Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Februar 1909 --— ..- ZSiTUSNO 5. fldar 5669 XIV. Jahrgang Die Anlage von Pflanzungen In Palästina V 011 Dr. Arthur Ruppln, Jaffa. | IGss in Palästina der Weinstock und viele Arten von Inielitbüumcn seit altcrshcr heimisch sind, bcweisen nicht nur die Berichte der Uibcl, sondern auch die in! ganzen Lande verbreiteten Spuren früherer Terra'.'.cnaiilaKCii, die der Reben* und Uaumkultur gedient luibcu. Das Klima und der Boden Palästinas miiJ inr diese Kulturen in hohem Masse geeignet. Ks sc.«eint auch, dass die Kultur dieser Pflanzungen den s.K/ifischcn Anlagen und Fülligkeiten der Juden )mehr viitgcgcnkomnit als der Getreidebau, da sio ab* tvcclm liingsrcichcr ist und an die Intelligenz der Pflanzer ziemlich hohe Anforderungen stellt. Man wird es kaum als Zufall anscheu können, dass die Iflaiu.iiigcii der jüdischen Kolonien in Palüstlna ein* BMimniU als hoch entwickelt bezeichnet werden, wahrend über den Zustand des Getreidebaues In den jüdischen Kolonien vielfach absprechende Urteile gc* hört w erden. 1 he Anlage von Pflanzungen bietet das beste Mittel, um den Juden, die nach Palüstlna cinwaudcrn •; und sich der Landwirtschaft widmen wollen, bisher i aber nicht in der Landwirtschaft tütlg gewesen sind, 1 die Anpassung an das Leben In Palüstlna zu er* leichtern. Wahrend der elnwandcruugslustlge Jude den Getreidebau In Palästina nur dann mit Erfolg aufnehmen kann, wenn er von Anfang an bei der Ein* richtimg der Wirtschaft zur Stelle Ist und eigene ן landwirtschaftliche Erfahrungen besitzt, Ist die An* läge von Pflanzungen in Palüstlna technisch bereits so gklclmiüsslg ausgcbildct, dass auch Personen, die ausserhalb Palästinas leben, In der Lago sind, durch bezahlte fremde Arbeit eine Pflanzung anzulcgcn und solange pflegen zu lassen, bis sic Früchte trügt. SDics ist besonders für die grosse Zahl kleiner jlldi* scher Kapitalisten von grossem Vorteil. Sic können I so lauge in Europa bleiben und ihrer Bcrufstütigkelt nachgclien, bis die Einkünfte der von ihnen angc* legten Pflanzung ihnen die Möglichkeit einer Existenz Iin i’ihistlna bieten. Ein anderer Vorteil Ist der, dass die \nlagckostcn der Pflanzung nicht von Anfang an auf einmal aufgebracht zu werden brauchen, sondern sich auf eine Reihe von Jahren verteilen, so dass auch Leute mit geringerem Einkommen durch jühr* liehe Einzahlungen in den Besitz einer Pflanzung kommen können. Plc 111 Palästina gcgcnwürtlg am meisten angc* bauten 11 iiehte sind: Wein, Orangen, Oliven, Man• Idilu, Aprikosen und Feigen, Hiervon sind die Oliven, Aprikosen und Folgen haiipisüchlich bei den arabischen Grundeigentümern zu finden, während sic in den Jüdischen Kolonien noch wenig Eingang gefunden haben. In diesen sind die llauptfrüchtc Wein, Orangen und Mandeln; Oliven und Aprikosen fangen erst Jetzt an, sich da» neben auch einen Platz zu erobern. Feigen fehlen h! in jüdischen Kolonien fast günzlich. Die Kultur der .Mauibccrbüumc war früher in den Jüdischen Kolonien zwecks Aufzucht der ScidcnwOrmcr ziem* Ücli verbreitet, ist aber mit dem Verschwinden der Seidenraupenzucht günzlich cingcgangcn. Feber die Kultur der einzelnen Gcwflchse ist nntcr besonderer Berücksichtigung der Vcrlifiltnissc '״ Judäa folgendes zu sagen: I. Der Weinstock. Boden und Klima Palästinas hcgiinstigcn in gleicher Weise die Rcbenkultur. Die allzusclmcllc Vermehrung des mit Trauben angc» idlanztcn Areals seitens der Jüdischen Kolonisten ',ergrüsserte die Qunntitlltcn des aus den Trauben ,n den Kellereien der Kolonien erzeugten Weins in ..Der Zlonlimut oritrebt dir das ]lldltche Volk die SctiDttunR einer öHcntllch>rechtllch cctlchcrtcn Helmitltte In Pel&itln■." Daiolcr Programm. Aus Üffl ItlliQll Dlo Anlage von Pflanzungen In Palüstlna. Von Dr. Arthur Runpln (Jaffa). — Orthodoxie und Nationalismus. Von Rabbiner Dr. Emil Lew. — Dio ]ungo Türkei und der Zionismus. Von Walter Fischer. — Volksdomüncn. Von Fritz A b rn - hani (Berlin). — Dlo Konferenz der Odcssaor PoIüstlna»Gcscllschalt. — Ans aller Welt. — Rundschau der Presse. — Verband liidlschor Frauen fllr Kulturarbeit In Palüstlna. -־ Vom ״Bo» zntcl". — Alliance lv rat Ute Universelle. — Vom ״Hllfsvcrcln". — Zionistische Bewegung. — Aus den Gemeinden. — Vcrclnsrundschau. — Sprechsaal. — Feuilleton: Lea. Von Bcn»Avlgdor. — Jung Israel: Zum Fest der Königin Esther. — Von Meister Reineke. — Solomon I. Solomon. (Mit Bild). — In Palüstlna, Der Kolonist. Von Israel Auerbach. — Purim•Klndcrball. — Preisausschreiben. einer Weise, dass der Absatz damit nicht Schritt Hielt. Die Folge war ein erheblicher Rückgang der Traubcnprctse. Neuerdings hat sich dlo Lage durch Einschrünkung der Rcbcuproduktion und Hebung des Wclnabsatzes gebessert. Die Traubcnprclsc sind zwar noch niedrig, cs ist aber nicht unwalirscltcln» lieh, dass sie In die Höhe gehen werden, und dass mau In einigen Jahren mit günstigen Aussichten neue Weingürten wird aniegen können. Auch die bisher in den Jüdischen Kolonien noch wenig gepflegte Kultur von Tafcltraubcn scheint ein gutes Gcschüft zu sein, sofern solche Trauben angcpflanzt werden, die den Transport nach Aegypten aushaltcn und nicht nur auf den palästinischen Markt bc» sclirünkt sind. Ebenso verdient die bisher bei den Juden wenig bekannte Anpflanzung von Trauben zur Rosinenbcrcitung grössere Beachtung. — Die Wclnstöcke beginnen schon im 2. oder 3. Jahre Früchte zu tragen, werden Jedoch mit Rücksicht auf die Rcligionsvorschriftcn erst im 4. Jahre abgeerntet. 2. Orangen. Die Orangcnkultur ist schon seit vielen Jahrzehnten in Palüstlna heimisch. Die Juden haben sich seit ungefähr 20 Jahren dieser Kultur zu• gewandt und sic in ausserordentlichem Masse in die Höhe gebracht. Das Zentrum der Orangcnkultur bildet die Umgebung von Jaffa, und hier wiederum die Jüdische Kolonie Pctach-Tikwah. Daneben gibt cs auch in den Jüdischen Kolonien Samarias (Clicdcra und Sichron Jakob) kleinere Strecken, die mit Orangen bepflanzt sind. Der Orangenbaum bedarf künstlicher Bcwüsscrung, um die heisse Jahreszeit zu überstellen, und die Kosten für die Anlago einer Orangcnpflanzung sind deshalb ganz bedeutend liölicr als bei allen andern Pflanzungen. Dlo Höhe der Kosten Ist ablirtnglg von der Ticic des zu grabenden Brunnens. In manchen Kolonien findet man schon bei 8—10 m, in anderen erst bei 20—30 m oder sogar bei 50—60 m Tiefe genügendes Wasser. Ein Brunnen von 20—30 m Tiefe, der für etwa 60 bis 80 Dunam Orangen Wasser geben soll, kostet etwa 3000 bis 4000 Francs. Dazu kommen noch die Kosten für die Pumpe mit Petroleum• oder Sauggas»Motor, für Wasserreservoir und das Rührennetz Int Betrage von 7000 bis 8000 Pres. Legt man die ücwüsscrungs» anlagc für eine Pflanzung von weniger als 60 bis 80 Dunam an, so verringern sich die Kosten nicht in entsprechendem Verhältnis; cs empfiehlt sich des• halb, dass sich die Besitzer mehrerer kleinerer Oraiigcnpfianzungcn zur gemeinsamen Herstellung einer Bewässerungsanlage vereinigen. Die Orangenernte beginnt im Oktober und dauert bis zum April. Dlo Früchte können In dieser Zeit ohne Schaden monatelang am Baume hängen blolbon, so dass man die Koston der Lagerung in einem Speicher erspart und sic erst kurz vor der Vor• Sendung vom Baume hcrabzunchmcn braucht. Die Orangen werden in Holzkistcn im Durchschnitts» gewichte von 35 kg gepackt und nach Europa versandt. Der Hauptmarkt ist Liverpool, doch nehmen auch Konstantinopcl, Rumänien und Russland gewisse Mengen auf. In Jeder Orangcnpflanzung können kleine Flächen auch mit Ethrogim bepflanzt werden. Die palästinischen Ethrogim erobern sich allmählich in Konkurrenz mit den Ethrogim von Korfu einen Markt und werden ziemlich gut bezahlt. Auch die in Palästina ausserordentlich gut gedeihende Quitte, aus der ein vorzügliches Kompott gemacht wird, kann in den Orangenpflanzungen mit Erfolg gezogen werden. Ebenso verspricht die erst in den letzten Jahren von den Juden systematisch in Angriff ge* nommenc Anpflanzung von Tafelobst (Acpfcl, Birnen und Pfirsiche) gute Erfolge, da Bedarf an gutem Tafelobst vorhanden ist und die bisher in Palüstlna bei den Arabern existierenden Obstbüumo sehr minderwertigen Sorten angchörcn. 3. Mandeln. Die Mandclkultur scheint in Palästina noch eine grosso Zukunft zu haben, da die Mandel» Pflanzungen bisher noch nicht sehr ausgedehnt sind und in absehbarer Zeit nicht zu befürchten ist, dass dlo palästinische Mandel den Weltmarktpreis für Mandeln hcrnbdrückcn wird. Die Anlagckostcn sind vcrflültnismüsslg gering und die Kultur ziemlich ein» fach. Die Mandclcrntc In Palästina beginnt im August. Die Mandeln dienen zum grössten Teile zur Deckung des palästinischen Bedarfs; ein Teil wird Ins Ausland, besonders nach Aegypten exportiert. Störend macht sich geltend, dass bisher die Mandeln, dio bekanntlich eine doppelte Schale haben, noch durch Arbeiter einzeln von der äusseren fleischigen Schale befreit werden müssen. Maschinen zur Schaicncntfcrnung sind in Palästina bisher noch nicht eingeführt. 4. Oliven. Der Olivenbaum ist eines der ältesten einheimischen Ocwüchsc Palästinas und hat vielleicht in Palästina oder Syrien seine Heimat. Obwohl ini Altertum die Olivenkultur noch viel verbreiteter gewesen zu sein scheint als Jetzt, so finden sich auch Jetzt noch überall in Palästina grosse Oliven» Pflanzlingen, insbesondere hei Ramlch (zwischen Jaffa und Jerusalem), ferner bei Nablus und im ganzen nördlichen Palästina. Bei den Arabern ist allgemein der Glniibc verbreitet, dass der Olivenbäum seiner Natur nach in dem einen Jahre eine gute, im folgenden eine schlechte Ernte geben muss, und tatsächlich Ist dies in den arabischen Pflanzungen der Fall. Es wird aber nicht 'durch die natürliche Bcschalicnlicit des Baumes hcrbcigeflllirt, sondern dadurch, dass die Araber die reifen Früchte mit Stöcken abschlagen und dadurch die Triebe des nächsten Jahres beschädigen. In den Jüdischen Kolonien, wo man auf Grund dieser Erkenntnis die Früchte nicht abschlägt, sondern mit der Hand abnlmmt, trügt dcrOlivcnbaum alljährlich ziemlich gleich nt üssig Frucht. Das aus den Oliven gewonnene Oel hat zu Spcisczwcckcn und zur Bereitung von Seife einen fast, unbe» schränkten Absatz. Gegenwärtig wird das in Palästina erzeugte Oci zur Deckung des eigenen Be» darfs des Landes gebraucht, und nur geringe Mengen werden In guten Jahren exportiert. Die Olivcnkultur hat vor allen andern Kulturen den Vorzug, dass der Olive 11 bäum ein ausserordentlich hohes Alter (mehr als 100 Jahre) erreicht und eine Ollyenpflanzung mehreren Generationen Existenz Meten kann. Bei den andern Pflanzungen (Wein, Orangen, Mandeln, Aprikosen) wird man damit rechnen müssen, dass sie nach 20 bis 30 ]übriger