Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seile 75. JUKP1SCHK RUNDSCHAU. *ladt Posen selbst umsehen und der Wahrheit ßc; irJs* bezeuge», in wie liolien sozialen Stellungen sich dort, ebenso Ja Bfouibcrg, unsere Ülaubcnsge• iiosscii hdimle». Weis» Herr Dr. K. nicht, dass a» jen Volksschulen der Stad* Posen, die ca. 60 JUülscho Schüler zählen, 8 Jüdische Volkuchullchror angcstcllt siihJ, l.clircr, denen er die Schuld an den uiigeuügon. je״ Leistungen der indischen Zwergschule» behnisst'* 1'HhJ! darüber weiter unten mehr. Wclss er iücht jas* unsere Provinz Posen drei jüdische Landtags-;,geordnete hat? Dass fast in jeder Stadt Poscns jüdische Stadtverordnete sind, dass wir ostmürki• *cl;«w J«dcu trotz unserer ästhetischen Mliiißot Mmilvcrorduetenvorstelier. Kreis- und Provinzialland•!.Ksabscordncte, Kreisärzte, Kichter. Reclitsanwiiltc. t1\mm1sinllehrer und Historiker mit Stolz zu den l'iuicrcn zählen? Freilich gibt cs auch unter unseren lil.niheuKeuosse» striche, die nicht täulleh iisthctlschc cvnipnsicii ahhaiten, aber bestellt denn die katholisch•' bezw, polnische und protestantische üevölkcrinn: il'irehwcg ans lauter Acsthetcn? Ist das ein rniiiid liir einen unserer so bekannten Glaubciisgcnt»scn, wie Herr Pr. K., der sogar In Hatdeus Zu- Knnfi die jüdischen Ostmürker zutu Gegenstand Hiiur Besprechung maelit, ein so allgemeines Urteil über die ostm/iikisclien Juden zu füllen? IWh Herr Dr. K. meint es eigentlich gar nicht je ln*:.!זי gibt selbst zu, dass ״die Selbständig- U!t unserer nach aufwärts sich ringenden ״Kleinen Juden" du einwandfreies Zeugnis für die gesunde Krait der Ostmarkeniuden darbietet.** Und endlich stet Herr Pr. K.: ״Hier und da begegnet uns wohl ein krasser, uns kränkender Fall. In unserer empfinüsnmcit Seele vergrüsiert fleh der Eindruck und auch wir sind dann nicht frei von der Neigung zu \erallt!emeinem.. Jud wie Christ!" Aber das •iml i.1 fast dlesellten Worte, die ich soeben Herrn l>r. K. /.»gcruien habe. Merkt denn Herr Dr. K. nicht den krassen Widerspruch zu seinen eigenen .Misiiilirimgcii? Also, wozu der Lärm? — I'mcn* gleichen Widcrsprnelie begegnen wir bei Herrn Hr. K״w׳enn er von den wirtschaftlichen VerhidtnKwii der nstuuirkisehen luden spricht. Kr sagt: .Fast wäre man versucht, denen zu folgen, die da sagen, mau solle sich keine Mlilic geben, die Judenfrage in den kleinen Städten anders zu lösen, als durch direkte Förderung der indischen Abwanderung, denn das Bild ist traurig. Ich kann mich jedoch aus <»!»!11111־, die ich anderwärts und auch an dieser?teile auseinander gesetzt halte, zu diesem Wege i.icht liekolircti." Herr Dr. K. sollte sich doch freund* liehst die Mühe gelten, auch in anderen jüdischen ZcilsJiriitut noch Schilderungen über die Verhältrisse der ostmärkischcii Juden zu suchen und er vürdc vielter noch mehr < Irilndc für die Ablehnung der ״mdischcit Abwanderung" finden. Die ״Pojener berichte" dieser Zeitung beispielsweise sind ont reiche Fundgrube für solche Gründe, so w׳ic iur die Kenntnis dieser Verhältnisse überhaupt. Kot im letzten Teile seines Artikels kommt Herr lö. K. /11 seinem Thema ..Die Kntwicklung der jü- Jischeii Intelligenz in der Ostmark." Und was soll f ielt wütcr Meinung diese!:ntwicklunß fördern? nie liidischcn Zwergschulen! Auf diese giesst er die ganze Schale seines Zornes aus, hier können wir ihm auch keinen Widerspruch nacitwelscu, so dass es den Anschein gewinnt, als wäre der Artikel nur um dieser armen Zwergschulen willen geschrieben worden. Aber gerade liier sind auch seine Uchauptimgcn so unhaltbar und lassen ein durch Sachkcunt* tds nicht getrübtes Urteil so klar erkennen, dass sie geradezu nach einer Berichtigung schreien und Jeden jüdischen Volksscliullehrer der Ostmark zwingen, schic Khre zu verteidigen. Herr Dr. K. behauptet nicht mehr und weniger, als 1. das WcUcrbcstchcn derartiger Zcrgschulcn gefährdet dto Intelligenz durch diese mangelhafte Schulbildung; 2, diese Art Schulen sind eine kulturelle Schädigung der Juden und auch der ostmUrkUchen Gesamtheit; 3, Wollte man slo nullichou, daun würde man mH Hllfo der Jetzigen unuütlgen Verschwendung leicht das Schul• nivoau und damit die Intelligenz heben, also eine Kapitalsanlage schalten, deren Verzinsung elno bedeutendero sein würde, als das Jetzt der Fall litt So viel Behauptungen, so viel Irrtümer! In seiner Seliuitabcllc II. gibt Herr Dr. K. seihst die Summe sämtlicher Schüler in den Jüdischen Volksschulen der Provinz utif .57(» au. Diese Zahl Ist heute nach drei Jahren -• die Statistik stammt aus dem Jahre I9u<i -• mindestens um SO zu hoch, es hlclbeu also 326 Jüdische Schüler In den Zwergschulen. Nehmen wir zunächst mit Herrn Dr. K. an, das Welterbcstchen dieser Zwergschulen gefährde ■die Intelligenz durch maugclhaftg Schulbildung. In der Provinz wohnen letzt noch ungefähr 30 000 Juden, wie sollten diese 300 Schüler der armen Zwergschulen die Intelligenz von 30000 Menschen geführden? — Ist das nicht eine Behauptung, wie sic gruudloser ähnlich kaum Jemals wieder nufgcstcllt worden ist? Nun sagt Herr Dr. K. selbst, dass diese Schulen höchstens drei Jahre von den allermeisten Schälern besucht werden, dass diese Schulen also gewisser-!nassen Vnrbcrcitungsschiilcn sind, W'dt nach dreijährigem Schulbesuch der Uebertritt In die höheren Schulen erfolgt. Sollten diese drei Jahre, In w׳clcher die Schüler die Zwergschulen besucht haben, so verderblich gewirkt haben, dass der spätere sechs- bis achtjährige Schulbesuch einer höheren Schule daran nichts bessern kann? Sollten die indischen Volksseluillchrer trotz ihrer Unfähigkeit, die Urnen Herr Dr. K. heimisst, eine so suggestive Macht auf ilire Schüler ausüben, dass sie für ihr ganzes Lehen unfähig und abgeneigt sind, die Segnungen einer grösseren Intelligenz cinzuschen? — Von diesen 300 Schülern werde» kaum 30 — das kann jeder jüdisehe ostmarkische VolksselniHchrcr bezeugen — die jüdische Zwergschule als die einzige Bildungsstätte bis zur Schulentlassung besuchen. Ks verbleiben also 30, sage und schreibe drclsslg Schüler, welche eine, nach Herrn Dr. K. völlig ungenügende Schulbildung gemessen und diese 30 Schiller gefährden die Intclllgenz der .30000 ostmürkischeu Juden! — — Wclss Herr Br. K. nicht, dass seihst die ärmsten der armen ostniürkischcn Juden. die den Schulbesuch einer höheren Schule nicht bezahlen können, ihre Kinder In die mchrklassigcu cvaugel. Volksschulen schicken, wenn eine solche am Orte der jüdischen Zwergschule ist. nach dem sic diese drei oder vier Jahre hesucht haben? Wehs Herr Dr. K. nicht, dass cs auch ciuklassige evangelische Zwergschulen In stark t!cvölkerten katholischen Dörfern und Städten Ribt, welche von der Kgl. Regierung freilich aus konfcssloncllcn Gründen mH grossen Kosten aufrecht erhalten werden, ohne dass die Behörden befürchten, diese Zw ergschulen könnten die Intelligenz der evangclischcn Bevölkerung gefährden und ohne dass sich eh! evangelischer Arzt findet, der diese evangelischen Zwergschulen öifentllcli an den Pranger stellte? — ״Pädagogischen Unwert" gegenüber der Simultan• schule siebt Herr Dr. K. in der KxLstenz der jüdischen Zwergschulen. Diese Bemerkung beweist, dass Herr Dr. K. keine ilbergrosse Hinsicht in den Betrieb solcher Schulen Imt. Nicht pädagogischen Unwert, sondern konfcssloncllo Unduldsamkeit sicht die ge• snmte ostmiirklscho Lehrerschaft, ohne Unterschied des Bekenntnisses In dem Bestehen solcher Zwerg• schulen. Djnin jeder l'aclmianu w ird Ihm sagen, dass In kleinen Schulen Jeder Kinzclne durch einen ge• schulten Lehrer — und dass die jüdischen Volks- Schullehrer auch solche in ihrer Mitte zählen, wird ihm jeder christliche Volksseluillchrer und akademisch gebildete Lehrer der höheren Schulen sagen, der die Jüdischen Schüler uns der Zwergschule später übernimmt — viel mehr gefördert werden kann, als in überfüllten Schulklassen, wo der Kiiv/.elne völlig verschwindet, und ein bescheidenes Durchschnittsiuvenil von Intelligenz gerade mit Rücksicht auf die Ucbcrfülhmg, selbst von den Schulrcvlsnrcii der Ostmark verlangt wird. — Damit fällt auch die zweite Behauptung des Herrn Dr. K. völlig in sieh zusammen, dass ״diese Art Schuten eine kuttmette Schädigung der Juden und auch der ostniürkischcn Gesamtheit sind." Wahr- Jieh, die jüdischen Volksseluillchrer der Ostmark müssen einen ausserordentlichen Grad von Sclhstbchcrrschung aufwenden, um diese öffentliche Bloss- Stellung In der gewohnten parlamentarischen Form gebührend zu bezeichnen. Dass sieh eine jüdische Zeitung gefunden hat, um diese schwere Bcschuldigang‘, wie sie selbst von unseren schlimmsten Gegnern nicht schärfer ausgesprochen werden kann, zu veröffentlichen, das hätte wohl kein ostmärkischcr Glaubensgenosse, also auch kein Niclitlchrcr. erwartet. Die jüdischen Lehrer gcnlcsscu In Christ• liehen Kollcgciikrchoii, paritätischen Lehrervereinen, zu deren Vorstandsmitgliedern sic fast durchweg ge• hören, In der piidugogisclien Presse, zu deren Mit• urbcltcrn sie auch zum Teil gehören, hei Ihren Christ- Helten Schulbehörden ein wohlverdientes Ansehen, und da kommt ein Jüdischer Arzt und behauptet, ״diese Art Schulen, das sind die Zwergschulen eben Jener Lehrer, sind eine kulturelle Schädigung der Juden und auch der ostmärkischen Gesamtheit!" feit seihst habe die Khre, zu den Mitarbeitern der ,.Po* sener Lehrerzeitung" zu gehören, ebenso wie Herr |3r. K. Kr bat wohl imeii meinen Namen unter so manchem Artikel dieser Zeitung gefunden, freilich ohne zu ahnen, dass der Artikelsclircihcr zu den-!eiligen gehört, die durch ihre Zwergschule die Juden Kulturell schädigen mul auch die ostm.'irkischc Gesamtheit! Müssen wir nicht da;111 das Wort des Propheten denken: ״Aus deinen Gehellten werden deine Zerstörer erstehen!" Herr Br. K. behauptet zuletzt: ..Wollte man sie (die Zwergschulen) aufheheu. dann würde man mit Hilfe der jetzigen uuuötigcii Verschwendung leicht das Schulniveau und damit die Intelligenz heben, also eine Kapitalanlage schaffen, deren Verzinsung eine bedeutendere sein würde, als das letzt der Pall ist." Auch diese Behauptung beweist eine rührende Unkenntnis der liidischcn Schulen und ihrer Lehrer. Denn nicht eine Aufhebung, sondern eine mögllchsto Aufrcchtcrhaltung und Ncugrilndung Jüdischer Volks• schulen hat der Vorbandstag der Jüdischen Lehrerreicher Wann kamt sielt einen Indian anschnffen. Wir sind nlier keine rcicb’en Leute." ..Glaube mir, Schumisagte Frau Sarai), die bis jetzt stillschweigend dagcscssctt, dem Ocspriieltc jedoch mit grosser AuImcrksa1nko־t stiolgt war, ״glaube mir, dass dk: reichen Leute dabei viel billiger licrauskomtuen, als wir. bo ein Indian kostet zwar einige Ouldcn, dafür aber wmntt er Utr einige Mahlzeiten und das Fett kannst du dann wochenlang benützen. Und da ^ast du wenigstens etwas Gutes für dein Geld. ״Du magst ja recht haben," meinte der Vater. 11* 1״, Sclmml, sagte Frau Sarai» nach einer Hirzen Pause, indem sic ihren Gemahl s!|ess, ״wie wäre es, woim wir uns wirklich e1״en Indian zu Pessacli anschafftcn? , *'s *« F.l»re,1 der Feiertage »md zweitens würden die K uder eine grosse Freude haben. Und dann *Hen die Leute sehen, dass wir auch etwas Gutes habet! dürfen. Wir könnten uns •:Inen f^geren, leichten Indian kaufen, der nicht vwi kostet, diesen würden wir durch die v»er Jochen mUsten und bis Pessach ist er־ zu einem kiesen ,׳!!!gewachsen . . •“ ״Ja, Ja, Vater, kauf uns einen Indian l kkrtoco die beiden Söhne. ״Vier Wochen einen Indian zu wüsten,* ist aber keine Kleinigkeit,“ wendete Schumi ein, ״und wo wirst du ihn lialtcn?" ״No, das maelit mir doch keine Sorge!" rief Frau Sarah besänftigend aus. ״Hei den paar Stchserin, d:c wir täglich für uns brauchen, wird cs doch nichts aiismachcu, wenn wir drei bis vier Kreuzer ffir den Indian ausgeben. Wo vier essen, kann noch immer ein Fünfter satt werden, Utid warum sollte er sicli da bei uns im Zimmer nicht aufhaltcn können?" ״Nu, und hast du welche Ersparnisse?" forschte der Gatte halblaut. ״ZweJ Gulden habe ich wohl, aber damit kann man nocli keinen Indian kaufen,“ ״Mutter," sagte der filtere Sohn ״ich Habe mir einen Gulden erspart und den gebe ich her, wenn du uns einen Indian kaufst." ’ d ich steuere dir auch was bei," rief s. Sprach’s und holte aus der Tiefe impclkastcns, der sich In einer licke der :fand, ein altes Z'daakel (Arba-Kanfoth),;]״er Mangelhaftigkeit wegen nicht mehr tc dbit hineingemachten Knoten, der mit :haufaden umschlungen war und befreite ndzwanzfg Helfer aus ihrem Gefängnis, r stolzen, aufgeregten Geberde legto er fer nicht ohne Geklirr auf den Tisch, Alle hielten sich die Seiten vor Lachen. ״Woher Imst du, das Geld?" fragte der Vater. ״Das sammle ich schon seit einem Jahre. Ich habe es bei meinen Geschäften im Chedor verdient." ״Nu, Sarah, ich gebe dir auch einen Gulden, jetzt hast du des Geldes übergenug. Kauf wotgen einen Indian!" Fine helle Freude braef» bei den beiden Sühnen ans. Jossf flog vom Vater zur Mutter, umarmte und küsste sic und schlug auf dem Fussboden einen müchtigcn Purzelbaum, was er doch nje in Gegenwart seines Vaters zu tun pflegte. Auch der Alte hatte seine tingcwöhn- Hchc Freude, der er freilich nach seiner Art keinen Ausdruck verlieh. Sarah aber strich das auf dem Tische zusammcngclcgtc Geld ein »md war nicht wenig stolz darauf, dass sic morgen auf den Markt gehen werde, um einen Indian zu kaufen. Da cs Inzwischen spät wurde, beschleunigten sie die Gebete und begaben sich zur Ruho. Und sie hatten atto ihre Träume, vom Schmul Ws zum JossL Und Im Mittelpunkte ihrer Träume stand ein grosser, mächtiger, radschlngcndcr Indian י