Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Saite 113. No. 1Pr_ JUEDISCHE RUNDSCHAU ptf D«ut*che R*l*h1t1g hot in seiner Purim* •nuns beschlossen» seine Geschäftsordnung nach von den Herren Orant ko, Honemann n c S t c I n e n b e c r für die Zionisten* itn\ Jpessc veröffentlichten Entwurf abzuändern. Pankow bei Ilerlln. c Geschichte und Im hiesigen Verein Literaturwurden für am nichtüotaufte da. Die Damen hatten Kreuze auf der Brust versteckt. Mesusaus sind in der Schule ment da, so dass sie nicht versteckt zu werden brauchten. Dann sang ein Knabenchor einen Choral von Felix Mendelssohn. Die Worte waren so wenig deutlich gesprochen, dass die einen ״Jesus, meine Zuversicht", die anderen ״Wie schön sind deine Zelte Jacob und d ine Wohnungen Israel Schmidt Söhne״ als Text annahmen. Um so vernehmlicher waren die Reden. Besonders ergreifend wirkten die Ausführungen über die Be• deutung Mendelssohns für die Erhaltung des Juden• tums. Die Nachkommen - vom Finanzbaron bis zur ordentlichen Professorengattin -- nickten zu• stimmend. Aber als der Redner mit den Worten schloss: ״Ohne Mendelssohn giibe es kein deutsches Judentum mehr", da stürzten sich die Urenkel des Philosophen auf den Redner und be• deckten ihn mit Küssen der Dankbarkeit. Dieser spontane Ausbruch des jüdischen Mitleids gab ein , 1..״ •־,״״״,.machio Vn«/.h1r1 ״. . .״ Üild von solcher Erhabenheit» dass sofort der jud)' .״t! Pamiiu ^J1F ״ k,_8h* Sjpcxialphotogroph der ..Woche־* die Scene in vier irtim der j.iihschcn Familie durch dasWelhnachts• Stellungen aufnahm. Nur einem Zufall muss man *t zu ersetzen, Anklang gefunden hat, hat die Ber* es zuschrcibcn, dass nicht sämtliche Nachkommen Amerika Now-York. In ,The Olobc־* ist der Vorschlag gemacht worden, ״Yiddish" zur Unlversaf-Weltspfache zu machen. Wir haben gerade genug esparantote Sprachen. Uebrigens muss sich eine antisemitische Rede in solch einem jüdischen Volapücklerstil nicht Übel ausnehmen. .״fgjnccnvn .Mittwoch einige klassiichc Sachen von h * 10 m AI c 1 c h c m, dem jüdisch cn Mark Twain, irtfrc1r3ficn• Hie Rezitation lag in den Bünden von Jrn Siegfried Leiblicher, dem jüdischen oin׳. der ausserdem noch einige Gedichte von Oliven, dem jüdischen Homer, vorlai. Die sehr ״«regte tiesellschaft blieb bis Mitternacht in guter iiming beisammen uud trank Selterwasser, den jüdischen Sekt. ״ Berlin. Nachdem der in der ,Allgemeinen Zeitung •er Gemeinde, die sich in solchen Fragen stets als i'/egbalmcnn bewährt hat, von ihren Rabbinern ein . ,!achten darüber eingefordert, ob in solchen Fällen, 4 וer Iledige Abend auf den Freitag fällt, das An* .:«kcn der Weihnachtskerzen von einem christlichen .״•er \0״ einen! jüdischen Dienstmädchen zu erfolgen *־*״ Berlin. In ihrer letzten Sitzung beschloss die gepräsentJintcnvcrsammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin die Annahme der Christoph und Gerda* KorncliuvStiftung. Ihr Zweck ist die Unterstützung solcher mosaischer Studenten, deren Fortkommen c.rcii keinen prononzierten jüdischen Namen gefjhrdct ist Stipendien sollen nur solchen Bewerbern «*ährt werden, die sich durch die jüdischen Speise•;ch’Uc nicht gebunden fühlen. Berlin, 15. Februar. Quäle nie ein Tier;jm Scherz, denn cs kann geladen sein. Die feine Weisheit dieses Spruches hat sich beim jüdischen pjbl.kum bewährt. Es war geladen —• zu der Himieiliung des Mendelssohn-Denkmals. Wunderhar wie die Geschichte dieses Mannes, war die Embryologie des Denkmals. Sie ist nämlich um «kehrt. Ein riesenhafter Keim und eine zwerg hafte Frucht. Erst wollte man ein überlebensgrosses Denkmal. Ueberlebensgross wegen der kleinen (iot.iit de> Denkers. Der Credit des Mendels «ibnschen Bankhauses wäre sonst gesunken. Dann sollte cn auf einem öffentlichen Platze aufgcstellt wer Jen. Aber man wurde nicht einig. Der Neue Markt war wegen der Nähe der Rosenstrasse besonders geeignet. aber das Lntherdenknial stand im Wege. Die Anregung des Vorstehers der Sclilc'ingerschen Schuld, es dennoch hier aufzu 'teilen wurde abgelelmt trotz des schwerwiegenden Arguments, dass das Lutherdenkmnl nur 9 Personen autweist und Mendelssohn hier als zehnter Minjan mann ein dringendes Bedürfnis befriedigte. Es an der Börse aufzustellen, wäre wieder als gar zu starke Huldigung für diu Bankfirma des Nach kommen erschienen, obwohl die Fundamentierung in den Wassern der Spree eine starke symbolische Bedeutung gehabt hätte. Schliesslich wurde der Vorplatz der Synagoge Lützowstr. empfohlen, aber dagegen sträubten sich die Nachkommen, ii nina! weil er ihr religiöses Empfinden verletzte uml dann weil (ausser dem Schammesi kein Mensch das Denkmal zu Gesicht bekommen hätte. . So wurde der Vorgarten der Knabenschule gewählt. Gleiche Schwierigkeiten machte die Wahl unter den zahlreichen Umwürfen. Am meisten Sympathie fand noch der Entwurf des ,.Schicmiels". Aber unter den Sockelfiguren waren so erbitterte Kämpfe über der Wert der katholischen und evangelischen Kirche ausgebrochen, dass die meisten den Kopf verloren und dem Bartholdy die russische Anleihe unter pari sank. So fielen die Sockelfiguren und :,N die Orthodoxie in der Repräsentanz (gewisser• ״>a>scn;,|s nachträgliche Sühne) noch eine erneute bochncidung verlangte, wurde dem ־ arnten Mendelssohn durch ein Versehen des kurzsichtigen Möbels der ganze Körper beschnitten und es blieb nur der Kopf übrig, lis war ein Unglück. Aber ׳ ranz von Mendelssohn fand das Trostwort: Garn su le’tauwo. Ein Missgeschick jagte das andere. An welchem Tage sollte das Denkmal enthüllt werden? Den Todestag hotte man versäumt, ['«gen das jüdische Datum wehrte sich Geigers *atriotismus. So wühlte man den Todestag Lessings. Da wäre das jüdische Datum doch nicht berechtigt gewesen» Die Feier war stimmungs- '011. Die Nachkommen Mendelssohns waren1 voll• •*ahlig vertreten״ Ausserdem waren viele Noch• Mendelssohns zum Judentum zurückkehrten. Es war kein Bogen Papier da, das die Austrittsgc• suche in Form bringen konnte. (Wie wir hören, hat das Rabbinat für alle Zukunft angeordnet, dass für alle Mcndclssohnfciern ein Riess Aktenpapicr bereit gehalten werden soll). Mit dem Gesänge des gutgewaliltcn Liedes : ״Haben wir nicht alle einen V a t e r?״ schloss die Feier. Die Hüllen sanken vom Denkmal, auf das ein symbolischer Regenguss herniederrieselte. Die Herren mit um• gekrempelten Hosen, die Dainen mit gerafften Kleidern; alle aber in gehobener Stimmung, kehrten sie heim in ihre Häuser. —Oih— Russland Wie die ״Allerneueste Jüdische Korrespondenz" aus Petersburg von ihrem dortigen Korrespondenten erfährt, beabsichtigen die Juden Russlands, sich in einem Aufrufe an ihre Glaubensgenossen in allen Ländern der Welt zu wenden, um sic zu einmütigem Vorgehen zur Wahrung der Rechte Russlands aui• zurufen. Es bestehe nämlich di.' Gefahr, dass im Verlaufe der Unterhandlungen, die auf die Beilegung der orientalischen Krise hinzielen, die Rechte Russ• lands geschmälert werden. Es soll besonders darauf hingewiesen werden, dass Russland sich niemals gescheut habe, dem jüdischen Kapitale Anlagcmöglichkciten zu bieten, und dass die Regierung die auch seitens jüdischer Organisationen geforderte Auswanderung ihrer Juden stets wohlwollend gefördert habe. Es ist zu hoffen, dass die Olfenhcit der jüdischen Ohren gegenüber diesem Appell der der jüdischen Taschen um nichts nachstchcn wird, die sich bisher bei allen russischen Anleihegcschüftcn bewährt hat. Petcruburg. Siolypin sagte in der Duma. d3ss die russische Polizei mutig und ehrlich sei« Er soll daher wegen Verrats von Staatsgeheimnissen in den Anklage/.ustand versetzt werden. Was der Minister nämlich ausführte, war bisher ein Geheimnis, das niemand kannte, und man vermutet, dass er ebenso wie Lopuchin ein verkappter Revolutionär sei. üerbent (Kaukasus). Die hiesigen Bergjuden haben in Aussicht genommen, ein Kartell mit den westlichen Bergjuden anzubahnen. In einer hier abgchaltencn Versammlung beschlossen sie daher kürzlich, sich durch Entsendung einer Delegation mit der Sektion Berlin-Brandenburg des dcutsch*Östcr* rclchischcn Alpcnvercins in Verbindung zu setzen. U. a. wollen sie auch Ratschläge für die Einführung einer den Anforderungen der Neuzeit entsprechenden üergkleidung einholcn, bei der die Wadenstrümpfe nicht fehlen dürfen, in der Versammlung wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass Herr, Walther Ruthcnm! das Amt eines Obergutachters In dieser wichtigen Frage cinnehmcn werde. Türkei fOrlöinaltelcgramm der ״Jüdischen Rundschau• ' 8 aus Konstantinopck 29. Februar 1909) Die türkische Dcputlcrtcnkammer votierte dem Zionistischen Aktionskomitee seinen Dank dafür, dass das A.*K. sich bereit erklärt hat, Palästina auch weiterhin unter der Oberhoheit der ottomanischen Regierung zu belassen. _ Eine grosse allgemein dl sc he Organisations •Kolonisation sucht einen eraten Vorsitzenden. Anmeldungen unter Vorlegung der letzten Geschäftsbilanz nach Berlin- Haie nsee unter .0. N*. Vertrauliches Zirkular Auf unseren Redaktionstisch flog ein vertrauliches Rundschreiben dcs_Zioist. Zentralburcaus, ,das__wir hiermit vertraulich “der Oeflentiichkeit übergeben: Rundschreiben No. 11111. Charlottenburg, 7. März 1909, Blclbtreustr. 49. An die Ortsgruppen u. Vertrauensmänner! I. Wir sind aufs höchste erstaunt, dass Sie unserer Bitte um Ernennung eines Vertrauensmannes für das Sortieren der für die Bricfmirkensammelsteile gespendeten Marken (siehe Rundschreiben No. 10592 vom 3. Januar d. J.) bisher noch nicht nachgekommen sind. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalionds in Cöln macht uns täglich auf die Wichtigkeit dieser Institution aufmerksam! die von der grössten Be* deutung für die Weiterentwicklung unserer Bewegung werden kann• Wir bitten Sie daher dringend, unseren Wunsche nunmehr sofort nachzukommen, ersuchen gleichzeitig diejenigen Ortsgruppen, in denen noch nicht sämtliche Mitglieder Vertrauensposten bekleiden um Aufgabe der betreffenden Gesinnungsgenossen. II. Wir haben Ihnen bereits wiederholt mitgeteilt, (siehe Rundschreiben No. 9215 vom 8 Jinuar, No. 10637 vom 2 Februar usw. usw.) dass sich uns eine grosse Anzahl unserer bewährtesten Agitationsredner für Vortragstourneen und einzelne Vorträge zur Verfügung gestellt hat. Es ist uns unangenehm, diesen Herren immer wieder schreiben zu müssen, dass ihr dringender Wunsch, Vorträge zu halten, noch nicht befriedigt werden könne, da die Orts• gruppen bereits für Monate hinaus mit Rednern ver* sorgt seien. Wenn wir auch zugeben müssen, dass Sie nicht an jedem Tage eine Versammlung abhalten können, so bitten wir Sic doch, dafür zu sorgen, dass wenigstens ein Teil unserer :Propagandaredner in der nächsten Zeit seine »Kriilto in den Dienst unserer Sache stellen kann. Mit freundlichem Zionsgruss Zionistische Vereinigung für Deutschland Zentralburcau. Mitteilungen des Zcntralbureaus der Zionlslischen Vereinig, für Deutschland Von Herrn Professor Fahrburg wurden dem Aktionscomitce (A C.) eine Reihe wichtiger Vorschläge unterbreitet. Er schlägt die Begründung einer Kaffeepflnnzungsplantagenakticn• ׳ gcscllschaft (K.P.P.AG.) vor mit einem Kapital von 20 000000 Millionen Mark in Aktien von 500 und 100!» Mk., weiter eine Uaumwollkultur• genossen schaft (BK. G.) mit einem Kapital־ von 800009 Mk. in Anteilen von 100, 21:0, :100 Mk. Daran soll sich anschlicsscn eine Gcscllschaft mit beschränkter Haftung zur Ver• arbeitung der Baumwolle (G.M. B. HZ. V. I). B.). Mit der Palästina -De velopcmcnt Company (i1. D C.1 und dem Palästina- Industrie-Syndikat P. I. S.) soll eine Tiefbau* Abteilung für Chaussee und Wegebau verbunden werden (T. A. F. Ch. U. W.). Die Aktien der P. D. C. sollen um l.VfOOo Mk. erhöht werden. Bis ins einzelne ausgearbeitet liegt dem A. C. ein weiterer Vorschlag vor, der schon in der Jüdischen R und scha u (J. R.) vom Central* comitce (C. C.) befürwortet wurde, dass der Nationalfonds (NF.) eine Land *Kauf- G c n 0 sse n sc h a f t (L. K. G ) und eine Gesellschaft zur Ausbeutung der mincra-!!schon Schütze des Toten Meeres (G. Z. A. D.M. Sch. D.T.M.) gründen sollte. Von dieser ü. Z. A.!) M. Sch. D. T. M. erwartet man für die Vereinigung der Liebhaber eine r Toten M e c r 1• 1 o 11 e (V. D L. E. T. M F.) einen wesentliehen Aufschwung. Das Oel, das der Vc r e i n Oclbaumspendc (V. O. Sp.) gewinnt soll nach dem Plane des Engären Aktionscomites (E. A. C.) dem das Grosse Aktionscomitee (G. A. C) s Ich anschliessen dürfte, zu gleichen Teilen verwandtwerden für die Hebräisch e Un iversität (H. U.j" und für die Heizung der Dampfkessel auf den Toten Meer-Schilfen. Im August werden die verschiedenen Gesellschaften gleichzeitig in Köln tagen; das E.A.C. O. A. C., N. F..V. O. Sp, H U., C. b. G. Z A D. M. Sch. D. T. M. V. D. L. ö. T. M, P.C. G. M. B. H. Z. V. D. 8., P. D. C. haben bereits zugesagt Aus stehen noch die K. P. P. A. Q״ das B. K. 0״ T. B. A. F. Ch. N.W., L.K.G. 1* I.S״ B.K G. J. R. -