigung״ liegt. Dazu (genauer zu ..leichtfertige") liahc ü.•!! Mie zweizeilige Anmerkung gemacht: ״Dieser Ausdruck ist leider von uns übersehen wurden. Wir bähen unsererseits keinen Anlass, an ,|cr hona fides des Verfassers zu zweifeln. Die fö> daktion." Diese Anmerkung wollte einfach »er Tatsache Ausdruck geben, dass in den Tlienlog. Studien und Kritiken persönliche Anschuldigungen, wie der Vorwurf der ״Leichtfertigkeit", nicht gc. duldet werden. Herr Jacob bat meine Aiiiirtkmig in einer Weise verallgemeinert, dass tS klingt, als habe ich überhaupt den ״ungerechte.! Vorwurf Königs" bedauert. Ucbrigeus hat Prof. König S 484 ff. auf Jacobs .,Kntgeeiuing" eine J!r. wideruug folgen lassen, in der er tu. K. den |11V,U zum guten Teil entkräftet. Vorstehende Be• inerkiiiigeii habe ich zu beliebiger Verwendung gemach(. Mit. bestem (Iruss Ihr ergebener P. Kautzsch. Ich überlasse das Urteil auch über diesen Punkt mm. mehr der Öffentlichkeit. Bielefeld, den 25. Februar 1009. f) r. Helix C «• b I v n /. Rabbiner der Sviiagogeii-riemcm.le Bielefnhl. Auf unsere Bitte um eine Aciisseruiig zu diesen! Schriftstück sendet uns Herr Rabbiner Dr. Jacob folgendes Schreiben: Der Krlrinkciide greiil nach einem Strohhalm. Herr Coblenz in Bielefeld batte ein Lehrbuch: ״Indischv Religion" geschrieben. In einer sachlichen Desprecbuiig (Monatsschrift f. d. Gesell. 11 Wjss. des Judentums 19(18 Heft 7/8) habe ich ausführlich uuc!1g>׳• wiesen, dass dies Buch nichts taugt und der \\!. fasser nichts versteht, wie denn auch dem Vernehmen!;ach die Regierung die beantragte Kinfiibrung nie!.: genehmigt lat. Herr C. suchte sein verunglück»s Werk i;1 einem gegen mieh gerichteten Pamphlet za seiteiviigen. Darauf Hess ich iluii eine ,.endgnltiec Abfertigung" (zu Italien bei Louis läiscnsiciit in DortiiiiiiuI. I. Kniupstr. öS) zu teil werden, die in der Tat so gründlich gewesen ist, dass Herr C. total fertig N: und zur Sache absolut nichts mehr / ,1 sagen weiss. Dass er seine vernichtende Niederläge mit ein paar leeren Redensarten zu beiii.muin sucht, wird man billiger Weise menschlich beurteilen. Besonders erfreulich ist. dass gerade das liberale Judentum, das freilich einen schlechteren Wortführer gar nicht finden konnte’, ihn energisch von sich ab; schüttelt hat. Nachdem also die Juden mit Herrn C. iertig sind, ist Cr zu den Christen iihcrgcgaugen. I r bat sich von zwei christlichen Professoren der The׳• logie. mit denen ich in einem wissenschaftliche» Sta■: zu tun hatte, Briefe schreiben lassen, die ,.meine Wahrheitsliebe kennzeichnen", d. h. verdaci - tigen sollen — scheinbar sehr schlau, indem er die Sache .11» das persönliche Gebiet hiniihcrzielit, sieh selbst aus di r Schlacht flüchtet 11ml den Streit amlcm Leuten uberlässt, aber dennreb ein in jedem Betrübt klägliches Unternehmen. Krstens hat meine Wahrheitsliebe mit dem C■ ׳• Icnzsclieu Huch nicht Jas geringste zu tun. I'.s um.:; (Nachdruck verboten) Lea Ein Slrasscnbild Von Ben-Avigdor. Aus dem Hebräischen von B c u j a m 4 n S e g e 1.! (Fortsetzung.) I ״Glückspilz! 1)11 Hast ja ein Paradies!" rief ] Anton begeistert. Ilun lief das Wasser im Munde zusammen. ln diesem Augenblick wurde eine Passantin von einem Haufen Ladenmädchen umrotgt; eine iede wollte sie zu steh in die Handlung ziehen. Mareell hatte mm Gelegenheit, seine Macht in vollem Glanze zu entfalten. Er begann d';v Drängenden zu zerstreuen, wobei cs auf d e Köpfe und Schultern der Mädchen nach allen Seiten Pfiffe. Stüsse und Schlüffe regnete, wfihrend Mareell aus vollem Halse schrie: ״Ach. verdammte .liidcnbrnt! Wird kein Mensch die Gasse ruhig passieren können?“ Die Mfidchcn zerstoben nach allen Riehtungen heulend und fluchend, während die beiden Freunde dein Schauspiel vergnügt zusahen. ״Können Sic denn d!c Leute nicht ruhig zmn Auscinandcrffchcn mahnen?“ rief ein vorfibergehender, elegant gekleideter Junger Mann, offenbar ein Jude, dem Straswnwüchter zu. ״Ich bedarf Ihrer Zurechtweisung nicht!“ erwiderte Jener entrüstet, ״weiss schon selber, was Ordnung heisst." ״Woher aber nehmen Sic dt־: Befugnis, j d:c Mädchen zu schlagen? Gehört das mit zmn Ordnunghalten?" ״Ha. ha. 11a!*' wieherte Mareell und wandte sieh •m Seinem VicgViUcr, ״der WM, dass ,teil ihn um Rat frage, ob ich eine dieser schmierigen Judendirncii diirehblüuen soll! Ha, ha, ha!“ j Marcel! und sein Freund wandten dem 1 Fragenden den Rücken und gingen weiter. j m. * ״Der Wächter geht!" erscholl es unter de 1 j Höckeriuueu. ״schnell, we'eht zur Seite!“ ן Aber nicht alle waren imstande, so schien-; nig von der Stelle zu kommen, und Mareell ri .11j tete in! Vorilhergclicn eine wahre Verheerung j unter den Waren an. indem er bald einen Korb j umsticss, bald einen Topf oder Krug zertrat, ' während die Verkäuferinnen lnmmcrtcn und fluchten: ״Ach, meine Bohnen! dass Gottes Fluch; den Mörder ereile!" ״ ןDass Ihn die Hölle verschlinge!" Inzwischen wandte sich der Hüter der Ord*! mm ff bald an die eine, bald an die nnderc der * Verkäuferinnen und forderte schien Tribut. ״Chawa, etwas trockene Bolmcn will ich!" ״Ich habe dir ja schon Iicutc zweimal ge* ffeben!" ״So gib mir zmn drittenmal\" Fr nahm siel! eine Handvoll Bohnen, während die Verkäufern zischte: ״Dass du daran erstickest!" ״Sarah, gib mir einen Apfel!" ״Mörder, was ist heute mit dir los! Meine Aepfel kosten zwei Kopeken das Stück,'־ wehrte die Verkäufer'!!. Aber Maree'ls Faust sauste auf ihren Kopf nieder mit einer Wucht, da-s ihr Jede Lust zum Widerstand verging. ״Zwei Kopeken her!" sagte Mareell z» einer Frau. d!e an einem Korbe mit Fingeweiden und Flcischnbfüllcn sass. ״Du hast ja schon heute bekommen!" ״Zwei Kopeken her, sonst jage ich dich fort von hier!" ״Dass du sie zum Arzte hintriigest!" lohnte ihm die Beraubte. ״Dummes Wc!b!" lachte der Wächter. ״Mareell war niemals krank. Ho. Uo, da würde ich schön nnkomnten, wenn cs mir cinfieic krank werden zu wollen; mein Magdalcnchen. der Teufel hole sie. würde mir das Clcnick brechen. Ja, ja, Anton, du kennst meine Magdalcne »ich’, aber *ich kenne sic."