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Jüdische Rundschau · 1909-03-12 · Heft 11 (12.3.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile!.*». Dcriicksicliticimg der liier skizzierten Entwicklung»- tcnücnz basieren muss. Gleichzeitig muss die Pr״• pagamUitütigKeit lilr Palästina in der Diaspora mit erhöhter Kraft fortgesetzt werden. Jetzt ist keine Zeit mehr, unsere Kräfte mit nutzlosen theoretischen!׳*ragen hber den Wert des Zionismus und über die Unmöglichkeit der Assimilation zu verschwenden, in Palästina harren unser dringende reale Aufgaben. Pahren ",ir auf dem eiiigeseliiagcncii Wege fort, unsere finanziellen Kreise iiir Palästina zu intercsslerert. machen wir fluten begreiflich, ■dass es sielt nicht mehr darum handelt, Geld zu opfern, sondern dass cs gilt, ein Neuland, das die erheblichsten Oewlmicltaiicen bietet, wirtschaftlich zu erschlossen. Schaffen wir Kapital ins I and, das Arbeitskräfte nach sielt zielten wird. Denn wir müssen die ersten int Lande sein, weint wir jemals das erreichen wollen, was wir als unser sehnsüchtigstes Ziel erhoffen. Wir halten die Notwendigkeit einer Rückkehr er* kamit, erwerben wir das Land, damit unsere Kinder cs besitzen. L Baron Günzburg Mannt Jlomz (iünzliiirg ist am 2, März in Petersburg au einem Krebslciden gestorben. Iforaz Giinzbiirg wurde geboren am א. Pebruar jsJJ in Zwenigorodka, Gouvernement Kiew, wo er mich erz'teen wurde. Zum ersten Maie trat er isol in die Ocffentlicbkeit als einer der Gründer der ״Ge- Seilschaft zur Pürderuns der Aufklärung unter den .liiJeii.‘‘ Sehr populär wurde er unter den Juden durch scitte unermüdlichen iicmühungett zur Messermig der gesetzlichen Verhältnisse seiner Urilder. Mit gleichem Kifcr trat er iiir die materielle und öko. polnische Hebung der Lage der Juden in Russland ein. ls'7U war er einer der S a e 11 v e r s t ä itd i g e u , die von der Kommission zur Beratmu׳ der Judenfrage unter den! Vorsitz des Ministers des Innern vertiotnnteit wurden. Int Jahre 1**2 präsidierte er der grossen Midisclie 11 Versammlung, die mit Erlaubnis der Regierung in Petersburg stattfaitd. Als im Jahre JNS7 unter den־ Präsidium des Grafen Pah len eine neue K, 0 tu tu i s s i o;1 z u r H e r a t u 11 g der .1 u denfrage;!usammvutrnt, wurde er utifgeiordert, daran teilztiiielitucu, 1.wm> wurde er Mitglied des Direktoriinns der Kommission für die Schaffung einer Ge- Seilschaft zum Zwecke der V e r b r e i t u 11 g d e s Ackerbaues unter den Juden. Seit l*!G bekleidete er den Vorsitz im Zentralkomitee der jiidiselten Aekerbaiigesellscliau. Piite der jüdischen Kolonien in Argentinien ist nach seinem Namen ltettaniit. Audi in der jüdischen Gemeinde von St. Petersbnrg bekleidete Uaron Giinzbiirg mehrere P.lirenfimtcr, s1׳ das des Vorsitzenden der Synagoge. Audi mit anderen Institutionen iiieliijiidisclicn Charakters war Baron Giinzbiirg nahe verbunden. So war er Ehrenmitglied des Komitees des Fürst Oldenburg- Asyls seit lhf>3 und seit 1S70 P.hrcnniitglicd des Vereins zur Besserung der Lage armer Kinder in St. Petersburg. Von!*Ms bis 1.S72 war er Generalkonsul von Hessen. Puruistadt. Vom Grossherz.og von Kessen-Durmstadt erhielt er auch im Jahre 1*71 den Titel Mai'011, uaelidem ihm der Zar die Prlauluiis zur JUHD1SCUE RU א D$ C H AU_ Nobilitieruug erteilt hatte. ISSt). IOS•! und!*SS erhielt er iiaciieinainler die Titel eines Kommerzienrats, Staatsrats und Mitglieds des llandehirats im Finanz* nüuistcrium. Vor vielen Jahren war er auch einmal S a d t v e r 0 r d 11 e t 0 r von St, Beters b 11 r g, bis er infolge eines neuen Gesetzes, das die Wahl von Juden zu Stadtverordneten verbot, sein Amt!liederlegen musste. Das Petersburger Arcliäologische Institut ernannte ihn zum Vorstandsmitglied. Wiederholt wurde er von der Regiextmg cingeladcn, au Kommissionsberatnngen bei der Ausarbeitung von Gesetzentwürfen mitzuwirken. Bis in sein hohes Alter hinein wurde er regelmässig hei der Beratung von P i 11 a 11 z g e s e t z e 11 als Sachverständiger von der Regierung Itiuzugezogett. Der siebzigste Geburtstag des Barons Giinzbiirg gestaltete sielt zu einer Pcicr. au der die Judcnhclt in ganz Puropa und auch an vielen Plätzen Amerikas herzliehst Anteil iialuu. Damals erhielt er von der russischen Regierung den St. Atuiciiordcn I. Klasse. Anlässlich seines Todes sandte 11. a. mich der (I r o s s 11 e r zo g von Hessen der Pumilic ein B e i I e i d s t e I e g r a in tu. Die Juden und die öffentliche Meinung in Deutschland Vor einigen Wodien spraeli in dem Verein zur Pbrderting jüdischer Interessen in Posen in einer unter Vorsitz des Herrn Victor abgehobene» Versammlung Herr Rechtsanwalt Pr. Klee aus Bcr- Hu über das Thema ״Die Juden ttii'd'die bnctttjiclie .Meinung in Deutschland,“ Der Redner ging von der merkwürdigen Pr.solieiimng aus, dass die deutsche, politische Presse älter spezfiseli jüdische Angelegenheiten verhältnismässig wenig Nachrichten bringe. Aehnlieh liege es mit den grossen literariselten Revuen, und die Folge davon sei, dass die grosse deutsche üeiieiitliciikeU über das Leben und Treiben der Juden, über ihre Institutionen, ihr Vereiitslebeu, ihre Ideale und Arbeiten in der Mehrzahl der!,alle falsche Vorstellungen Italic. Dem müsse abgehoben werden, und zwar aus tuauuigfachcit Gründen. Zunächst verlange die Würde der Juden, dass von dem. was sie bewegt, die Oefientiielikeit Nachricht erhalte. Ps sei ein unerträglicher Zustand, dass etwa bOiinfih Seelen in Deutschland in fJezug auf die äusseren Vorgänge in ihrer Mitte ohne publizlstisehe Vertretung grösseren Stils daistäiiden. Die christlichen Deutschen seien durch die Publizistik genau informiert über die Reisen Sven Hedins und die Gebräuche der Tibetaner, keimen aber Sitten und Gebräuche der in ihrer Mitte wohnenden ööftftöO Juden nicht. Die Polgc sei, dass so abergläubische Vor- Stellungen wie die Bliitiieseliuldigimg initiier noch In einzelnen Köpfen Platz greifen können. Das Inter* e sse des St a a t e s erfordere demnach ebensosehr eine ausgiebige Publizistik. Die Juden selbst aber hätten gewiss in keiner Weise das Licht der Ocffentlielikeit zu scheuen. Das Judentum Italic eine Fülle grosser iiilirendcr Persönlichkeiten im letzten Men• seltcualter Iiervorgebrackl. Der Vortragende erinnert an Namen wie Lnigi Luzzntti, Jos. Israels, Mark A 11 tok ol.sk i und andere. Ps sei nötig, gegenüber der jiuIenfeiiKlIichcn Praxis, die No. jedem jüdische» Wucherer das Ppitiietou ״jüdisch״ beifügt, in der Publizistik daran! hinzuwei.sen. da.ss Männer, wie die Genannten, jüdischen Ursprung., sind. Das Judentum habe aber weiter bi seinen grossen Verbänden wie der z i o 11 i s t i. s c 11 e 11 Organisation mit ihren lkstrelmiige-1 eine öifentlieli gesicherte Heimstätte im Laude der Väter zu finden, wie der t e r r i 10 r i a 1 i s t i s e h e n, die die wandernden Juden in autonome Siedlungen zusammen zu fassen sucht und die Regelung der Aus. Wanderung in die Hand genommen hat. wie dem H i 1 f s v c r c i 11 der Deutschen Juden tiru! seinem grandiosen KttUurwcrk namentlich im Grien•, wie dem Verbände der Deutschen Juden, der eine Reihe interessanter gesetzgeberischer Massnahmen tu Angelegenheiten der Deutschen Juden vorbereitet bat, eine Fülle von Leistungen gezeitigt, die ö; Oefientiielikeit interessieren müssten, von der sie ah fast garnichts wisse. Weiter sei der Lehrinhalt d׳s Judentums, seine Ptbik, seine Sozialpolitik ein* r weiteren Oeffcntliehkeil zugänglich .11.׳־ machen. Bur müsse nachdrücklich die Porderung erhöhen werd.... dass auf, tmsern Universitäten Lehrstühle für!1;,. Wissenschaft des Judentums geschahen wiird«! Wenn man Lehrstühle für malayiseiie Litera:;! •schafft und über die Kultur des Inkareicltes V. . lesungeii hält, so sei es eine Ungerechtigkeit scltlim׳ . ster Art, weint die Juden mit ihrer grossen Kuiti.r, iltrcr reichhaltigen Literatur und Geschichte an <!. ,! Universitäten für ihre Wissenschaft keine Vertretimg bauen. Ungemein wichtig sei cs auch, dass «!..• öffentliche Meinung über das Gemcindelcben ,!,.r Juden unterrichtet sei. Ps bandle sielt in den iüprasciitanteiivcrsainmluugeit und Vorstandssitzmigu! der grossen jüdischen Gemeinden nicht um Ouis.iu.. licii, sondern um ein.־ Fülle der wichtigsten Vorgang«., die die Odfentliehkeit interessieren. Sclbstvcrständlieh sei auch lief den Juden nicht alles rosig. Wi; zu Jesaias Zeilen nicht alle Juden Propheten wäre . sondern eben nur der Fine. Jcsaia, so gälte es au;!; im Judentum manche Schlacken; gegenüber dem vielen Schönen und Wissenswerten könne aber nick: die Rede davon sein, dass man etwa das Licht der Oefientiielikeit zu scheuen habe, -- Besonderes Inter, esse erweckten noch die Ausführungen des Redners, die sieh mit dem Hilfswerk an den ahessiniseli.n Juden beschäftigten Ps wird beabsichtigt, später in Palästina die Bestrebungen dahin auszubaticn. dass dort ein Institut u m .111 d a i c 11 nt errichtet wir«!, das als Mittelpunkt dienen soll für die Bemühungen, die daltitt anslnttfen. versprengte Reste des i <1 d i s e 11 e 11 V o! k e s, die cs auch anderweitig, zum Beispiel in C h i 11 n . Jn d i c 11 gibt, mit der Ge. saitilbeit der Juden •11 Beziehung zu setzen und fiir ihre geistigen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Die Ansiedelung von Juden in Mesopotamien Pin in Saloniki erscheinendes jnngtiirkisclies Miau ״Jeni Assr" empfiehlt die Besiedelung Mesopo. tauiicits durch die Juden. Das Blatt schreibt: ״Leider wird der schöne Traum, unser Land in ein irdisches Paradies imigcwandelt zu selten, noch lauge msc» füllt, werden unsere ausgedehnten <k׳. biete noch geraume Zeit in ihrem gegenwärtigen er- Strafe zahlen! Strafe! Strafe!“ iärnitc er un-; anfhörlicli. ' ,.Lieber Mareell,“ mischte sich die Ladenj frau in den Streit, ״nimm zwei Kopeken und : schere dich zimi Teufe), denn du sörst mir die j Losung.“ j ״Nein, zwei ist zu wenig, vier her!“ verj sev/Ac dev Hüter der Ordnung. ״Hast du drei, aber packe dich!“ sagte die Krümcrin und steckte ilun eine Kupfermünze zu. ,Der Anfang ist schon gemacht,“ lachte Mnrccll. ״Du hist ein Mordskerl und verstehst das Geschäft," sagte sein Freund voll Bcwundcrmig und klopfte ihm auf die Schulter. ״Du sollst erst selten, was ich kann, Antonl" erwiderte Marci! und blickte um sielt, wie um c!n neues Opfer auszuspahen. ״Pesic!" rief er zu einer jungen Frau, die an der Türe ihres Biitterladcns stand, ״gib mir einen Käse!" ״Hiitcn Käse? Warum soll ich dir einen Käse gelten? Glaubst du. ich bekomme meinen Käse geschenkt? Makkcs milchte ich d'r gerne geben!!" ״Out!" sagte Marccll, ״gib nur her, ich esse für mein Leben gern Käse, welchen immer!" Alle lachten aus vollem Halse; Marccll hielt Makkcs (Keile) für eine Art Kiisc. ״Nein!״ rief die Händlerin standhaft, ״du bekommst nichts. Jedes Stück kostet mich Blut. Ich kamt nichts schenken!“ Aber schon streckte Marccll seine Hand aus, und ohne auf die Flüche und das Geschrei der abwelircnden Krümcrin zu achten, schob er sic mit einem licitigen Ruck beiseite und c'n grosser Küsrc verschwand in seiner Tasche. ״Das wird einen guten Zubiss nach dem Branntwein geben,“ sagte er schmunzelnd zu seinem Begleiter und die Beiden setzten ihren Weg fort. ״Anton, möchtest du nicht einet Zigarre rauchen?" ״Warte nur, gleich bekommen wir Zigarren.“ ,',Je,ulke!" rief Marccll zu c!t!er ältlichen Frau, indem er in ,ihren Laden trat, ״gib mir zwei Zigarren!“ Und ״Inte die Antwort abzuwarten, ׳nahm er das Gewünschte und entfernte sich, ״Hs ist heute das dritte Mai, dass er von mir Z'garrcn nimmt," klagte die Krümcrin einem Kunden. ״Warum gebt Ihr denn? ‘ Warum lasset Ihr Flieh schinden?“ ״Was ist da zu machen? Seit einem Monat ist meine Konzession zu Hude, und trotz vielfachcr Bemühung ist die Erneuerung derselben noch niclit da. Er könnte mir ja jeden Augenbl:ck den Laden scltlicsscn.“ ״Siebst du. Anton, dass ich in dieser Strasse Selbstherrscher bin. Ich mache mit meinen Juden, was ich will." 011״ bist beneidenswert, Marccll.־' sagte der Gefährte und betrachtete ihn mit neidischen Blicken. ״Siehst du dort den Sack Getreide der vor dem Laden stein? Bas ist wider die Vorschrift; gelten wir dorthin." ״Warum stellst du den Sack draussen vo; den Laden, brüllte Marccll den Verkäufer an tmd stiess mit dem Fass gegen den Sack, so dass dieser umstürzte und der Inhalt sich verschüttete. ״Ach, Marccll, bist du verrückt*‘* du mir getan!“ klagte der Krämer ' ״Rasch mit dem Sack hinein i er nicht stellen!“ was hast Hier darf tsi unen mein cmz/ges Aushängeschild!“ "סף. Gib also zehn Kopeken lter u! Hasse dielt unge.sclt0t\:״ ״ Kopeken? Soviel halte «ich noch nicht verdient. Vier werden geni ״Her damit!" Und sic setzte» rltre W rung fort. (Fortsetzung folgt.)

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