Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1909-02-19 · Heft 8 (19.2.1909) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651605-2651614--06237-2663312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r 8 I « 5 a Abonnements *ui die wedirmilch am Freitat _ mchi'iiiande ״JUdlicho ROTdachBU" kosten bei der gxixdIUon und bei allen Post. Untern vlenelJUhrllch 1,18 M. Minerha b Uevtiehlanda und Oextnvlch• Ungarns 2— m! Wr MitfillederiUdlicherVtrelnt Im Samnelbeiug durch den Verein I,— M. VeHa! JlWisaJw Rundnhia E. a tu. b, H. •erila •W. N, Zlmmirttr, מ, Oeeeblftiilundenj 3 bl■? Uhr ausser Sonnabend u, Sonntag. %»•••••» I a e I I I a v J jmrnmmmmm m m m m mm mm* 0 Ansoigon * kosten lür die IQnlgespattcne * Peiluella oder deren Raum 1 28 Plg.1 Stellon-Angeboto und ■ Qesucho eowlo Verelnsmlt• 2 tellungen u. ״Kleina Anielgen" I nur 15 Pfg, 0 0 0 0 0 0 0 י Manuskripte werden, wenn * Porto belliedt, stets xurttek• * gesandt. - Redaktlonsschiusa * Mittwoch mittags.! Ridakllan IQdtiehi Rundschau * Ucrlln-Chirloticnburö,! IlelbtreU’Str. 41, Tel. Ch.M3l, g Sprechstunden Dienstag und ן Donnerstag 6 —2 Uhr abends. t... •% J ALLG6PV- (D)ÖSCH Z68TÜMO Nummer 8 Berlin, den 19. Februar 1909—28. Scbebat 5669 XIV. Jahrgang Der christliche Staat Jüdische Interessen Im prcusslscltcn Parlament. Fine der eimlruckvollstcn Phrasen tmsercr Gegner itn Kampfe um die politischen Rechte und die rechtliche Gleichstellung der Juden war iitmjor die Theorie, vom ״christlichen Staat״, deren Urheber bekanntlich der getaufte׳ Jude Stahl, der Begründer der konservativen Partei mit dem Waiirspruch ״Autorität, nicht Majorit;U" ist.!Natürlich ist es eine zum bestimmten Zweck verfertigte Theorie, da in Wahrheit kein moderner Staat mit dem Christentum eine mehr als r.-in iiusserlielic Beziehung hat. Den Christliehen Staat gibt cs tim Gebiete des alten rümisehet» Reiches deutscher Nation seit der Periode des l.nndcsfürstcntums nicht mehr, seit dem Verblassen des kanonischen Rechtes, das ztt umgehen die Juden ja eben ־ stets als bestes Mittel dienen mussten. Nur dank den Juden hat sielt der ״christliche Staat" so lange gehalten, wie es •irgvnd möglich war, und seit der Zeit, da er auch in Preussen rechtlich beseitigt ist. seit der Mitte des nemizchuK'ii Jahrhunderts, versuchte man bei jeder Gelegenheit, allen jüdisehcii Ansprüchen an den Staat •*־ welcher Art immer sie seien — mit der Phrase vom ..christlichen Staat" entgegenziitretcn, in der vergangenen Woche nun haben wir cs erlebt, dass in einer Sitzung des prcussisclieit Abgeordnetenhauses (29. Sitzung v. 12. Februar 1909) stundenlang über einen jüdischen Antrag, der allerdings den Namen eines nichtiüdischen liberalen Abgeordneten trug, verhandelt wurde, ohne dass ein Abgeordneter den ״christlichen Staat" gegen die Sache auszusp'eleii versucht liiittc. obwohl es gerade hier sehr nahe lag. Man könnte das iür ein Ereignis halten und hält cs in mnuchen jüdischen Kreisen sicher dafür. Wir sind bescheiden und skeptisch und haiteb es für einen Zufall, der aber doch Icstgehaltcn zu werden verdient. Schon deshalb, weil überhaupt seit langem selten in so ruhigwürdiger Art Über Jüdische Angelegenheiten im Parlament verhandelt worden ist, Das soll man fcststcllen. wenngleich sich gezeigt hat, dass auch in dieser Form berechtigte Anträge von jüdischer Seite — a b g c 10 h n t werden können, Anlässlich der zweiten Lesung des Qcsetzcmwnrfcs, betreffend die Besoldung der evan« Kcüschcn Geistlichen, gelangte ein Antrag Eickhoff und Genossen zur Beratung, der die Re.־• Rkrimg ersucht, im nächstjährigen Etat Mittel zur Gewährung von dauernder Beihilfe an Icistungsunfähigc jüdische Kultusgemcinden für ihre Geistlichen und deren Hinterbliebene bereit zu stellen. Die Kommissimi empfahl die Ablehnung diescs Antrages, und das Haus entsprach dem Vorschläge der Kommission. Aber die Vor- Handlungen beanspruchen ein dauerndes Interesse wegen der Begründung der Ablohming durch die meisten Parteien — nur Freisinnige und ein Teil der Nationalliberalen stimmten für Annahme — und wegen üer Aousscrungcn des Rcgicrungsvcrtretcrs, Ministerinld'rcktors von Chappuis. Uw* *nit der Befürwortung des Antrages durch den Antragsteller, Abgeordneten Eickhoff, «*״״ nen wir wohl einverstanden sein. Er appellierte nicht an Irgendwelche ephemeren Mitleids- oder O.I ״״Dcr ,2,0י״"״‘״ ersucht lOr du jüdische Valk die n 0 ״*״ n״f Wfcntllcl1»rccl11lleh coilcfiorlcn Heimstatt« In Pal8stim1,“ Beider Programm. Aus dem Kobalt Der christliche Stunt. -- Der Braunzlpatlonskumol der Juden In Rumänien. — Dlo Juden In Westtoten. Von Dr.! \V c I n b c r g - Dortulund. — Verhandlungen des Preußischen Abgeordneten, hauses vom 12. Februar 1909. — Der Pogrom In Salud. — Darwinismus und Judentum. — Aus aller Welt. — Alllanco Israällto Universelle. — Zionistischer Bewegung, — Aus den Gemeinden. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton: Der Indian. Von David R u 111 b I u nt (Schluss). Klducs Feuilleton, — Literarische Rundschau: Karl Kaiitsky. Der Ursprung des Christentums. Von Dr. Max Besser- Mamburg, ״Billigkeits"־Erwüg1mgcn, sondern verlangte einfach Gerechtigkeit für die jüdischen Gemeinden, deren Mitglieder zu allen Staatslasten genau so wie die anderen Staatsbürger herangezogen werden, und die daher auch die gleichen Ansprüche auf die Leistungen des Staates haben. Der Roglcrimgsvcrtrctcr erklärte, die Regicrung könne zwar dem Anträge nicht cmsprechen,־ sie stehe aber den Bcstrehungc,׳) der Antragsteller wohlwollend' ' gegenüber.־ Das kann kaum etwas anderes heissen, als dass sic im Prinzip mit d'er Forderung des Anträges einverstanden sei. Das wäre in« sofern von grösster Bedeutung, als damit der ״christliche Staat" um eine weitere Etappe zurückgedrängt wäre. Freilich auf eine eigen* artige Weise. Denn viele werden der Meinung sein, die Wilhelm von Humboldt schon am Ende des 18. Jahrhunderts aussprach, dass alles, was mit der Religion Zusammenhänge ausserhalb der Grenzen der Wirksamkeit des Staates liege, und dieser Anschauung hätte wohl aucli der Vertreter der Sozialdemokratie Aus• druck gegeben, wenn er zum Worte gekommen wäre. Das wäre in unserer Zeit sicher auch das Naturgemüssc, dass der Staat sicli um die Aufgaben der Religionsgemeinschaften überhanpt nicht kümmerte. Gegenüber allem Doktrinarismus, der gerade in jüdischen Kreisen zum Schaden des Judentums in dieser Frage sich häufig geltend macht, muss aber das eine fcstgelialtcn werden: solange der Staat, zu dem alle Bürger, und nicht zuletzt die Juden, ln gleicher Weise stcuerti, Irgend einer Religionsgemeinschaft aus allgemeinen Mitteln Beihilfen gewährt, solange hat er auch dlo Pflicht, den lädlschen Gemeinden Unterstützungen zu gewähren! Man kann nicht von uns verlangen, dass wir mit unserem Oelde christliche Kultuszwccke fördern helfen, ohne dass aus den gleichen Fonds auch für unsere staatlich anerkannten Svnagogcngemcinden ähnliche Subventionen bewilligt werden. Es handelt sich hier einfach nur um die Durchführung eines alierelcmentarsten Gercchtigkeitsgrundsatzes, ja um eine Frage der Anstfindigkeiti Dass dieses Gefühl bei den moisten Rednern jener Sitzung (über. die wir unten ausführlich berichten!) vorhanden war, auch bed denjenigen, die den Antrag ablchnten,׳ Ja, dass es soweit vorherrschend war, dass sich nicht einmal dio Theorie des ״christlichen Staates" direkt hervorwagte, das halten wir für das prinzipiell Wichtige In dieser Sache, das über den Tag hinaus seine Bedeutung hat. Allzugrosser Optimismus wird uns nicht leicht vorgeworfeu werden können. Und es ist auch gar kein Grund dazu vorhanden. Denn dass die konservativen und freikonscrvaüvcn Redner trotz der deutlich zum Ausdruck gekommenen Empfindung, cs handele sich hier um eine gerechte Sache, den Antrag dennoch mit fadenscheiniger Begründung ablehnten, dass sogar das Z c n t r 11 m und oin Teil der Nation all! b oralen den Antrag zu Fallt brachten, das ist b e z e i c 11 n c 11 d genugl Abctf wir freuen uns doch, dass das Phantom des ״christlichen Staates" diesmal bei so guter Gelegenheit nicht wider uns aufstand. Ob dieser Umstand cs frc'lich auch hindern wird, bei weit unpassenderem Anlassnächstens wieder zu erscheinen? Der Emanzipationskampf der Juden in Rumänien Der Kampf weiten den Eid ״AI o r 0 J u d a I c 0". O. B11 kurcst. 10. Februar. Mn» kann eigentlich von keinem Emanzipntionskämpfe der Juden in Rumänien reden. Dieser vollzog sich in allen Ländern immer im Anschluss an eine allgemeine politische Bewegung. Rumänien fehlt cs an einer solchen, und cs kann auch kaum zu einer solchen kommen, weil dem Volke jede politische Sclbstcrzichung fehlt. Der Kumpf um eine Konstitution hat hier nicht stattgcfuudcn. diese ist vielmehr auf Beschluss des Auslandes dem jungen Staate gegeben worden: den Rumänen hat daher die politische Schule gclchlt, die andere Völker durchmachtcn, als sic sich durch eigene Kraitaiistrcngnng' erst zu dieser Stufe emporarbeiten mussten. So fehlte und fehlt den Parteien Im Lande jede eigentliche klare, aufrichtige und Ideale Grundlage; es sind vielmehr Interessengruppen mit einer solchen Geschmeidigkeit des Programms, dass ein Ucbcrtritt von der einen zur andern ohne Ucbcrzcugungswcchsel sich vollziehen kann, sobald das vorteilhaft erscheint. Es Ist somit auch keine wirklich anständige Partei vorhanden, an welche sich die jüdische Bevölkerung anschllesscii könnte um für gemeinsame Ideale und für ihre besonderen Rechte zu kämpfen. Diesem allgemeinen Zustande der politischen Uncrzog'cnhcit und Korruption entsprechend, fehlt es auch dem iüdlsehen Emnnzipationskampfe, wenn diese Bezeichnung überhaupt angcwcmlct werden darf, an jeder Gross- Zügigkeit. Was wirklich geschieht, sind meist höchst armselige Versuche, sich die Existenz im Lande ertrügllchcr zu machen, und steht in unerhörtem Miss- Verhältnis zu der unendlichen Last von Unrocht, an der die Juden Rumäniens zu tragen haben. Der Kampf ums Recht oder vielmehr gegen das Unrecht ist daher auch oft nichts mehr als die Frucht persönlicher Ambition ohne Ehrlichkeit und ohne das erforderliche Vcrnnwortllchkcitsgcfilhl. Eine Illustration zu diesen eben charakterisierten politischen Zwergkämpfen der rumänischen Juden blldet der Kampf gegen den sogenannten Eid ״More Judalco", der ln letzter Zeit mehr von sich reden gemacht hat als dem bescheidenen Erfolgo der Sache entspricht. Die Angelegenheit an sich Ist allerdings wichtig genug, wenn auch durch ihre wirkliche Erledigung der Zustand der politischen Entrechtung der Juden Rumäniens sich kaum um Haaresbreite geändort haben würde. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.