Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10?. No. 9. bracht werden. Danach .soll eine Anleihe von CO 000 Lt. bei der üttonianbank, und eine in zwei Jahren in Katen von 50 000 Lt. zu leistende Anleihe von 100 000 Lt. bei der Landwlrtscliaftsbank aufgciionuncn werden, welelic Summen zur Deckung eines Teiles der auf 1 200 000 Lt. vcrnitschlaRtcn Baukosten verwendet werden sollen. Die Hcdja.sbahiigcseil• schaft überlässt dafür der letzteren Bank die Lin- Ziehung aller wesentlichen Einnahmen, unter anderen auch die aus den Stcinpclgebiiliren, welche die Be• völkeruug schon seit 10 Jahren zahlt, und ausserdem alle Einnahmen aus dem Betrieb der Hcdlaslinic auf zwei Jahre. Auf diese Welse werden die BaugclUcr »!!gesammelt und der Blau kann zur Ausführung ge* bracht werden. Nach Vollendung der! Strecke bis Mekka und Medina wird man in Ausführung eines früheren Beschlusses die Strecke v o n HlUla nach Jerusalem bauen. Die Hohe Pforte hat die Ver• waltungen, die es augeht, von diesem Beschluss in Kenntnis gesetzt. Amerika Jüdische Einwanderung nach Texas ׳Das Problem der Jüdischen Wanderung musste erst mit den Pogromen des Jahres 1905 In das akuto Stadium treten, das die Massen der jüdischen Paupers vor die Tore der grossen westlichen Handelszentren trieb, um auch bei den vermögenden und politisch emanzipierten Juden der angcls.'ichsischcu Liindcr den Gedanken einer grosszügigen Hilfsaktion, die bis zu einem gewissen Qrnde mehr den Charakter einer ״Abwehr" trügt, aufkommen zu lassen. Bekanntlich bedroht die S ü 11 i g u n g der jüdischen Zentren in N c w Y 0 r k und London auch die Stellung der ansüssigen jüdischen Bürger derartig, dass die strengen Abwclumassrcgelu der Rcglcrungen unter den eigenen Stammesgenossen der grossen Mehrzahl der Einwaudcrndcn Eiirsprcchcr gefunden haben. Eine Aktion, die lediglich aus dieser Not die Tu• gend der sozialen Hilfe macht und weit davon entfernt ist, der jüdischen Eragc ein dauerndes und gründliches Heilmittel zu bieten, geht von einem Kwmitcc aus. das sich bemüht, eine״ Teil des ständig nach dem Ghetto Ncw-Yorks flutenden Einwanderer• Stromes über den Haien Galvcstou (an der Küste des Uolies von Mexiko) zu lenken und von dort in die südlichen Provinzstüdle zu verteilen. Dem Komitee stehen wohlorgauisicrtc Verkehrsbureaus. Arbeitsnachweise, Volksküchen und ein weit verbreiteter Stal) von Agenten zur Seite. Die amerikanischcn Behörden stehen dem Projekt ausscrordeutlich wohlwollend gegenüber, da cs geeignet ist, dem fühlbaren Arbcitcrmangci in den südlichen Staaten zu steuern. Die Bestimmungen über die Zulassung der Einwanderer werden, wie die vorliegcnden Zahlen beweisen, weniger rigoros gchaudhabt. als in den nördlichen Häfen. Im Frühjahr 1907 wurde in Qalvcston das jüdische Informationsburcau eröffnet, welches klas Material beschaffen sollte, um dem einwaudcrndcn Ercmdcn, über dessen Persönlichkeit und Eähigkeit man sich vorher genau unterrichtete, die Möglichkeit zu schaffen in seinem Berufe tätig zu sein oder sich sonstwie seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Alles diente den ersten dringlichen Forderungen der Stunde; der kommende Tag sollte für das Seine sorgen. Denn, sobald ein Mann durch seiner Hände Arbeit genügend erspart hätte, würde er seine Familie mul Freunde nachkommen lassen. Das wusste das Komitee aus Erfahrung. Tausend Einwanderer im ersten Jahre bedeuten ein paar Jahr später Fünftausend. Diese Annahme hat sich bewahrheitet, dem» obwohl der erste Schub Einwanderer erst am 1. Juli 1907 eiutraf, und die folgenden Gruppen in Abständen von Urei Wochen folgten, haben die Pioniere bereits Familienangehörige, Verwandte und Freunde auf ihro Kosten lolgen lassen. Die Oalveston-Bcwegung bietet schon jetzt die Gewähr, so lange erfolgreich zu sein, als die massgebenden Faktoren sie für notwendig und nützlich erachten; und cs ist alle Aussicht, dass das Work von dem schönsten Erfolg gekrönt sein wird, zumal wenn die gegenwärtige finanzielle Krisis nach• gelassen hat, In direkter Bahnverbindung mit den weiten benachbartcn Lündcrstrccken westlich des Mississippi, in neuerer Zeit von dem Zuzug der Einwanderer fast unberührt — bot Galvcstou die Beste Möglichkeit für eine schnelle Verteilung der einwandernden Massen. Die geringen Arbeitsgelegenheiten, die sich für gewühnlich im Süden mul Westen Amerikas bieten, würden sieh bei einem Mündigen EInfluss Arbelts* fiiliiger mehren und der Jüdische Handwerker und Arbeiter würde hei seinem Flciss, seiner Enthaltsamkeit und der strengen Zucht seiner religiösen Vor- Schriften und Gewohnheiten erfolgreich konkurricren. Mit Deutschen und Slawen sowohl, wie mit den Abkömmlingen der romanischen Rasse würde er brüderlich beisammenwohnen können ohne Ule MöglJchkcit Ins Vaterland — besser Sticfvaterlaud — zu JUEDISCHE RUNDSCHAU riiekzukehren, so bald er eine Summe Goldes erspart hätte. All’ diese Annahmen haben sich hu bisherigen Verlaufe der Arbeiten bewahrheitet und cs wurden auf diese Weise in der Zeit vom Juli 1907 bis Mat 1905t »am Personen ״verteilt", davon 729 Männer, 73 Frauen und 132 Kinder. Ein besonders günstiges Zeichen für den Erfolg der Ansiedler ist der Umstand, dass cs in acht Fällen den Gatten möglich war, ihren Frauen aus eigenen Mitteln die spätere Ucberfahrt zu ermöglichen. Immerhin, vergleicht man diese Zahlen etwa mit denen der jüdischen Einwanderung' nach einem der orientalischen Länder, wo die Juden auch dann gern gesehen werden, wenn sic nicht gerade dem äugen• biiekliehen Bcuilrfnis nach Arbeitskräften abhclfcn, sondern in einer stamm- und artverwandten Bcvölkerung aufgenommen werden, so drängt sich einem die Einsicht unabweisbar auf, dass der Schwerpunkt der jüdische!! Frage, wenn eine halbwegs durchgreifende Lösung überhaupt zu erhoffen ist. sich immer mehr nach dem Orient neigt, dessen jüngstes Erwachen dieser Tendenz natürlich noch ausserordentlich dient. fa, Das fjclobtc Land Mexiko In der letzten Nummer der bekannten englischen illustrierten Zeitung ״The Graphic" finden wir einen Artikel ״Präsident Diaz und die Juden." Nach diesem Artikel, der keinen Autornamcu trägt, und den wir deshalb und aus anderen Gründen für einen Ballon d’essai halten, bemüht sich ein Herr de Kay darum, in Mexiko eine öfientlichrechtlicli gesicherte Heimstätte für die verfolgten Juden des Ostens zu schaffen. Nach dem Artikel soll der Präsldcnt der Republik nichts dagegen haben, dass •luden in einer Provinz Mexikos die Majorität erlangen und entsprechend den Gesetzen die Provinzialvcrwaltung in die Hand bekommen. Er spricht weiter davon, dass Mexiko ein freier Staat sei, der tätige Einwanderer, Industrien etc. brauche und also eine jüdische Einwanderung nicht ungern sehen würde. — Wir möchten dazu vorläufig' nur bemerken, dass alles, was liier von Mexiko gesagt wird, mindestens in gleichem Masse für Palästina unter der neue n T ii r k c i zutrifft. Und Palästina hat doch ausserdem noch mehr als ein Pius! (Der Autor des genannten Artikels dürfte denn auch in der Nähe jener Kieise zu liehen sein, denen die Ncugestaltung der Dinge in der Türkei einen Strich durch die Rechnung zu machen droht.) Eine Vier-Millloncn-Sliftung Louis A. Hciushciiucr. der jüngst verstorbene Schatzmeister der United liebrew Charitics. Mitglied der bekannten Bankfirma Kuhn. Loci) & Co. in New York hat die kolossale Summe von einer Million Dollar, (־!,l Millionen Mark) für J ii d i s c h e W 0 h 11 ii t i g k e i 18 z wecke i n N e w York hiutcrlasseu. Bedingung dabei ist, dass die grössten Jüdischen Wohltätigkeitsunstalten New Yorks, nämlich das Mount Sinai Hospital, das hebräisclie Waisenhaus׳, das Montcfiorchcim für Invalide, die Erzieiumgsalliunz. das Heim für alte und sieche Juden und die Vereinigten New Yorker WohltätigkcitsanstuUcn sielt Binnen Jahresfrist zu einem V c r 1) a u d e zusammcnschliesscn. dem auch andere ähnliche Anstalten beitreten können. Wie verlautet, sind die Anstalten gewillt, die Bedingung des Testaineiits zu erfüllen. Die Schaffung eines solchen Verbatides war eine der Licblingsidccn des Verstorbenen, die zu erfülle!! ihm sein Leben lang nicht gelang. Hoffentlich gelingt es ihn! mm noch nach seinem To.de. PALßeSTINA-'RUNDSCHAU Yenicnitlschc Juden in Jaffa Vor einigen Tagen kamen 150 ycmcnitischc , .luden. 100 Männer mul 51) Frauen nach Jaffa. Die; Leute kommen ans einer kleinen Stadt inmitten j der arabischen Wiiste, 2t) Tagereisen vom Hafen : Hodeida entfernt. Das Land um diese Stadt herum j trägt, wie sie berichten, den Namen ״Ostland". weil j es den Osten der türkischen Besitzungen am Ufer 1 des Roten Meeres hildet. Fs wird ganz selbständig j verwaltet, unabhängig von der Konstantlnonclcr , Zentralreglerung. Nach den Angaben der jetzt nach j Jaffa gekommenen Juden sollen dort insgesamt etwa 50(10 Juden wohnen, die sehr arm seien und von den arabischen Oberen unterdrückt würden, Zwei Mo- 1 nate vor ihrer Abreise, so erzählen sic, habe eine Versammlung von etwa 100 Juden stattgefunden, in der die Teilnehmer beschlossen hätten, das Land zu verlassen und nach Palästina zu übcrsiedelii, Da sic absolut keine Mittel hnltcu. so wandten sic sieh an den rclchsteit .luden der Gegend und hüten ihn um Hilfe. Der Mann verkaufte sein ganzes Besitztum für etwa 30 000 Frauken und zog mit den anderen zusammen nach Palästina, Alte Ein- Wanderer sind gesuu'do und arbeitskräftige Leute, zum grossen Teile Schmiede, zum Teil auch A c k e r i) a u c r. Sie hoffen, ln den Kolonien oder in den Städten Arbeit zu finden und wollen, wenn cs ihnen gelingt, festen l'uss zu fassen, die In der Wüstenstadt zurückgebliebenen Juden nachkommen lassen. Nach ihren Gewohnheiten.und ihrer Lebensart erinnern sic sehr an die nomadisierenden Beduinen Mittclarabiens. Einige von ihnen haben mehrere, manche sogar bis zu vier Frauen, Rooscvclt in Palästina Wie hier verlautet, gedenkt Präsident Roo. scvclt im Mai oder Juni dieses Jahres Pa- | ii s t i u a zu besuchen, und er soll die Absicht ausgesprochen haben, dann auch einige jüdische K 01 o n i e n zu besichtigen. ׳ * Der Bau der von derAktiengesellscliaft ״Atld" errichteten Maschinenfabrik geht jetzt seiner Vollendung entgegen, In zwei Monaten wird diese Fabrik, die einen grossen Einfluss auf die Entwickhing des Handels und der Industrie von Haifa und Umgegend haben dürfte, eröfmet werden. Die Palästinhochschulkurse in Wien Die schon von 1ms gemeldete Verunstaltung des Wiener Vereins ״Theodor Hcrzl" hat einen über aiius Erwarten schönen Verlauf genommen. Uebcr 25ח zahlende Teilnehmer beteiligten sieh au den Kursen, die vom 20.—24. Februar stattfanden, von der ersten bis zur letzten Stunde. Wir werden in nächster Numuicr noch ausführlicher auf diese vorbildliche Veranstaltung zurilckkoimucn und bemerken heute nur noch, dass sie gleichzeitig Veranlassung zu eiiur grossen öffentlichen Versammlung gab. die uuf Eiiiladung des ,,Zionistischen Zentralvereins" zum ersten Mal seit Jahren wieder ein viellumdcrt* köpfiges, aus allen Farben der Wiener jüdischen Be* völkeruug zusammengesetztes Publikum vereinigte,!las Thema des Abends war ,.Die Juden in der neuen Türkei", zu dem T riet sch über die allgemeinen und politischen Verhältnisse, Aaronsohn über Landwirtschaft und Kolonien und Rektor Eberliardt über die kulturellen Verhältnisse .sprach. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Der Verband veröffentlicht soeben seinen ersten Jahresbericht, dem wir das Folgende entnehmen: Im August 19(1־ wurde im Haag (Holland) der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästiua von begeisterten Freundinnen des Palästina* werks gegründet, tun neben den allgemeinen palästinisclien Aufgaben, die Männern und Frauen in gleicher Weise obliegen, die speziell weiblicher Tätigkeit zufallenden Gebiete der Wohlfahrtspflege in Palästina zu organisieren und die jüdischen Frauen und Mäddien in verstärktem Masse für die Palästinaarbeit heranzuzichen. Als nächstes Ziel setzte sieh der Verband, die jüdischen Krankenhäuser und Asyle Palästinas mit modern ausgcbildctcn Schwestern zu versehen, und eine Haushaltuiigstmd Wirtschaftschule nebst hiermit verbundenem Heim für Kranken- Pflegerinnen und Lehrerinnen zu gründen. Das erste Jahr der Vcrcinstüiigkeit war naturgemäss der Organisation mal ihrem Ausbau gewi lmct. In Bei I i n , Hamburg, Breslau, Mimdien, Köln. Königsberg, Den Haag. Duisburg haben sieh Ortsgruppen gebildet und in zahlreichen anderen Stadien sind treue Frcuiidiiiuc 1 unserem Werke gewonnen worden. Unser Verband verfügt zurzeit über mehr als 500 Mitglieder und hat im ersten Jahre über •1000 Mk. an Beiträgen aufgebracht, von denen über 2500 Mk. als Bestand in das neue Vereinslahr übernommen werden. I rotz der kurzen Zeit seines Bestehens und der Schwierigkeiten des Anfangs hat der Verband schon 01 freuhche Ergebnisse seiner Tätigkeit auf dem Gebitte der Krankcnpilegc aiifzuwelsen. tüchtige in Deutschland ausgebildcte Kraul scliwester zu gewinnen, die bereits in Palästina t gewesen war und vom Verbände mit der Gcnicii Pflege in Jahn betraut wurde. Zuerst richtete sh ״ ״mJ6*׳י'11!!״, S|,iUcr im Jüdischen Krnnkenhause! Uiiklimk ein, m der sie zahlreiche Patienten.?.!1™י fll*c"kra״kc. behandelte. Ihre Tätigkeit vvam ieUoeli weit grösseren Umfang, als sieh tmini1 Wllt.!"־,"'ss• •laffaer Krankenhaus zu ' l ן־ן;.״' *J ®^'s hufi!"a hlcl' aus Mangel an Mit . M1stal’lk h'*,״ ״r. Thon bcrich 2״; ''ür‘l,Jl• hat hier keine Ahnung, wie Krankenhaus nussehen soll und in Europa sicher keine Ahnung. Wie es aussehen kann." Es fehlte FürC2״n,CPütpISn' WiC- '׳lisc'lc• Kochgeschirre u 1,!u, C UlL'Vurc" 1 ■י״״■eint Essnüofe und halbes Dutzend Gläser zur Verfügung; Besteck י (Fortsetzung auf Seite 104. i 1!