Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sehe 112. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 10. Als Jude aus Gross •Wanzlcben empfand ich uas mit Freude!" Für Herrn Gustav K a r p e 1 e s' dagegen würde sich folgender Anfang empfehlen: ״Erez Israel, das jüdische Land, enthalt, soweit das Auge reicht, kein Heine-Denkmal und gleicht dadurch aufs llaar der deutschen Landschaft Als ger* manischer Jude empfand ich das mit Freude!" Herr Z a n g w i 11 aus London wird natürlieh Palästina meiden und etwa so beginnen: ״Erez Israel, das jüdische Land, Hess ich links liegen und begab mich in das herrenlose, also für mein Volk erreichbare Gebiet der Wüste. Unmittelbar nach meinem Gintritt erblickte ich die Fata Morgana, einen wundersamen Komplex von Luftschlössern. Das erinnerte mich an die Heimat meiner Träume, an die Landschaften der Ito. Als Territorialist empfand ich das mit Freude!" Brief aus Afrika t,Von unserem Spezial-Korrespondenten/) Jeder gebildete Guropäer kennt meine letters, was ich habe in früheren Jahren geschrieben an ‘den ״Schicmiel", das Zcntralorgan für die gesamten Interessen von Mister Zangwill. Ich bin der Nigger, was ist über• getreten zur jüdischen Kasse frankfurtischmainzer Konfession. Heute ich will Ihnen nur versichern, dass Uganda steht noch und dass die jüdischccommunity blüht und gedeiht. Was aber leider bei uns nicht tut blühen und gedeihen, das sind die Bäume und das Getreide, weil da ist zu wenig Wasser. Wie am politischen Horizont keine Wolke ist zu selten, so auch nicht am himmlischen, und das einzige, was bei uns seit langem hat geregnet, waren die Vorwürfe von Chaskel dem Schreiber. Gr hat geschricn, wie geschrieben steht: der Hirsch schreit nach Wasser: denn er brauchte es für den Tee, was er sehr liebt zu trinken, und für seine ־Fische, aus denen er ging zu machen einen Aeroplan, um in die Luft zu fahren. Aber seine Not hat gewesen terrible, und er hat gefühlt sich in Uganda zuletzt ganz wie man sagt . uniucky. Wie manche Menschen sind mondsüchtig, so Chaskel war wassersüchtig, und einmal er klagte mir: ״Teurer Freund, hin ich nicht in einein Unglück reingeraten? Ich habe geglaubt, dass ich tue kommen in einem Lande, was flicsst von Milch und Syrup oder doch wenigstens von Wasser, und bis jetzt tliesst es mir von meinen Tränen. Das ganze Leben ist eine Täuschung und ein Rätsel, wie schon der deutsche Dichter sagt, wo er singt: Greift nur arein ins volle Menschenleben, Und wo ihr‘s packen tut. greift ihr daneben". G!׳ hatte geworden ein stiller Mann, hatte sich zurückgezogen von der Politik und sich ganz und gar verlogen auf seine Erfindung; Gr machte ein Luftschiff von Fischblasen und hatte zu diesem Zwecke geangelt sechs Monate am Victoria Nynnza und gefangen über 10060 Fische und_ deswegen dem Aeroplan gegeben den Namen ״Fischschuf«• Well, ich habe abgewartet, was werden wird. Eines Tages ״her kommt Chaskel zu mir mit einem fröhlichen Angesicht, und Ich sage zu ihm: nu? antwortet er, dass sein Fischschiff ist fertig und Wasser wird auch bald sein in Uganda; denn in Südwcst-Afrika, sagt er, ist eingetroffen wie ein guter Traum ein gewisser Landrat aus Preusscn, was findet Wasser mit der Wünschelrute. ״Was ist Wünschelrute?" frag’ ich, sagt Chaskel: ״Wir werden uns arcinsctzcn in dem Fischschiff und awegfahren nach Südwest, werden wir sehen, was ist eine Wünschelrute." Wir gingen auf den grossen Platz vor Chaskels Wohnung, und er führte raus seinen Aeroplan, bestehend aus Gondel mit Benzin• motor und Steuerschrauben, und an langen Stricken hingen anstatt des Ballons beinahe 10 000 Fischblasen. ״No, sir", ich sagte zuChaskeln, ״da.ich steige nicht rein; geh du allein in die Luft!" Chaskel anfing zu weinen und sprach: ״Weh mir, ein hartnäckiges Volk ist das jüdische Volk, und es ist ein Unglück, wenn der Freund hat kein Ver• trauen zum Freunde und wenn sogar die Patrioten sind uneinig, wo es sich handelt um dem Wohle des Vaterlandes. Merke dir das deutsche Sprich• wort, was da heisst: ״Einigkeit vereint, Zwietracht ent z w e i t". — ״All right," ich gab zur Antwort, ״an mir es soll nicht fehlen.״ Wir setzten uns in die Gondel, und dann es ging hoch und vorwärts nach Siidwcst. Glücklich war die Reise, und glücklich wir sind angekommen und haben kennen gelernt dort einen vornehmen alten Herrn, mit Namen Landrat von Uslar. ״Was ist das eine Wünschelrute?" fragte ihn Chaskel. Da er zeigte ihm ein Stück I lolz und erklärte, dass er mit diesem kann finden Wasser unter der Erde. Wenn das Holz sich bewegt, ist da Wasser, und wenn nicht, dann nicht. ״Entschuldigen Sie, Herr Wasserrat'*, sagte Chaskel, ״was kostet so ein Holz?*'-״ ־Gar nichts". ״Gar nichts?" rief Chaskel mit Staunen, ״Mlnvapwa, dann kann man sich doch kaufen so ein 1 lolz." Das sicher ist eine grosse und gute Sache, und man sieht, dass in Preusscn es gibt doch noch aufgeklärte und erfinderische Menschen. Jetzt ich verstand auch die Kabinettsordre, wonach der Nimbus des jüdischen Volkes ist verloren ge* gangen. Nämlich der Nimbus von Mose ist über• gegangen auf den Landrat von Uslar. Dass Mose mit einem Stab hat geschlagen Wasser aus einem Gelsen, will man nicht mehr glauben; dass Uslar es hat gemacht, glaubt Dcrnburg. Dieser hat sich sehr gefreut über die Gründung, vielleicht aus Pietät gegen seine Ahnen, denen aas Wasser dazu war behilflich, dass er konnte werden ein Staats• Sekretär in Prcussen. Auch Chaskel der Schreiber glaubt an Uslar, denn er hat sich überzeugt davon. Auf Staatskosten er kaufte eine Wünschelrute un• entgeltlich und hielt sie über meinem Haupte sagend: ״Mbwapwa, Du hast einen Wasserköpf, denn sic bewegt sich." Ich habe dann gebeten, dass er soll geben mir die Rute, damit ich kann probieren sie an ihm. Und es hat gezeigt sich, dass Chaskel hat kein Wasser im Kopf, sondern Blut in der Nase; denn gegen injurics ich bin sehr empfindlich. Chaskel war nicht böse, weil er versteht Soass, und so wir sind zusammen nach Hause gefahren und hoffen, dass mit der Wünschelrute wir werden bewässern das ganze Land. Es grüsst Sie Mbwapwa Jumbo! Häuptling a. D. von Uganda. Bundeslied der ״Jüdischen Notabein“ Wir haben die Dukaten Und dürfen mitberaten Dem Judentum Zu Ehr' und Ruhm Und sind Aristokraten. Vom Scheitel bis zum Nabel Ist jeder ein Notabel, Und Reden hält Das bare Geld, Die Plebs hält ihren Schnabel. Wir hatten uns versammelt, Die Türen fest verrammelt Und mit Geschick Von Politik Und Judentum gestammelt. So halten die Moneten Das Judenvolk vertreten: Denn wir sind ja Mal dazu da, Wir Notabilitäten. Und was bisher wir taten, Wir Ritter vom Dukaten? Nicht einen Ton Hört man davon Und kann ihn höchstens raten. Ja, die Dukatenstreiter, Die streben immer weiter, Dass sic geschwind Am Ziele sind .... Herr Nossig ist ihr Leiter. AUS ALLCR W6LT י t Deutschland Der Kampf gegen uen!•Id more fudalco In Deutschland. Wie wir hören, ist der ״Centralverein" beim Kriegsministcrium darum vorstellig geworden, dass die jüdischen Soldaten in Zukunft bei der Vereidigung den Falmenschwur gemeinsam und mit der gleichen Schlussformel, wie ihre christlichen Kameraden leisten dürfen. dem Murgcnschluinmer gerissen. Es war eine ' anonyme Karte. Darin wurde mir mitgeteilt, dass man meine Erzählung gelesen, aber nicht ganz verstanden habe, und man bat mich um eine kurze Erklärung. Nun muss ich selber sagen: verstanden hatte ich sie auch nicht. Aber icli hatte mich damit zufrieden gegeben, dass mav> die Neugier nicht gav zu weit treiben dürfe. Als höflicher Mensch wollte ich mir aber die Gunst meines Lesers nicht verscherzen —- man kann nie wissen, wozu der noch einmal gut sein kann, Und so holte ich nach, was icli versäumt hatte: Ich dachte'nach. Schon glaubte ich, den Ideen des Verfassers auf der Spur zu sein, als ich wieder durch den Briefträger geweckt wurde. Diesmal war cs keine Karte, sondern ein Brief, eine Steigerung, die das nächste Mal bis zur Post• anweisung ausarten musste. Durch den Inhalt wurden meine Forschungen in ganz neue Bahnen gelenkt. Da stand es: ״Werter llerrl" (Er meinte mich. — Anm. d. Vcrf.) ״Ich habe die feine Ironie, die aus Ihrer Purim* Betrachtung spricht, wohl verstanden," (Hier bekam mein Nachdenken den ersten Ruck. Icli dachte: ״Aha!*‘ ein Gedanke, dessen Originalität ich indessen nicht für mich in Anspruch nehme.) ״Doch kann Ich Sic von dem Vorwurfe nicht freisprechen, dass Sie, indem Sie in Human offenbar den Positivismus eines Spencer darstellen, den modernen und doch veralteten Evolutionsthcorc• tikeru zu freundlich emgegenkontmen." In der Tat! Ich fühlte mich wie ein ertappter Ver• bracher, ich wusste nicht, wie ch mich rechtfertigen sollte. ״Herein" rief ich, und es erschien ein Russe. Er verstand kein Deutsch, was ihn aber nicht hinderte, es zu sprechen. Er hatte meine Betraebumg gelesen und zwar mit dem Lexikon und bedankte sich in überschwänglichen Worten für den schönen Nachruf, den ich - - jedem Ginge• weihten verständlich -״- durch meine Erzählung seinem vor drei Jahren in Berdiczew verstorbenen Onkel gewidmet hatte. Ausserdem lobte er den Stil. Ich drückte ihm gerührt die Hand. Nun war ich gerechtfertigt. Dem Leser, der mich nicht ganz verstanden hatte, schrieb ich: ״Goethe, Gaust, Seite 15, Vers 10". Denn da stand: ״Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Ich freute mich über meine lakonische Antwort. Nach zwei Tagen kam wieder eine Karte: ״Sie meinen doch in der Cottaschen Ausgabe?" Ich hatte diese zwar nicht gemeint, schlug aber immerhin nach. Und — wehe mirl — Da hicss es: ״Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei auch etwas denken lassen." Mcrkspruch der Zionisten Ohn' Einigkeit gelingt cs nicht: Das sieht wohl jeder von euch ein. Und darum ist cs eure Pflicht, Stets m c in er Meinung auch zu sein. Orientalische Spruchweisheit Ich glaubte, wir würden in der Versammlung goldene Worte hören; aber was gesagt wurde, war trocken wie Wasser. (Herr L. in der Gcncralvcr- Sammlung der B. Z. V.) # Es ist nicht wahr, was der Vorredner sagte, es gebe zwei Alternativen. Für uns gibt cs nur eine Alternative, nämlich den Antrag abzulehncn, * . t_ Durch einen unglücklichen Zufall ist Herr Lövysohn in das Getriebe der sittlichen Wcltordnung geraten. (Generalversammlung des Zcntralvcrcins.) Külscl Einst war ich eine Königin, Auf stolzem Perserthrone; Im Brautkranz bild־ ich überall Der Jungfrau Ehrenkronc. •sssopopi jogisg f t , 1 h;