Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 78. J UI; 1) I S C H K RUNDSCHAU dafür werden sie von de:! Christen verfolgt! Darin liegt Ihre Tragik. Sie sitiincii diese Sünde durch ihre Qualen. Jahrhundertelang für ihre Freiheit kämpfend, kämpften sie dadurch für die allgemeine Freiheit und das tun sie auch heute und dadurch ebnen sie einer (Icdankcnircihcit die Hahnen, die sie in der Person Christi unterdrücken wollten. Und d c s h a Ib - tilgt Redner hinzu — hin mich i ch stolz, jener Rasse a n z 11 g e 11 ö r e n , die die Lrlösiuig der Menschheit ermöglicht hat." Dr. Ilinkovie Ist kroatischer Jude und christlicher Atheist. Der beste Beweis, wie überzeugte Anhänger die Kirche durch den vom Staate geförderten Taufzwang gewinnt. י . Als Ungetaufter dürfte man es sich schwerlich erlauben, die Kirche so heftig anz.11־ greifen, ohne die schwersten Verfolgungen befürchten zu müssen. Rumänien Der Handels- und Industrie-Minister hat kürzlich ein Schreiben au alle Staats- und Stadthehurdeu versandt. worin er verlangt, dass die Artikel 15־ des Haudwerkergcset/es und 95 des Reglements desselben 0esetz.es streng beobachtet werden sollen. Artikel *15 besagt, dass hei Staats- und städtisehen Arbeiten die rumänischen Unternehmer auch dann zu bevorzugen seien, wenn ihr Angebot 5 Prozent teurer ist. und Artikel 95 des Reglements fordert, dass bei Staats- und städtischen Arbeiten nur rumänische Arbeiter beschäftigt werden. Ibis Monitum des Handelsministers ist also eine rem antijiidischc Massnahme, und viele jüdische Arbeiter sehen sich somit neuerdings zur Auswauderung gezwungen. Bekanntlich ist der Lintritt in den öffentlichen Schulen in Rumänien den Juden nur gegen Liitrieli• tmig einer Sclmltaxe von SO Pres. Jährlich gestattet. Dass cs dem grössten Teile der ilidisclicii Bevulkerung Rumäniens umuüghch ist. eine solche Taxe für Jedes Kind zu zahlen, bedarf keines Beweises. Um sich nun die l’olgen dieser Zustände zu vergegeux, artigen, beachte mau folgende Ziffern, die wir im Amtsblatts* 1 fiiuleu und die ein trauriges Bild;eigen: Von den 75050 schulpniclitigcu Kindern im .Jahre |'<no oi waren 17 1-0 rumänische mul <>.’I0 fiemde Kinder (die Juden werden bekanntlich in Ru» mänien auch als .■Pre'iide" bezeichnet!) Von diesen wurden m die öffentlichen Staatsschuld! im Schul- Jahre 1907 'as 15 |(>7 rumänische mul mir 127 jüdische Kinder auigcaommen. Die anderen jüdischen Kinder bleiben ireilich nicht ganz ohne Unterricht: denn iniolge des Bestehens des Sel1ulgesctz.es, welches den jüdischen Kindern Hindernisse hei der Aufnahme in die öffentlichen Schulen in den Weg legt, ent- Mauden etwa 15 jüdische Sc 11 ule 11 deren Pr» lialtung der hiesigen .1״disehei! Bevölkerung schwere Midie mul viele Kosten anfcrlcgt. Frankreich I He antisemitisch-nationalistischen 1׳<1 Demunstra• timten 111 Paris nehmen wieder einmal grossere Diineiisioncii an. Am letzten Montag, dem 8. Pehruar, wurden gelegentlich einer Versammlung im ״Ouartier latin", die von 2(111ö Personen besucht war, Zwischenrufe ..Vivo R roi!" laut. Die Ruhestörer \. urdcit aus dem Saale gewiesen. Aber damit war wenig erreicht. Die royalistisclien Manifestanten, etwa 2dö au der Zahl, die zunächst vergeblich in den Saal eiiizudringcn versuchten, veranstalteten einen Demonstrationszug nach einer Statue der Jcaimc d'Arc. die bekanntlich jetzt als die Schutzheilige aller nationalistischen Schreier gilt, und begaben sich dann v 0 r di e \V o I: n 1111 g Alfred Die y f 11 s Kiiie Anzahl von Demonstranten versuchte unter Rufen ״A bas les .1uifs!" in das Haus ein- ־/ud ringen. I'.s gelang indessen der Polizei, die Heimmstrnnteii zu zerstreuen und die llaupträdels-!(ihrer zu verhaften. Am 10, l'eDruar fanden ähnliche Demonstrationen Malt, die diesmal ihre Spitze gegen den .lustl/mlnister B r I n 11 d kehrten und gegen die Republik, die keine Gerechtigkeit kenne. Amerika In New York fand kürzlich eine Tagung statt, welche in ihrer Art in den Annalen der amerikanisehen Jiidenlieit einzig dastellt, mul deren Bedeutung vielleicht nicht ganz mit Unrecht der der Landung der ersten indischen Einwanderer im freien Amerika au die Seite gestellt wurde: Die Abgesandten von dreizehn Jüdischen Bauernverbänden traten zusannncu, um zum ersten Mal eine Aussprache über Prägen ihres Berufslebens licrhcizuführcn und einen festen genossenschaftlichen Zusammenschluss zu erstreben. P.inlierufer war der Herausgeber des in jüdischer Sprache erscheinenden 1Blattes ״Der Jüdlicho Partner". Den interessantesten Teil der Tagung bildeten die Berichte der einzelnen Vor» tteter, welche durchweg Günstiges Uber dio Eriolgc der Slcdcluiigcn in den verschiedenen Tellen des Landes enthielten. Die Ansiedler entstammen sämt• lieh den russischen und rmii.'inischcn Glicttls. haben sich ühcrra*>chc1ul schnell in die neuen Verhältnisse eiugeleht und steilen schon heute einen gesunden, beinahe 1111 a b 11!111 g i g e 11 jüdische 11 B a 11 c r iistand dar. In der Hauptsache treibt man: Oe- :r.üse-, Obst*, Tabak-, Kartoffelbau und Meierei. Am zweiten Tage besprach man eine grosse Anzahl luaktisclier!׳'ragen mul setzte 11. a. Komniissioiien cm welche die Präge der künstlichen Düngung, die hei den Pariuerii noch recht im argen liegt, und die Suche nach geeignetem Absatz betreiben sollen. Perner beschloss :nun für den nächsten Sommer eine jüdische I a nd xv i r t s c h a f 11 i c 11 c A u s ■ Stellung. Am dritten und letzten Tage schritt man zur Gründung einer imifassendcn Organisation, die den Namen ...lewish Panning Federation ol America‘‘ tragen wird. Von zwanzig Studenten der Agronomie an der Corueil Universität war ein Olückw uusclitelegraiiuii ciugclaiifcn, welches von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aiifgeiioinnicn w urde. Abends beschloss eine öffentliche Versammhing die bedeutsame Tagung. fab. PtiläsllnaKiirsc in Wien Vom 20. 2*1 Februar 1900 veranstaltet der Verein zionistischer Hochschule!• ..Tlieodor Herz!" in W i e 11 P a I ä s t i 11.! k 11 r s e. die sehr interessant zu werden versprechen. Ls lesen Prof. Vamberv. 1 ‘roi. (i r 11 n z e I. Dr. A. Sandler. Prof, O her-!ne ver. Dr. M. Herkoxx'icz. Prof. Ol» er- 1111111 mer. I >avis T riet s c h . Dozent Dr. S e 11 a i f e r mul einige andere Fachleute. Mchatidclt werden die politischen Verhältnisse der Türkei, die wirtschaftlichen, kulturellen und hygienischen Zustände und Aufgaben in Palästina, die jüdischkolonisatorischen Probleme, die Geographie umd Geologie Palästinas etc. RUNDSCHAU DSR PRGSSG Frankfurter Zeitung, Frankfurt a,M. Zu dem in voriger Nummern au leitender Stelle i üiamlclum Tlicnia ״Spanier ohne Vaterland" schreibt Davis T r i c t s e 11 - Berlin in der ״Prankinrtcr /Kinnm‘■: ..Ls ist zunächst nicht richtig, dass die zirka 50011(hi .luden der Türkei, wie Herr dulio Camba aiuiinui'i. sämtlich (oder :uicli nur annähernd •»Hei Spaniolen seien. Dies triht allenfalls auf die grosse Mehrzahl der zirka 20uOhl) Juden der ctiropäiselicii Türkei mul auf die der klciiiasiatischeit Westküste (Stuvrm! usw.) zu. Den Rest der tiirkisehen Judciiscliaft bilden die sogenannten arabisehen Juden Syriens. Arabiens und Mesopotamiens, zusammen etwa 2!s 0(11 ׳. und die annähernd 1001100 ans Russland. Rumänien und Galizien eingewauderteil Juden. Weiter ist zu berichtigen. ..spanischen’• Juden hingst ztmi weitaus Teil türkische am besten sagen, waren und mir eine dass die . -. grössten Untertanen sind. Wir können wohl dass alle türkische Untertanen geringe Zahl aus den im Caiiilm- VIIU« f.tlHi 11 II יי *IVII 1(11 VlMMI'il• I >k11׳cn Artikel erwähnten Griuulcii eine andere fremde j Siaatsziigvliörigkeit erworhen oder sich versebafit hat. Aus diesem Grunde kann die Verfassung hier I keinen erheblichen Wandel schaffen, umsomehr dürfte 1 dies aber im Palle der aus Osteuropa Lingcwaiuler• j teil zutreffeu. denn diese li.ihen tatsächlich zum weit- , aus grössten Teil die türkische Staatsangehörigkeit l.i'hcr ״״eh nicht erworben. Von ״Spaniern ohne Vaterland" wird also nicht zu reden sein. Dagegen gibt es mulere Juden in der Türkei, die ia der 'lat ohne Vatei!and sind', denn das türkische Bürgerrecht haben sic noch nicht erworben, und von Hause aus hatten sie keines. Das sind die r 11 m ä 11 i - scheu .luden, denen ihr Vaterland in offener Verletzimg des Berliner Vertrages sowohl wie der Logik »las rumänische Bürgerrecht versagt, auch wenn s׳e seit Generationen im Land׳• ansässig sind. Aber noch interessanter dürfte es sein, dass Camha zu Unrecht Spanien in der Reihe der Milchte nicht mit niiiiflhii, die ..so kirn׳ sind, Israeliten des Orient« mit ihrem Banner zu schützen." In der Tut nlunHcl׳ hat Spanien jüdische 1 hiteitanen in der Türkei. Das sind aber keine spanischen, .sondern m n r 0 k k a n 1 ■ sehe Juden, l.etztere stellen auch in Marokko viel, fach unter spanischem Schutz, und die aus Marokko nach der Türkei flüchtenden Juden sind ebenfalls zum Teil spanische Schutzbefohlene. In der altci kleinen Stadt Tiherias allein leben z.iitn Bclspie 5ö marokkanische Judeuf.uiulieii unter dem Schiit; des .spanischen Konsul.tragentcn. ebenfalls eine! , Juden, der den schönen russischen Namen Roma׳ I 11 ow trägt und gleichzeitig als Persischer Kon! suiaragent noch so persische Judenfamilicii uutci 1 seinem Schutz vereinigt. i Schliesslich möchte ich noch die Bemerkt!!!; i Cantbas betreffs der Unterlassungssünden Spanien׳ , iiihezug auf diese einstmals spanischen. Jetzt ttocl 1 eine Art Spanisch sprechenden Juden durch eine ן Parallele illustrieren. Camha sagt: ״Nicht mir tm der Gerechtigkeit willen hätte man sich Ihrer am nehmen, sondern au* praktischen Gründe» sich llirci hed 1e 11 eil müsse 11" »sw. In einem ganz filmllchor l all 11^findet sich D cti t&cli 1 an d ccKcnllhcf de! einstmals deutschen und letzt noch eine Art Doutscl sprechenden Juden von denen Zehntausend() nac! lalir uindortelawront Aufenthalt In Osteuropa siel schliesslich nach der Türkei p:cflllchtot habon. Auo! Nr». 7. die deutsche Regierung hat bei weitem nicht ge׳״״, Verständnis für die Tatsache gezeigt, dass durch die Deutsch sprechenden .loden des Orients alle« deutschen Unternehmungen eine wertvolle Hilfe er. wächst. Tatsächlich Italien die deutschen HaudcN- und Industrie-Interessen, ihre Verkehrs- und Kol׳.. r.isatioiis-Uiiteriieliiiuuigeii durch die Anwesenheit eines deutschsprachigen Jiidcnclcuiciits vielfache Forderung und Stärkung erfahren. Ls xvil| auch sicher etwas heissen, wenn man in so vielen Städten Asiens durch das Vorhandensein europäischer Juden sozusagen im deutschen Sprachgebiet bleibt." 0 0 MisceLLen « Selbstmord bc! den Juden Bekanntlich stellen die Juden in den westliche;!!.ändern em 1mverhäl!niM״ässig hohes Kontingent Selbstmörder». Ls ist kaum zweifelhaft, dass die-.er Umstand nicht zum wenigsten auf den Seelischen Zw iespalt ziiriick/.ufiihreii ist, den die Halbheit .seiner politischen und gesellschaftlichen Stellung häufig!!! dem jungen Westjudcn hcrv״rr״it. Line iicuei'dnus erschienene Statistik beweist nicht nur, dass di׳ sc liir die Juden so ungünstigen Ziffern für einen \e.- gleich der Gesamtjudenheit mit den Andersgläubig!, keine Geltung haben, sondern dass — wahrscheinlich infolge der strenge» Vorschriften des jüdische» (*c. .setz.es, die den Selbstmord verpunen und des itm!. jüdischen Pamilicnlehcns — die Juden in der Seil s:. mordstatistik bei w eitem am günstigsten abschneid.::. Aui eine Million Juden eutiallcit nur 25—30 Seil;־;י mörder; bei den Griechisch-katholische» •10; .in r misch-katholischcn Ländern 5S und in Protestant;־ sehen i.ömlern 190 Selbstmörder auf eine Milli1!,׳ Linwohncr. ״Vcrdeulschunfj“ Für eine ..Verdeutschung" des ();!־• namens Zabrze mael.t der ..Polak" folgen c ..hübschen" Vorschläge: ...In d c n bc r g. Schwinde'• borg. Zionsberg. Ostmaikeiian. Drci-Htirraeck׳.. »)stniarkcnzulagc. Pickelhaube. Ordenssegen. Stra;'• xcrsetzmig. Gclieimbüinllergefahr. Misinarekstiefci. Zietlienüoscii" usw. Deutsche Sfammesflenossen! Aus Breslau wird uns geschrieben: In ein.:;: in den hiesigen Zeitungen erschienene!! Insc־.<: werden zu einer ״Kundgebung für die Deutschen In Oesterreich aus Anlass der Ereignisse in Laibach und Prag" cingeladeii ..alle, die den deutsche! Stammesgenossen (!1) in Österreich ihre Tednähme und Hilfsbereitschaft zum Ausdruck bringen wollen." M'tiinterzciclmct haben die Herren Just'/• rat und Stadtrat Alfons ,Marek (nebenbei Vorstchcr der jüdischen Gemeinde!). Geh. Reg.-Rat P;׳־.:, Dr. R o s a n e s (aus der Laitiilie Akiba Lgcrs, eher.!, polnischer Jude) und Geh. Medizinalrat Dr. \V׳!!!:• herg, der allerdings, wie man sagt, ans der jüdischer Rasse bereits ausgeschieden sein soll. Verband der deutschen Juden Der Gesamtausschiiss des Verbandes der De.::• sehen Juden war am 7. Februar 1f»f0 in Berlin x׳. sammelt. Ls wurde beschlossen, die Hauptvcr- Sammlung im Herbst d. Js. ia Breslau ab/!:־ halten. — Heber die Wünschenswert« Ordnung d.» jüdischen Religionsunterrichts an höheren Lu:!....־ stalten in Pretisscn und die Vorbildung der 1:1er: ..־ anzustellendc» Rcligionslehrcr wurde ein einstimmige: Beschluss erzielt. Schliesslich wurde die Heran‘• gäbe der von Dr. Hirsch Hildesheimer gesam• mclte», von über *150 Gelehrten mul Praktikern ab• gegebenen Gutachten über dio Vorzüge der jüdisch* rituellen vor andere» Selilachtmcthoden vom Verbmnlc übernommen. apologetische Kommission, weiche über wisscnsch; liehe Vorbereitungen zur späteren Herausgabe iiidis, anologctiischcr Schriften Beschlüsse fasste £SVOM<־ßeZALeL״~ llk<,''׳i׳״־T n1'w,.ci.״ wlrd•h״י! ־׳״״״•'״״׳>״ .liscli. ■M.ikr .In/cl Israelnntlissllcj! seines SS. j"־’f; '1׳ •«/ •1 י?:'"״vcrel. ״א. S dDef 1״! 1״r״l״"‘c {0'"11 "1‘*יat damit ein so 1c acgJnwuS nah'istiniM zalcl" z?. tc,ku״dctdass man dem , sehen kamf P ,״Rr 10UfC, V,on HorzCn 01‘Ick v won ten z kS . ־ °ZC , lsracl* *״'״ Gönner . " UaR stcllt ci״cr Kunst- und Kn Gewerbeschule schon n״ *'eh das schönste Zen (Fortsetzung auf Seite 80.)