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Jüdische Rundschau · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 10U. RUNDSCHAU JUEDISCrIE erhalten müssen, wird Aufgabe einer besonderen Unternehmung sein. Wir sehen also heute noch den Hcrztschcn Zionismus, aber in eine andere Entwicklungstinic gedrängt, in die er infolge der veränderten Voraus- Setzungen geraten musste. Denn cs gibt für keine Bewegung ein Ewigkeltsprogramm, jede muss sich dem Gang ■der Ereignisse, dem historisch Gewordenen nnpassen. Wir haben die neue Entwicklungsriehtung er* kannt, und unsere Aufgabe muss cs nunmehr sein, die neue Opirationbasis zu untersuchen und eine Richtschnur für eine neue den veränderten Verhalthissen nngepasste Politik zu finden. Volksdomänen Von Fritz Abraham*Berlin. Wahrend in Deutschland die junge, spUtgeborene WaUlschutz.bcwenung mit erfreulichem Eifer hemüht ist, der staatlich geforderten Verwüstung tutsvrer Wälder einen Damm zu setzen, halten in England die augenfälligen Schilden des Waldmaugcls — besonders in Küstenstrichen — bereits den Plan gross angelegter A 11 f f ״ t s t tin gs a r h c i t e n von Staats w 0 g e 11 auftauchen lassen. Der Vorschlag entstammt einer Kommission, die sielt aus Sachvcrstiindigeu und Mitgliedern des Unterhauses zttsaininensetzt und die Aufgabe!tat. die Frage der zunchmcudin Auswaschung der Küsten zu studieren und auf Abhilfe bedacht z.u sein. Der Bericht ist nicht nur wegen der Orossz.iigigkcit des vorgcschlagenen Mittels für einen jeden Freund irgend welcher Kojoiiisatioiishestrehimg'eii von ausserordentlichem Interesse, sondern vor allem deshalb, weil hier zum ersten Maie eine nicht nur theoretische R c 111 a b i - i i t ä t s b c r ,:e h » 1111 g von der Aussaat lös zum Baumschlag mit genauer Zinsesziiisbercehiiuiig der angelegten Kapitalien nufgcstclU wird: Es sollen nach dem Vorschläge der Kommission m Jahre hindurch lührlich fioono Hektar l1׳״nd he-!:flauzt werden. Die notigen Gelder sollen vom Staatsschatz v o r g c s t r c c k t werden und später aus den Walderträgnisseu mit Zinseszins von .י Prozent erstattet werden. Dass dies möglich ist, wird auf einfache Weise nachgewiescn. Der Kaufpreis für ein Hektar wird dabei auf .125 Mk., die Aufforstungs• und alle übrigen Kosten auf 3fi0 Mk., zusammen auf Mk. je ein Hektar angenommen. Es handelt sich um eine Summe von 4I.S Millionen Mk.. die ()0 Jahre lang jedes Jahr aufgewendet werden müsste. Vom 11׳. Jahre ab, beginnen die Erträge in* felge von Durchforstungen und Abtrieb von Niederwald. Im 71. Jahre sind die Nettoerträge schon hedeutend, und vom 81. Jahre ah werden sie auf 42 Millionen Mark geschlitzt. Gleichzeitig wird natiirlich auch der Wert des allgekauften Bodens um ebenso viel gewachsen sein, als der Wert der auf ihm stehenden Waldbcständc betrügt. Noch interessanter als diese Berechnungen ist ein Argument, mit dem die Initiatoren des Planes ihren Vorschlag unterstützen und das gerade fiir die I ii d i s c 11 e n K 10 ״ n i s a t i o n s h c s t r c b u 11 g c n in Palästina nicht minder stichhaltig ist, denn für das Insclrcieh. das bekanntlich gegenwärtig unter einer recht akuten Nrbcitsiiot leidet: die geplante An- Pflanzung von .V! Millionen Hektar Forstland soll 18 000 Arbeitslosen Beschäftigung während zur Pflege der Pflanzungen noch jährlich etwa 1500 Mann gebraucht werde;!. In besonderen Anstalten sollen diejenigen Arbeitslosen, denen man die Arbeit im Winter im Freien nicht sofort zumuten kann, cingeitht werden. ' Aufforstungen als Notstandsarbeiten in einem Staate von so weit vorgeschrittene!■ industrieller Ent- Wicklung wie England, sind allerdings ein Novum und der Erfolg'dürfte dort weit weniger sicher sein, denn etwa auf dem jungfräulichen Boden Palästinas, wo bekanntlich der Verein ״Oclbaumspcnue mit der Pflanzung Jüdischer Vol ksdomän c 1t unseres Wissens den ersten derartigen Versuch mi* tcruonimcn hat. Immerhin, der Umstand, dass die Kommission cs gewagt hat. hei der gegenwärtigen prekären Finanzlage Urossbritaimicns mit einem derartig kostspieligen Projekt vor das Parlament zu treten, zeugt davon, weiche überzeugende Kraft sic ihren Argumenten heiniisst, und sollte auch anderen!.ändern als Wnrmmg dienen, ihren Waidhestand als teures Volksgut zu sehiitz.cn und zu mehren. Bei dem rauhen englischen Klima kann der Kom* inissioitsvorsehlng selbstverständlich nur den Anbau von Nut/holzwaidungeii in Betracht ziehen, deren Durchforstung erst im 41. Jahre beginnt, Erträge zu liefern. Die WJtterimgsvcriiältnisso Palästinas setzen!ins in die glückliche Lage, die Kultur des Ocl* 1■ a u m c s zu wählen, dessen Pruchtcrtrag bereits im siebenten Jahre die Unterhaltungskosten deckt und daun weiter das ganze Anlagekapital, das pro Hektar das in England vorgesehene nur um weniges übersteigt, in wenigen Jahren amortisiert. Ein weitercr grosser Vorzug unserer Pflanzungen ist der, dass die Olive von allen Kulturpflanzen das h ü c h s t e Alter erreicht (׳JOflfinn, ja auch 1000 Jahre), was sic uns gerade für unsere Volksdomäneu so wertvoll werden lässt. Der gleiche weitaussehauende Ocmcinsiim, der 111 England zur Annahme des Aufforstungsvorschlagcs führen mag. hat sieii im Judentumc durch Jahrhun* derte bewährt. Die Aufforstung Palästinas durch Jüdische Arbeitskräfte, und Kulturstatte 11 im Lande unserer Vergangenheit, die aus dem Ertrag der Ernten dotiert werden, sollen dankbaren Enkeln Zeugnis gehen, dass ein frühes Oeschlecht über die Bedürfnisse des Tages hinaus vorzusorgen wusste für eine glücklichere Zukunft seines Volkes, Die Konferenz der Odessaer Paiasilnagcsellschaft Die alle drei Jahre tagende Generalversammlung der russischen Clmwewc-Zinn-Ocscllscliaft lut vom 0.--I2. d. Mts. in Odessa stattgefimdcn. Anwesend waren ca. 45<! Mitglieder, darunter etwa 150 von anderen Städten, meistens als Vertreter grösserer Gruppen. Der erste Tag war der Diskussion über den Tätigkeitsbericht des Komitees gewidmet. Diesen! wurde von verschiedenen Seiten vorg'cworfcn, dass es die zionistische Leitung in Köln und Wilna nicht genügend berücksichtige. Mehrere Redner betonten die uuhediiigic Notwendigkeit eines Znsammenwii■- keus aller in Palästina tätigen Jüdischen Organisa* tioiicn. Sehr lange Eroberungen rief die Frage der Organisierung eines billigen Kredits für Landankauf ln Palästina hervor. Der mit den dortigen Verhältnissen vertraute Agronom Sussmann hielt darüber ein ausführliches Referat und schilderte die Befähigung der jüdischen Kolonisten zur Erdarbeit. Die dortigen Bodcnprcisc «teigen seltne!!, weshalb die Organisierung eines billigen Kredits notwendig hu Audi die Schul- und Erzichungsfragc wurde ein• gehend beraten. Nach erschöpfender Klärung aller künftigen Bctütigungsgcbictc der Gesellschaft wurden von der Generalversammlung u. a. folgende Resolu• tionen angenommen: I. Zur Agrarfrage. 1. 111 Anbetracht dessen, dass in letzter Zeit einzelne Personen und Gruppen vielfach das Be• streben bekunden. Land In Palästina zu erwerben, beauftragt die Generalversammlung das Komitee. i:!r ein einheitliches Vorgehen dieser Personen und Gruppen zu sorgen, ebenso auch mit allen ihm 7.11 Gebote stellenden Mitteln zur Realisierung der Kauf, aktioucn seihst beizutrageu. 2. Die Generalversammlung beauftragt •:.,s Komitee, in Gemeinschaft mit den andern in Palästina wirkenden Institutionen dort ein spezielles Organ ins Lehen zu rufen, vermittels dessen sämtliche l-an׳J• Käufe, gtscllschaltlielie 'sowohl wie private, vorzti• nehmen wären. .1. In Anbetracht dessen, dass die Schaffung eines Organs fiir Agrarkredit in dieser oder iener Form im gegenwärtigen Momente eine Angelegenheit allererster Wichtigkeit ist. macht es die Qcncralvv:• Sammlung dem Komitee zur Pflicht mit den vo• scliicüeiien Koionisationsgescllscliaftcn und Privat. Kapitalisten in Verbindung zu treten, tun mit gemein• samen Kräften ein entsprechendes Kreditinstitut ins Lehen zu rufen. 4. Zu Gunsten des Agrar-Krcditfondi sucht!;«' Komitee seinerseits spezielle Summen zu gewinne״, ferner stellt cs nach Ermessen für diesen Zw^K einen Teil seiner speziellen Mittel zur Vcrffigtm.־. IJ. Zur Arbeiterfrage. 1. Die Generalversamiifting findet, dass im Interesse einer normalen Entwicklung der jüdische־: Kolonisation in Palästina systematische Massnahmm ergriücn werden müssen, um jüdische Lohnarbeit •n Palästina, speziell agrikultiirellc•. bodenständig zu machen, und legt dem Komitee und seinen Vertretern in Palästina die Pflicht auf. dieses Prinzip unentwegt zur Durchführung :׳.n bringen. 2. Das Komitee fördert nach Massgabe seiner Kräfte mul finanziell;־!! Mittel die zweckmässig־.':! , und für die jüdische Kolonisation nützlichen ökon׳!• };mischen und kulturellen Unternehmungen der Ar-! beltercruppcn und -Verbünde, als da sind medizinische Hilfeleistung, billige Küchen u. dul. 3. Die Generalversammlung erkennt im Prinzip die Schaffung von Arbeiterkolonien als zweckmässig an. und legt es den! Komitee nahe, in! Einvernehmen mit den andern Kolonisationsinstitutioncii seine Tätig• keit in dieser Richtung unter Berücksichtigung der bereits gemachten Erfahrungen fort/usetzen. UI. Informalionswesen. 1. Die Generalversammlung erblickt im lni״r• : mationsdienst einen der wichtigsten Faktoren fiir ein | abseitiges Gedeihen des indischen, ökonomischen und j kulturellen Lebens ir. Palästina und erachtet die : weitere Entwicklung und Stärkung des Netzes der I Palästlna-Inlorrnatlonsbiirenus. sowohl In Palästina selbst, als auch nusscrhulb Palästinas fiir geboten. Gassenjungen sich bemühten, unter Stossen und Dräng•.*!! die Bohnen aiifziilcscu.! .,Mörder, Diebe, stehlt mir doch meine , Bohnen nicht weg! Oh, weh. mein Blut und : Schweiss; der Verdienst eines xau7.cn Tages ist i zerronnen!“; ״O, meine Milchl" Jammerte cm kleines < Mädchen. ..Ach, meine Eber, einen Korb voll Eier liat er mir z,crbroel!cn!" jammerte ein zweites Mädeben mit verzweifelter Stimme, ,,Sich her, Zippe." sagte eine Bolincnvcrkäuferin zu ihrer Nachbarin, indem sie auf einen hingen Mann deutete, der soeben neben einem Sack voll Bohnen ־ Aufstellung genommen hatte, ״sich her, Schmcrcl wird mit jedem Tag reicher.“ ״Ja, er hat Glück," versetzte die Angcrcdctc mrt einem Seufzer, ״und wir sündige Frauen haben kein Glück!יי ״Hm. wir haben kein Glück. Schon zwanzig Jahre sitzen wir hier und sind noch heute blntarm. und er kommt knapp ein Jahr auf den Markt und hat sich schon eil! Vermögen gesammelt, dass er einen Sack Bohnen herbringen kann,“ ״Dafür ist er o'.n Mann," sagte Zippe rcslgniert, ״und wir sind nur Frauen, verlassene Witwen. Wer kann es mit den Männern aufncliinen!" ״Frauen!" hörte mau plötzlich eine Stimme, ״Frauen, habt Erbarmen mit einem Blinden!" ״Frauen, sclienkt etwas einer armen Waise!'* ״Fine NedoweG fiir eine kranke Fraut" ״ ןGott gebe dir langes Leben für deine; Herzensgüte!" ■ ..Gott gebe dir 0!nu!-habc!"(־'־ ״ :Gott gebe dir Hunderttausende für deine | Gabe!" ..Frauen. Frauen!" rief laut in die Menge hinein eine Frau mit einem roten Tuch .in der Hand, worin viele Kupfermünzen tönten, ״Frauen, gebt eure Gaben fiir die Jeschiwal!.‘* Eine iede der Verkäuferinnen brachte ihr Schcn'lein, keine verweigerte eine Gabe. 1 ״Gott gebe dir Glück!" sagte die Einsamtn-; lerin dankend, ״fei! wünsche dir einen Verdienst von hundert Rubeln!"! ״Ich würde mit drei vorlicb nehmen!" ant-; wertete die eine skeptisch. ] ״Ich wäre mit einem zufrieden l" versetzte 1'C.ine andere. . , , ן »IcJl K«lj0 nichts!" sagte resolut eine Nüsse- | *) Almosen. ‘ a) Himmlische Seligkeit. . Verkäuferin, als die Hmsammlerin an ihr vorbeij ging, ״ich habe heute kaum einen halben Rubel j verdient und kann nichts geben!" : ״Wenn du dein Almosen gibst, hilft d r I Gott und du verdienst noch heute viel Geld, j Gott kann Alks!" ן ..Pttr «ine arme Braut habe *eh heute ge•! geben, für eine kranke Wöchnerin habe ich '■ gegeben, ein Jcschiwah-Bochcr speist heute bei mir -— Gott ist mein Zeuge, ich kann nicht! mehr!"! ״Wer weiss. vielleicht hast du in diesem : Sech ns ) heute deinen halben Rubel verdient!" , philosophierte die hartnäckige Einsammlcrin. , ״Lass’ sie!" sagte eine nebenstehende Frau.; ״wenn sic siel! weigert, so kann jr'c gewiss! nicht!" Einsammlerin an eine Frau, die ihr soeben'0 Gnbe zugetragen hatte, ״Gott segne dich, verweigerst niemals eine Nedowe!" .. ויוי^י ich nur könnt״, wie mochte, antwortete Lea mit trauriger Stüiu ״Un f w{‘r(k mit mir Erbarmen hab< vielleicht würde er. meinen Mann gesti machen! Tränen liefen über ihre Wangen. __________ (Fortsetzung folgt.) *) Infolge dieser guten Tat.

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