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Jüdische Rundschau · 1909-03-12 · Heft 11 (12.3.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. II. h c r u c 111 1'iiH'f I^oul mit anderen, mul wir werden bald 7a der Ucbci/eugi.ng «laugen müssen. dass wir unendlieh •י; ו״ייי"!i"(’ 'l'cr11MMl|l!d■ Wir bedürfen noch eines Zuflusses \on Millionen und Abcrmlllionen Mensclicn. um alle unsere Schatze, um die uns Europa!,meidet, entsprechend ausbeuten zu können. Nehme wir /• B• «»י "'vohten daran gehen, unser r ii h in t c s. herrliches und einst so f ין a r c s M 0 s ח ס o1 a m i c 11 zu rcstaurl sollen wir die MillKmen Bcwnluicr nehmen, die dazu 111terlä*slicl1 siiulr 1״s heut nahe, dass wir gezwungen »viii " erden. Emigranten aus der Fremde hcraiuu- ,•dien, aber was Kann eine Regierung unternehmen, deren l mauzen ruiniert sind/ Kann man in einer sulchen Situatini die Kosten der cntsprcclicudcn in- Mailunm,׳ der l.inwaudcrung auf »ich nehmen? Und icrnor: V olcltcr Nationalität sollen die Einwanderer .11n;clM׳Hn? Unser Land gleicht der Sprachciivcrwi!rint•; heim lurmbau von Habel; wir beherhergeu beute schon Angehörige yon 21 verschiedenen Natioiialiiatvu. Unserer Ansicht nach gibt cs nur ein ן leinen(, das dieses Land bevölkern könnte, ohno dem Staate bedeutende Kosten niilzncrlogcn und ohno die nadonnlcn Schwierigkeiten zu vermehren, das sind die .Imlen. Zehn Millionen Juden leben zerstreut in evit ' ■i.sdikdencn Zivilisationszciitrcn. Alle sind s;c der Scholle, auf welcher sie geboren wurden, mit Leih und Seele zugetan. Sie haben keine ekbisivisti- *clici* iisiom*(! und unterhalten keine politischen He.־ e. ain.cn jenseits der Grenze desjenigen Landes, ui eu Vliom sie leben. Schon infolge ihres nationalen Cli.u t'ders sind sic vollständig frei von Cltauvinis* 11*11 j* und haben nur i d c a I c A s p i r a 11 o 11 e 11. Ks cd׳: in Europa mehrere jüdische Ocscllschaftcn, vierer /.weck es ist, die vielen Tausende von Juden uns k'nss'und. Marokko, Persien, (lallzlen usw״ wo mc i.uiatisclien Verfolgungen ausgesetzt sind, heraus- /iilinkn. Wir erinnern besonders au die JCA. die in Argentinien bereits grosse, mit allen modernen Einiichtnngeit versehene Kolonien ins Leben gerufen lut. Diese Gesellschaft, die über viele Millionen uii'ut. wäre, unterstützt durch die übrigen jüdische!, iicsdMinftcn. in der Lage, in unserem fruchtbaren l.andc sehr grosse und vorzüglich organisierte Kolon eu oi gründen. Vor ungefähr vier Jahren sind die Iulircr dieser Organisationen mit der despotischen Wcgicimig in dieser Angelegenheit in Unterhandln!!• *ei! getreten mul haben günstige Zusag’cn und sehr w (einige Konzessionen erhalten. Der Anblick des Despotismus scheint ihnen Jedoch einen Schrecken \**r unserem Lande clngcjugt zu haben. Sie wagen cs nicht, ihre Brüder einer despotischen Regierung .111/11vcrtrauen. Heute aber besitzen wir eine Konstitiiiimi. und wir halten sic recht fest. Der Despotismus M iur ewige Zeiten verschwunden. Gibt es mm m*ch irgend einen plausiblen Grund, der die Tausende \11״ luden, die nach fernen Gebieten nuswandern.?iirucklialten könnte, hierher zu kommen und ihre fruchtbare Arbeit, ihren unermüdlichen Arbeitseifer, üirc Intelligenz, Ausdauer und plivsisclie Kraft, dio ihnen überall den Erfolg sichern, hier zu verwerten? Sollten die unerschöpflichen Schätze, die unser Boden in sich birgt, und die sprichwörtliche Toleranz der Türkei ihnen nicht Gewähr genug bieten, um sich liier ungezogen zu fühlen? Wir sehen wahrhaftig keine Misslielligkcit und kein Hindernis, dass diese braven Leute noch abha'tcn könnte, ihren Wunder* weg 711 uns zu neunten. Unsere neue Regierung, der Jic umralisclic und maferic'lc Hebung aller Teile unseres Landes am Herzen liegt, könnte einen Versuch in dieser Richtung zu einem guten Ende führen. A u c 11 unsere i ü d i.s c 11 c n Mitbürger körnt• teil aiifangcn, ihren westlichen Brüdern den einzig *titen und richtigen Weg vorzuzcicl ncn." Es ist ausserordentlich charakteristisch, dass dieser ..Schrei nach •len Juden" auch von anderen grossen Zeitungen in Konstantinopcl zustimmenu übernommen wurde. Besondere Beachtung verdient der Passus über die nationale Eignung der Juden für eine Kolonisation türkischer Gebiete, Zionismus und Oelbaumspende*) Der Zionismus hat sich zur Erreichung seiner abc, dem jüdischen Volke eine!־cchtHcli S®” :rte Heimstätte in Palästina zu schaffen, »eben politischen auch der praktischen Tätigkeit zu• mdt. Durch Lnndankauf, durch Gründung oder!,Stützung von Anstalten, die der kulturellen He• : des Landes dienen, durch Förderung von׳ Schaft und Industrie in Palästina, durch Erwe : von Konzessionen, durch Anregung der Priva Der Verein ״Oelbaumspende״ <P^ctrazcncr ) erlässt soeben den vorstehenden Aufruf an .nisten. Wir Rauhen aber mit dem Verein, s um den Abdruck ersucht, dass auch ^<־ ^r 1e Kreise an diesem Verein, der clnc eminent ge soziale und 1U d i sc He Aufgabe Interesse haben. Eine, rentablere Anbw so r Spenden kann jedenfalls kaum gedacht wer. Hier werden n I e h t A i m ° s c n £c^c^n01t wird Jüdischen Kojonl»«en־A־fbe11 den jüdischen Einwohnern r a nas Kultur geschaffen! _JÜEPISCHE RUNDSC HAU1 initiative und manches andere Mittel will der Zlonisnms die Grundlage schaffen, auf der ein freies, Jtidlsclies Ocmciuwcscn In Palästina cnstchcn soll. Was aber sollen wir mit dem angekauften Boden beginnen? Er muss in möglichst grossem Umfange 1 lc nach seiner Eignung für bestimmte Kulturen bc• pflanzt werden; erst 1908 ist zur Förderung dieser Aufgabe eine besondere Palästlna-Landgcsellschaft (Pnlestinc-Land-Dcvclopmcnt Cy.) Ins Leben gerufen worden. Diese Arbeiten können jedoch mir In langsamem Tempo fortschrclten. Sie fordern grosso Kapitalien, mancherlei vorbereitende Anlagen und ein land•. wirtschaftlich geschultes Menschcnmaterlalj Aber die Not der Zelt drfingt! Wir müssen uns auch solcher Methoden bedienen, die uns In dio Lago setzen, In! schnellerem Tempo die Zahl der; produktiv tätigen I Juden Im Laude zu vergrössern und unseren Besitz I an Boden mit einem weniger geübten Menschen* j material auf billige, leichte und doch rentable Weise j auszunutzen. Hierzu eignet siel» in erster Linie die! Kultur dos Ovlhnuino*. Palästina, die Urheimat des OelbntmiCfc Ist noch heute eines der geeignetsten Länder für diese Pfla״- zungon, Während der. Getreide־, Plantagen• und Gemüse• bau, der in vielen Teilen des Landes mit gutem Erfolge betrieben wird, nicht mir Fleiss, Zelt und Sachkenntnis, sondern nuclt genügende Bewässerung und eine spezielle Eignung des Bodens erfordert, ist die Pilcgc des Gelhaumcs eine zicmtich leichte imJ stellt an den Bmlcn die denkbar bescheidensten An* Sprüche. Uchcrall in Palästina, an der Küste, im Flusstal, im Gebirge, selbst auf steinigem Boden, ge* dcilit dieser Biitiin. Da seine Anlagemul Unteiial* timgskostcü relativ gering sind, und da auch keine besonderen Bewässerungsanlagen, die z. B. die Pflanzung von Orangcnplniitagcn so wesentlich ver• feuern, für den ()elbatim notwendig sind, so Ist es möglich, immer entsprechend den verfügbaren Mitteln ein kleines Stück Landes nach den! anderen zu hepflanzen. ־ Zugleich alter würde mit diesen Pflanzungen eine weitere wichtige Aufgabe c'füllt; die Wiederauf* forsliiug PulüMlnu*. Bekanntlich wir das Land io alten Zeiten von erstaunlicher Fruchtbarkeit; damals alter waren Berg und Tal von reichen Wäldern he Mauden, die in den folgenden Julirlimidcrtcn der Verwahrlosung und Verwilderung nbgelmlzt wurden. Jedermann weiss. welch enorme Bedeutung ein grosser Wnldbestaml iilr Lnmlwlrtschaft und Klima eines Landes hat. Stellt somit die Oelhaiimpflaiizung die bequemste und rationellste Ausnützung des Bodens dar, so eignet sie sich für unsere kolonisatorischen Zwecke noch besonders insofern als sic für zahlreiche neue Ein- Wanderer, denen landwirtschaftliche Uebung und Erfaiirung abgelit, Erwcrhsmüglichkcitcn schafft. Die Pflege der Bäume ist eine so einfache, dass sie zunächst von den bereits ansässigen Kolonisten in den arbeitsfreien Monaten versehen werden kann. Entstehen daun umfangreichere Bnumaidngcn, so können neue Familien ansässig gemacht werden, die für diese Arbeiten leicht nnzulcrncn sind. Es kommen hierfür nicht nur, solche Arbeiter I!» Betracht, die überhaupt noch nicht landwirtschaftlich gearbeitet oder die sieb für schwierigere Zweige der Landwirtsehaft als nicht geeignet erwiesen haben, sondern auch solche, die in anderen Erwcrbszvvcigcn bcscliäftigt sind und auf diese Weise einen lohnenden Nebenerwe-b finden können. Bei all diesen Vorzügen stellt die Oclbaumkultur aber auch eine sehr rentable Anlago dar, die uns für Jahrhunderte hinaus ansehnliche Uchcrschüssc zu liefern imstande ist. Zunächst erfordert, wie bereits erwähnt, die An- Pflanzung keine besonders grossen Mittel. Weder ist ein teurer erstklassiger Boden hierfür erforderlich, noch bedarf es kostspieliger Bewässerungsanlagen. Auch geben die Bäume bei rationeller Pflanzungsmethode bereits nach fünf bis sechs Jahren Erträge, und cs lassen sich während der ersten Jahre noch durch Zwlschciikultiircn (Getreide. Früchte, Oclsaaten, Faserpflanzen) Gewinne erzielen. Nun bctragen die gesamten Pflanzungs- und Erhaltungskosten während der ersten Jahre, bis zur Sclbstcrlialtuug durch eigene Erträge, nach den Bcrcchnungen der Palästina-Kommission für jeden Baum nur 6 Mark. Gegenüber diesen geringen Pflanzungs- und Betriebskosten Ist zu erwägen, dass der Oelbäum der langlebigste Repräsentant der Kulturpflanzen Ist und ein Alter von 300 bis 400 Jahren und darüber erreicht. Die Gefahr einer Ueberproduktion ist ausgeschlossen. Die Olive dient zunächst der Bevölkcrimg als Nahrungsmittel, und die aus den Oliven gewonnenen Produkte — Oel und Seife — erfreuen sich der grössten Sicherheit des Absatzes; vor allem bietet das Nachbarland Aegypten, das seinen karg bemessenen Fruchtboden für höhcrwcrllgo Kulturen braucht, für diese Produkte einen unerschöpflichen Markt. Die Bereitung der Seife würde zudem einen neuen Industriezweig dorstcilen, der wieder zahl- Seite 121. reichen Einwanderern Erwcrbsgcicgcniiclt böte; schon beute sind die ersten Ansätze einer modernen maschinellen Oel- und Scifcnindustric im Lande vorhauden. Eine clnlacho Berechnung ergibt, dass, wer beute 6 Mark für einen Oclbaum stiftet, mit dieser relativ kleinen Spendo für mehrere Jahrhundorto hinaus einen Jahresbeitrag von 2,40 Mark entrichtet hat. Die Sammlungen der letzten drei Jahre luibcn erst wenig mehr ah 15 000 Bäume ergeben. 10 000 von ihnen sind für die Anlage des Hcrziwaldcs bestimmt, für den der Nationalfonds schon ein sehr sdiöngclegales Terrain halbwegs zwischen Jaffa und Jeru* safem an der Eisenbahn erworben hat, das die doppcltc Zahl von Oclbäumen zu fassen vermag. Auch die Baumschule für den Herztwafd ist angelegt, und die ]5 000 dort ausgesetzten Bäumchen entwickeln sich aufs beste. Welch sinnreiche Ehrung für unseren verstorbenen Führer Hcrzl läge darin, wenn wir ihm auf heimatlichen Boden zu dauernder Erinnerung einen anschuliclicn Oclhaumwald pflanzten! Und gewiss handeln wir lin Sinne Herzls, wenn wir ihm diese nationale Ehrung in einer Form darbringen, die zugleich für unsere nationale Arbeit in Palästina einen gewaltigen Schritt nach vorwärts darstcllt. Denn würden nuclt nur 100 000 Bäume gespendet, so bedeutete das bereits für später eine iälirliclic Reinchmalutic von 24(1000 Mark, eine beträchtliche Summe, mit der wir viele Bildungsstätten in Paiästina unterhalten könnten. Hier zeigt sich auch ein Weg, zu den Mitteln zu gelangen, mit denen ein sehnlicher Wunsch aller Zionisten — die Hochschule in Palästina - verwirklicht werden könnte! Somit wird <lie Oelbaumspende nicht nur der leichten und bequemen Ausnützung unseres Besitz- Standes an Boden, nicht nur einer rnschcrcn Vergrösscriing des Aiuicdelungswerkcs. sondern auch auf Jahrhunderte hinaus lmbcii kulturellen Zwecken zu dienen berufen sein. Sic muss daher zu einer der wichtigsten Institutionen des Zionismus werden, die zu unterstützen die Ehrenpflicht eines Jeden Zionisten ist. Durch eine Oclbamnspcndc (6 Mark) soll ein jeder von uns bei freudigen Anlässen seinen Empfindimgcn sichtbaren Ausdruck geben. Einen Ocl* baiiin spende man Eltern, Kindern und Freunden zum Geburtstage oder hei frohen Ereignissen, einen Oelbäum dem Brautpaare und dem jungen Ehepaare, dein Bar-Mizwnh und dem Neugeborenen! Einen Oelbatun aber pflanze man nttcli den verstorbenen Eltern an jedem .lalimltstugo! Ein Jeder mache cs sich zur Pflicht, von Jahr zu Jahr mindestens einen Baum zu stiften. Es empfiehlt sieb auch, sich selbst einer dauernden Kontrolle über die regelmässige Erfüllung' dieser Pflicht dadurch zu unterwerfen, dass inan dein Verein ״Oelhniimspciulc" beitritt, dessen Jahresbeitrag in der Stiftung zweier Bäume besteht. Wer fünf Oelhäiimc spendet, erhält ein künstlerisch ausgestattetes Diplom. Jeder Spender erhält —• abgesehen von dein Zcitimgsauswcis — eine Quittung In Form einer künstlerisch nusge!tattc!cn Karte, die mit einer. gesclimackvollcii Titclzcichnung versehen, und in der der Name des Spenders und dessen, dem die Spende gilt, eingetragen Ist. Wer eine solche Quittiingskarto zmn Geschenk erhält, wird sich der sinnigen Gabe freuen und sic höher schätzen als Tand und vergängllchcr, Gut. Auch OcIbaimt-SanunUingcn sollten bei Zusammenkünflcn und Festlichkeiten, besonders bei Hochzelten, zur Ehrung ifos Gefeierten oder der ganzen Gesellschaft vorgcnmrmicn werden. Ebenso sollte bei Nachlässen der Oelbaumspende gedacht werden. Wer 100 Bäume stiftet, das heisst 600 Mark cinznlilt, hat das Rocht, die Anlage eines besonderen Gartens auf den von ihm gewünschten Namen (auf einem ungefähr 1 Hektar grossen Terrain) in einem der Haine oder Wälder des Vereins zu beanspruchen. Als Minimum zur Anpflanzung eines besonderen Hains wird der Betrag von 6000 Mark (1000 Bäume) bestimmt. Nichts eigne» sich sich so sehr zur Verewigung eines teuren Toten wie die Stiftung eines Oclhaiiitt-Hains oder -Gartens auf seinen Namen! — Zionisten! Unterschätzet nicht dl• Wichtigkeit dieser Aufgabel Truge ein Jeder sein Schcrflcfn dazu bei, einen neuen, reichen Waldbestand In Pa- Iästina zu schallen, der dem Lande und seinen Bcwohnern zum Segen gereichen sollt » Wir sind sicher, dass dieser warmherzige Appell für eines unserer schönsten Palöstinawcrke bei allen Juden — oh Zionisten oder nicht — den lebhaftesten Beifall finden wird. Die deutschen Juden allein könnten bei gar nicht allzu grosser Anstrengung In kurzer Zeit einen Oclhaumwald von 100000 Bäumen schaffen und sich damit In Palästina ein würdiges, jüdisches Denkmal setzen für unabschbaro ZeltenI Wer ruft sie dazu auf?

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