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Jüdische Rundschau · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JUSO ISCHE* RUNDSCHAU Seite 103. No. 9. Merkspruch Einmal sptethen, zweimal hören, Dazu bist fleboren ן Denn du hast.uon Soll dem ßerrn einen (Hund, zwei Ohren. Von Schemtob ben Joseph Palquer# (Lebte um 1260 In Spanien.) Zum Fest der Königin Esther Purim steht vor der Tür. Wieder wird das Pest gclcic«, ilns den Juden in aller Welt Trost und Hoi(- nung eilten sollte in Zeiten der Unterdrückung und Öelalir. Und wieder, wie lcdcsmal in diesen Tagen, «erden die jüdischen Hüuscr widcrhallcn von Freude, Spiel mul Gesang. Denkt euch einmal, liebe Kinder, wenn Ihr so zu Purim fröhlich seid, was für eine sonderbare Sache das ist. dass eine Siegesfeier begangen wird mdir als 2000 Jahre nach den K r c l g nis.seu, auf die sieh die Feier bezieht! Denkt daran, wie jung die anderen Völker sind und wie ewig das unsere. Denkt daran, was übrig geblichen ist von den Völkern, die neben den Juden und gleichzeitig mit ihnen lebten ln der grauen Vor- Kit, ans der die Kunde von Mordeclmi und Hamau, von den Königinnen Vasti und Esther und von Aliasverus auf uns gekommen ist,!, Alle haben wir überdauert. Wiilircnd die Clclehrten die grösste Mühe haben, aus verwitterten Steinen und verstaubten Pergamenten sich ein Bild 7u machen davon, wie cs unter manchen Völkern vor einigen hundert oder tausend Jahren ausgcsclicn Italien mag — whhrcnddcsscn zieht in alle jüdischen Hauser Jubel und Festesfreude ein in diesen Togen r,uf 01 imd von Ucberilcfcruugeii, die bei uns durch Ja 11 r t a 11 sc n d c wach und lebendig geblieben sind. Aber nicht nur die Zeiten haben wir überdauert, trotzdem man uns zu allen Zeiten mit Vcrmciitiing bedroht hat. Auch den Raum haben wir fiberwunden, in den inan uns hat sperren wollen. Hunderte von Jahren hindurch hat man versucht, uns in besmulere Stadtviertel (Ghetto) zu sperren oder uns in bestimmten Provinzen znsammcnzupfcrchcn, und wenig Länder gibt cs, in denen man uns nicht verfolgt und aus denen mau uns nicht vertrieben hat. Und beute, wiilircnd ihr das Purim-Fest feiert, da feiern cs mit euch und gleichzeitig nicht nur eure Urwaiulteii und Freunde oder nur die Juden eurer Stadt ״der in Deutschland, sondern Juden In allen Teilen der bewohnten P.rdc, Juden in Amerika und Juden In Persien, In Schweden und in Neuseeland, in Japan und in Palästina. Purim feiern die Juden in schönen und ln firmliehen Häusern, in Hütten und In Bcduincnzcltcn, Im Kricgslagcr und auf den Auswandcrungsschiffen, Wcissc Juden, braune Juden und auch schwarze Juden in Indien und im Sudan — mehr als zehn Millinnen Juden in hunderten von Ländern, die gewiss mehr als sicbcuzig Sprachen reden. Denkt daran, ihr Kinder, wenn ihr letzt Purim feiert• Denkt daran, dass cs etwas Orosscs und Herrlielics Ist, zu einem Stamme zu gehören, der über dla Jahrtausende und flbcr die ganze Erde, soweit wir Micken können, seine Vorväter und seine Brüder findet. Denkt daran, dass dieses Bewusstsein viele Leidm und Kränkungen aufwiegen muss, und dass unser« grosse Vergangenheit sicherlich ein Zeichen dafür ist, dass wir auch die Zukunft für uns haben. Darum, liebe Kinder, bemüht euch, etwas rechtes zu leisten und tüchtige Men״ sclicu zu werde 11, Haltet fest an eurem Judentum und tue jeder, was er kann, um dem jüdischen Namen wieder Geltung und Anerkennung zu vcrschallen unter den Völkern! Von Meister Reineke Dem Hebräischen nachcrzühlt. I. Der Fuchs hatte sich Fasten auferlcgt, Er hatte sich vorgenommen, alle Tiere freundlich zu behandeln und keinem mehr etwas zuleide zu tun. ׳ AI>cr schon am dritten Tage quälte Ihn der Hunger so sehr, dass sein guter Vorsatz Ins Wanken geriet. Da machte er sich am nächsten morgen auf, um seinen Hunger 2u stillen und war entschlossen, "as ihm zuerst in den Weg käme, anzufallen und zu '׳crschlingcn. Er war noch nicht weit gegangen, als eine Henne des Weges kam, die cän' Würmchen 1״י Schnabel trug. Da überkam ihn gerechte Ent- Uistung, ״Jetzt weiss Ich,'* sagte er, ״warum Gott mich so hcimsucht, ״cs sind schon drei Tago verflossen, seit Ich geschworen habe, zu den Tieren freundlich zu sein, und feil habe noch keines vom Tode errettet. Hier Ist eine Gelegenheit, mein Oolübdo zu erfüllen. Nein, Ich darf nicht dulden, dass solch eine grosse Henne so ein kleines, unschuldiges Würmchen ver* zehrt Nein, cs soll diesem herzlosen Tier nicht zum Opfer fallen." Er rannte auf die Henne zu. verschlang sic und befreite den Wurm. Das war das erste Mal, dass der Fuchs sein Versprechen gehalten hat. Solomon S. Solomon mutter und Kind (Text ncbcnitohcnd.) II. Ein andermal kam er gerade hinzu, als zwei Spatzen sich um eine Kornähre, die am Wege lag, stritten. ״Ich bin zuerst gekommen, und die Körner gehören mir," rief der eine Vogel, ״Nein, ich bin zuerst gekommen," sagte der andere. Mau beschloss, den Fuchs als Schiedsrichter anz.uhörcn, und der eine Spatz sprach Ihn also an: ״Weisestes der Tiere, wir sind in Streit geraten und können unter uns nicht einig werden, daher sind wir iibcrcingckonuncn, uns deinem Schiedsspruch zu unterwerfen." Der Fuchs nahm das Amt mit Freuden an und setzte sich, uni die Darlegungen der Vögel anzuliörcn. Als er so dasass und zuhörte, trottete der Bär vorbei. Den wunderte cs, dass Reineke in dJc Stellung eines Schiedsrichters nufgcräckt sei, ״Seit wann, Gevatter, habt ihr gelernt, dem Bedrängten zu seinem Recht zu verhelfen und Urtcllo aaszufcrtlgcn?" sagte er. ״Nein, Freund," antwortete der Fuchs. ״Ich bcabstchtlgc nicht, klarzulcgcn, auf wessen Seite das Recht Ist, und Ihm das Korn zu geben, sondern Ich will licraiisbckommcn, wer Im Unrecht ist, damit Ich Ihn bestrafen kann." In Palästina Der Kolonist Von Israel Auerbach So stundenlang Im 50nnbrand stehen Und sehn, ule da der Bursch sich regt, MU starkem braunen Arm die Sense Hell singend In die Saaten schlägt. Wie lieb ich dich, du dort, mein Bruder! Nie hab Ich so mein Volk gefühlt, Nie hat das heisse Zukunftssehnen fttr schwellend so die Brust durchwQhlt. Mir her die Sense 1 Meine Arme Sprengen schier von Mark und Kraft, Mir herl Auch meine Adern dehnet Der junge, strotzende Lebenssaft. -Zugreifen will Ich -־״ und vergessen, Dass weit von hier unter anderem Wind, Dass Irgendwo auf der'weiten Erde. Noch ״׳eine Brüder Sklevpn sind, , Solomon I. Solomon F.ln jüdischer Künstler. Da habt Ihr heute ein hübsches kleines Bild, das nach einem Gemälde des indischen Malers Solomon J. Solomon aufgenommen Ist. Die Photographie kann Euch natürlich nicht all die Farbenpracht wiedergeben, die das Oclbild auszcichnet. Aber ein wenig werdet Ihr wohl auch so von dem sonnigen Glück fülilcn» das von der jungen Mutter, die den Spielen ihres lieben Kleinen zuschaut, ausstrahlt. Leute, die etwas davon verstehen, bewundern bei unserem Maler hauptsächlich, dass er cs vermag, seine Stoffe mit grossem Geschick zu wühlen, und dass ein Jedes seiner Bilder etwas zu erzählen weiss. So könnte ich auch zu unserem Bilde, wenn ich Zeit, Lust und Raum hätte, ein ganzes Qcschichtchcn schreiben. Solomon J. Solomon können wir mit gutem Recht einen jüdischen Künstler nennen und uns dessen freuen, dass er zu uns gehört. Nicht nur, weil er als Judo geboren wurde, oder, well er gerne seinen Werken Geschehnisse unserer Volksgcscliichte zugründe legte, sondern vor allem deshalb, weil er bei all seiner angestrengten künstlerischen Arbeit immer noch Zelt findet, sieb um Jüdische Fragen zu kümmern und an ihrer Lösung tätig mitzuarbeiten. So hat er (n seiner Vaterstadt London einen Klub gegründet, der auf vernünftige und lohnende Weise den Jüdischen Armen der Stadt hilft. Der Klub heisst ״Maccahcan Society" und stand tauge Jahre unter der Leitung Solomons. ia. Liebe Kinder Die Jüdisch-nationale Frnucnvcrcinigung gibt am Montag, dem IH, März 1909. nachmittags 3 Uhr, in den Soplrion-Sälcn, Sophlenstr. 17/18, einen grossen Purlm-Kinderball mit Festrede. Theater - Aullührnngcn, Vorträgen, Tanz und Kuliectalel. Die Eintrittskarten kosten für Euch und Eure kleinen Freunde und Geschwister 80 PI, Inklusivo Kaffee. Kuchen und Garderobe. Wir werden uns sehr freuen, wenn Ihr recht zahlreich zu uns kommt und grüssen Euch recht herzlich. Lina Wagner-Tauber. Klndorhlllcts, sowie Zuschauer-Karten flir Erwaclireno zum Preise von 50 Pf. sind zu haben bei Frau Lina Wagner -Tau her. Prenzlauer Allee 9, in der Buchhamllime des Herrn Louis Lamm. Neue Fricdrlclistr. (31/63 und an der Kasse. Preisausschreiben Um unsere Jungen Freunde einmal auf Intercssante Weise zur .Mitarbeit an ...I u 11 g 1 s r a e 1“ licranzu/leheii. haben wir beschlossen, diesmal statt eines Preisrätsels ein andersartiges Preisausschreiben zu erlassen. Wir bitten alle unsere Leser, sich zahlreich zu beteiligen und hoffen, dass nicht nur die Aussicht auf die Preise, sondern auch die Freude, an ״Jung Israel" mitarbeiten zu können, den Elfer unserer lungen Freunde anspornen wird. ■־־ ״Nein schönstes Purimfest“ Unter dieser Ucbcrschrift soll jeder das schönste Purimfest beschreiben, das er einmal gefeiert hat. Die Arbeiten sollen nicht mehr als etwa 350 Worte oder 40—«15 Druckzeilen umfassen. Die drei besten Beschreibungen (die natürlich auch humoristisch gehalten sein können) werden In ..Jung Israel" abgc- *druckt; die Einsender der sechs besten Arbeiten erhalten folgende Preise: 1. 1 si«, *,icuiiiunxun uuuisciier Verlag). 2. Solomon ,1. Solomon. (Monographie aus .Jlidischo Künstler״, Jüdischer Verlag.) 3.-6. Ein Bild in schönem Rahmen aus der Kunstgowerbcschule ״Bozalcl". In Jerusalem. Einsendungen, auf denen das Alter des Vcrfassers oder der Verfasserin sowie die genau© Adresse anzugehen Ist. sind auf cfnom besonderen Briefbogen, der weiter nichts enthält, bis spätestens 14. März 1909 au die Redaktion von ..Jung Israel", Berlin ■ Charlotlcnburg. Blclbtreustr. 49, zu richten. Die Entscheidung erfolgt in der Nummer vom 19. März 1909. Ihr dürft den Bogen nur auf einer Seite heschreiben I 'M ■ •י י ' ' * . Die Lösung des Rätsels vpn Trude Traub folgt In nächster Nummer, , ׳ . r ז. •*׳ ־׳'״*־

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