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Jüdische Rundschau · 1909-03-12 · Heft 11 (12.3.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. )1• Angelegenheit wahrem! seiner Präsidentschaft /u einem 1 vfria >1:cmlcu1 Ende zu führen, so Unt sicli U.ictt sei» Nachfolger, Mr. I n f t für die Durclvfüh- Hing der AKiiou verbürgt. In ■Je' Vci-wahmi^ gab er seinem Streben nach l.ruwtm״«l1cl‘vr Parität aller Bürger dadurch Aus. druck. dass er den ersten Juden. Oscar Strauss 1(ls Sekretär in sein Knbinctt berief. Alle diese Schritte mögen dem Amerikaner selbst. \crständlk'li erscheinen, wir aber wollen sie um so;!ober vermerken, als Roosevelt sich bei der voruru1־l!d״'cn Behandlung der iüdisclicu Frage wohl mit der a’iieiikanischen Tradition, nicht über mit der gachlwciicu Masse seiner Mitbürger Itn Einklan« 1 efand• nenn gerade die neuere Zeit hat bewiesen, lM%< .׳״eli das freie Amerika gegen die Einfuhr ,י'!יחוו׳ 'eher Unkultur durchaus nicht dermassen gefeit >t. \׳., י mau früher nuzuuelmien gewohnt war, und dass >'c Giftpflanze ״Antisemitismus" langsam, aber >icIh; aiie'1 ..drüben" in Mode kommt. Fritz Abraham. Die junge Türkei! und der Zionismus i \׳on W a 11 c r Pi s c h c r. * ״■ I 'Gau wir die aus den veränderten Verhältnissen : .׳,!, ״ Tiiikei resultierenden praktischen Konsc• : ..׳hm.für nnseie zionistische Politik untersuchen j v...|k so müssen wir uns zunächst bemühen,!.in i',n\ ״ H1!d der neuen Türkei und ihrer slaatliclicn! 1 in v u»liuiesm« güclikeiten zu finden. Und dies ist j ׳־.Tu u tclu. denn nocli ist die Rcvotutionspcriodc : ״\ 1,111׳llig vorüber. Noch ist alles im Werden bc* j .״!׳,.. nur die grundlegenden Vorbedingungen sind ' 11■׳.!. ans denen das neue Zeitalter des Aufschwungs :,ruMsUieii kann. Die erste bisherige Schöpfung; .1 r hingen Türkei ist das Parlament, das wohl In J hiiu; Zusammensetzung mit ziemlicher Sicherheit die; hu V.dkc licrrscheudeii S*roimn1gcn und Gegensätze; 1« > iM'iegelt. 1 i*.in türkische Parlament hat bisher keine Wirt- ' h(1.•n'icheii Parteien wie die Volksvertretungen eilt* : vickeher Maaten. Die politische Erregung ist noch 1 .1 st.nk. durch das Volksleben weht noch ein idealer; ׳ieist. der die materiellen Prägen des Wirtsehafts- J »l'ciis vorläufig in den Hintergrund drängt. ן Wir haben liier zunüelisl zwei naheliegende <10• .vMs.11/e zu beobachten. Die siegreiche Revolii• j 1i1״!sp,1rt1.i der Jungtürken, der eine kleine feak• j p1״iare Druppc gegenübersteht; Anliänger des alten! Wcpmics. die von ihm lebten und durch seinen Sturz, j l r״tl״s geworden sind. Der Kampf wird Voraussicht• |!11.׳ noch eine Weile dauern, doch ist der Ausgang nicht zweifelhaft. Die Intelligenz, die Armee und Lot not least England stellt hinter den Jungtllrkcn, der Sultan hat die Verfassung beschworen, von ihm .'t ein Staatsstreich kaum zu befürchten. An eine IScscitiguug der Konstitution und Wiederherstellung Ter ,ilten Ordnung, das Ziel der Reaktion, ist nach läge der Sache nicht zu denken. Weit wichtiger und insbesondere für uns' allein n: lUtr.ieht kommend ist ein anderer Gegensatz, nütu•!!eh der durch die Volksveisebiedcnlieit der einzelnen l’eile des türkischen Reichs bedingte nationale Qogcn• ..Danke, Anton I" versetzte der Angercdctc; ״׳ul drückte Antons dargebotene Rechte. ״Du zitterst ja vor Külte, Marccll! Gehen "ir doch lieber in ׳eine Scltcnkc, um uns bet einem Gläschen zu erwärmen. Hast du heute unter deinen Juden denn nichts eingclwimst? »tute 1׳st's doch Freitag, Jahrmarkt in der hidengasse, und da pfkgt's für dich l.rntetag m sein. Ach dn Knauser, dass dich der 1 cufcl r Teufel hole mein Magdalenchen! Die jeden Augenblick zu mir und nimmt s ab: hörst du, Anton? Jeden Augens'idits lässt sic mir zurück; dass sie die!bei Heute habe Ich schon zwei Rubel ft und alles hat d!0 Hexe weggenom- :ei Gott, zwei ghnzc Rubel!“ 1c kluge Frau, deine Magdalena. Ha, wirklich 0!n gescheites Weibchen, si Teilbar, was für ein Nimmersatt du hbt. ige Silberlinge sollte sic dir doch lassen. Ine Kopeke hat sic m'r gelassen, Auto״ c der Wächter wütend und bal'tc uic!iriim gibst du ihr denn alles?" ־ werde ich etwas verweigernV u» t reden, Anton, da du nie Ihre -.chUkC;. Wenn ich etwas angeheitert naui toinme. so haut sic mich windclwc'ch. J UED1SCHE RUND SC HAU Seite )19. Mitz. Hier stehen nun als stärkste Gcgcnsiitze den »atlonaltürklsclion Parteien, ׳die vor'־allem die Einheit des Uesamtrelches betonen mul ullclii zwei Drttcl des Parlaments ausmaehen. die Vertreter der Im türklsehen Reich zu einer künstlichen Einheit verschmäh zenen Natimmlitäteu gegenüber, ein differenzierendes, zentrifugales Element, Unter ihnen sind zunächst solche zu unterscheiden, die sich an selbständige National•׳ Staaten misscrlmlb der Türkei unlelincn, also in» letzten Grunde 11111 eine Losreissung hlnnrbeltcii. Es sind dies vor allem Griechen und Bulgaren, ferner Serben mul Rumänen, die sogenannten Kutzowailachen. Die zweite Gruppe umfasst lunertürkisclic Völkerschaften, die zunächst ein nationales Eigen• leben innerhalb der Türkei crslrcbcn. Unter ihnen verfolgen gerade die grössten, — so die für uns wichtigen Araber recht gefährliche separatistische Tondenz.cn. Sie werden in ihren häufigen Aufständen gegen die türkische Herrschaft bekanntlich von eng* liselicm Oelde unterstützt, wie überhaupt das 1nen• scbcnfrcmulllebe England, das gegenwürtig die Stütze der Jungtllrkcn ist, nichts weniger als uneigennützige ן Pläne im vorderen Orient verfolgt mul besonders in ' dem für sieb so wichtigen Arabien ein gefährlicher | Gegner des türkischen Reiches ist. Zu fürchten sind ' auch die separatistischen Neigungen der Armenier. ] während die für Europa wichtigen Albanesen ausgc•! zeichnete türkische Patrioten sind. Sn scher, wir ein j buntes Bild verschiedenartigster Nationalitäten vor uns. das den türkischen Einbcitsslnat zu zersetzen droht. Aller neben diesen beiden Gegensätzen, der reaktionären und der juugtnrkisehcn Gruppe, der türkischen Nation und den verschiedenen Nationall• tät^t.,existiert Meli innerhalb der türkischen Gruppo ela' Gegensatz, der nicht, durch wirtschaftliche oder! nationale Verschiedenheiten bedingt ist, I Hier stellt der grössere Teil der Türken als ottoj manische Partei auf der einen Seite, die den Gc• . danken des in der Verwaltung zentralisierten Einhcitsroichcs verkörpert, die Partei der Jungtürken. Ihr nun opponiert — innerhalb der türkischen I Partei ־•• eine Gruppe, die gerade itn Interesse des j festen Bestandes des Reiches eine andere Entwick-! hmgsniügiiehkcit für zweckmässiger lullt, die natioaale Dezcntralisationspartel des Prinzen Sabahcddin. die sich den Namen ..Liberale ottonwnischo Vcrcinigung“ gegeben bat. Der Prinz stellt die Lösung der Nationalitätenfrage in einer administrativen Diffcrcnzlerung der einzelnen Nationen, gleichfalls in einem Einheitsstaat, der «her In der Verwaltung dez.entralisiert ist derart, dass Jede Nation Selbstverwaltung und Autonomie im Innern besitzen sollte. Diese offenbaren Unterschiede bedeuten aber in der Tat kaum einen Gegensatz, vielmehr stellen sic nur verschiedene Entwicklungsgrade des türkischen Staates dar. Denn die Jungtllrkcn vertreten ein Gegenwartsprogramm, während Sabnhcddins Riehtung notwendigerweise nur ein Zukunftsprogramm sein kann. Die Jungtllrkcn wollen einen Einhcitssinnt, der etwa In der Art der österreichischen Mouarchic den einzelnen Nationen, aus denen er hesteht, Konzessionen machen muss. Diese werden zumal bei rcligions- und rasscnvcrschicüencn Nationen zunächst kultureller Art sein. Freie Religionsübung, Gründung eigener Schulen mit der nationalen Sprache, Duldung der nationalen Sprache als offizielle Vor- ———w—»u»1m1,1-j 1 ׳jw—i״j tmimmmmmtmmmmamm Und glaubst du, dass sic, hter, auf der Strasse viele Zeremonie«! machen würde? Unlängst wollte ich Ihr einige■ elende Silberlinge vorVnthalten, da . . . so" — hier machte Herr Marccll ohne bedeutungsvolle Handbewegung, die mit eiircr Maulschelle bedenkliche Achnllchkcit hatte. — ״Mit der ist nicht zu spassen. Glücklicherweise ging kein Vorgesetzter vorbei , . ״Du hast oin tapferes Wclb, Marccll; na, ich gratuliere I" rief Anton belustigt. ״Aber du bist ganz starr vor Kälte, und auch Ich möchte mich erwärmen." ״Ich sage dir doch, dass ich keinen Heller habe, und der Schankwirt will mir nicht borgen." ״So schäme dich doch; heute, am Freitag, kannst du, der Wächter der Judcngassc, nicht einige eiende Kopeken für e’n Mass Branntwein auf treiben? Versuche doch einmal, durch die Gasse zu spazieren und deine Juden und Jüdin• neu anzuzapfen. Du bist sonst nicht so zimperlieh, wenn cs gilt zweimal nachc'nandcr zu fordern. Wo bleibt denn dein Mut?" ״Gelt, du hast recht, Freundchen I" schlug Marccll ein. ״Komm, und du sollst sehen, welch’ eine Furcht ich den Jüdinnen einjage. wenn ich durch die Strasse schreite, welche Püffe ich rechts und Enks austeilc. und welche kcHrsspraehc neben der herrschenden Landessprache, Konzessionen, zu denen im vorliegenden Falle die Jungtllrkcn aus ihrer liberalen Anschauung heraus in vollem Masse ihre Einwilligung geben werden. Es ist nun anzunehinen. dass die türkische Regierung auch zu dem nächst weiteren Schritt in der Gcwäli• rung von Konzessionen gezwungen werden wird, nämlich zu administrativen Konzessionen, wodurch der Uebcrgang zur dezentralisierten Verwaltung im Sinne Sabaheddins in die Wege geleitet wird. Je stärker mm die in den Natioua'itäten ruhenden difie• •־cnzlerciiden Kräfte organisiert sind, ie schwächer ferner die Zcntrnlgcwalt ihnen gcgcnlihcrtritt, um so schneller wird sieh die Entwicklung durciisetzcn, die den Nationalitäten administrative Autonomie um! schliesslich Souveränität im Innern gibt. Wenn sielt also auch kein mit Notwendigkeit tintretendes Gesetz für diesen Entwicklungsprozess finden hiss», so ist doch mit Wahrscheinlichkeit nnzunclmicn. dass, wenn der Wille >.nr nationalen Differenzierung unter den Völkerschaften üer Türkei mächtig genug ist, auch diese Entwicklung cintrctcii wird, freilich in C'iicm Zeitraum, dir sich bisher kaum annähernd abschätzen lässt. Je nach dem Stiirkcvcrhültnis d׳:r differenzierenden und der integrierenden Kräfte wird die Staatsform der zukünftigen Türket eine mehr oder weniger feste?,ein. Sic kann die ganz lose Form des Staatenbunds besitzen, in dem die einzelnen Nationen unter voller Beibehaltung oder Erlangung ihrer Souveränität sicli zur Ausübung gewiss׳•!• Hoheltsrecbte vertragsmässig verbinden oder sie kann die festere Gestalt des Bundesstaats amichmcii, in dem die Nationen einen Teil Ihrer Hcrr.schaftsreehtc einer über ihnen sMicmkn Einheitsgcwalt überlassen und in einer nicht bloss vertraglichen, sondern organischen Verbindung mit einander stellen. Wenn wir den eben ausgefülirten Gcdankcngang als die voraussichtliche Eiitwickeltmgsteiideiiz des türkischen Reichs erkannt haben, so verstehen wir. welche enorme Bedeutung diese Erkenntnis iiir unsere praktische Politik haben muss. Die von Sabahcddin vertretene Richtung schlicsst auch, wie deutlich erkennbar, die Lösung des Zionismus, und zwar die beste Lösung, bi sich. Hingegen wäre nichts verkchrtcr, als wollten wir uns unmittelbar seiner Partei anscliliessen. Denn gelaugte letzt die Dczentrali• sationspartei zum Siege, so gehörte Palästina der letzt dort herrschenden Nation, den Arabern. Was wir tun können, ist unbedingter Anschluss an die Jungtürken, iir alles cintrctcii, das die Türkei stär• ken kann. Wir erweisen der türkischen Regierung den grössten Dienst, wenn ein verlässliches, loyales Volkselemcnt in Palästina sitzt, das das Land Wirt• schädlich liebt und zugleich zwischen den ciigland• freundlichen Arabern und den nichttürkischen Christen geschickt laviert und die Position der Regierung im Lande festigt. Sobald die junge Türkei durch ver• nünftige Gesetze die rechtlichen Voraussetzungen für die Entwickelung eines wirtschaftlichen Lehens gc• geben haben wird, müssen unsere Institutionen türkisch werden. Denn der Zionismus hat hei einer wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas die besten Chancen, wenn er von der Regierung protegiert wird. Wir müssen also folgende Grundsätze für unsere politische Betätigung aufstcllcn: Stärkung unserer Position in Palästina durch Eingreifen in die innertürkische Politik, ein Ein• greifen, das auf genauer Kenntnis und unter steter Ordnung ich gleich mache. Du wirst deine Freude haben." ״Zippe, bring den Kohlcntopf hinein!'* rief eine Lndetifrau dem Mädchen zu, das draussen sass und sich die Hände an einem Feuertopf wärmte. ״Er geht . . . rasch!" Das Mädchen versteckte rasch den Feuertopf unter der Schürze und stürzte der Türe zu. ״Zippe, schönes Kindl" sagte Marccll, indem er auf sic ztikam und sic am Kinn zu strcichcfln suchte. ״Fort, Marccll, wie kannst du nur so frech sein!" schrie Zippe und stiess ihn mit der Hand von sicli. ״Frech?" lachte Marccll höhnisch. ״Was kannst du mir tun, wenn ich doch frcelt sein will?" und dabei kniff er ihr lachend die Wange. ״Weg, du Schuft!" rief das Mädchen und stampfte mit dem Fuss. über und über rot vor Zorn, ״sonst beschwere ich mich bei dem Viertelrichter." ״Be!m Viertclrichter dich beschweren? so?" erwiderte Marccll gedehnt. ״Und was versteckst du denn da unter der Schürze? ל Lass doch 'mal selten!" Dabei griff er nach dem Kohlcntopf und zog ihn ans Tageslicht hervor. *Ein Topf voll• glimmender Kohlen I" donnerte er, ״brennende Kohlen auf der Strasse! Kennst du die Vorschrift? Gleich wirst du

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