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Jüdische Rundschau · 1909-02-19 · Heft 8 (19.2.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 90. Grundlage" prophezeite». Hin Autor verstieß sielt sogar zu der ungeheuerliche» Behauptung!, dass damit das Hude des Judentums (II) gekommen sein würde. Hs tut dringend not, diesen . Phantasien entgegen- /!!treten mul davor zu warnen, in den Heiller liberaler Ideologie zu verfallen, das heisst zu verkennen, dass die Hntwicklmig eines Staates nur von den realen Maelitverhültmsse» der vorhandenen sozialen Grün- |1en mul deren Hiitwiekcluug. nielit aber von irgend welelieii inuiiereiieu Programmen ubiläiigt. Dass insbesondere die inneren Fragen der Türkei völlig ver- •sebieden sind von jenen der europäischen Staaten und di.־ treibenden Kräfte ganz andere sind, svie in diesen, so dass selbst durch Hinfiihrimg von Re* foriiieu in europäischem Sinne — wie zuiit Heisniel des KoiistitutionaliMiius — absolut nicht eine Hut- Wicklung der Türkei analovr jener der europäischen Staaten zu erwarten ist. Speziell die nationale l־’rmte hat in der Türkei ein!tanz anderes Aussehen, wie etwa in Oesterreich oder Russland, .... Dabei gibt cs aber dach in der Türkei keine .,nationale linterdrliekumt** wie anderwärts sondern in den ״M i 11 e t s" halten die einzelnen nationalen Rcliginu.->geuossc»scl1aften in weitem Umfallt; Autonomie. Das sollte in unseren Kreisen lasser bekannt sein, denn aus diesem Grunde haben B. auch die jüdischen Kolonien in Palästina wett- Ktliende Selhstverwaltimgsreehte. Kein türkischer Parlamentarier, auch nicht Prinz Sabaheddm, der Chef der Partei der ״Oezentralisation", welcher librieeiis sein Kauzes!.eben fern von den türkischen Wirklichkeiten in Paris zubraclite. denkt im entferntesten au die Hi11f׳‘,,n1ne einer ,iiationaleii Autonomie“ im Sinne der österreichischen Theoretiker. . , . . Oie Autonomie der ״Millels", also auch der jiidisehen, kann absolut nielit eingeschränkt werden, hauptsächlich darum, w eil die s e A 111 o 11 o - m i e d c r .,.M i 11 e t s" a 11 s d e m 111 o 11 a m m e d a - 1• i s e h e 11 U' e I i k i o 11 s k c s e t z (Sc h e r i a t - recht) iliesst und daher von den i s I a in i t i s e 11 e 11 A r a n e r 11 absolut nicht a n k e t a s t c 1 w e r d e 11 w i r d. Dieses Ssherjatieeht ist das 1 bimdgesetz des tiirkisehen Reiches mul alle icne. welche einfach die euro-!■•äisclieu staatsrechtlichen Begriffe auf die Türkei au- Wenden wollen, oder aus d1״.׳ politischen (iesciiiclitc der europäische» Staaten Schhisse ziehen wollen, um sie auf die Hntwicklmig der Türkei au/.uwenden, übersehen diese Tatsache, weiche den itimlameutalen Unterschied;,.wischen diesen und lenen Staaten liccrim* det. Der Islam ist trotz aller nationalen Unterschiede die stärkste Klammer des Reiches, zu ihm bekennen sich zwei Drittel seiner Bewohner. die KCKcbencn• falls blindlitiKs ihrem ’׳' liic» iolge» Di« kurze Geschichte des zweiten türkische•! Parlamentes beweist übrigens, dass die Deputierten weit davon entfernt sind, Doctrineu uaeh/.uiaKeu mul europäische Muster sklavisch iiachzualmieu. Hs sind daher vorläufig kaum irgend welche H\pcriü'eiite zu erwarten, soi.dein mir ausführbare Reformen, die zur llehnm׳ de«• Wirtschaft, der Kulanzen mui der militärischen .Macht des Reiches beitragen werden. . . . Wie immer sieh die politischen Verhältnisse des nahen Orioi.ts gestalten sollten werden die Juden nur dann eine Rolle in Palästina spielen. wenn sie dort eine Macht darstellen, Dann wird kein Beherrscher des l.andes 1her Ihre Ansprüche zur Tagesordnung übergehen kuunen. Das ist die einzige richtige zionistische ..Politik", jede andere ist .mgesiehts der unsicheren Lage von ephemerem W ei te. Alliance IsraGite Universelle ln der Generalversammlung der Breslauer M i t k * c d e r der Allianee, die am 9. Februar stattümd. kam cs zu!cbli,alten Auseinandersetzungen älter die Art der Tätigkeit der A.I.U. im letzten 1 Jahre. Die Herren Wilhelm Kober, Dr. S a n d I e r und andere besprachen das Verhalte״ der Alliance in der 1' a I a s c h a - H r a g e. ihre Hrzielmugsgrumlsät/.c iUveu paläsUwewsischen Schulen, die Zusammensc'tzuug der mich dem Orient entsandten R c v I - si o n s- K o m tu i s s i o 11, schliesslich Verhältnis mul; v erhalten der Allianz zum IJ i 1 f s v c r c i 11 der; deutschen Juden. Insbesondere wurde Klage geführt, ן dass von Seiten des deutschen Geschäftsführers, Herrn j M. A Kla u sn c r, und anderer Leute, die zur Alliance in Beziehung stellen, im offiziellen OrK;m und ander- . wiirts Polemiken geführt wurden gegen Männer wie j in erster Reibe, Dr. Paul Nathan, dann Dr. Mari K 111 i e s - Florenz, Dr, Halt Io witsch 11. a., dann I mich gegen «anze tlruppcu \1־,/1׳ Leuten, die auf! amlcrm Standpunkt stehen als die derzeitigen Leiter; der Alliance. Die lauere Dclnittc verdichtete sich! schliesslich zu folgenden Resolutionen, die c i 11 s t i in m i k e Annahme iäudcu: 1. ״Die heutiKc VersamnilmiK der ״OrtsKruppc Hreshui" nimmt von den Hikliirungc» des Vorsitzenden. Herrn Rabbiner Dr, Rosenthal; ״Auch dem liberalsten Manne muss es Herzenssache sein, die HrzicliuiiK der Jugend im heiligen Lande, mit Rücksicht auf die angestammte, tief innerliche Frömmigkeit der Hltcrn, in streng gesctzestreii-traditiouellem Sinne __ J UKI)JSC HK_durchziifiihreu," — mit grossem Interesse Kenntnis mul beauftragt den Herrn Vorsitzenden, .der als Delegierter nach Berlin reist, in diesem Sinne In encrgischs er Weise den Standpunkt der Breslauer Mitglieder der A.I.U. zu vertreten." 2. ״Die Breslauer Ortsgruppe der A.I.U. spricht ihr Bedauern darüber aus, dass in den offiziellen Mitteilungen der Monatsschrift ״Ost und West" wallrein! des vorigen Jahres mehrfach ein unseres Lr* achtens wenig angemessener Ton gegenüber Vertrcterii abweichender Meinung geherrscht liut." ö. ״Die Versammlung hält ein einträchtiges, auf gegenseitiger Achtung begründetes Zusammenarbeiten der beiden veidienten Organisationen, Alliance und Hilfsverein, für höchst wünschenswert." Die für denselben Abend ,•!»gesetzte Neuwahl des Lokalkomitees wurde auf Antrag von Kommerzienrat Ster »her g auf die Midiste Sitzung verschoben, die Im Laufe des Monats März stattfiuden und in der Herr Rabbiner Dr. Rosenthal über die bevorstehende Berliner Tagung berichten soll. 01. nonisnscHe Bemung M(Heilungen des Zenlralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland 1. Wir weisen die verelirlielien Ortsgruppen und Vertrauensmänner auf den «in dieser N11111- Hier zum ersten Mal vciTnteiitlicIiteii ״Akadeinlsclicii Stellennachweis des Zionistischen Zen• tralbureaus“ hin, der von jetzt ab nach Bedarf itn Inseratenteil erscheinen wird. Wir bitten, uns freie Stellen und Niederlassnngsiuügliehkeiteii stets mögl'elist schnell aufziigebeu, damit wir in der Lage sind, diese durch Oesinnungsgemissen zu besetzen. 2. In (i 11 hc n hat sich nach einem Vortrage von Herrn |)r, W i t k 0 w s k y Berlin eine neue Ortsgruppe gebildet, der bereits eine grosse Anzahl von Mitgliedern!)(..'getreten sind. .1 Juugcr Kaufmann aus München sucht An- Schluss 1'iir eine P a I ü s t i .n a r e i s e i in M ü r z. Nähere Auskunft erteilt das Zentralbureau. * Wir werden gebeten initziiteilen, dass unter ein Zirkular der ..Palüstiiia-Kunii.ssio» der Zionisti* sehen Vereinigung für Deutschland", in welchem auch der Palästina-Kulturfonds empfohlen wurde, vers e 11 c n 111 c I! der Name unseres (lcsiumigsgcuosscn Hermann Struck gesetzt wurde. aus Den eeMeiMDen :>10 Müarbdl unserer Leser ,in tilcscf Rubrik Ul beiondcn ■ .—.erwünscht.—- Schicksal einer badischen Synodalvoriagc Wohl den meisten Lesern der ״Jüdischen R 1111 d s c 11 a 11" dürfte noch Ju l'.riuucrmig sein, dass der Badischen Synode vom April 191h ausser dem vielumstriueuen Reformgchetbtieh auch eine Verordnung über die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Rcligionsgctneinden zur Beratung vorlag. Am bekanntesten daraus und auf der Synode am meisten diskutiert wurde jene Bestimmung, durch die den ausländische» GcmeindemitgUedcr», auch wen» sie zu den Lasten der Gemeinde ihren Teil beit'iigeu, das Recht zu wählen oder gewählt zu werden, entzogen werden sollte. Diese Bestimmung w tirde schliesslich trotz, starken Widerspruchs im Sinne des Oherratcs angenommen, nachdem letzterer das Schicksal der Vorlage von vier Annahme der fragliclicn Bestimmung abhängig gemacht hatte. Um so überraschender wirkte einige Zeit nach Schluss der Synode die Meldung, dass der Ohe.״rat die von der Synode beschlossene Verordnung gar nicht in Kruft zu selz.cn beabsichtige und zwar, wie es unwidersproehcii Hess, mit Rücksicht auf die lebhaften Proteste, die gerade lene die Ausländer betreffende Bestimmung in •der Jüdischen und insbesondere der zionistischen Presse gefunden halle.“) Ob aber dieses Motiv massgebend gewesen ist, scheint aus mehr als einem Oninde fraglich. Hs hat ja auch auf der Synode nicht au eifrigem Widerspruch gegen die fragliche Bestimmung gefehlt, ohne dass sieh der Oberrat bewogen fand, von seiner Meinung abzti* geben. Dass sieh aber die Zionisten einer besonderen Wertschätzung beim Oberrat erfreuen, dürfte erst noeii zu erweisen sein. Gleichwohl Ist es möglich, der ״Zionistischen Vereinigung für Deutsch! lifcslnu (Juni 19ns) eine scharfe Re so k׳!k״l״v;llu w1|״lrcehtsl1uraulm»g gefasst.! •«J* R» / No. 8. dass die Vorlage an der An.siialuncbestiiiumiuj׳ jiir Ausländer gescheitert ist. Denn, wie schon der Abgeordnete Kasse witz auf der Synode hervorgehoben hat, sieht eine solche in Widerspruch s״it dem in Baden für alle Konfessionen geltenden Orts, kireheiisteucrgesetz, das von einer Hmxcliraiikiui;: der Stiimnfäliigkeit auf inländische Ocmeindeiiiitglje. der nichts weiss. Der Oberrat hat sich bis jetzt nicht veranlasst gesehen, One der Oeffentiielikeit zugängliche Auf. kläriing darüber zu;׳eben, dass und aus welchen Gründen er die von der Synode beschlossene Ver- Ordnung nicht ciufiihre. Das von ihm liermisgegcheue Verordnungsblatt schweigt sieb vollkommen darüber aus, Dagegen bringt die am •30. Oktober v. Js. erscliieiieue Nummer dieses Amtsblattes eine Verfiigung, nach welcher zwei Bestimmungen aus dem ״von der Synode giitgcheisseiicn Hntwiirf" ״vcr. suehsweise" eiugefiihrt werden sollen, um sie ״v»>r deren endgültiger Festsetzung zu erproben." Hiernach sieht also der Oberrat tatsächlich von der Him'iilirung der genehmigten Vorlage als Ganzes ab, er entjiinimt dem ..Hntwiirfe" einzelne Bruchstücke, die aber vor ihrer definitiven Uinfiihrung noch erst er• probt werden müssen. Der Leser mag' wohl den Kopf schütteln über diese neuartige Form parkiua■״- tarische Gegenstände zu behandeln. Also erst wird eine Vorlage feierlich eingebracht, in laugen, arbeite, reichen Sitzungen beraten, beschlossen und als Kid. Jurtat gefeiert. Und nun, da sie in die Praxis Gage, fährt werden soll, findet es sich, dass sie. soweit sie überhaupt eiugefiihrt werden kann, noch 1!.J,t genügend erprobt ist. Hs kann zugegeben weinen, dass eine solche Hrkemitms immer noch besse!• ist, als die F.iufiilirmig unerprobter Normen in das 1r•• meiiulciebcu. Aber wir müssen es in den Kauf nehmen, dass das zutage getretene Vorgehen dem Ansehen unserer Institutionen .nicht förderlich st. Die Vorbereitung und allseitige Prüfung der Vor. lagen müsste so sein, dass mit ihrer Annahme durch die Synode in der Regel auch die Reife der Ln׳- fülirimg gegeben ist. Wenn cs sieh im vorliegenden Fall ganz anders verhüll, so kann man zur Krkkirmig verschiedene l'mstäii Je anfiihren. Der Kiitwuri ist Mir der Synodalwahl der Oeifeiitlichkcit nicht bekannt gegeben worden, nur die Synagogenräte und Bezirks. Synagogen bekamen ihn zur Begutachtung. Hin s• •Idies Verfahren kann die öffentliche Kritik mein er• setzen, in der Wahlkampagne war cs kau״! möglich, auf diese Dinge zu sprechen zu kommen, da nur wenige etwas darüber wussten, und ausserdem die Gchetbiidiirage jedes andere Interesse verschlang. Der Synode fehlte es zu einer genauen Durchbe• ratung an Zeit, da sie im ganzen mir wenige Tage umfasste, und die Diskussion konnte sich »atiirgem.i's nur mit Dingen prinzipieller Art belassen. Von einer weiteren Hrörterimg der Angelegen• beit w;ll ich absc'hen und nur noch berichte», dass cs sich bei den heilten Probceinfüliriingen um uic Bestimmungen handelt, die bei der Wahl der Synagogenräte und Vorsteher zur Geltung kommen sollen und zweitens um die Hrrielituug ständiger Kommissionen in den grösseren israelitischen Ge• meiinlen zur Unterstützung der Syiiagogeitrüte. In bezug auf den erstcren Gegenstand ist aner• kennend hervorziilieben, dass die H i 11 f 111 s s 11 a I! in c der Staatsbehörden daltei mehr zuriicktrat als nach der bisherigen Praxis, Was dagegen dc!1 zweiten Punkt betrifft, so haben wir da eine Arbeit, mit der die Gemeinden in dieser Form nichts an/u• fangen wissen; für die vorgesehlageue Kultus• w 1׳: für die Sehnlkoinmission haben wir unter den jetzigen Vrliältnissen keine rechte Betätigung. Die so/-de oder Wohl tat igkeitskoniinissioii könnte aber mir störend atii uic Hinrichtungen wirken, wie sie in jeder Gemciiuie organisch entstanden sind. Die Spinde hat die Bedeutung der Bestimmung sc'•'• **t dadurch begrenzt, dass sie die Bildung der ständigen Kommissionen von dem ״Bedarf•‘ abhängig machte.;"/־. ...׳י י ך , , יv, י י ■י י י •vvmcumuNn .(<*־> יי ווו Ussel \ ul iinucorüuct. dass /Ulrichs! ihr die P•:!: soll drei J•־!breit die Israeliten in der Stadt Moinl er, e!״e eigene Synagngciieemeindc Homberg bilden, un, zwar vom I. Januar ab. mORiiehu i|ZD *״ L.Y״cr1elnf ."־crdc" «!«» ..»ו ״ ,״ .״•״..״», Der IV. Obcriclik'sUtlie Zinnlslciiiai! ״.״.!• kau,״v, z. dcs ״,1|״| K.lis״||״i ח". ln«ewj״״11״ enthalt ״, a. V,,״״״״. nlMisclic Arbeit i״ Oberschle.si״,•• (l<d w״’01 ״״ ״״״״״״r ••1״״'«»»"“ ״1׳le l.m Merlin t *'l lcrc"t: ^ccbtsauwalt Dr ״l J Al" Al'"'ül findet im «rossen (l'ortsetzung auf Seite *)2

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