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Jüdische Rundschau · 1909-02-05 · Heft 6 (5.2.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 67. No. 0. Juj:ן ) i SC M E RU N DSC HAU. MIStff ״Das Städtchen“ Scbalom Asch’s neuer Novctienschatz.*) Von den Werken Schalom AscJi's lic^t letzt 110-;ciis der vierte Band in deutscher Ucbcrtragung vor Cio Bild der literarischen Entwicklung des langen Pächters zu geben, wird dennoch schwer sein, da nsan nicht weiss, ob die Bücher in chronologischer hole.׳ erschienen sind. Ausserdem stellen sie nur «inen Bruchteil seiner Dichtungen dar. Doch sind dlo Werke zeitlich sicher ln grosseren Abständen ge. H1.1!־(tcn worden, denn literarisch wie künstlerisch jiikI sie recht verschieden voneinander. Mit dem ״Oott der Rache" führte sich Schatom Asch wenig gtücMidi in Deutschland ein. Die ethische Grund* idee des Dramas sei zugegeben; der Erfolg Ist aber cdi.Iidi der Anziehungskraft des heiklen Milieus und nein ti-iclt der Reklametrommel einer kleinen Gruppe "ווי rnlliusiasteii zuzuschrcibcn. Die nachfolgenden Novellen, die ..Bilder aus dem Ghetto" zeigten den Iti.l.ai auch nicht in vorteilhaftestem Uchte. Man oKCMiit deutlich, dass das Milieu für die Wahl der >1,1,U aiivschlaggchcudcr war als Ihr künstlerischer ikli.'d!. Hin dichterisch gänzlich neues Gesicht Asch's zeigt die Tragödie ״Sabbatai Zewi". Die '׳*.niscli eigenartig reizvollen Bilder, wuchtig tu iui M11.I Unit, verleihen dem Werke Im Verein mit Jer '• ״ prachtvollem Klang und Wohllaut erfüllten?pr.iciu׳ hohen dichterischen Wert. Die Hingste Ver* •liciiiiieliimg bringt, wie die zweite, Prosadiehtuiigen, nikceiisntz zu dieser icdocli eine künstlerisch reife Auswahl. kvimlerie Novellen sind cs eigentlich nicht, die .mul .!ein Titel ״Das Städtchen" vereinigt wurden, hu ein Novellcnkranz. Denn die Geschichten sind 11111.1 ii cli durch einen losen faden verknüpft und ein Llir iM'idet sich, wem! wir das Sl.idtchcn, von dem Huiitci geleitet, wieder verlassen. '"."ו und sclnnutzig ist Jer Weg, der uns an ,mein tnilieu Vorfrühlingstagc nach Kazmierz flllirt. Oei.uleuogs treten wir in das Haus Reh Jcschcskil's cm. dessen ״Stube" ein Sammelpunkt aller Fremden nut Obdachlosen ist. Wir fahren mit Reh Jcsclicskil •!.u״ der Weichsel, um das Holz zu retten, welches *1J1 .!״rt im Winterlager befindet und durch den Hismne gefährdet ist. Der grossen Abrechnung wohnen ז ׳ k1־, die im Geschäfte Reh Jcschcskil's Jedes Wir vor Pesxach statthndet. Wir scheu, wie Reh *•״dl. der ״bürgerliche" Rabbiner, dem Wunderden die chassidische Majorität in ihrem Ehr- .u/ l'crici, sein Amt ,abtreten muss. Gott straft die ,kmcit'de für das dem Rabbiner zugefügte Unrecht •d i׳v<t lioeii Teil des St.'idtclicns samt der Syna- . ׳u in Rauch aufgehen. Haid sind die kleinen )!.״.ocltcii wieder aufgebaut und stellen frisch und ׳.uii'cr da, voll Neugier auf eine geputzte Gesellschaft '׳aAvnd, die in zwei geräumigen Kaleschen durch s'e ('.1sse fährt. Ks Ist Reh Jcsclicskil, der mit 'einer Sippe dem Bräutigam seines Tdchtcrchens zur W-rlniningsfeicr entgegenfährt! denn diese findet auf ,ii'ui! Wege in einer Herberge statt. Subbnth über *kiiit der hinge Bräutigam im Städtchen, wo er h v talimidiselicn Kenntnisse sorgfältig bewerten ■1'Hii hidss. Die Hcrbstfcicrtagc knnimen heran l! mit ilmcii sind die kalten und rauhen Winde ,*cfs Land gezogen. Hlcissig und emsig wird au ,•'•;!k's Aussteuer genäht, und an einen! klaren Win* kfi'it wird im Städtchen dreifache Hochzeit ge* '׳••־■. -c. 1'1 der scliliclitcn Art, die dem Erzähler Asch 11־m׳•(. lässt der Dichter eine Menge Jüdischer •mkii in buntem Pnnornnm an unserem Auge vor* '1,a<׳kben. Allerdings sieht nicht eine Htgnr nuf '•*,.:,י! י,!׳ Füssen, kaum eines unter den vielen Ge* ' ה ist neu. Das stört Indes nicht, denn die Menspielen dieses Mal nur eine Nebenrolle• Das 'ז■ bellen, das kleine, enge Judciistädtclien will der ‘W'iicr vor allem schildern. In! Wechsel der Jahres* '׳וי־י.", im Lenz, im Hochsommer, im Herhstmonat und " ••licn Winter führt er uns durch die Gässchen und , 'Dm Wir begrüssen den Jungen Frühling am ■׳.: li'Omcr, und dürfen in den ״drei Wochen" die ,de der lauen Snmmcrabcndc durchkosten. Das;׳ 1 ׳c/ie!!en der Lyrik Ist ein moderner Zug ln der ," M Schulnm Asch's. 111 vorliegenden! Bande finden lr Hilder, die von wundervoll feiner Naturbeobach* | ״l|d zartem Natureinpfindcn zeugen. Bel Selm•! ׳'*eh Ist cs nicht ausschliesslich der Geruch j 4 u;r Häuser oder trockene Bliclicrluft, die uns an*; . l״l; wir spüren die süssen Düfte von Gräsern und j . ,"”en. Die Vögel Jubilieren In den dichten Laub״ und die Snnnc strahlt wann und klar Aber. '״'־ kleine!! Gässchen und vergoldet die Luft. Mo• *י S. Fischer, Verlag. Berlin 1909. derne Einflüsse verleugnen siel! auch sonst nicht. Das Fälirhaus, dessen Licht einsam durch die Nacht leuch* tet, der Hluss, der sein Opfer verlangt, erinnern auf* füllig au die Romantik deutscher Dorfgeschichten. Die Ucbcrsctz.ung Ist nur relativ zu, loben. Den ersten Prosahand machte die ungeschickte Ver* dcutschung fast unleidlich. Das Jüngste Buch über* rascht durch eine gefügige — leider allzu gefügige — Ucbcrsct7ung, Würde man nicht an Ausdrücken wie ״Gesellschaft der Psalmbctcr", ,.Rabbinerin" (für Rcbitzln; wirkt besonders In der Anrede üusserst gro* tesk) ״Einsegnung des Snbbatliwclns" und ähnlichen ungeheuerlichen Bezeichnungen erkennen, dass der Urtext Jargon ist, so könnte!nun die deutsche Aus* gäbe tust für das Original halten. Der Jüdische Aus* druck hätte In der Uebertraguug unbedingt nach Mög. Ilchkcit gewahrt werden müssen. Es war nicht 110t* wendig; ihn so zu verwischen, wie es hier geschehet! Ist, um eine gute Verdeutschung hcrzustcllcn. Mat* tliias Achcr liut in der trcillichcu Nachdichtung der Pcrc/.'sehcn Novellen gezeigt, wie man Jargon Ins Deutsche übertragen kam!, Docli nicht allein die Uebersetzung verleidet uns den Genuss, wem! wir das Buch vom Jüdischen Standpunkt betrachten. Welt mehr verstimmt uns der Optimismus Asch’s, der das russische Glictto — sonderbarerweise — durch rosige Brillengläser schaut, in diesem Hall vermögen wir dem Dichter nicht zu folgen, well wir das Bild unserer fllleliteiidcn Brüder vor Augen haben, denen das Wort ״Pogrom" schreckhaft 11! den Ohren liegt. Dank seiner künstlerischen Werte bildet das Werkelien eine angenehme Lektüre; doch tlefcro Spuren vermag diese Im Gedächtnis nicht zurttckzu* lassen. Louis Lew! 11 (KönigsbergI. Pr.) Jüdische Turnzeitung Die ״Jüdische Turiizcltiiiig" beschloss mit dem mläiigst erschienenen Dczcmbcifhcft ihren neunten lahrgang.*) Der Beginn des Jubilüiimslahrgangcs!ei 1ms Anlass, einen kurzen Blick auf die Geschichte md Entwicklung unseres Brmlororgans zu werfen, Jessen Arbeit der körperlichen Hebung der Juden gilt, Jeren Wichtigkeit auch für die Verwirklichung un- .eres zionistischen Programms nicht unterschätzt ,vcrdcu sollte. Eine solche Betrachtung wird sich um* mmehr verlohnen, als die TurnzclMiim. stets mit der 1üdisci10n Turiibewegung s» eng verwachsen war, Jass ein Rückblick auf ihre Entwicklung uns gleichdeitig die kräftige und gesunde Entfaltung der ge* samten jüdischen l'arnerci saicgcln wird. Wer auf die neun abgeschlossenen Jahrgänge der Zeitung einen Blick wirlt. den! zeigt sich schon rein Busse! lict! in Umfang und Ausstattung ein steter Fortschritt. Ursprünglich war die Jüdische Turnzcitung gedacht als ein Naehrichtenblatt für die auswürts wohnenden Mitglieder des Jüdischen Turn- Vereins ״Bar Koelilm" in Berlin: ein acht Seiten kleinen Oktav-Formats füllemies Blättchen ohne Umbcliiag, das siel» aber dennoch gelegentlich der Mitarbeit der besten Federn der Jungen jüdischen Bewegung erfreuen durfte. Der erste Jahrgang brachte u. a. Max Nor da 11s bekannten Aufsatz. ״Muskel- J u d c 111 u!!!״ und einige Jener jüdischen Turnbeder. die noch beute ln der stattlichen Zahl Jüdischer Turnvereine, die inzwischen auf etwa 40 angcwachsen ist. ihren Platz behaupten. Mit der Gründung der Jüdischen Turncrschaft wurde das Blatt zum Verbandsorgan und hat sich seitdem 11! steter Entwicklung eine geachtete Stel* Jung unter den Jüdischen Zeitschriften deutscher Sprache und über die Grenzen derTurncrscliaft hinaus einen weiten Leserkreis »md einen ansehnlichen Stal! von Mitarbeitern gewonnen. Dennoch ist sl« dem weltHehaucudcw Programm, das »nai» vor Jahren kühnen Mutes auf das Titelblätt der eisten Nummer setzte, und das eben so gut einen! Jeden der folgenden Jahrgänge hätte vorangesetzt werden können, treu geblieben. ׳ Sie ist zunächst ihrer Aufgabe, durch reecl* mässige Vcrcinsbcrichtc die Uundcsvcrcinc In PUh* luug zu!!alten und ein lebendiges Bild des Jüdisch* geselligen und turnerischen Lebens innerhalb der Turnerschaft zu geben, gerecht geworden. — Im Jahre 190S *sandten 30 Vereine 80 Berichte. — Dann aber diente sic der Inneren Propaganda, dem nationalen Grundgesetz der Turncrschaft. das sic all die Jahre hindurch mit Entschiedenheit vertreten hut, Beleihende Aufsätze machten dlo Leser mit der Ge* schichte und gegenwärtigen physischen Verfassung unseres׳ Volkes, mit turntochnlschon Fragen und Fragen der sozialen Hygiene vertraut, andere wieder bereiteten die grösseren gemeinsamen Veranstaltungen des Vorbandes vor. Immer aber •) Jüdische Turnzcliung. Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden. Herousgegeben von der Jüdischen Turncrschaft. IX, Jahrgang. VIII und 232 Selten. Gr. 8. Zentrale! Rathenowerstr. 28. Abonncmcntsprcls 3 Mk., Ausland 4 Mir, wehte diirc'.i die Blätter Jener frische, oft auch kampfesfrohe Zug, der uns merken Hess, dass die Jugend unseres Volkes, die mit Freuden und In der Kraft Jung sein will, zu uns sprach. Das war cs. was das Blatt auch Jenen lieh machte, denen das Verständnis für den turntcchnischcn Inhalt abging und denen cs das Blatt als Dokument unseres Jungen Volksfrühlings so wertvoll werden licss. Bücher-Besprechungen ״Die Orient-Wirren“ 1111 ״Neuen Frankfurter Verlag" (in dem u. a. ״Das freie Wort" hcrausgcgcl>cn wird, erschien soeben unter obigem Titel eine Broschüre von Davis Trictsch, aus deren Inhalt wir einige Kapitel »nführen: Die Wirren 1111 Orient. — Der Berliner Kongress. — Noch dem Berliner Kon* Kress. — Ucbcrsiclit über den Besitzstand der Türkei, die Balkanländcr und die Ausbreitung des Islam, Es folgen statistische Uebcrslchtcn Uber dio einzelnen Länder und eine Anzahl Kapitel: Streitfragen und Probleme. Von besonderem Interesse ist der Scltlussabschniu: Probleme der neuen türkischen Politik. Eine Anzahl trefflicher Kartenskizzen trage!» viel zum besseren Verständnis der schon an sieh sehr klaren Darlegungen bei. — Obwohl von eigentlich Jüdischen Dingen in der Schrift nichts vorkommt ferwähnt sind nur die Judenziffern der!-linder, die starke Jüdische Majorität in Saloniki und die Stellungnahme der Juden zur Frage der Ausdchnung der Wehrpflicht) so empfiehlt sich doch die Anschaffung der Broschüre (Preis 1 Mk. bei sehr guter Ausstattung) allen denen, die ein zutreffendes Bild von der Stärke des osmanisclien Reiches gewlnncn möchten. Von Interesse ist auch die in der Schrift ent- Jiallcnc Voranzeige, betreffend ein in Kurzem erscheinendes ״Levante-Handbuch” des gleichen Verfassers, der eine Fülle von neuesten und zuvorlässigen Materialien über nicht weniger als 40 Länder und Provinzen des Gebietes der Levante verspricht. — Der Aiitor beabsichtigt damit, die vielen Irrtümcr und Mängel auszumcrzcit, die siel! bis Jetzt gerade über den Orient in den sonst zuverlässigsten Nachschlagewerken etc. erhalte!» haben. — Das Levantc-Hnndbuch wird auch eine Statistik der Juden des Orients In einer bisher noch nicht erreichten Vollständigkeit und Uebersichtlichkcit bringen. ״Palästina“ Das erste Heft des 6. Jahrganges dieser in Milneben erscheinenden Zeitschrift enthält eine Zcichnung von K. M. L i I i c!1, Psalm von L c o R a f a c I s, ein Vorwort zum sechsten Jahrgang und folgende Artikcl etc.: Die westeuropäischen Juden und Paiästina von Dr. David S t ra us-Zürich: Die Juden in der Türkei von Davis Trictsch; Ein jüdisches Zentrum von Dr. J. Luric: Das jürischc Kolonisationsgcbict Judäas von Dr. H. Müller; Am Toten Meere von Prof. D. Dr. Da!man; Aus den Haupt- Städten; Aus den Kolonien etc. etc. Die Monatsschrift ״Palästina" (München, Pettenkofer Str. 25, Redakteur Felix Thcilhabcr) zeigt auch mit diesem neuen Heft, dass sic auf einem guten Wege ist. Man kann ihr wie wenigen anderen Journalen, das Zeugnis ausstcllcn, dass sic von Nummer zu Nummer besser wird, und dass sie bei dem überaus niedrigen Preise (2% Mark, Ausland 3 Mark Jährlich), ausserordentlich viel bietet. Das Abonnement dieser Zeitschrift kann allen Juden nur dringend empfohlen werden und sollte für alle Zionisten eigentlich selbstverständlich sein! Eingegangene Bücher nicht ttsUllnaen. Dl־ m t bc,clchS lur Besprechung verg! ben. _ * Die Bücher der Bibel. Herausgegeben von P. Rah(wes. Zeichnungen von E. M. Lilien. ״״ Erster Band: Ucbcrllclcrung und Gesetz. (Das Pllnibuch. — Das Buch Josua. Verlag von Oeorge Wcstcrmami. Braunschwclg. In Originaleinband 15 Mark.) Unsoro Thora. Religiöser Vortrag zum שכת ־אשית חי5ט!: ln der alten Synagog© In Berlin gehalten von Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher. Berlin 1909, Verlag von Louis Lamm. 1. kMCMn* *0י׳*" Y°" DBurs Frost. Berlln 1909, Verlag von L. Slmton, Nachflg״ Berlin. * T״fner und Helden. Herauszegeben von Gustav Machet Verlag ״Kraft und Schönheit", Berlin-Steglitz.

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