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Jüdische Rundschau · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 9>S. JULDISCdii RUNDSCHAU No. 9. Fruclittragung itire Ergiebigkeit vermindern und später vielleicht auch sau/, ciubüsscu. Genaues lässt sich hierüber allerdings nicht sagen, weil die ältesten Pflanzungen in den jüdischen Kolonien kaum 20 Jahre alt sind. 5. Aprikosen. Ucr Aprikosenbaum (in Palästina Misehmisch genannt) Ist dem Mandelbamn verwandt und seine Kultur der des Muudelbuunies ganz ahn• lieh. Nur kann die Pracht wegen ihres leichten Vorderbs nicht exportiert werden und ist deshalb auf den lokalen Markt angewiesen. Die Folge davon ist, dass die Preise für die Früchte in guten Jahren ziemlieh niedrig sind, da die gesamte Ernte im Laufe von ungefähr einem Monat auf den Markt kommt und hier sofort losgeschlageu werden muss. In der folgenden Tabelle sind für die vorstehend erwähnten 5 Kulturgcwfichsc all« Angaben, die zur Berechnung des Anlagekapitals und der Rentabilität notwendig sind, zusanimcngcstellt. 1. Ungefährer Bodenpreis pro Dunam (929 qm) in Fres. 2. Ist künstliche Be- Wässerung notwendig? 3. Ungefähre Zahl der Bäume pro Dunam . 4. Ungefähre Zeitdauer (in Jahren) von der Anpflanzung bis a) zui ersten Fruchttragung .... b) *ur vollen Fruchttragung .... 5. Gesamtkosten (Anlagekapital) eiuschl. des Bodenpreises pro Dunatn in Fres. a) bis zur ersten Pflanzungen In Palästina Wein Orangen Mand. Oliv.Aprile. 250 4 6 s 150 40 40 40 ia nein nein nein 70 50 10 50 5 6 S 6 7 9 12 9 Fruchttragiuig . . b) bis zur vollen 130 900 100 120 100 Fruchttragunj; . . 170 1100 120 140 120 6. Jährlich« Unterhat* tungsu. Aberntuugskosten nach ü. Fruchttragung in Fres. . . 20 100 15 15 * 15 7. Bruttoertrag pro Dunam im ersten Jahre der Fruchttragung: 20 Kist. a) in Früchten . kg 200 Ü35 kg 10 80 100 b) in Geld . Fres. 11 50 8 11 8 8. Bruttoertrag pro Dunam in Jahren des vollen Fruchtertrags: a) in Früchten . kg h) in Geld . Fres. 9. Nettoertrag pro Dunam in Fres.: a) im ersten Jahre der Fruchttragung 100 Kist. 600 A35 kg 45 33 250 36 300 450 40 36 11) In Jahren des vollen Fruchtertrags .... 13 150 21 25 21 Die Ansätze zur Berechnung des Reingewinns sind mit grösster Vorsicht gemacht worden, doch muss natürlich bemerkt werden, dass Jede Pflanzung In ihrem Ertrag vom Wetter abhängig ist, und dass besonders ungünstige Wittcruiigsvcrliültnissc in manchen Jahren den Ertrag mehr oder weniger herabdrücken können. Auf der andern Seite kann der Ertrag in besonders günstigen Jahren natürlich hoher sein. Die Ansätze in der Tabelle haben zur Grundlage die Verhältnisse, die Jetzt in den jüdischen Kolonien Judäas und ihrer Nachbarschaft bestehen. Sic körnten aber mit kleinen Abweichungen für ganz Palästina als massgebend gelten. Nur In Qaliläa, wo der Boden und die menschlichen Arbeitskräfte etwas billiger sind als in Judäa, werden sieh die Anlagekosten etwas niedriger stellen. Dafür ist dann aber der Preis der Früchte und der Bruttoertrag entsprechend niedriger. Vorausgesetzt ist bei den Berechnungen der Tabelle, dass der Pflanzimgsbesitzcr die Pflanzung, bis sie Früchte trägt, durch fremde, bezahlte Arbeit pflegen lässt, dass er aber, sobald die Pflanzung Erträge liefert, die Pflegling selbst in die Hand nimmt. Hierunter ist nicht verstanden, dass er selbsl wie ein Arbeiter in der Pflanzung arbeitet, sondern dass er die Arbeit beaufsichtigt, bei allen Ausgaben Ökonomisch verfährt, und bei Verwertung der Pflanzungsproduktc kaufmännisch richtig vorgeht. Nun nimmt mau au, dass eine Familie von 5 Köpfen in den jüdischen Kolonien zu einem ein* fachen bürgerlichen Lebensunterhalte Jährlich 2000 bis 2500 Fres. bedarf, so würde sic, tirti ein ent* sprechendes Einkommen zu erzielen, entweder a) ca. 100 Dunum Mandeln, Oliven oder Aprikosen (am besten ist cs, in der Pflanzung nicht nur eine, sondern wenigstens zwei Frucht- Sorten, z. B. Oliven oder Mandeln und Aprikosen zu pflanzen) oder b) ca. 15 Dunam Orangen haben müssen. (Die Anlage von Weingärten lassen wir wegen der augenblicklichen geringen Rcntabilität der Weingärten unberücksichtigt.) Zu einer solchen Pflanzung ist im Durchsclmitt ein Anlagekapital von 12—15 000 Fres. erforderlich. Von diesem Kapital Ist ein grosser Teil bereits im Anfang (zum Ankauf und der ersten Bearbeitung des Bodens) erforderlich. Grob gerechnet kann man sagen, dass zur Anlage von 15 Dunam Orangen ein Anfangskapital von S000 Fres., ferner im 2. Jahre, in welchem die Bäumchen gepfropft werden, eine Aufwendung von ca. 2000 Fres. und in den folgenden 4 bis 5 Jahren noch ca. 1200 Fres. Jährlich erforderlieh sind. Zur Anpflanzung von 100 Dunam Mandeln, Oliven und Aprikosen sind im Anfang ca. 6000 Fres., im 2. Jahre ca. 1000 Fres. und dann während 7 Jahren noch ungefähr Jährlich 700 Fres. erforderlich. Es gibt in Europa zweifellos viele kleine Kap!, talistcn, welche Piianzungen in Palästina anlegcn würden, wenn sic dies mit genügender Sicherheit und Leichtigkeit tun könnten, und cs gibt auf der andern Seite in Palästina die Gesellschaft Agudath N c t a i m und eine grosse Zaltl zuverlässiger Kolonisten, weiche es gern (ibcnidimen würden, Pflanzungen für Rechnung europäischer Kapitalisten uiizulcgcu und bis zur Fruclittragimg zu pflegen. Es fehlte aber bisher an einer leichten Möglichkeit, die europäischen Kapitalisten mit den palästinischen Kolonisten in geschäftliche Verbindung zu bringen, und ausserdem mag mancher Kapitalist infolge seiner Unerfahrenheit in der Landwirtschaft und mangelnder Kenntnis der Verhältnisse In Palästina von der Verwendung seines Geldes zu Pflanzuugszwccken abgeschreckt worden sein. Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass die Anläge von Pflanzungen in Palästina eine ebenso sichere wie rentable Kapitalanlage sein kann, sobald sic mit der nötigen Vorsicht gemacht wird. Diese Vorsicht bezieht sich auf mehrere Punkte: 1. darf der Kapitalist die Pflanzung nur in solchem Umfange anlegcn lassen, dass er das dazu wendige Kapital ohne Schwierigkeiten beschäm.״ kamt und noch eine Reserve für unvorhergesehene Schwierigkeiten behält; 2. muss der Kolonist, dem die Anpflanzung;!״• vertraut wird, in bezug auf Zuverlässigkeit und Voinögcnsvcrliältiiissc absolut vertrauenswürdig sein; 3. müssen die Bedingungen, zu denen eie An- Pflanzung dem Kolonisten übertragen wird, in eine•!» Vertrage fcstgclcgt sein, der die Interessen beider Parteien gerecht abwägt und für alle Eventualitäten Vorsorge trifft. Was die erste Bedingung anbetrifft, so können auf Grund der eingangs gegebenen Daten die Kosten, die die Pflanzung erfordert, ermittelt werden, und es ist damit jedem Kapitalisten die Möglichkeit gegeben, die Pflanzung nur in solchem Umfang anzulgcn, dass er sicher ist, die Kosten bestreiten zu können. Die zweite Voraussetzung ist auch unschwer zu erfüllen, da die zionistischen Institute in Palästina gern bereit sein werden, zuverlässige Kolonisten in den einzelnen Kolonien namhaft zu machen. Inst esondere ist das Pa I ä s t i 11 a a m t in J a f f a (Leiter: Dr. Arthur Ruppin) hierzu gern erbötig. Die dritte Bedingung erledigt siel! dadurch, dass das Pal äst Ina-Ressort (p. A.: Prof. Warbürg, Berlin W. 15. Uhlandstr. 175) allen Intercssentcn einen V e r t r a g s - E 1t t w u r f zur Vorfügung stellt, der allen in Betracht kommende״ Fragen Rechnung trägt und als Muster für ähnliche Verträge benutzt werden kann. Selbstverständlich will dieser Vertrag nur ein allgemeines Schema geben, das dann entsprechend abgeändert werden muss• (Nachdruck verboten.) Lea Ein Slrassenbild Von Ben-Avigdor. ‘Aus dem Hebräischen von Benjamin S c g e 1. I. ln der Jtidengassc zu Wilna herrschte am Freitag, vormittags, aufgeregtes Leben. Wer durch die Deutsche Strasse kommend, sielt der Judcngassc näherte, welche innerhalb des ganzen Viertels ais Warenlager, Marktplatz und Versammlungsort zugleich diente, der konnte schon von der Ferne ein eigentümliches Getöse vernehmen, welches der Brandung eines Meeres nicht unähnlich war. Trat man näher, so hatte man vor sich eine eigenartige Welt, wo alles hastete, drängte und wogte, sich ansticss und schrie. Es war gleichsam ein Wald von flatternden Tüchern und ragenden Männerhüton, über dem an jenem Wintertage ein unbestimmtes, gewaltiges Rauschen und ein gelblichgrauer Nebel schwebte. An der Mündung der Strasse stand der Wächter, dem die Aufrechtcrhaltung der Ordmmg oblag. In steifer Haltung stand er da, scino hinterlistigen Katzenaugen liefen unaufhörlich hin und her zu beiden Seiten der langen, kupferfarbenen Nase, die in dem fleischigen Gesichte steckte. Die Hände hielt er in den Taschen und ן nur wenn ent Vorgesetzter vorboiging, zog er sie hervor, um zu salutieren. Von Zeit zu Zelt vcrliess er seinen Standort, und bewegte sich mit laugen Schritten nach der Gasse hin, um seines Amtes zu walten. Die Gasse war schmal und krumm, zu beiden Seiten derselben erhoben sich alte, formlose Steinhäuser, mit verblasstem Bewurf. Aus den kleinen, sclv.eiwt, gcilickten Fenstern blickten Dürftigkeit und Armut. Im Hintergründe dej Gasse erhob sich ein hoher einstöckiger Bau, dessen Erdgeschoss sich mit seinen Läden und .Gewölben von den anderen Häusern nicht unterschicd, während dem oberen Stockwerke die hohen Bogenfenster ein besonderes Gepräge verliehen; hier war das alte Bcthamidrasch des Gaons.1) Dahinter befand sich die grosse Synagogc, ein einfacher, blaugctünchtcr, mächtiger Bau, rings umgeben von mehreren kleineren Bauten, den Bethäusern der verschiedenen Vereine und Genossenschaften, die sich an ihn schmiegten, als suchten sie seinen Schutz. Hoch oben, nahe am Giebel des Hauptgebäudes, sah man zwei müclit’gc Holzgalericn, eine Über die > andere sich erhebend, deren Bestimmung nie(-' mand anzugeben vermochte; »eine Laune des ‘> Lchr* unJ Bethaus eines berühmten Rabbiners. Architekten. Rechts gegenüber befand sich ein sehr geräumiger Hof. der unzählige kleine Höfe. Glinge, Häuser und Gässchen fasse, aus denen ein ewiges Gemurmel drang,’ \v:e das unablässige Summen eines Bienenschwarms oder das einförmige Rauschen eines aufgeregten Stromes. Das war die Jcschibali.3) .... -׳.*-' ••ייייי•••' ״<י•MV/auwu uwi IIUU3U beiden Seiten der Strasse befanden sielt gross*, und kleinere Lüden. Die meisten dcrsci'n fanden Raum in ׳einer engen Mauernische, einem Spalt oder in dem Winkel eines T< weges; oder oben an der Wand war ein Br befestigt,^ worauf die Waren aufgcschüt ~FC״• warc״ hier ein uubekann Dmg, die Waren, welche auf den Bänken 01 auf dem Boden vor den Türen he rumlag sprachen selber für sich, oder es sprachen 5mdJrJÜJr s1c״ üld£m sic dcren Vorzüge u Billigkeit in allen Tonarten anpriesen, 11 ausserdem noch an den Kleidern deutle!! wa nehmbare Spuren alles dessen trugen, v druwen zu haben war. k־nb1^CDJUräc al!cs fcitoeboten: Mehl 1: Ste Äeld?f8‘ w״Cfk°ErdiiP{c1• Kalk, Butt a!te Kfeider, Wachs, Nadeln, Heringe, Zwi *) Höhere Taimudschulc.

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