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Jüdische Rundschau · 1909-02-05 · Heft 6 (5.2.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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No. 6. Seite 62. J U K D l S C H E KU NP SCHAU., (SacUJfuck vaboujn.) וב׳',! Die Judenfra« ln der dritten Reichs-Duma DcrIc 111 von 1״ N. Nisselo witsch, Mitglied der Reichs-Duma. (Schluss.) Die Mitglieder der Opposition jagen gewöhnlich den Juden Furcht ein. iiuluiii sie auf die autiscmitl* sehe Stimmung eines bedeutenden Teils der Duma liinwclseu und führe» xum Beweise dafür die skaiulalösen Ausfälle der l’urischkewltsclis und Markowis an, die von der Dumninaforltiit geduldet werden. Selbstverständlich ist diese Erscheinung uu und für sich eine sehr traurige. Doch 11uigcn mir die Herren von der Opposition es niclit Übel nehmen, wenn ich ihnen zur Antwort gehe, dass sich die Opposit i o 11 selbst zu derartigen Angriffen der Rechten auf die Juden mit derselben (hisse re 11 Indifferenz verhält. wie die Mehrzahl der Oktnhmtcn und (iendissigteu. Ja, ich möchte sogar mehr sagen: ich bin tief überzeugt, dass, wenn die Opposition ein- oder zweimal c 11 c r g i s c 11 gegen derartige abscheuliche Ausfälle protestiert Mitte, wiirden diese unbedingt aiifliören. Ich bin' ferner sogar von der festen Ansicht durchdrungen, dass dio Opposition nach dieser Richtung Hin eine kräftige Unterstützung beim Präsidium und einer bedeutenden Anzahl der Zciitruiiisdeputicrtcn und sogar von Seiten der Gemässigten gefunden hätte, loh bitte, niclit zu vergessen, dass die Opposition nicht weniger als den dritten Teil der ganzen Duma ausmacht; fügt mau noch die linke» Oktolnisteii. die Korrekten ans der Mitte der (lemässigteu, der Nationalisten und sogar der Rechten hinzu, so stellt sieh eine gewaltige, absolute Ihmiain.ijorität heraus. Ich konnte eine ganze Menge Deputierter aus den oben angeführten Fraktionen heim Namen!!erzählen, die die sinn- und zwecklosen Ausfälle der Skamlalisteii der Rechten gegen die Juden missbilligen. Der ganze Schwerpunkt liegt eben nur darin, dass die Oppositioii hu gegebenen Palle die nötige Initiative ergreifen sollte. Midi dünkt, dass cs die Pflicht einer h e s o 11 d e r.e u jüdisch e 11 O r g a 11 i - s .* t i o 11 ist. von unseren Premiden zu f o r d e r n . dass sie den Anfang inaclten, d. h, dass sie eine Ab* wehr gegen die Rechte organisieren, um Beschiiupfungcu der Juden aus deren Mitte vorztibeugen. Darin liegt jedoch gerade das Unglück, dass die Juden selbst sich um die Obhut ihrer ailerseitigcii Interessen wenig bekümmern, dieselbe CdeichgüUigkeit bringen sie der Wurde der ,.monopolistischen" Anführung eines lläuilciiis jüdischer Hauptmacher entgegen, die die W ilu.ier Zeitung ..Der Montag“ sehr drastisch charakterisierte, indem sie sie als die ..Macher" der jüdischen Waiden für die Reichs-Duma bczciclmcte, die nutokratisch im Namen aller Juden Russlands sprechen und handeln, obgleich sie tatsächlich von niemandem dazu bevollmächtigt worden sind. Dies ist jedoch noch nicht die ullerwichtigstc Aufgabe einer besonderen indischen Organisation. Um den Gesetzentwurf über die Gleichberechtigung der Juden In der Reieiis-nutua eiuzureiclicu oder nur zur Beratung der Präge, 01> solch ein Schritt erwünscht mul zcltgcmüss erscheint, zu Jeder rechtzeitig vorgesehenen Operation oder Rede eines jüdischen Deputierten, wie ilheriuuipt zu jedem Schritte in der jüdischen Präge, ist eine komplizierte Vorhcrcitungsarhcit notwendig, die ein einziger Mensch zu bewältigen nicht die Kräfte hat. Eine Organisation, in deren Händen das gesamte Material und alle Berichte filier die Jüdische Präge Hegen würden, die jeden Pulsschlag des politischen Lebens Im Reiche und in der Duma überwachen sollte, die aus gewissenhaften Männern sielt zusaimncnsctzcn; müsste, welche letztere Ihrer Pflichten gegen das jüdische Volk bewusst sind und bereit wären, ilire ן Krähe für das Volkswohl zu opfern, eine solche : Organisation würde unsere .schwachen Kräfte in der j Duma ergänzen und es uns ermöglichen, stets gut! ausgerüstet und nicht auf eigene Gefahr und eigenes! Risiko hin zu handeln, mir der Stimme des eigenen! Gewissens folgend, sondern im Einverständnis und J 1111 Einklang mit der allgemeinen Meinung des jüdi-; sehen Volkes. Ich spreche dabei nicht einmal von! dom Nutzem der von einer solchen autoritativen! Organisation für alle Angelegenheiten des inneren ä jüdische» Lebens zu erwarten wäre, deren sich in ' letzter Zeit »«»viele augeiiäuil Italien, und die ihrer ■ Lösung noch harren, zumal diese Punkte ausserhalb des Rahmens meines vorliegenden Berichtes liegen. ' Viele von denen, die im vorigen Winter als Ver-! trefer jüdischer Angelegenheiten in Petersburg gej wesen sind, um sich an mich um Unterstützung zur; Erreichung günstiger Erfolge in ihren Angelegenheiten zu wenden, waren empört, als ich ihnen erzählte, dass die Jüdischen Anführer in Petersburg infolge beständigen Zwistes und Haders unter sielt selbst, mich in!;einer Weise unterstützten, so dass icli bei dem Kampf mit dem Herrn Snmyslowski anlässlich der Wehrpiliclttablcistuiig der Juden zu billigen Broschüren und veralteten Ziffern und Daten aus dem Buch des seligen Rahinowitscli Zu* flucht neliine» musste, das bereits vor einem Viertel- Jnhr!M1!1;lcrt erschienen war, dass ich zur Illustrierung der innseligeti Ökonom!sehen Lage der Juden im A11skcl,1111gsra.vo!1 von den Daten des verstorbenen »,sulihotiii!!sw, usw. Gebrauch machen musste, weil jene Petersburger Herren mit der Herausgabe irgendwelcher Kopeken-Brosehäre», nm/.losw Blättchen, usw, beschäftigt sind. Ja, sämtliche Herren, die aus der Provinz im verflossenen Winter infolge ihrer Betätigung in der jüdischen Prag,• bei mir vorge* sprachen haben, waren über diese Situation empört. Sie versprachen zwar, sielt nach Rückkehr in ihre ständigen Wohnorte zu organisieren, sie versprachen alle, sich zu ermannen und tätig zu sein. In Wirkliclikeit ist Jedoch einstweilen alles beim atycn ge- Ich komme zum Schluss. Ich zweifle keinen Augenblick, das dasselbe Häuflein von Anführer״, die als meine Widersacher erscheinen, im Besitz cincr tüglicH erscheinenden Zeitung, sich im besten Palle bemühen werden, sich über mich lustig־ zu machen, mitunter auch über mich hcrfallcn und mich der Ah. trünnigkcit von den Losungen der Befreiungsk«.״. ventikcl usw. beschuldigen werden. Gott ist mein Zeuge, dass ich nur die reine Wahrheit gesproenen Imbe. und nicht die Kraft besitze, den Juden ihr organisches Leiden, ihre Desorgauu sation zu verheimlichen, durch die sic tat. sächlich zugrunde gerichtet werden. Indem ich mich im voraus mit den kommenden Angriffen zufrieden geben, bitte ich alle guten Juden, sich ln diesen bescheidenen Zuruf h i 11 c i n z u d c n k c n, und über meine Ausführungen und Vorschläge nicht einzeln, sondern in ganzen Gruppe» zu beraten. Mögen niclit einzelne Persönlichkeiten, sondern ganze Kor. pcrschaften mit der Sprache herv 0 r t r c t e n. Acusscrt, bitte, eure autoritative Ansicht ohne jegliche Beschönigung. Worte der Begutachtung und des Trostes werde icli glcicls schätzen, ebenso die strengste Kritik. ״Teuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen; ' Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich da 1 der Feind, was ich soll." — ' sagt Schiller; und ich bin überzeugt, dass ich unter den Juden wohl Andersdenkende, aber unmöglich : ״Feinde•' finden werde. L. N. א i s s c I o w i t s c h Mitglied der Rcielisdunva. Chassidismus und Haskalah Gedanken über alten und neuen Chassidismus Von S. J. H 11 r w i t z - Berlin. I. Seit den Tagen, da der bekannte ituhsehc »islehrte E. Zweifel’) hir den von der Haskalah ver. pöiiteu Chassidismus eine Lanze gcbr«*cl1eu I1.1t. w erden immer wieder Stimmen laut, die dasselbe X verfolgen. Verschiedene Schriftsteller suchen neue ') Zweifel gehört zu den ungesehensten!1101• sehen Gelehrten Russlands. Sein Werk ..Scholom ,!! Jisroel“ ist. ilnreii den Reichtum des Materials und die Tiefe seiner Gedanken grundlegend für die 1• > scliuiige» auf dem Gebiete des ״Chassidismus". I gesamte hicrliergeliürigc Literatur ist hier zusammen• gefasst. 11ml die nachfolgenden Verherrliclier d.s Chassidismus variieren blos das im wesentlichen v •a ihm < iesagte. Fs ist noch heule lesenswert für alle diejenige», die mit diesem kulturhistorischem Problem iGlu•!• •, ttti* wnriltMt Ein Interview mit König David | (N'aclulrtick verbmen) j Von H. York •Stein er. : (Schluss.) ) Mit einem Male donnerte mir ein kräftiges ) ״Nein!״ entgegen. ״Nein. 0‘clit das ist es, was j meinen Werken ein langes Leben schuf, was j sic uustcrbl’ch macht! Der Gedanke, die Emp-; findnng, denen sie entsprungen sind, das gibt ihnen jene geheime Ueberiebenskrait." Der König ftibr fort: ״.lene grosse Idee, die hier zuhause ist, aus diesem Boden gewachsen, in dieser Lm't schwebend, die ist cs, die meine Psalmen geschaffen hat." Und wieder schloss er die Augen und sprach wie unbewusst: ״Als Samuel kam gen Bethlehem und mich salbte im Namen des Herrn, der war, Ist und sein wird, da kam cs über mich wie ein grosser Stolz, Mir durfte kein Leid gescheiten, dch konnte nicht fchlgclicn, So schlug ich den Philister. Als ich aber sah, wie sündhaft Saul sei, der gesalbte König, da erbebte mein Herz. Und Samuel lehrte mich und wies mir den Weg. Er las mir die Lehre Mosis und ich verstand bald ihre innerste Meinung. ״Gott ist in allem, was da lebet, und alles Seiende ist Gottes und darum ist alles Lebende gleich vor ihm, ausgcwühlt aber jene, die ihn verstehen." In Ziklag auf dem Berge war's, wohin ich vor Saul geflohen mein Leben zu retten und fürchtete den Tod. Da sah ich liintinUM־ in die blühende Welt unter m'r. Die Baume beugten sieb im Wehen des Windes, di׳-• Wasser glänzten im Sonnenlichte, die Aehren schwankten unter der. Last der Körner. Alles voll Leben und Kraft, und ein feierlicher Odem zog über die Erde. Mein , trübes Herz ward irbUHeh. ־meine zerknirsebte i Seele jauchzte. ST erhob sich, sic schwebte! fpei im Raume. Gott zu suchen — und voll seiner j Herrlichkeit kam sic zu mir zurück. So ward! ich Gottes und saug von ihm, der unsterblich ist.״ Die Unterredung begann mich zu «,ntcrcssie. reu. Ich dachte; nicht jeder Schreibersmann wird so ohne weiteres vom König David emp* fangen. Das muss man zu einem regelrechten Interview ausnützen. ״Gestatten Majestät״, begann ich meine Fragen, ״was Sie da sagen, das •ist ja der reine Pantheismus, verwässerter Spinoza! Nach tutfcrer Ueberzetigung haben Sie doch einen e’geneu, genau umschriebenen Nationalgott be* scsscu." Da bekam icli eine Antwort, die mir keine; zu sein seiden. ״Saul war ein König, der erste in Israel. Das Volk wollte seine ganzo Macht in einem Manne sehen. Und Saul fiel, weil er den Gedanken nicht fasste. Das Volk wollte seinen Gern selten, doch er blieb unsichtbar -־ vor ihm her zog der Gedanke. Und ich diente dem Ge* danken, der Gottes ist. Sie aber kamen und baten: Batte ihm einen Tempel, deinem Herrn! — Aber ich baute Gott kein Haus. Doch als s c die Buudcsladc brachten, darin das Wort des Herrn lag. da tanzte icli vor Ute, Und kb sawg rhnt Lieder, dem grossen Gedanken, der uns überliefert war und den mir wir verstanden und kein anderes Volk zu jener Zeit.“ Ich suchte das Gespräch zu wenden. ״Majestät mögen verzeihen, aber Höchstücro Sohn haben doch schliesslich einen Tempel errichtet." Darauf der König: ״Immer drängen die Menschen zum Verkör* pern der Idee, und dann zerstören sic, was sie geschaffen.“ ״Wir meinen,“ warf ich ein, ״dass der Tempel als Mittelpunkt des Reiches auch politischen Zwecken diente." Der König seufzte. ״Es ist ein ewiges Missverstehen l Die den Gedanken haben, suchen die Gewalt, und die Herren der Gewalt wollen die Gedanken beherrschen. — Mein Sohn nahm Frauen aus aller Herren Länder, denn er dachte, die Völker zu

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