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Jüdische Rundschau · 1909-02-05 · Heft 6 (5.2.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ו Seite 64. J U E DIS C11 ti KUNPS'CKAU. No. ס, } liat er neue Wege gebahnt. Oie sophistischen Deute• Jcicn im Talmud, die bis auf seine Zeit vorherrschten, hat er vollständig abzuschaficn gesucht. Er ha: auch bisoferu ein regelrechtes pädagogisches System eingeführt, als er anordnctc, dass in den jüdischen Schulen zuerst in der Uibet und in der hebräischen Grammatik, dann in der Mischmi, danu erst im eigentliehen Talmud unterrichtet werden soll, ein System, für dessen Geltendmachung sieh die späteren Maskiiim. besonders J. B. Lewinsohn, so sehr abge• müht Itaben. Wer das geistige Niveau, auf dem in der damaligen /.eit die russisch-polnischen Juden gestanden haben, kennt, der wird ermessen, wieviel ALumesmut erforderlich war, tun eine so g/undlegende Reform zu vertreten und durchzufiihreu. Und wer weiss, ob die späteren Bemühungen für die Verbesserung der jüdischen Erziehung in Russland von Erfolg gewesen wären, wenn nicht der Oaon schon vorher gelebt hätte, dessen Worte für alle Juden wie Ornkclsprüchc galten. Auch hat er in so umfangreichem Masse die Wissenschaften gefordert, wie man es seit dem Üaotiim-Zcitalter in Babylonien und Aegypten nicht kannte. Auf seine Anweisung hat sein Gesinnungsgenosse, der grosse Oclelirte Rabbi Jehosclma Zcitli», auf seinem Oute in Ustjeh hei Mohilcw ein Lelirhaus begründet für alle diejenigen, die mit dem Studium der Tliora und der profanen Wissenschaften sieh befassen wollen. Tür den bekamen Arzt Rabbi Uenjomen wurde auf diesem Oute, ein Laboratorium errichtet für chemische und wissenschaftlich-anatomische Uebimgoii. Ausserdem befand mell dort der gelehrte Rabbi Boruch aus Schklow. der auf Veranlassung des Oaon die matlicmalischen Werke Euklids ins Hebräische übertrug. Der Oaon erkannte, dass die Thora-Weisheit viel verständlicher wird, wenn man auch die nötigen Kenntnisse in den profanen Wissenschaften besitzt. Lr hatte auch ein grosses Wissen in der Logik, der Grammatik und der Mathematik und hat verschiedene seihst verfasste Abhandlungen grammatikalischen mul mathematischen Inhalts!unterlassen. , Seine Schüler nahmen ihn als Vorbild und setzten j sich sogar in Verbindung mit den Bibclkommcntatoren , und AtifkhTimgsmänncrn. die sich damals in Berlin! um Mendelssohn gruppierten. Es entwickelte sieh j zwischen Berlin und Wilna ein Briefwechsel, in dem oft auch die Mittel zur Sprache kamen, die geeignet { wären, das geistige Niveau der jüdischen Nation und; besonders ׳den Sltaud der jüdischen Erziehung zu liehen. Im gewissen Sinuc lässt sich sagen, dass der Oaon cs war. der Wilna zmn Hort der Aufkl.inmgslu'strebiingcn machte. Dieses haben die ersten Maskiiim selbst empfunden. Sic fühlten, dass der Geist des O.imi unter ihnen weile, lind dass ei' ihnen eine Stütze und Zuflucht biete vor der blinden Wut der Rcligiouscifcrcr. Jedenfalls aber haben wir in ihm eine markante Persönlichkeit mit einem, veim auch einseitigen, so doch genialen Blick. Die Sage erzählt, dass der Oaon einen Teil seines Lebens sich aussehicssliel! mit der Bibel beschäftigt habe, und von dieser Warte aus überblickte und beurteilte er alle Litcraturgattungen. die von dort ihren Ausgaiigsptmkt nahmen. Nicht durch seine Bücher, son• dem kraft seiner grandiosen und prägnanten Persuiilichkcit erwarb sielt der Oaon eine bis zur Vergöttcruug gesteigerte Verehrung bei allen Volksschichten. Er war eine geistig-ethische Kraft, die tausende von Jüdischen Seelen befruchtete, und in der sich das Judentum vieler Geschlechter in seinen verschiedenen Eutwicklungs- und Aeussertmgsformcii wieöorspicgeltc. Es war zwar ein vom Uoluslcbcn angekränkeltes und verblasstes Judentum, das imstände war, schweigend und geduldig den Lebensschmerz in sich zu tragen und im Leiden sogar eine gewisse Selbstzufriedenheit zu finden. Aber es war das Judentum der jüdischen Volksseele, makellos, erhaben, heilig. Das historische Judentum mit allen seinen Charakterzhgen und Nuancen fand im Oaon seinen eigentlichen Träger. Die jüdische Ethik mit allen ihren extremen Postulates!, Bescheidenheit, Un• schuld, Keuschheit, im erhabensten Sinne dieser Worte 1 laben sich in der Seele des Oaon verkörpert. Es war die Persönlichkeit eines Oeistesarlstokratcn, der den Adtlsbricf seit vielen Geschlechtern In sieh trug. Er hatte nichts von prahlerischer Aufdringlichkeit, die oft auch bei grossen Männern unangenehm berührt, und buhlte nie um Popularität. So sali der Manu aus. den wir als ersten und hervorragendsten Gegner des Chassidismus kennen, Die Juden in Westfalen In einer Geschichte der Asslmilationsbcstrebungen der deutschen Judenheit werden die westfälischen Judciigcmeindcn einen hervorragenden Platz ein• nehmen. Sie waren es, die sich mehrere Jahre vor der Geburt des politischen Zionismus von dein Stettiner Rabbiner Dr. Vogelstcin ein von jüdischnationalen Schlacken kunstvoll gereinigtes Gebetbuch verschreiben Hessen. Sic haben sich bisher am hartnackigsten und nicht wenig erfolgreich gegen den jüdische» Volksgcdanken gewehrt. In ihrem blinden Eifer, den Gegensatz von Juden und Nichtjuden möglichst zu verwischen durch Leugnen des jüdischen Volkstums und durch einseitiges Horvorheben desjetiigeu, was die jüdische und die christliche Religion an gemeinsamen Moralichrcn besitzen, haben sic eine unverantwortliche Sünde auf sich geladen. Sic haben in der jüdischen Jugend eine erschreckende Unwissen• heit in jüdischen Dingen grossgezogen und dadurch einer verheerenden Gleichgültigkeit gegenüber allem, was jüdisch ist. den Weg gebahnt. Um eine Tatsaelic zu erwähnen: Die grösste jüdische Gemeinde Westfalens hat cs erst vor wenigen Jahren für nötig gehalten, einen Rabbiner anz.ustelleu. Bis dahin wurden die religiösen Bedürfnisse der Gemeinde im Nebenamt befriedigt. Tieferes Interesse für das Judentum, seine Ideen und seine Geschichte, konnte in den .luden, insbesondere der höher .strebenden lugend, hol dem Mangel geeigneter Kräfte nicht waeligerufen werden. Bei dieser Sachlage Ist es wohl nicht verwunderlich, dass die Wissenschaft des Judentums aus den wc>tiäi;s..:;cn .ludengcmeinden kaum einen Jünger au sich gezogen hat, obgleich die westfälischen Juden im ganzen wohlhabend sind und eine relativ giossc Zahl ihrer Söhne den gelehrten Berufen ztiführcu. Das Assimilationswcrbc» ist aber auch in Westfalcn eine vergebliche Liebesmühe gewesen; cs scheiterte an dem kategorischen Nein, das die eingesessene westfälische Bevölkerung ihm entgegensetzte. Die westfälischen Juden blichen nach wie vor unter sich, und cs keimte allmählich in Himalaya, tut Süden glänzte der Nil wie ein zartes Band, es hoben sich schroffe Gipfel aus den Urwäldern Afrikas und ebneten sich wieder unter unseren Blicken. hu Westen ein breites Meer, dann ein langer Landstreifen Amerika. Im Nordwesten die kleine, vielgezaektc Flüche: das war Europa. Und mitten drin ein kleiner, winziger Elcek, ein dunkler Punkt: -- das musste meine Heimat sein.- Die Bewegung hörte auf; wir standen fest. Der König sprach: ״Zeige mir deine Heimat“. ״Herr, man s:cht so wenig davon, und sic ist so winzig von hier oben", cntgcgnetc ich. ״Und .nun erzähle", forderte er mich auf. .,Sprich von deinem Leid, von dem deiner Nächsten in der Heimat" Als ich nun zu sprechen begann, drang die Morgensonne strahlend durch, die Luft klärte sielt und man sah deutlich die Städte auf der ganzen Erde, und darinnen die einzelnen Bauteil. Die Sonne wurde immer strahlender, der Blick tiefer, dass er in elfe Häuser drang. — Dort drüben im Vatikan zu Rom sass ein ehrwürdiger Greis mit einem Buche in der Hand; um ihn viele Ilerron in farbigen Talarcn, Von dort aus zogen siel» Bänder in alle Städte Europas und über alle Meere. Sic einten viele Mil- Honen Manschen und alle hatten sic ein Buch zur Hand. — Und von Zion zog eine Linie weit über die; Lande in abenteuerlichem Gewirr« und darinnen Männer mit Riemen um das Haupt einen hellen Mantel um die Schultern, und sie hielten ein Buch in Händen, Und daun hoben sich viele kleine Gruppen von Männern und Frauen, und sic hielten alle ein Buch. Von Europa bis Asien, bis nach Afrika und über Amerika limntis, — Von Mekka schwebte eine Wolke hernieder auf Jerusalem sic zerteilte sich im ganzen Morgenlaude um bis gegen Süden im schwarzen Weltteil, um in den Nebeln sassen Männer, deren Haupt ven einem Turban umwunden war, und sic hidtci ein Buch. — Und das Sonnenlicht klärte die Luf und ward immer h׳Jler. Die Nebel wichen Und auf all den Büchern glänzte cs in goldener Lettern: ״Die Psalmen Davids!" Das Lieh strahlte und glühte, bis dass cs in die Tieft drang. Die Erde öffnete sich, aus dem Duste! stiegen die Toten, eine ganze Generation — da- Lieht drang weiter, die Erde gab die Toten her■ aus: eine zweite Generation. Und in immci weiteren Tiefen hellte die Sonne das heimliche Düster, dass eine Gesclilcchtsfolgc um die an■ de re zur Höhe stieg, bis dass sic mehr wäret ״ fucln halbes Hundert. Die Städte waren er■ ü von Menschen in allerlei Kleidung, mannig. faltig und seltsam zu schauen; sie sassen in de! Häusern und im offenen Felde, sic drängten siel in der Wüste und fuhren in zahllosen Schiffer Ihnen das Bewusstsein, dass sic für ein!*han.S tont ihr wertvollstes Out a u f« c n e 1» c,! hatten — ihr jüdisches Wissen und ihr iuüisch׳״ ' Empfinden. Sic suchten wieder mit zu machen, u-is; die Väter gesündigt hatten; und cs erstanden; allen Orten Vereine für jüdische Geschichte u״j y.* f teratur. DoJi kann man nicht sagen, dass diese Ver. > 1 eine zur Verbreitung jüdischen Wissens und /ur |r<* j tensivicrung jüdischen Empfindens ncmiuiswuu ■ 1 Leistungen aufzuwdscn' haben — ein natürliches Kf.: 1 gebnis in Anbetracht des Umstandes, dass die Schul,י ■« den Boden für die Saat nicht genügend bearbeitet! I vorbereitet hatte. j i Hierin scheint sich bei den westfälische» Juden' I eine grosse Wandlung zu vollziehen. Im Mim■;!unk; 1 dieser jungen Bewegung steht die grösste Juden«(;. .! tneinde Westfalens. Der Umschwung begann in der!! I Augenblick, als die Dortmunder Gemeinde sie!,;״ der | Person des Rabbiners Dr. J a k o b ein Ob8rha;.!.t et. wählte. Von der Bedeutung dieses Mannes .•:r du י Reorganisation des Gottesdienstes soll hie! njt|1; | : weiter gesprochen werden. Das erscheint unv.cstni. f■ lieh im Vergleich zu dem, was er auf dem Gebiete f der Jugenderziehung in der kurzen Zeit sein«.;. Wir. kens geleistet hat. Unsere Jugend beginnt . ieder jüdisch zu werden. Er hat cs verstanden, i: den.! Heranwachsenden Geschlecht Jtidenstolz und;.icke; zum Judentum waclizuruten. Die jüdische .1• gen. \ 1 in den Obcrklassc» der höheren Schulen, der ׳;shc: | | der Weg zum Judentum künstlich versperrt ba: j jetzt wieder Gelegenheit, am Born der j״u■.ehen \ j Wissenschaft sich zu erquicken. Kurzum ־ b: ä | eine Freude, hier wieder jüdisches Lehe» spr.ws.scr.! | zu selten. Eine liebevolle Behandlung der Ges. ich:. : 1 des jüdischen Volkes liat zu diesem Erfolge 1;ge•; | tragen. Eins muss jedoch als besonders kein:, •.ick.! | itend für den jetzt lierrschendcn Geist des J1.cn;• 1 unterriclits rühmend licrvorgehoben werden di8 .־ Wiederbelebung des bisher vollständig ve1.,ack. | lässigten hebräischen Sprachunterrichts. Die : ar.״• I sehe Sprache wird jetzt mit einer Griindliehkv; gc. pilegt. die irültcr verpönt war und bei viele 1 (k• meindemitgliedcrn auf erbitterten Widerstand stress. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass dieser neue Geist nicht auf die Dortmunder Gemeinde he• schränkt bleibt. Andrerseits ist es klar, dass dk judai.siercnde Tätigkeit des Rabbiners Jak oh nick: 1 nach dem Herzen der assimilationsliisterncn Vertreter , ' der westfälischen Jmlcnsehaft ist. und «lass sic deren Kreise empfindlich stört. Es besteht daher eine hohe Spannung zwischen der alten und der neuen kicli״ tung, die nlicr kurz oder lang zur Entladung kommet, musste. Unerwartet .schnell ist das reinigende 1ic• j Witter heranfgezogen. Die assimilatorische Lehre in Westfalen geht v!>!• Bielefeld aus. Bort sitzt ein Rabbiner C <> b lenz, der hierzulande den Ruf eines guten Kan/c!• redners geniesst, der aber als Rabbiner sich in einen verwunderlichen OutsiJertmn gefüllt und durch snsu | Tätigkeit den Weg anzeigt. «1er auf sichere mul 1k• | »picme Art ans dem Judentum hcrausfohrt. Es kann f j darüber keinen Zweitel gehen, dass dieser •Mann fit einen bedeutenden Einfluss auf einen erheblichen Teil ’ I der westfälischen Judcngemcinde» gewonnen 11.1t - I zum grossen Schaden des Judentums. j Dr. Coblenz hat ein für die Jugend berechnetes f auf den Meeren. Alle aber schauten sic c. por gen Osten. Sic bewegten die Lippen und einten die Stimmen, dass ein mächtiger Chor atifsticg und ein gewaltiges Tönen anlmb. ״Herr, was ist der Mensch, dass du .-ein gedenkest, und des Menschen Kind, dass du ihn so achtest. Ist doch der Mensch gleich wie nichts, seine Zeit fährt dahin wie ein Schalen.“ ,, Euft erdröhnte von dem gewaltigen Singen, und d e Erde erbebte. David hob die Arme hoch — der Chor verstimimte. — Das Bild schwand meinen Bliden.. Ich stand wieder im Saale mit Sera];;, dem blickte^’ V°r dC'״ K0״iR’ dc״ kh fraRC״" an* <h« wissen, was das bedeutet?'* so nahm er das Wort. - Ich nickte. ,Ä der die Idee nicht kermi.־ diesem Ä ISv*U,° Rr°SSC Perspektive von SSÄ a,,s״■־׳“״״* יי* ™י•׳" “־ will׳DCAI1K',l|!,'l!(.""״;lil'; "ic dcr da ״״'■'׳ nickte' or’ ״״!0׳?st an zu begreifen." — Dann ׳V־ ״mlUc״"'“ ' "'ic zunl Absd,icd - ic" KonfIC12SrtW.B8t? ״1־'c^ def, und als ich den Berge 71,,״ s a״d ich auf der Strasse auf «lern vfifb/ri K? 1?mBang zum Abcndmahlsnaie, wo das Grab Davids ist, das den Moslim gehört. 4

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