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Jüdische Rundschau · 1909-02-19 · Heft 8 (19.2.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nt». 8. t וי :: AUS ALL6R W6LT Deutschland Knlhuiluntf des Maiddtisohn-Denkmahs llcrll•. In dem kleinen Vorgarten der Jüdischen Kliule In der Orossen Hamburgcrstrassc, die abseits lictit v״m Urin der Grossstadt, wurde am 15 Fohr׳״!; das vom Bildhauer R. M a r c u s e gcscliaffonc Denk IIWI Moses Mendelssohns emhlllU. Der KnthKg nute ein feierlicher Akt in der Aula Her Anstalt vor,ms. an dem neben zahlreichen Mitgliedern der (Iciiicindc und Vertretern der Stadt von den Vor- »׳ a 11 d t c n und N a c 11 k o m in c n Mendels, »״hiis Fra״« v. Mendelssohn, Faul v. Mendelssohn. Iljriliolily. brau v. Richthoicn, Frau Qehcinirat West, phal mul Frau Uusserow teilnahnien. — Nach einem einleitenden dinrgcsang betrat Geheimer Regieruugs* tat Ihofcssor Dr. Ludwig Geiger das Podium, um ui kurzen, prägnanten Zügen das Wesen und den Wert Mi'iiticlssolins als Mensch, als deutscher Schriftsteller u״kl als Jude zu zeichnen. Der Redner konzentrierte Him־ Ausführungen auf diu innige Freundschaft, dlo »len ..Wcltwcisen von Berlin־*, als der Mendelssohn von /nutz charakterisiert worden Ist, mit Lessing verband, der gerade am 15. Februar vor humlcrtncht. iimlAumzig Jahren gestorben Ist. Wahrend Lcsslng kk.iiHitlich in seinem ״Nathan״ dem Freunde ein Iiur.irisehcs Denkmal gesetzt hat, vcrsuchto Mendels- «•Im den Dichter, dessen Andenken ihn ״wie das IliUl einer Geliebten umschwebte", in den Schriften ״Au die Freunde Lessings" und ״in den Morgenvtundv a״ zu zeichnen. Nach abermaligem Churgesang 11h1׳f..11׳ Justizrat Tiinendorfcr im Aufträge des Kmiiitics dos Standbild an den Vertreter der Jüdischen Ikiiiviiidc, Sanitfitsrat Dr. S t c r n. Das Denkmal Ist m v!m ichen und schlichten Formen gehalten. Auf 1im.it ,'ockel ans Dolomitstein steht die Bllsto MvIldlKsollllS. .RUNDSCHAU ausgedehnte Beratungen statt, die zu folgender Entden!lhrtc"i 11 ft *s,f unmflgllclu den Juden verhieb״r r! z,u den » c|1tchrlstUcUcn, Religionen zu verbieten, da eine solche Mnssrcgcl ein Verstoss «egen dlo Gewissensfreiheit würc. 2. Die Juden, dlo zum Islam übertreten, erlangen dadurch gar keine W.c1toren Rechte als sie slo früher bereits hatten, well die russischen Gesetze keinen Hlnwel* n״ct* denjenigen Juden, die zu 1 ic h teil rlst 11 chen Religionen übertreten, irkcnd welche besonderen Rechte zuteil werden soll- ‘<״,1״־d sodann, well dlo Beschränkungen dor Juden nicht als elno Folge Ihrer Religion, sondern als lolgo Ihror nationalen Eigenart zu betrachten seien, bclilicsslich würde auch die Gewährung besonderer Rechte au die zum. Islam übergetretenen Juden müglieherweise grosso Judcnniasscn zu diesem Uebertritt veranlassen, was eine nachteilige Wirkung auf die politische Gesinnung der Mohammedaner (II) haben könnte. Diese Auslassungen des Ministeriums des Innern wurden dem Senat übergeben mit der Bitte, der Senat möge fcststclicn. ob die Beschlüsse des mlnlstcrliims des Innern eine gesetzliche Grundlage ,^cr bestätigte die Antwort de» Ministeriums. Die christliche Kirche bleibt also dlo ״n Ile In selig machende 1" Von den kaukasischen Bergjuden Der Ataman des Kubanischen Bezirkes hat vor kurzem einen Befehl erlassen, alle Juden aus der Stadt A r m a w I r auszuwclscn, die dort auf ärund einer Zlrktilarverfllgung von Plchwc und einer spüteren von Stolvpln vom R, Juni 1906 das Wohnrecht hatten. Die von der Ausweisung bedroh* teil Juden wandten sich mit dem Ersuchen um Hllfo an den Abgeordneten Nlssclowltsch. dem cs nach vielen Bemühungen gelang, einen Aufschub der Ausweisung zu erlangen. Die Ausweisung der Juden aus Armawlr soll solange suspendiert bleiben, bis neue allgemein gütige Verordnungen und Gesetze Über die Juden erlassen sein werden, * Ucrlln. Der preußische Minister der geistlichen, 1 inen ichts- und Mcdizlnal-Angclegcnheltcn hat dem Viifei.imi der Jüdischen Gemeinde auf sein Ersuchen, ivi de״ Lehrerinnenprüfungeii an den Scinlnnrlcn eine l'r.'imu der jüdischen l'IxaniJiiandiimcii auch In den 1111lisw!1ct• Rcligionsfiichcru stuttfinden zu iassen und /tir Vnroahme dieser Prüfung einen Jüdischen Fneh* tflui'11 liiuzuzuicbcn, unter dem 4. Februar folgenden Hmelicid erteilt: ..Die UnlerriehtsverwnUung Kann nach Lage der Vuiialinissc nicht dazu Stellung nelimen. welcher Ut der zu erteilende Jüdische Religionsunterricht win muss. Dieser Grund ist auch hei den Beratungen des Ein wurfs zum Volkssehuluntcrhultungsgesetze Im Ibusc der Abgeordneten geltend gemacht und nner• kaum worden. Ich bin daher auch letzt nicht In »:vf l.acv, dem Anträge des Vorstandes zu ent• *vedieii. dass den staatlichen Lchrerlnuenprülungcn j׳i den Seminarien bezüglich der liidiscJien Kaiidida* in!1ivn die lildlschc Religion als Prillungsgcgcnstand I1m/m;e11lgt und zu diesem Zwecke ein Jüdischer litvliimnm zuge/ogen werde. Um iedoch den Svna* s'-eviigvu’eindcn die Gewinnung hozw. Heranbildung ueiemler Lehrkraft‘.• für den Jüdischen Religion*• unurruln tmilichst zu erleichtern, habe ich das Königliche Provinzial-Scimikollcgium hicrsclhst äuge- ׳><!»m 11. •hffir Sorge zu trauen, dass indische Kaudi •;!!innen zur l.ehrerimiiieiinrüfuiig für die Volks- *.hule mir zugelassen werden, wen 11 sie sicü cm 11 Prüfung in der Jüdischen Reilvi ׳ui vor einer Jüdische 11 Ko mm ls>sl ou ׳ml llr folg unterzogen haben, wie dies hei jüdischen Lehramtskandidaten bereits letzt H״)uel1k’t wird," Die Tendenz dieses Ministerial-Erlasses über• M'dit nicht, mul sic wäre vielleicht nicht zu miss׳• billigen, wenn diese .,Trennung von Staat und Kirche" ׳null gegenüber den christlichen Ansprüchen an den sü»at durehgeführt würde. Solange wir Juden aber Wiingswcise dazu beitragen müssen, die Kosten für Jen e 11 r i s 11 i c 11011 Rejigionsiiutcrrlchit und dlo KvligiiiiispriiJnng der Schiller und Lehramtskandidaten de. n\ bestreiten, solange hat der Staat die ein* Wie PIlieilt und Schuldigkeit, auch dafür ׳« sorgen, dass Jüdische Schiller und Lehramts- Kandidaten in ihren Religionsfiichcrn geprüft und unterrichtet werden! Die angebliche Rücksichtnahme *!!!i *!.»־ ,A r v* tles zu erteilenden Religionsunterrichte •m ü'ieli mir eine Ausrede ־־׳ mau ist Ja sonst nicht 1 י" zimperlich! Russland Mohammedanische Juden "*-־ immer häufiger werdenden Uel>crtriUe von י zum fslatn beunruhigten die Gouverneure des ■Jüii'KRrnvons dermassen, dass sic sich mit einer •ec au das Ministerium des Innern 1*en. erstens, ob den Juden überhaupt der Ueberzum Islam zu gestatten sei und zweitens, ob ule '» nach dem UebertriU alle diejenigen Rechte 00• י sollen, die den Mohammedanern in Russianu damteii sind. m Ministerium des Innern landen über diese cblicli immer mehr Bedeutung gewinnende Frage Die grössten Judenstfldlc Nach dem Stande der statistischen Portschreihuugen vom Januar!909 betrügt diu Zahl der In Russisch- Polen ansässigen Juden I 000 000 Seelen, von denen 300000 utif die Stadt Warschau entfallen. So* mit ist Warschau dlo grösste lüdisebe Qcmei 11 de in ganz Europa und die zweitgrflsste der ganzen Eide, nach New York, das mit seinen 1*00 000 Juden wollt die grösste lildlschc Gemeinde Ist, die es überhaupt Je gegeben bat. Finnland In der letzten Sitzung des russischen Ministerrutes wurde auch über die Vorlage des IlnnlündUchen Senats beraten, die das Schlichten nach indischem Ritus untersagen will. Der Mlnlstcrrat beschloss, die Vorlage als unannehmbar zurllckzuwclscn, da er gar keinen Grund sflhe, der zu einen! so rigorosen Verbot führen könne. Dass der russische Mlnlstcrrat liberaler sein muss als der finnlündischc Senat — das spricht wahrlieh stärker als alles andere gegen Ule finnischen Machthaber! Zur Beachtung! Einige Artikel sowlo ein grosser Teil dor Rubrik ״Aus ullar Welt" mussten letder wegen Raummangels Zurückbleiben! «*י•־*■-n*-ra=1=-=gB3—י—— Persönliches Unser Freund und Gesinnungsgenosse Herr Rabbiner D r. Emil Levy hat sich mit Prl. Marie Mcserltz, Tochter des Herrn Rektor S. Mcscrltz, vdrlobt. Die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" schllcsst sich den Gratulanten an mit den allerlierzlic'istcn Glückwünschen für Ihren streitbaren Mitarbeiter und seine Braut. PALAeSTINA-RUNOSCHAU Auf dem 8. Zioiilstcnkongrcss wurde von den im Haag versammelten Anhängern des *Misr ac bi ein Kapitalfonds für die Gründung einer hebräischen Mlttclschulo In Palästina gezeichnet. Das zur Durch, iührung des Unternehmens gebildete Komitee wurde Inzwischen durch den Beitritt mehrerer angesehener, dein Zionismus nicht augehöreuder Männer der dcutsehen gesctzcstrcucn Jiidcnhclt erweitert und das Unternehmen dadurch auf chic breitere Basis gestellt. Nach längere Zeit dauernden Ermittlungen hat das Komitee von der Errichtung einer neuen Schulunstah tilMCescben, bat vielmehr beschlossen, die seit einigen Jahren in Jaffa bestehende Tachkcmonicschulc zu übernehmen und In eine nach modernen pädagogischen Grundsätzen geleitete Schule umzugcstaltcn. Dlo Leitung der Schule, die den Namen ״Hebräische Mittelschule' tochkcmonle In Jaffa" führen wird. Seite 89. wurde dem geprüften Oberlehrer für Mathematik und Physik, Herrn N. Schlesinger aus Hamburg übertragen. Als Lehrer wird von dem Komitee zunächst noch Herr Dr. J. Engel, der nach längerer Lehrtätigkeit au dem Jung ,sehen Gymnasium in Ung. Brod noch chic Zeit lang speziellen pädagogi• sehen Studien obgclcgcii bat, nach Jaffa entsandt werden. Beide Herren werden ihr Amt nach Pessach nntreten. Schatzmeister des Komitees, das sich demnächst mit einem Aufrufe an die weitere Ocffcntlich• kelt wenden wird, ist Herr Josef W. Hackenb r o c h, Frankfurt a. M., Röderbergweg 30. *״«II־״ Die Verwaltung des neu eröffnctci» Gymnosfums In Jerusalem lässt sieb in einer Erklärung über die Beweggründe aus, die zur Errichtung des Gymnasiums geführt haben. Unter den 50000 Juden Jerusalems sind sehr viele, die für ihre Kinder da! Besuch einer Mittelschule anstreben. Da bis letzt Jerusalem auch keine höhere Töchterschule hatte, so schicken die einigermaßen vermögenden Eltern ihre Kinder nach dem Auslande, während die anderen das hiesige deutsche Gymnasium besuchen. Dass dadurch die national-jüdische Erziehung eine grosse Einhussc erleidet. Ist jedem, der mit den hieslgcn Verhältnissen vertraut ist, ohne weiteres klar. Die allgemeine Verwahrlosung, sowohl in erzieherischer wie in kultureller Beziehung, unter der Jerusalcm leidet, macht eine solche Schule unbedingt notwendig. Viele Familien aus der Umgegend ziehen cs vor, Ihre Kinder nach Jerusalem anstatt nach Jaffa zu schicken. Dlo materielle Unterlage des Oymnaslunis wurde durch Ausgabe von Aktien & 250 Fres. geschaffen. (Audi diese Erklärung kann unsere Bedenken nicht beseitigen. Es erscheint uns nach wie vor höchst u 11 zweckmässig, nachdem in Jaffa nun einmal ein Gymnasium besteht, schon Jetzt in Jerusalem ein neues zu gründen, statt vorerst lieber alle Kräfte auf die Konsolidierung der einen Anstalt zu richten, die das doch wahrlich nötig genug hat! Red. der .J. R ״) * —iiiii Die Erwartungen, die die Kolonisten au den diesjährigen Orangenhondel geknüpft haben, sind in der Praxis noch bei weitem übertroffen worden. Auf eine so ertragreiche Ernte haben selbst Optimisten nicht gerechnet. Die meisten der abgclcscncn Orangen sind bereits in England zu ungeahnt hohen Preisen abgesetzt worden• Im Durchschnitt wurden 11 Francs pro Kiste 1\ 140 Orangen gezahlt. Da dlo Transportkosten sich auf 3 Francs belaufen, so wird nach Abzug der Selbstkosten und des Zinses für das nufgcwcndctc Kapital einen Reinertrag von 6—7 Francs bleiben. Von »len Einnahmen wird nicht nur der diesjährige Verlust gedeckt werden, sondern mich an die Beteiligten eine hohe Dividende abgcfillirt werden können. Petaeh-Tikwah allein hat in diesem Jahre 40 000 Kisten nbgclcsen, die anderen Kolonien 15 000. Es muss hier noch vermerkt werden, dass die Juden einen ganz minimalen Anteil an dem Orangenertrag des ganzen Landes, der sieh etwa auf eine Million Kisten beläuft, besitzen. Aber der Anteil der Juden ist in fortwährendem Wachsen hegrüfen. Die Fachmänner liegen die Zu* versieht, dass nach etwa fünf Jahren, wenn der Bail in Palästina mit grösserer fntenslvität wird betrieben werden können, und alle jetzt noch Jungen Gärten Früchte zeitigen werden, die Kolonie Petaeh-Tikwah allein Jährlich 500 000 Kisten Orangen Iicrvorbrfngcii wird, Da die Nachfrage In »len Absatzländcrn sehr stark Ist, so hoffen die Kolonisten, dass der Orangenbau ihnen m der Zukunft schon dann eine Existenzmügllclikcit gibt, wenn Jede Kiste nur mit 4 Francs bezahlt wird. Die Kolonisten in Ptiach-Tikwah haben sich übrigens auch nach anderen Märkten als England untgcschcn. Versuchsweise wurden In diesem Jahre auch einige Orangcnklstcn «ach Deutschland, Konstantinopcl und Australien geschickt. In Deutschland haben sic allerdings einen kleinen Verlust 7u verzeichnen, während in Australien sehr Iahe Preise erzielt wurden. Das Resultat der Kon* stantinoplcr Sendung Ist noch nicht bekannt. Als ein vielversprechendes Absatzgebiet »kann für die Zukunft Egypten gelten, wenn die Regierung auf den ihr vorliegenden Plan clngeht, mul der Bahnbau nach Egypten nusgeführt wird. RUNDSCHAU DeR~PR65Se Jüdische Zeitung, Wien 111 einem Artikel ״DI c 11 c u c T!1 r k c 1" schreibt A »101 f Böhm* . I" 8H ‘״ zionistischen Kreisen wiederholt In Wort und hclirift für die politische Weiterentwicklung der Türkei Prognosen gestellt fÄ8t. «״**»hmslos eine «kommende föderalistische Gestaltung des Reiches" und eine drohende .,nationale Autonomie auf territorialer

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