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Jüdische Rundschau · 1909-02-19 · Heft 8 (19.2.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S*j i t c Nf>. J U E D 1 $ C H E K UN PS Cll AU No. b. Der Kampf «egen ״More Jtiilaieo" ist keines* Wegs jüngeren Datums. Zur Erinnerung daran, um was es siel! bei dieser traurigen Einrichtung handelt iiikI wie die Angelegenheit ins Rollen kam, mag liier ein Bericht wiedergegcbcu werden, den die Berliner ״Vossisclic Zeitung" im Jahre 1901 veröffentlicht hat. Darin heisst es: ״Ganz im Gegensatz zu dem allenthalben auf moderne Vorbilder und zivilisierte Rcehtsaiischauur.gen sieh .stützenden rumänischen Gerichtsverfahren stellt die als Ucberbleibsel der barbarischen Gerichts• pflege des Mittelalters noch heute in Rumänien zu• lässige Eidcsaltlegmiu ..!tioie Judaieo". Noch heute ist 41er riunauische Zivilrlehter berechtigt, auf Vor* Inngcn einer Drozessnartei der zum israelitischen Glauben sieh bekennenden anderen Partei die Leistung eines Schwurs ״nach jüdischem Brauch*', auizuei'ieuen. In diesem Pall werden den zur Eidesleistune: verhaltenen Israeliten die Fingernägel wie die eine! Leiche beschnitten; hierauf werden an ihm die rituellen Waschungen vorgcimumien und er so• dann, mit den! Sterbehemd bekleidet, in ' ׳' Synagoge neiührt. wo er sich in einen vor dem Altar aufgostellten San.׳ legen!Diese letzte Prozedur wurde jetzt tatsächlich nicht gefordert. Amu. d. Vcrf.) und die ihm vom Rabbiner vorgesagte Kidesfnrmcl nach• sprechen muss Pa letztere, ihrem Wesen nach, aus einer Reihe furchtbarer Verwünschungen und Yerfiucluiugeii besteht, welche im Diesseits mul Jenseits am Schwörenden und an seiner uanz.cn Pamilie ihr den lall in Erfüllung gehen sollten, dass derselbe nicht die reine Warheit sauen sollte, so h'isst sich leicht begreifen, das diese Pont! der Lidesablegmig in Verbindung' mit den begleitenden!״eichen• gebrauchen sowohl für den Schwörenden, wie auch für dessen Angehörige überaus peinlich mul auf• reuend sein musste »Tatsächlich werden denn auch zahlreiche!*'alle angeführt, in welchen der zur Beeuligmig seiner Klaue oder Aussage ..tuorc judaico" atiigerufeue Israelit lieber auf die Wahrung seiner ganzen Rechte verzichtet hat. als dass er sich der erwähnten Sehwurablcgmig unterzogen hätte. Glücklicherweisc war aber der zur Intervention bei der P.idesleistung auigeruiene Rabbiner Dr. Nacht aus Pocsehaui Mann genug, die ihm vom Richter zugemutete Aiitwirkuiig mit der Begründung abzulclmcn. ״dass er, als Vertreter des mosaischen Glaubens, keine Zeremonie vornehmen könne, welche, mit dieser Religion in schroffstem Widerspruch stehend, einen inhumanen und entwürdigenden Charakter besitzt." Auf dem Gemeindetag’, der im gleichen Jahre in Jassy stuttfaml, stand diese Präge im Mittelpunkt der Diskussion, Man erkannte cs als eine Forderung der jüdischen Würde, sich dieser demütigenden Kinrich■ mng zu widersetzen, und beschloss, den Kampf gegen dieselbe im ganzen Laude aufzunehmen, nachdem der Gemeinde Pokschani und ihrem Rabbiner Dr. Nacht, der auf dem Gemcindctage über das Thema referierte, der Dank für Ihr tapferes Vorgehen ausgesprochen worden war (Vgl. ßulctinul Uniunoi Jsrnelitc, 1903 S. 11). Tatsächlich gelangte die Angelegenheit in Fokschunl auch bald zu einem günstigen Abschluss. Allerdings vermochte diese Gemeinde den Behörden gegenüber nachdrücklicher und bestimmter aufzutreten, weil sic zu den wenigen von der Regierung anerkannten und wirklich organisierten Gemeinden gehört, während fast allen übrigen Gemeinden Ru• mliniens die Anerkennung als juristische Person und somit die Möglichkeit, sielt su organisieren, Immer noch versagt wird. Herr Dr. Nacht weigerte sich beharrlich, dem Rufe des Gerichts Folge zu leisten, den Schwur in der üblichen Weise ahzuuchmci», und erzwang schliesslich dem Beschluss des 1 ״ksc י tr Tribunals vom 19. Januar 1900, wonach der Rabbiner •weder in der Synagoge, noch vor Gericht 21״[ Ab* nähme eines jüdischen Schwures zu erscheinen braucht und Juden in gleicher Weise wie ihre Christliehen Landsleute den Kid lediglich vor dem Richter zu leisten haben. . So erfreulich der Abschluss der Angelegenheit in Pukschan! auch war, lag doch kein Anlass vor, ihn als eine gewaltige Errungenschaft m alle Weit hhinuszuposaimen, umsoweniger, wenn es den Kämpfenden wirklich tim die Sache und nicht vice mehr tim Befriedigung persönlichen Khrgeizcs zu tun war. Tatsächlich getaugte die Nachricht Über diesen Krfolg so bescheiden und anspruchslos in die '' eit, als es ihr zukam. Iiizwisclicn war auch in Jassy Uio rraKC zur Dis- Mission gestellt. Die Zerfahrenheit in den Verhältuisscu dieser Gemeinde, die unorganisiert und ohne eigentlichen Vertreter ihr unerfreuliches Dasein führt, machte ein entschiedenes und konsequentes Vorgehen ähnlich wie in Pokschani nicht möglich. In Jassy mit seiner 30 000 Seelen zählenden Gemeinde leben nicht weniger als .sechzehn Rabbiner, die weder gc• wählt worden sind, noch besoldet werden, iür die die Abschattung des ״More Judaico" auch eine Brotfrage'') bedeutete. So unerschrocken der Appell des Herrn Rabbiners B. Rabinowitz (genannt ״ücrlader Raw“) in Wort und Schrift (vgl. seine Broschüre Ca nie cosclicr si More Judaie, Jassy 1903) an die ״!icntiiclie Meinung auch war, so liess sich liier aus den genannten Gründen ein einheitliches Vorgehen nicht erreichen. Krst die entschiedene Weigerung mehrerer Jassycr Rabbiner, den Schwur in der gcforderten Weise nbziiiiehmen, führte ein Urteil des Kassatioushofes herbei, wonach Rabbiner, die eine solche Weigerung anssprcclicn. nicht strafbar sind. So seiir nun auch der Eifer zu loben ist, den unter •den, Jassycr Rabbinern Herr Dr. Nicmirowcr au den Tag' legte, so wird man das lebhafte Bedauern über die Wendung, die er der Angelegenheit gab, nicht unterdrücken dürfen. Die Regierung wehrte sich natürlich dagegen nach Möglichkeit, auch in dieser Frage die Juden den christlichen Bürgern glcichzu• stellen. Sic will nun, wie es scheint, auf jene bar-!»arischen Prozeduren zwar verzichten, fordert aber, dass statt dessen der Rabbiner Jedesmal vor Gericht erscheint, sobald ein Jude den Schwur zu leisten hat. Ks scheint nun, dass Herr Dr. N. über die Bedeutung der Sache sieh ganz Im Unklaren befindet, wenn er, wie die ״Dimincata" berichtet, erklärt, dass er zwar nicht in der Synagoge, wohl aber mit Vergnügen vor Gericht erscheinen würde, tun den Schwur eines Juden zu überwachen. Er scheint gänzlich zu über• sehen, dass cs eine Beleidigung •der jüdischen Würde ist, wenn er znglcbt, dass der jüdische Schwur durch die Zeremonie der Anwesenheit des Rabbiners erst die gleiche Geltung wie der christliche erlangt, für den die Anwesenheit des Geistlichen keineswegs geforciert wird. Aus welchem Grunde Herr Dr. Nicmirowcr sich zu dieser Haltung entschlossen hat, Ist gänzlich unklar, besonders wenn matt bedenkt, dass das konsequente mul energische Vorgehen des Initiators dieses Kampfes zu einem vollen Sieg gegen• ... ^cr RüMdncr erhält für jeden abgenomnienen! Lid eine von! Gericht festgesetzte und von den Par• teien vorher deponierte Stimme. I über dem erniedrigenden Forderungen der rum,״׳!•,. scheu Gerichte geführt hatte. So wurde denn durch diese unbegreifliche Nachgiebigkeit aueli in der Qc. mcitidc, in der die Frage eigentlich bereits iahrclanz in jüdischem Sinne als gelüst betrachtet wurde, der Rabbiner unter Hinweis auf diese Erklärung des Herrn Dr. Nicmirowcr, als er sich weigerte, den Schwur abzimchnicn, in empfindliche Strafe geuom* men. So wurde auch in Jassy kürzlich trotz der Entscheidung des Kassationshofes wiederum von Rabbiner Taubes die Abnahme des Eides judaico" verlangt und gegen ihn eine Geldstrafe von 300 l'rcs. verfügt, als er sich weigerte, dein v״. laugen des Gerichtes nacliznkomiiicii. Die Inkonsc. queuz und Uneinigkeit im jüdischen Lager ist lieh nur Wasser auf die Mühle der a!1ti.sc11ätKw|!vfl Forderungen. Die Rabbiner Dr. Rabbinowitz und Dr. .\,K|1t haben nun dem gegenüber noch einmal ihren i. :,<v. quellten Standpunkt betont und eine weitere!•ז,.׳;, fiihrung des Kampfes auch in Jassy für notv erklärt. (Vgl. ״Curicrul" No. 29.) Ebenso 1:ז di; ״Egalitäten" vom 29. Januar sich sehr unhefikdii über (Ins Resultat der bislicrigen Krimpte in!.,«*>׳ ausgelassen. In einem ״More judaico mul kein I .;de" ilherscliriebeiicn Artikel nennt Herr Mr. Brain stem dieses Resultat einen Pyrruliussieg mul führt a. Folgendes aus: ״In der Tat. vergleichen wir die in .lasse Entscheidung mit dem Beschluss des Tribunals!,:.;na zu Gunsten der Gemeinde Pokschani. so müsse•: Air konstatieren, dass die Frage sich nach riie! v...! ts entwickelt hat. Wahrend in Pokschani die Anw :o.n* heit des Rabbiners bei Abnahme des Schwures v׳.: Gericht nicht mehr erforderlich ist. haben die Jas-ver Behörden zwar ani die Synagoge und die neinli ■dien Prozeduren verzichtet, nicht aber auf den Rabbiacr, Oh nun die Differenz zwischen den in Jassv einerseits und den m Pokschani andererseits erzielten Resultaten der verschiedenen Stellung der exekutiven Behörden den Juden gegenüber odci dem Unterschiede der Zeit zuztisclircibcn ist — denn cs liegen bereits mehrere Jahre dazwischen und das XX. Jahrhundert ist ׳mtt• lerweile weiter fortgeschritten — oder ob die Jassur Gemeinde, berauscht durch ihren Erfolg, es für in* opportun hielt, die Angelegenheit bis zum ÄusscrMca zu verfolgen — das Eine ist gewiss, dass die Frage damit nicht bereits definitiv gelöst ist und dass wir noch nicht das Recht haben, uns am' unsern Lorbeeren auszuriilicn." Die Juden in Westfalen Von dem Verfasser des so betitelten Artikels 11 No, 6, gegen den sich die in No. 7 veröffentlicht* ״Berichtigung״ des Herrn S. Flörsheim richtete, erhalten wir das vorstehende Schreiben, das wir 110• verkürzt Wiedersehen, da es die ״Berichtigung* nicthode" des Vorsitzenden des Verbandes der Svna• gogengemeiiiilen Westfalens trefflich illustriert. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die von dem Vorsitzenden des Verbandes der Syuagogcn-Oemcindcn Westfalens, Herrn S. Flors* heim in Dortmund, der ״Jüdischen Rundschau" über* sandte sogenannte ״Berichtigung" ist von Ihnen mit einer so prächtigen Randleiste versehen worden, dass ich es mir versagen könnte, auf jenes Schriftstück zurückzukommen. Da Jedoch der Verband durch seinen Vorsitzenden die hehre Göttin Wahrheit bc* (Nachdruck verholen,) Der Indian Elite Geschichte aus Galizien Von David Rathblum (Schluss) Dem Indian aber ging cs famos, Kaum blickte die Morgenröte durch die niedrigen 'Scheiben, da stand Jossl schon bei seinem Lieb- H׳־g und iiitK'rte ihn mit Kukuruz; ausserdem gab er ihm die Hälfte seines Frühstücks. Frau Sarah erfand iür ihn täglich neue Leckerbissen. Schumi aber sorgte für seine Kurzweile, indem er ihm unbrauchbare Fäden und Stolfabiälle zu- ■wart, mit denen sieli der Indian die Zeit vertrieb. Fs kamen täglich immer neue Gäste, entfemtene Bekannte und Verwandte des Hauses, um sich das Wunder auzusehauen. Und der hithm Hess alles über sieh ergehen, liess sieh greifen und betasten. Nur manchmal, wenn ihm die allzu grossen Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit zur Last fielen, kauerte er sich auf sein in der Fcke der Stube errichtetes Lager und vcrte'dlgte sich mit Schnabel und Krallen gegen seine Widersacher. Mit den Hauslcutcn über lebte er in grösster Eintracht. Kr war der Fünfte beim Mittagstisch, rüsoimlcrtc nie über das •schlechte Essen, pickte d;c Speisen aus der Hand und war mit einem jeden gut. Er war im allgemeinen ein stiller Beobachter, der seine Meinung über alles zu Italien schien, ohne, als ein echter Philosoph die Notwendigkeit einzitschen, s'c einem anderen mittcilen zu müssen. Seinem Freunde Jossi war er besonders anliäugüch. Von diesem lernte er so manches Kunststück, das er mit grosser Eleganz ausführte, Und so kam cs. dass Schumi eines Tages alle Clicder-Kollegen Jossls ■in seiner Stube vorsammelt fand. Jossi hatte ihnen nämlich schon lange von cvncm Indian fabuliert, der so gross wäre, wie ein Kalb und die schönsten Kunst- Stückchen auszufiilircn verstände. Er würde sich sehr gerne mit diesem Indian, den sein Vater auf fabelhaftem Wege erworben, produzieren, wenn die Freunde ein kleines Eintrittsgekl zusanimenbrächteii. Und als das Säinm• chen zusammen war, liess Jossi seine schaulustigen Freunde dieses grossen Genusses teil- Iiaftig werden. # * # Wenn auch Sclunul durch die ganze Woch'e seine Freude am Indian hatte, so war er doch von somem Berufe allzusehr in Anspruch 2%.• nommen und abgelcnkt, als dass er seine Auf mwiivouumvu av )uh iiiiu KiiiiÄ ucni inUltUI II« zuwenden können, wie er es mochte. D. aber lioite er am Samstag alles nach. Da terte er ihn, trieb mit ihm Scherze und tat a Mögliche, um ihn bei guter Laune zu erhal Und da regte Hui oft der Vogel zum Na denken an. Wenn der Indian radselilag*. stolz und aufgeblasen durch die Stube sei: und Schmal ihm vom Lager aus, aui dem er Samstag sein Nachmittagssclilüiclien zu eil gen ptlegte, znsali, da dachte er sich• Wie du df n.iCr, dt!d! ist! Ks Kla1,ln scl,°" 'virk ale Glückseligkeiten erreicht zu haben wen bei sattem Magen sich aufbiühen kann’ dann kommt der Tag, mit einer Handlyew eg ist es hin , . . keine Spur mehr von seinem s.cl״ ״ ’ ' Wic a״dcrs• tfa»z anders schuf ( den Menschen . . . diese Welt ist ja das re:1 e ts, cm Hauch . . , und das schönste Lc begumt erst, wenn dieses Leben zu Ende ist Uns kann der Tod nichts anhaben, während so emem armen Tier alles nimmt, ganz ei.ü halb ,*.w*.Vif V,Clldcht s01lto 1»an es auch ( S^do ö w C־ ״; ‘,? Es wird aber dafür Ä 1SC c״*scll׳‘di8t, denn selilicss \virdv״״dwn V0״ Mcnschc״ gegessen, währ! ״v0 . Wiirmen gefressen werden . . . schlresslich isst man es doch an Feiertagen .

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