Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JjjnJfc. ״,;ligioiishucl1 geschrieben, das im Ucbcrgansstadlum uf dcinuächstigen laulc recht wertvolle Diensto leisten kann. Diesen Anlass benutzte Rabbiner Jakob, ,cf den zerstörenden Einfluss des Dr. Coblcnz an j<t1 Ecken filhlte, um in einer glänzend gcschrle- Hntn, vernichtenden sachlichen Kritik des Buches «ic jüdisch-theologischen und pädagogischen QuaJIjjicn des Bielefelder Kollegen schonungslos aufzujcckcii. Der Jakob'scltc Hieb sass vorzüglich. Auf■ (in«יי? ״ heftigen Vorstoss war mau im feindlichen ljgcr nicht gefasst, und man beging verschiedene Daiiiinlicitcii in dem Bestreben, die Stellung des Rab- Hners Dr. Jakob zu untergraben. Die erste Tat ״״!er dem Kampfruf ״Hie Coblcnz" bestand darin, ja» der Verband der jüdischen Gemeinden West- (,lens \ cranlasst wurde, sich mit der Angeiegenhoit. ijlic'.t.Ct'blenz zu befassen. Dieser setzte trotz Proteste* die Angelegenheit auf die Tagesordnung und ||C5S <.;U auf dem letzten Verbandstage dazu herbei, j3$ v ftiir glimpfliche und unzarte Vorgehen Dr. jj! I *. durch eine Rüge zu brandmarken — ein Akt, j‘ff 1'■! Austritt der Dortmunder QcmcJndo aus dem j>c1K11in1: ׳ Verbände zur unmittelbaren Folge liatto. {•;,ti n 11er Pfeil, der sich ebenfalls gegen Dr. Jakob tidm * ־. kam auf einem Umwegs an die Hchtlgo \it<y ■ Dem Geschäftsführer der Deutschen Konferen. ‘icinciiischaft der A.I.U., .in deren Organ ״Ost v d West" der Jakobschc Angriffsartikcl Auf- ,;jii! •:efunden liattc. wurde der Wahrheit zuwider ler.c '!. Dr. Jakob habe an den hohen Feiertagen ,11 (ki : vnagogc in unzweideutiger Welse die A.I.U. im <i> .cnsatz zum Hilfsvercin der Deutschen Juden als 11!. : der Unterstützung wert angczcigt. So erhielt hbiiicr Dr. Jakoh auch aus dem Berliner Bure ׳: dir Deutschen Konferenz-Gemeinschaft seine Rüge. (הי die in ihrem Rabbiner gekrünkte Gemeinde keine Genugtuung erhielt, trat sie einstweilen als .!.!ei׳,• ns der A.J. U. aus. Ebenso ein grosser Teil der ׳:• :!icindomitglicdcr. Pie Vorgänge, die sich innerhalb der wcstfiiüschcn .'ud1!.׳;! abgespielt haben, sind keine Auseinander- Kt/11 . :׳wischen Ifldischlibcralcr und Jüdischortho- 1 ׳'cnsnuffassung. Das möge man sehr 1׳cac' teil! Auch die Dortmunder Gemeinde Iml- 1iut de 1* religiösen I.ibcralismus. Hier stellt etwas .’iidcn^ .mi detn Spiele. Es ist der Kampf des nach 'icMiiaii! ■g ringenden Judcntmns gegen eine Richtung, .,1c;ms k־m Judentum liinniisflllirt, mul zur Kompro-!mtiiciing des Judentums schon allzulange unliclivoll ccw rM hat. Das kühne Auftreten Dr. Jakobs hat diesen Kampf cingelcitet. Ein grosser Erfolg Ist das 'c’luiiicwiisslc Auftreten der Dortmunder Judenge- ״timtv. die sieh mit Mirem Rabbiner solidarisch er• rt 1!.1t. Man darf hiernach wohl zuversichtlich Mwpwhcn, dass auch in Westfalen die Sache des jiuiitu Volkes nicht verloren Ist. P rtmund. Dr. L. Weinberg. Seite 65. Zangwill über Nationalismus In dun Artikel, der in No. 5 unter dieser Ueber- '* nit erschien, ist auf Seite 52 durcli Einschieben י er 1 •Ischen Zeile der Sinn eine* Satzes unver- "■•׳:״״v'i geworden. Der Satz lautet. ..11:c Trage, di? sieh mit aber Gewalt der Logik 3uit!r -t, ist. oh die JTO und nicht ob das Zukunfts- ׳!er JTO jittlisch-nnti011.il ist oder nicht. Eine ü"! ■weciiiig kann sieh nicht um diese Frage r׳M 1, so unhcqiicni deren klare Beantwortung V!1 1 •., | * « י ״ AUS ALL6R W€LT (kutsch fand I 'יי prcussischc Ohcrvcrwaltungsgcricht wird 115•l!ins einige interessante Entscheidungen über ־ץ me der Kirchcnstcucrpflicht zu treffen haben. ״׳ P rliu sind irrtümlich verschiedene der cvan* c» Landeskirche nicht ungehörige Personen, "׳ ' » Katholik und ein Jude, zur Kirchen- Mu1 r für die evangelische Kirche veranlagt u,f'cn. Da die zu dieser Steuer Hcrniigczogcnci» '״sfuimt haben, innerhalb der Frist von vier '"0'1 11•״'insprttcli zu erheben, 80 bestellt die Kirche *7 z:‘hl1n1g der Steuern. Die Staatsbehörde iwt 1 ׳auf (!|c Reklamation der Betreffenden, sich II ausgesprochen, dass eine Kirchcnstcucrpflicht ar •Üc der Kirche überhaupt nicht ungehörigen Per* 1״ unter gar keinen Umstünden und namentlich 111 ’ nicht dadurch begründet werden könne, dass ' >1» Unrecht zur Steuer Hcrangczogcncn cs unter- .u1״ liüttcn, rechtzeitig gegen die Veranlagung ,. ',׳*geschriebene Rechtsmittel zu ergreifen. _ ׳ cm dlo Kirche Ist nicht gowlllt, sich hierbei zu bo* I י,,0.י besteht auf Ihrem vermeintlichen Rechte 1 *ך hat in der Sache dlo Entscheidung des Oberver• ^iinigsgericj,^ ongcrufen, Wir glauben nun zwar• Gne Abweisung der Klage unvermeidlich iah dlCr1׳v״n dcr Rechtsfrage ganz abgesehen, dflnktuns Erlangen der evangelischen Kirche, von Katho* Cfl und Judon KIrcheniieuern einzuzieben, hflohst eigenartig. Wenn oinor Synagogengomeinde etwa» derartiges zufüllig passierte und sie dann ,,auf Ihrem׳ Schein" bestehen wollte,',was für Shyfok-Romlnls* zenzen und ״alttcstanicntarJscho" Motive würdet uns Juden da nicht nahcgclcgt werden! Russland Neue Taktik der Kadetten? In Moskau fand unter Beteiligung von Mitglledern des Petersburger Komitees etno Sitzung des moskauer Komitees der Partei der konstitutionellen Demokraten statt, die sich ausschliesslich mit der laktik der Kadetten In dor Judenfrago lcschüftigte. Dr. Tschicnow und Wlnldwcr übten scharfe Kritik an dem passiven, indifferenten Verhalten der Kadetten in der jüdischen Frage: sie wiesen auf dio Vor* sprccltuiigcn hin. die die K.-D. iltren Jüdischen Wahern gemacht und die sic fast gänzlich unerfüllt gelassen haben. Alle unwesenden Komitodtiitglicdcr erkannten einstimmig Oie Berechtigung der Ihnen von Jüdischer Seite gemachten Vorwllrlc an und fassten nach erregten Debatten den Beschluss. Ihre Taktik in der Judenfrage einer radikalen Aenderung zu untcrzichcn.!11 Zukunft soll auch nicht ein einziger Judcnfcindlichcr Ausfall der üussersten Rechten unerwidert bleiben, und bei der noclimaiizen Erörtcrmig der Interpellation wegen des Zirkulars des Ministers Stolypiu soll von Seiten der Kadetten Maklakow sprechen, den Dr. Tsehlcnow mit dem entsprechenden Material versehen wird. — Die Zukunft wird zeigen, oh die Kadetten endlich, wie sic cs der auf ihrer Fahne geschriebenen Losung schuldig sind, wirk, lieh auch für die Interessen ihrer Jüdischen Wühler ein treten werden, oder ob sJo cs autfi .,diesmal, wie bisher bei leeren Worten bewenden lassen werden. r. Wahrend die indische Odfcntlichkcit in Russland mit Immer grösserem Nachdruck den Kampf für die Gleichberechtigung der Juden und für die Erlcichtcrung ihres wirtschaftlichen Fortkommens betreibt, und wahrend fernerhin gerade in der letzten Zeit viel von einer Erweiterung des Jüdischen Wohnrechtes auch in massgebenden uichtilldischcu Kreisen gesprochen wird, werden Mlnistercrlasse bekannt, die mich dcnlcnlgcn Juden, diu sich in Jahrelangem wirtschaftlichem Kampfe In Irgend einer entlegenen Gegend Russlands eine auskömmliche Existenz geschafft haben, eine Fortlührime' ihrer Lebensweise unmöglich machen sollen. Anscheinend hat cs das Ministerium darauf abgesehen, dio ,luden aus Sl> hirlen mit roher Strenge zu vertreiben. So wird letzt ein Telegramm bekannt, dass die Juden von Irkutsk an den Ministerpräsidenten geschickt )iahen. Dieses Telegramm lautet: Die Unterzeichneten Juden, die sich aus Handwerkern und Arbeitern zusammensetzen, lialiea seit langen Jahren die Erlaubnis vom (lencralgnnvcmcur hier zu wohnen. Die Lokal Polizei kann bezeugen, dass sic sieh ausschliesslich von ihrem Handwerk und ihrer Tngesarbeit genährt und sich redlich geführt haben. Wir haben liier Familie und eine Wiitschaft. Nunmehr erging plötzlich an uns der Befehl vom Qcncralgouverneur. innerhalb dreier Tage die Stadt zu verlassen und in diejenigen Ortschaften ztirliekziikchren, aus denen wir hezw. unsere Vorfahren naeli Sibirien cingcwaudert oder verschickt worden sind. Wir halten kleine Kinder und durchleben letzt einen rauhen und ausscrordcutlieh kalten Winter. Wir haben keine Aussicht, in den uns /!»gewiesenen Dörfern etwas zu verdienen. Wir bitten flehentlichst, uns vorläufig von unserem mit Milben und vielfachen Entbehrungen erworbenem Herd nicht zu vertreiben." Diese armen Juden ahnen nicht, dass der Ocncrnlgouveriieur blos die Befehle nasführt, die un Ihn von demselben Minister, an den sich die Bittsteller wenden, ergangen sind. Es besteht daher wenig Aussicht, dass diese Bitte den erhöhten Erfolg hallen wird. Jedenfalls charakterisieren diese Vorgänge die Unstetigkeit und Unbestimmtheit der RcgicrungspoJitik gegenüber den Juden . H. * Während cs bisher, ln der Ukrnlna gar keinen Antisemitismus gab. trügt gegenwärtig die nntlon n I c Bewegung In der Ukrnlna einen ausgcsprochen antisemitischen Charakter. Früher war diese Bewegung radikal-fortschrittlich, und sie konnto auch nicht gut anders sein. Nach dom Zirkular dor russischen Regierung vom Jahre 1875 begann für dio Ukraine eine Kepochc der schlimmsten Verfolgungen. Die ukrainische Sprache wurde verboten, die Schulen geschlossen etc. Die verfolgten Ukrainer forderten Freiheit und Gleichheit für sich und alle unterdrückten Natlonon Russlands. Jetzt aber gcnlcssen sic alle Rechte, cs entwickelt sich langsam eine politische Presse In ukrainischer Spracho etc. Aber der Ton In dieser Presse Ist ein ganz an* derer geworden. Man schreibt Jetzt Artikel mit Titeln wio dieser: ״Wodurch schaden uns dlo Jude n?“ Und man liest letzt In der ukrainischen Presso dio alten antisemitischen ״Wahrheiton" dass dio Juden ,schicchto Untortanca «eien, dass sie das Volk ausbeuteten, und schliesslich folgt die ukral• ttlscho Mourot).-Doktrin ״Die Ukralna für die Ukrainer.“ Das Ist ein ganz charakteristischer Umschwung, der freilich dmlilreh nichts* ׳von seiner traurigen Bedcutung für dlo ukrainischen Juden verliert, dass Ihn die Juden aller Orten erlebt haben und ihn noch oft erleben werden, der aber doch wirklich alle die- Jenlgen׳ genügend׳ warnen sollte, die י noch' immer daran glauben, dass' mit der Befreiung eines Volkes auch für dlo Juden, die untc! diesem Volke leben, die Freiheit komme. Oer ade das QegenteiI Ist bis Jetzt überall der Pall gewesen. Und wer aus der Geschichte wirklich etwas lernen will, der kann auch an dieser Wandlung der Dinge in der Ukralna wieder sehen, wie gefährlich es ist, die Juden auf die kommende ״Freiheit" zu Vertrösten, oder sie gar zu Vorkämpfern der Freiheit — anderer zu machen! Finnland Der finnlündischc Senat publiziert soeben eine offizielle Mitteilung, über seine Stellungnahme gegen- Uber den Juden. ״Man verdächtigt uns des Antiscmitlsmus," schreibt der Senat »aber das ist cino unwahre Anschuldigung. Wir wachen nur über die alten Gesetze, die in Finnland über die Juden erlassen wurden, und wir haben diese Qesetze nie verletzt. In der letzten Zeit wurden lediglich 43 Juden und 70 Jüdische Familien ausgewiesen, die In PinniaiiJ kein Wohnrecht hatten." Mau weiss nicht recht, ob das eine Verspottung der öffentlichen Meinung sein soll, oder ob der fintiländische Senat wirklich so naiv ist, das für eine Verteidigung zu halten. Frankreich Wie tief den Prnnzosen im Grunde der Antiscmit Ismus, dessen Vorhandensein der Drcyfusskandal Ja mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt )tat, noch immer im Blute sitzt, das zeigen gelegentliche Voriülte deutlicher als die grossen Ereignisse der Politik. Es genügt, dass man heute in Frankreich öffentlich Dreyfus für schuldig und die Richter des Kassationsliofcs für Schwindler und Verräter erklärt, um ein V 0 i k s h c 1 d zu wcrdc'n. Natürlich ist cs gerade die ״bessere Gesellschaft", die solche eitlen Narren unterstützt. Wie sehr solche ״Demonstrationen" bisweilen uu den Haaren horbeigezerrt werden, zeigt folgender Bericht, den allerdings die ״Deutsche Tageszeitung" bringt: Vor dem Pariser Zuchtpolizclgcrichtshofc kam es am 21. Januar zu einem grossen Skandale. Bekannt- Heil wurden mehrere Mitglieder dor Liga ״Aclion irnneaisc", weil sie im ״Theatre Prancaise" das Stück ״Le Foyer" ausgepfifien hatten, angcklaat. Unter den Angeklagten befand sich auch der bekannte Journalist Andrö Gau eher. Als man ihn vorrief, protestierte er gegen den Polizeirapport und meinte, dass dieser gefälscht sei. Die Richter wollten ihn unterbrechen, aber der Angeklagte fuhr fort: ,.Ich weiss, dass die Ras satlonsric hier Fälscher sind und hätte mich deshalb vorschcn sotlcni" Fortfaltrcnd in seinen leidenschaftlichen Anklagen erklärte er, dass «licKassationsrichtcr.ini Dreyfusprozess einen Gesetzesparagraphen gefälscht Hütten. Daraul verlangte der Vorsitzende Richter, dass er seine Worte zurücknehme, and als sich Gattchcr dessen weigerte, fordertc der Vorsitzende die sofortige Verhaftung und 1 Vcurtcilnng des Angeklagten wegen Beleidigung' der Richter des Kassatlonshofcs. Naeli langen Ausclnan- ן dersetzungen zwischen seinem Rechtsanwälte und den Richtern wurde Qauchcr zu zwei Jahten Gefängnis und sofortiger Verhaltung verurteilt. Das zahlreich erschienene Publikum, das zum grössten Telle den besten Gesellschaftsklassen angchörtc, man!* fcstlcrtc ln begeisterter Welse für Andrd Onttchcr. Der Verurteilte hat während des Dreyfusprozesses eine hervorragende Rolle ecspielt mul mehrere Duelle aiisgcfoclttcn. Er war früher Mitglied der patriotischen Liga und Ist bei tdlcn Demonstrationen gegen die republikanischen Maclitliabcr an der Spitze. Türkei Halm Nahum, Grossrabblncr def Türkei Das grosse Ereignis ist vollzogen: Die lüdisehe Nation im ottomanischen Rclcho hat Ihren Vertreter erhalten. Man kann die Bedeutung dieser historischen Tatsache nicht leicht überschätzen. Nicht mehr und nicht weniger als ein letzter Rest der einstigen völkischen Selbstflndlgkclt der Juden liegt darin beschlossen. Kein anderes Land der Weit als die Türkei gesteht uns soviel autonome Rechte zu und so weitgehende Anerkennung als nationale Körperschaft. Dor Chachombascltl Ist ein wahrhaftiger ffürst In Israel, ein allerletzter Abglanz der nlfen Königs* Jierrilchkelt, ist vor"Staat'und Herrscher; das wffklfche' Oberhaupt unsere(״' Nation, wfev der flJriifrtertUcJio'' P«tri«rch'"äas 'de^'krleehischen.